Und noch einmal der Waldfriedhof in Tilsit
von Alfred Rubbel

Zur Erinnerung: 2006 wurde auf dem Gelände unseres Waldfriedhofes nach der Umbettung von etwa 900 gefallenen deutschen Soldaten des zweiten Weltkrieges und 86 Bombentoten der Stadt der Friedhof als Kriegsgräberstätte eingeweiht. Außerdem ruhen dort auch etwa 500 deutsche Gefallene und 500 russische Kriegstote des ersten Weltkrieges. Der 1909 eingerichtete Friedhof hat bis 1944 in großer Zahl tote Bürger unserer Stadt aufgenommen. Als einmalige Besonderheit findet man noch heute 20 Grabdenkmale aus dieser Zeit. Die Gräberstätten sind von einem Zaun umschlossen (siehe Karte am Schluß). Das Gesamtareal betreut ein vom Volksbund angestellter russischer Aufseher. Der Bereich der genannten Bürgergräber aus deutscher Zeit wird nicht von ihm gepflegt.

Wir ehemaligen Tilsiter sollten im Gedächtnis behalten, dass diese Grabdenkmale, die als steinerne Zeugnisse bleibend an unsere Begräbniskultur, die 1909, vor hundert Jahren also, dort begann, erinnert. Unser neuer Stadtgemeinschafts-Vorsitzender, Ulrich Depkat, hat anlässlich seines Antrittsbesuches bei den Stadtoberen von Sowjetsk Verbindung mit zuständigen Stellen aufgenommen, um den Plan, die Grabsteine zu reinigen und die Inschriften wieder lesbar zu machen, zu verwirklichen. Der Anfang ist gemacht mit Frau Tamara Kobsar, die früher im Schulwesen tätig war. Sie hat Jugendliche gefunden, welche die Arbeit aufgenommen haben. Dass eine gute Arbeit gemacht worden ist, zeigen die vier Fotos "früher und jetzt". Eingebunden in dieses Vorhaben ist auch die Russische Tilsit-Gesellschaft, so auch die Herren Polunin und Rosenblum.


Grabstein von Christoph Schapals - Vorher war die Inschrift nicht lesbar
Unsere Zielsetzung ist, dass die Arbeit fortgesetzt wird, bis alle bürgerlichen Grabdenkmale "verjüngt" und möglichst lesbar gemacht werden.

Man sollte überlegen, ob danach diese Denkmale dokumentiert/fotografiert werden, um das Ergebnis in einer Sonderschrift der Stadtgemeinschaft zu veröffentlichen. Es ist gut vorstellbar, dass Nachkommen der Verstorbenen, deren Gedenksteine existieren, leben und mit dieser Schrift erreicht werden können. Vor einiger Zeit fragte eine ältere Dame, Frau Kreide, ob das Grabdenkmal der Kreides noch stünde. Ich konnte es bejahen.


Gegenüberstellung des Grabsteines von Herbert Kuhn vor und nach der Restaurierung

Der Schulsprecher der Herzog-Albrecht-Schule, Siegfried Dannath-Grabs, nahm bei dem letzten Tilsitbesuch eine Anzahl Stahlbürsten mit. Damit sind die Jugendlichen, die in den Vorjahren bei den Tilsiter Jugendlagern des Volksbund-Landesverbandes Rheinland-Pfalz an den Soldatengräbern des ersten Weltkrieges gearbeitet haben, erfolgreich ans Werk gegangen. Wir sollten dieses Vorhaben unterstützen, weil es eine einmalige Gelegenheit bietet, an unsere Stadt und ihre Menschen bleibend zu erinnern. Es reiht sich ein in die Gedenkkultur, die mit dem Gedenkstein auf dem Waldfriedhof 2006 geschaffen wurde. Dieser erinnert an die ca. 700 Bombentoten unserer Stadt, die in den Jahren 1943 und 1944 ihr Leben verloren und meist an nicht mehr bekannten Plätzen unserer Stadt ruhen. Diesen Gedenkstein stifteten die ehemaligen Herzog-Albrecht-Schüler. Ich denke, dass wir Lebenden und Überlebenden so auf dem richtigen Wege sind, mehr als Lippenbekenntnisse für unsere Stadt und ihre damaligen Bewohner, die nicht mehr unter uns sind, einzubringen.





Der Gedenkstein für die Tilsiter Bombentoten steht etwa auf der Grenzlinie zwischen dem zivilen und militärischem Friedhofsteil








Autor: © 2009 Alfred Rubbel (einschl. Bilder)
Quelle:
Tilsiter Rundbrief Nr. 39/2009

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© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am 19.12.2009
www.tilsit-ragnit.de
letzte Änderung dieser Seite : Dienstag, 25. Januar 2011