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Wann darf er wieder heim?
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Von Hans Dzieran
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Wer dachte schon in den letzten Junitagen dieses Jahres an den 75. Geburtstag des Tilsiter Elches? Einsam und ramponiert stand er in einem abgelegenen Winkel des Königsberger Tierparks. Niemand nahm von ihm Notiz. Was war das doch für ein Tag vor 75 Jahren. Festtagsstimmung herrschte an jenem |
![]() 29.Juni 1928: Ein ereignissreicher Tag auf dem Tilsiter Anger. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wird das Elchstandbild eingeweiht. Im Hintergrund die Häuser der Angerpromenade.(Bild: Archiv Stadtgemeinschaft) |
![]() 63 Jahre später: der Tilsiter Hans Dzieran besucht den Tilsiter Elch in dessen Exil, im Königsberger Tiergarten. Traurig schaut er drein, der Elch, mit amputierter Schaufel undwartet auf die Rückkehr in seine Heimatstadt (Foto: Dzieran) |
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Doch die Zeiten waren nicht mehr so. Schon bald mußte der bronzene Elch einem stählernen Panzer weichen. Er wurde verstoßen und landete erst einmal auf einer Wiese zwischen Stadion und Thingplatz. Ohne Podest - einfach so. Jugendliche gingen mit dem Beutestück nicht sehr zart um. Sie wippten auf seinen Schaufeln und es dauerte nicht langem, bis eine der Schaufeln abknickte. Sie war eines Tages ganz verschwunden. Nach langwieriger Suche wurde sie in einer Altmetall- Aufkaufstelle aufgestöbert und konnte wieder angeschweißt werden. Doch nun waren die Tage in Tilsit gezählt. Der Elch wurde auf höhere Weisung nach Königsberg in den Tierpark verschleppt. |
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Hier stand er nun, niemand behütete ihn. Ebenerdig war er allen Attacken schutzlos ausgesetzt. Die angeschweißte Elchschaufel knickte bald wieder ab, hing traurig herunter. Der zweiten ging es nicht besser, und bald waren beide Schaufeln nicht mehr da. Nun fristet er dort in Ostpreußens Hauptstadt Königsberg, schaufellos und kaum wiederzuerkennen, sein beklagenswertes Dasein. Seine Tilsiter vermissen ihn bei ihren Besuchen in der alten Vaterstadt an der Memel sehr. Aber auch unter den neuen Bewohnern Tilsits gibt es seit einigen Jahren Bestrebungen, den Elch in seine Heimatstadt zurückzuholen. Heimatforscher Rutman startete im Jahr 1993 gemeinsam mit der städtischen Kulturabteilung und dem Museum eine Unterschriftensammlung mit der Forderung "Gebt den Elch zurück!" Königsberg blieb hart. Die Stadtoberen gaben den Elch nicht her. |
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Doch das letzte Wort scheint noch nicht gesprochen zu sein. Am 75. Geburtstag des Elches konnte man in einer Tilsiter Zeitung die fette Schlagzeile lesen: Pora domoi! - Es ist Zeit, nach Hause zu kommen. Kristina Martschenko und Jakob Rosenblum berichteten in einer Dokumentation vom unglücklichen Schicksal des 75jährigen, der fern seiner Heimatstadt die bange Frage stellt: "Wann bringt ihr mich wieder zurück in mein Tilsit?" Jakob Rosenblum schuf eigens zum 75. Geburtstag eine Ansichtskarte, auf der der traurige Lebensweg bildlich nachvollzogen wird mit der Mahnung: Darf er nicht endlich wieder nach Hause? Und auch die Zeitung "Amber. Chronic" ruft ihre Leser auf. vorgedruckte Anträge auszufüllen, um damit eine neue Aktion zur Heimkehr des Elches einzuleiten. |
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Autor: © 2002 Hans Dzieran
Quelle: 1) aus "Preußische Allgemeine Zeitung/Das Ostpreußenblatt" Jg. 54 Nr. 33 vom 16.August 2003 2) "Tilsiter Rundbrief Nr. 33/2003 |