Hans Dzieran wurde 75
Vorsitzender der Schulgemeinschaft Realgymnasium/Oberschule für Jungen zu Tilsit (SRT)
und Referent für Öffentlichkeitsarbeit bei der Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit

Am 15. Juni 1929 wurde Hans Dzieran in einer kleinen Zollstatlon an der deutsch-litauischen Grenze geboren und mit Memelwasser getauft. Das Land am Memelstrom prägte seine Kindheit und ließ ihn seine ostpreußische Heimat nie vergessen. Zehnjährig kam er auf die Oberschule für Jungen zu Tilsit. Hier erwarb er das geistige Rüstzeug für seinen späteren Werdegang. Dieser Schule ist er immer treu geblieben und seit er 1995 den Vorsitz in der Schulgemeinschaft übernahm, pflegt er engagiert den Zusammenhalt der über 300 Schulkameraden und bewahrt mit ihnen die Erinnerung an die Tilsiter Lehranstalt.

1944 wurde der Schulbesuch jäh unterbrochen. Die Schule brannte im Bombenhagel, Schanzeinsatz im Osten, Wehrertüchtigungslager, Volkssturm schienen wichtiger, und als der Krieg zu Ende ging, war die Heimat verloren, und die Familie fand im sächsischen Erzgebirge eine Bleibe. Unter schwierigen Bedingungen setzte Hans Dzieran seinen Schulbesuch fort und schloß ihn mit dem Abitur ab. Eine Zulassung zum Studium wurde ihm jedoch wegen seiner "sozialen Herkunft" verwehrt. Als Sohn eines Zollbeamten war er dem Arbeiter- und Bauernstaat nicht genehm. Also wurde er in die sowjetische Wismut AG dienstverpflichtet.

Mehrere Jahre arbeitete er in Aue, zuletzt als Dispatcher, bis er endlich mit 23 Jahren zum Studium durfte.

Er studierte an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Martin-Luther-Universität in Halle Betriebswirtschaft und Ingenieurökonomik des Bergbaus und schloß das Studium mit dem Diplom ab. Postgradual machte er noch das Staatsexamen als Dolmetscher und Übersetzer für Russisch.

Sein weiteres berufliches Schaffen verband sich mit der Redaktion einer technischen Fachzeitschrift für den Erzbergbau, mit dem Aufbau eines rechnergestützten Bergbau-Dokumentationsystems und mit der montanwissenschaftlichen Forschung. Als er 1990 in den Ruhestand ging, konnte er sich einer Aufgabe widmen, für die sein Herz seit je schlug: Für seine ostpreußische Heimat! Er war Mitbegründer der Landesgruppe Sachsen der Landsmannschaft Ostpreußen und über ein Jahrzehnt im Landesvorstand tätig. Sein Wirken wurde mit dem Kulturpreis, dem Ehrenzeichen in Silber und der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft gewürdigt.

Bei seinen zahlreichen Reisen in die Heimat knüpfte er Kontakte zum Militärhospital im Gebäude seiner alten Schule, zum Stadtgeschichtlichen Museum in Tilsit und zu dortigen Regionalforschern. In den Begegnungen mit den heutigen Bewohnern trat er sachkundig für eine wahrhafte Geschichtsdarstellung ein als Grundlage aufrichtiger und gutnachbarlicher Beziehungen. Seine Recherchen zu den militärischen Ereignissen im Januar 1945 und zur russischen Besiedlung in der Region an Memel und Inster fanden ihren Niederschlag in zahlreichen Veröffentlichungen. Auch für die Stadtgemeinschaft Tilsit übernahm er dank seiner Sprachkenntnisse Aufgaben bei der Zusammenarbeit mit russischen Einrichtungen. Seine heimatgeschichtliche Publikationstätigkeit und sein Einsatz für die deutsch-russische Verständigung wurden mit der Verleihung der Bismarck-Medaille gewürdigt.

Anläßlich der Mitgliederversammlung am 09. Mai 1999 in Erfurt wurde Hans Dzieran in den Kreistag der Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit gewählt, und am 29. März 2003 erfolgte in Bad Fallingbostel die einstimmige Wahl in den erweiterten Vorstand - Kreisausschuß - als stellvertretender Leiter des Kreistages und Referent für Öffentlichkeitsarbeit. Wir schätzen uns glücklich, daß er in dieser so wichtigen und herausragenden Stellung seine reichen Erfahrungen in der heimatpolitischen Arbeit einbringt. Auch sei seine ansteckende und fröhliche Art in geselliger Runde besonders hervorgehoben. Die kräftige und wohlklingende Gesangstimme - Machorka her, Machorka her, sonst schaffen wir die Norm nicht mehr ... - kann ganze Tafelrunden begeistern und zum Mitsingen animieren. All' diese Aktivitäten wären nicht möglich, hätte er nicht die Unterstützung durch seine Frau Regina. Nach dem Ausscheiden aus dem Schuldienst, in dem sie fast vier Jahrzehnte tätig war, unterstützt sie nicht nur ihren Mann, sondern setzt sich auch persönlich für die Bewahrung des kulturellen Erbes der Heimat ein. Teilt sie doch - als gebürtige Schlesierin - mit ihrem Mann das gleiche Vertreibungsschicksal.

Ausdruck der tiefen Heimatverbundenheit war u. a. die Feier zum 75. Geburtstag, den Hans Dzieran in Familie, im Kreise von ehemaligen Schulkameraden und russischen Gästen nach langen 60 Jahren wieder in Tilsit beging.

Gesundheit, Wohlergehen und alles nur Gute wünschen der Vorstand, der Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.

Quelle: Heimatrundbrief "Land an der Memel" Nr. 75/2004 Seite 130ff

SRT-Schulgemeinschaft



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verfaßt am 13.01.2005
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letzte Änderung dieser Seite : Dienstag, 1. März 2011