Von der Elektrowerkstatt zum Industriebetrieb
von Ingolf Koehler

Vierzehn Betriebe für Elektroinstallation wies das Einwohnerbuch der Stadt Tilsit im Jahr 1939 auf. Einer dieser Betriebe gehörte Elektromeister Eugen Grigoleit. Der Betrieb befand sich in der Deutschen Straße Nr. 31/32. Wie viele Handwerksbetriebe, so hat auch Meister Eugen Grigoleit im Laufe der Jahre etliche Lehrlinge ausgebidet, die mit handwerklichen Fähigkeiten und umfangreichem Fachwissen ihren beruflichen Weg beschritten, sofern sie nicht Opfer des letzten Krieges und dessen Folgen wurden.

Ein Lehrling, der sich bei Eugen Grigoleit durch hervorragende Leistungen besonders auszeichnete, war Bruno Trebkewitz. Die Prüfung als Elektroinstallateur legte er beim Gesellenprüfungsausschuß der Elektro-lnstallateur-lnnung in Insterburg ab. Lehrbrief und Prüfungszeugnis konnten gerettet werden und weisen aus, daß Bruno Trebkewitz für alle Fächer die Note "sehr gut" erhielt und die Prüfung mit dem Prädikat "mit Auszeichnung" bestand. Dafür erhielt er ein Stipendium zum Studium an der Staats-Maschinenbauschule Gumbinnen. Durch Einberufung zum Arbeitsdienst und zur Wehrmacht und durch die Kriegsereignisse konnte der Elektroinstallateur das Studium nicht antreten.

Bruno Trebkewitz wurde am 18. Januar 1920 in Tilsit-Preußen geboren. Nach dem Schulbesuch absolvierte er von 1934 bis 1938 die schon erwähnte Handwerkslehre. Das zusätzliche theoretische Wissen vermittelte an der Berufsschule der Gewerbeoberlehrer Blum. Dem befähigten Lehrling wurde schon 1936 ein besonderer Einsatz anvertraut: Im Grenzlandtheater fiel ein Beleuchter aus. Intendant Badekow war in Nöten und wandte sich an Elektromeister Grigoleit. So wurde Bruno Trebkewitz neben seiner Berufsausbildung in den Abendstunden zwei Jahre lang als Hilfsbeleuchter eingesetzt - mit Erfolg natürlich.

Die Kriegs- und Nachkriegsjahre unterbrachen den beruflichen Werdegang. Erst 1948, nach Entlassung aus russischer Kriegsgefangenschaft, konnte er sich wieder seinem erlernten Beruf zuwenden. Er ließ sich in Waldeck nieder, nachdem er inzwischen die Prüfung als Werkmeister und Elektromeister abgelegt und ein halbes Jahr als Bootsbauer in einer kleinen Werkstatt seines Vaters am Edersee gearbeitet hatte. Schon 1949 machte er sich selbständig und gründete in der nordhessischen Kreisstadt Korbach die Firma Bruno Trebkewitz - Elektromaschinenbau. Der Zweipersonenbetrieb (Bruno Trebkewitz und Ehefrau Eva-Maria Trebkewitz) war zunächst in einer Baracke untergebracht. Mit primitiven Werkzeugen und Geräten wurden Elektromotoren repariert. Gute Arbeitsqualität und Zuverlässigkeit waren die Grundlagen für eine rasche Expansion des Betriebes. Räumlich und personell konnte sich das Unternehmen erweitern. 27 Mitarbeiter, darunter 8 Lehrlinge, bewältigten Großaufträge in den Abteilungen Industrieinstallation, Steuerungsbau, Elektromechanik und Transformatorenbau. In den Zeiten der Hochkonjunktur wurden 54 Mitarbeiter beschäftigt, die in 2 Schichten arbeiteten. 1980 wurde der Betrieb in eine GmbH umgewandelt. Gründer und Ehefrau wurden zu Geschäftsführern ernannt und die beiden Söhne zu gleichen Teilen am Unternehmen beteiligt. Die Produkte der Firma BRUNO TREBKEWITZ GMBH gehen seither in alle Welt. Großabnehmer ist u.a. der Shell-Konzern, der seine Bohrinseln mit wasserdichten Transformatoren des von dem Tilsiter gegründeten Unternehmen ausstattet. Natürlich ist die Firma Bruno Trebkewitz mit seinem großen Kundenstamm auch in ihrem Umland zu einem festen Begriff geworden. Während seines nunmehr 50jährigen Bestehens hat die Firma 68 Lehrlinge ausgebildet, die als qualifizierte und gute Facharbeiter von der Industrie, der Bundeswehr und der allgemeinen Wirtschaft übernommen wurden und größtenteils in gesicherten Existenzen tätig sind. Auch außerbetrieblich hat sich Bruno Trebkewitz ehrenamtlich für die Belange seines Berufsstandes engagiert. So war er im Vorstand der Elektroinnung Waldeck, als Fachwart für Elektromaschinenbau Vorsitzender im Gesellenprüfungsausschuß und von 1972 bis 1990 als Obermeister seiner Innung tätig. Außerdem wirkte er 15 Jahre im Vorstand des Fachverbandes Elektrotechnik, Bereich Nordhes-sen im Meisterprüfungswesen erfolgreich mit.


Anerkennung findet dieses Engagement in vielen Urkunden und Ehrungen, die dem Elektrofachmann im Laufe seiner ehrenamtlichen Tätigkeiten zuteil wurden. Im Jahr 1996 starb die Mitbegründerin und Ehefrau des Firmeninhabers. Ein Jahr später übergab B. Trebkewitz seinem Sohn Hans-Joachim den Betrieb als alleinigem Inhaber der Firma Bruno Trebkewitz GmbH, nachdem die Erbansprüche des 2. Sohnes Peter geregelt waren. Die sechsundzwanzigjährige Betriebszugehörigkeit seines Sohnes gibt dem Firmengründer die Gewähr, daß der Betrieb erhalten bleibt und in seinem Sinne weitergeführt wird. Den Kontakt zu seinem Betrieb hat der Senior noch nicht verloren. Sporadisch ist er dort immer noch tätig, wenn Hilfe benötigt wird und der Rat des erfahrenen Fachmannes gefragt ist. Immer wieder wird bei offiziellen Anlässen betont, daß sich die Heimatvertriebenen aus dem Osten im Westen integriert und am Wiederaufbau sowie am Wirtschaftsleben der Bundesrepublik Deutschland große Verdienste erworben haben.

Der frühere Tilsiter Lehrling und spätere Industrieunternehmer Bruno Trebkewitz hat erheblich dazu beigetragen, wenn der Weg von Tilsit bis Korbach zuweilen beschwerlich aber auch erfolgreich war.

Autor: © 2000 Ingolf Koehler
Quelle: "Tilsiter Rundbrief " Nr. 30/2000

Handel und Verkehr



© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am 15.10.2003
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letzte Änderung dieser Seite : Dienstag, 25. Januar 2011