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von Ingolf Koehler
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Am Rande der Stadt, im Tilsiter Vorort Splitter, zwischen dem Splitterer Mühlenteich und der Graf-Keyserlingk-Allee wurde er 1909 angelegt. Er war damit der größte und von der Gestaltung her der schönste Friedhof der Stadt. Im Jahr 1913 entstand als eines der ersten Gebäude seiner Art in Deutschland, das Krematorium. Wegen seiner architektonischen Besonderheit wurde dieses Bauwerk gerne auf Postkarten, in Bilderserien und in Bildbänden gezeigt. Die parkähnliche Gestaltung des Waldfriedhofes regte nicht nur Trauernde sondern auch Spaziergänger zu einem Verweilen in dieser Anlage an, die sich dabei angesichts der zahlreichen Grabsteine auch an Personen erinnerten, die einst das Geschehen und die Weiterentwicklung der Stadt Tilsit mitgestaltet und mitbestimmt haben. |
![]() Bild Links: Das Krematorium auf dem Waldfriedhof zwischen den beiden Weltkriegen (Bild: Archiv Stadtgemeinscnahft Tilsit) |
![]() Bild rechts: ...und das blieb davon übrig. Die Aufnahme entstand im Mai 2000 (Foto:Eleonore Galts) |
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Viele der damaligen Friedhofsbesucher werden sich zurückerinnert haben an die Zeit des 1.Weltkrieges, als im September des Jahres 1914 in der Nähe des Waldfriedhofes, also fünf Jahre nach der Fertigstellung dieser Anlage und ein Jahr nach dem Bau des Krematoriums, in der Nähe Kampfhandlungen zwischen deutschen und russischen Soldaten stattgefunden haben, die auch Spuren hinterlassen haben. Durch Artilleriebeschuß wurde auch das Krematorium in Mitleidenschaft gezogen. Symbolisch für die Kampfhandlungen und für die dabei entstandenen Schäden wurde an der Rückseite des Krematoriums eine Granate eingemauert, die bis zum Ende des 2. Weltkrieges in jener Außenmauer für alle Besucher sichtbar war. Ebenfalls bis zur Räumung der Stadt, kurz vor Ende des 2. Weltkrieges, konnten auch die Gräber von russsichen Soldaten besichtigt werden, die bei den Kampfhandlungen im Jahr 1914 dort gefallen sind. Auch der 2. Weltkrieg bescherte dem Waldfriedhof eine traurige Hinterlassenschaft. |
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Es wurde ein Feld mit Gräbern angelegt für deutsche Soldaten, die in der ersten Phase des Krieges gefallen sind. Birkenkreuze mit den Namen der Gefallenen zierten reihenweise die einzelnen Gräber. Dennoch blieb der Friedhof eine Stätte der Ruhe, bis Tilsit in den Jahren 1944 und 1945 durch Bombenangriffe und Kampfhandlungen stark zerstört und von sowjetischen Truppen erobert wurde. Die deutschen Gräber wurden eingeebnet und die Grabsteine bis auf wenige Ausnahmen entfernt. Auch das Krematorium wurde durch den Krieg und seine Folgen zerstört. Die russischen Gräber von 1914 blieben bestehen, entbehrten aber in den darauffolgenden Jahren jeglicher Pflege. |
![]() Bild links: Frisch angelegte deutsche Soldatengräber während des 2.Weltkrieges auf dem Waldfriedhof. Sie existieren nicht mehr (Foto:Alfred Denk) |
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Der einst so gepflegte Waldfriedhof verkam nach und nach zu einem nicht mehr passierbaren Gestrüpp. Nur noch einige Trümmer weisen auf den früheren Standort des Krematoriums hin. Die Grabsteine wurden weitgehend abtransportiert. Mit Glasnost und Peristroika wuchs auch das Geschichtsbewußstein der heutigen Bevölkerung in Sowjetsk/Tilsit. Es gab Überlegungen von russischer Seite, die alten Tilsiter Friedhöfe wieder herzurichten. In diese Überlegungen wurde auch die Stadtmeinschaft Tilsit einbezogen. In einem Gespräch wies Stadtvertreter Horst Mertineit darauf hin, daß auch zu deutscher Zeit die einzelnen Gräber - bis auf einige Ausnahmen - nur eine begrenzte Nutzungsdauer hatten. Vielmehr schlug er vor, an geeigneter Stelle eine Gedenkstätte für alle Toten zu errichten. So wurde diese Idee auf dem ehemaligen Waldfriedhof mit gestalterischer und finanzieller Beteiligung der Stadtgemeinschaft Tilsit nach und nach umgesetzt. |
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Russische Soldaten gingen daran, das Gelände auf dem Waldfriedhof wieder begehbar zu machen und Wege anzulegen. Etwa 50 m vor dem früheren Standort des Krematoriums entstand das Memorial, in dessen Mittelpunkt ein Kreuz steht. 100 m weiter südlich wurde die Gedenkstätte mit den Russengräbern des 1. Weltkrieges von russischer Seite mit Beteiligung russischer und deutscher Studenten umgestaltet. Die Stadtgemeinschaft Tilsit lieferte hierfür den dringend benötigten Grassamen. |
![]() Bild links: Die umgestaltete Gedenkstätte für die gefallenene russischen Soldaten des 1.Weltkrieges, zu den auch ein rumänischer Soldat gehörte. Im Hintergrund vor dem Obelisk einigeTeilnehmer der Sonderreise der Stadtgemeinschaft Tilsit des Jahres 1995 (Foto:Ingolf Koehler) |
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Symbolisch für alle Gräber wurden die noch verbliebenen Grabsteine über das gesamte Gelände verteilt und aufgerichtet. |
![]() Bild links: Der Gedenkstein aus deutscher Zeit blieb erhalten und wurde in die Umgestaltung einbezogen (Foto: Werner Henke) |
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Beachtung insbesondere bei den deutschen Besuchern finden immer wieder die wenigen verbliebenen Grabsteine, teils ohne Inschriften, teils mit verblaßten Namen, die keiner mehr kennt, die jedoch immer mit einem Leben in Tilsit und mit einem menschlichen Schicksal verbunden sind. Keiner dieser Grabsteine konnte bisher identifiziert werden, bis - ja, bis diese Feststellung im Mai des Jahres 2000 korrigiert werden mußte.. In dem nachfolgenden Artikel "Wenn Steine reden könnten . . ." schildert Eleonore Galts ihre Reise nach Ostpreußen und ihre Erlebnisse auf dem Tilsiter Waldfriedhof. |
| Autor : © 1999 Ingolf Koehler Quelle : Tilsiter Rundbrief Nr. 30/2000 |