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von Brigitte Bergmann
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Zwischen dem gepflegten Park Jakobsruh und der nach Kiefern duftenden Putschine mit dem Gartenrestaurant "Sonnenbad" lag es, das Wohnparadies Sperlingslust. Sperlingslust - das waren elf Häuser teils mit Holz verschalt, teils aus Stein gebaut und verputzt. Darunter waren Viergiebelhäuser mit jeweils vier bis sechs Wohnungen mit Bodenkammer, WC und Keller. Zu jeder Wohnung gehörte ein Garten. Die Endwohnungen konnten größere Gärten anlegen als die , die in der Mitte lagen. Hier wurde das ganze Jahr über gesät, gepflanzt und geerntet. Besonders gut in Erinnerung sind mir die zahlreichen Fliederbüsche geblieben, welche im Frühjahr so herrlich dufteten. Zwischen den Häusern befanden sich Stallungen und ein Hof für Gerätschaften, auch Kleintiere wurden gehalten. Neben den Stallungen befanden sich die Waschhäuser, für die man sich den Schlüssel beim Verwalter, Herrn Prapolinat holen musste. Hinter den Wohnhäusern, die direkt an die Putschine grenzten, befanden sich drei Wäschetrockenplätze, da die Wäsche noch grundsätzlich an der Luft getrocknet wurde. Unser Kaufmann und Kolonialwarenhändler, die Familie Pladies, hatte einen Waschraum zum Wäscherollen eingerichtet. Ein schwerer großer Holzkasten, der mit Steinen gefüllt war, drückte auf die mit Wäsche umwickelten Holzrollen, wenn man die Kurbel drehte. Uns Kindern machte es großen Spaß, der Mutter zu helfen. Der weiche Zuckersand zwischen den Häusern reizte uns Kinder dazu, den ganzen Sommer über barfuß zu laufen. Auch ein großer Sandberg gehörte zu unserem Paradies, auf dem alle Kinder groß und klein nach Herzenslust graben und bauen konnten. Es entstanden wahrhafte Kunstwerke aus dem gelben Sand. Die größeren Jungen bauten Schiffe und Tierfiguren, die Mädchen Stuben und Kaufmannsläden. |
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Im Winter ging es zur Achtbahnen-Rodelbahn oder zum Gartenrestaurant "Sonnenbad", zur gespritzten Schlittschuhbahn und dem riesigen Rodelberg mit steiler Kurve. Alles war mit wenigen Schritten zu erreichen. Die mutigsten Jungen, mein älterer Bruder und seine Freunde fuhren den Berg oft mit Schlittschuhen hinunter. |
![]() Bild links: Das Beerenfeld auf dem Grundstück Sperlingslust Nr. 9. Die Familie Fritzsche beim ernten und - naschen. Im Hintergrund das "Viergiebelhaus" Nr. 3. Einsenderin:Brigitte Bergmann |
![]() Bild rechts: Das Gartenrestaurant "Sonnenbad" der Familie Bigga, zwischen Grünwalder Straße und Putschine. Foto: Archiv Stadtgemeinschaft Tilsit |
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Vor unseren elf Häusern befand sich bis zur Grünwalder Straße ein Kartoffelfeld. Dort machten die großen Jungen im Herbst Kartoffelstrauchfeuer. Es war unvergesslich für uns Kinder der Siedlung, die geschmorten Kartoffeln zu futtern. Teilweise wurde das Feld als Fußballplatz genutzt. Die Stadtverwaltung hatte ein Einsehen und spendierte zwei Tore, damit es perfekt war. Gleich daneben befand sich das Hindenburg-Stadion mit seinen zahlreichen Trainingsplätzen, verwaltet von Familie Ermisch. Der Haupteingang war in der Grünwalder Straße. Der Hintereingang lag gleich ein paar Schritte von unseren elf Häusern entfernt in der Putschine. Mein älterer, sportlicher Bruder Manfred hat dort manchen Leichtathletik-Wettkampf mitgemacht. Zwischen Putschine und Jakobsruh befand sich das "Litauische Häuschen". Familie Sternberg war der Pächter. Im Sommer halfen die Jungens bei der Eiszubereitung. Die Roheisstangen wurden vom Schlachthof mit dem Handwagen geholt, in Stücke zerklopft und in einen Eisbottich gelegt. Anschließend wurde mit der Hand die Kurbel gedreht und damit die köstliche Eismasse gefroren. Die Mädchen halfen oft mit beim Servieren im Garten, um sich ein paar Dittchen Taschengeld zu verdienen. Das machte großen Spaß. |
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Alle Wohnungen der Häuser waren vermietet, und die Kinderschar war groß. Es waren alle Jahrgänge vertreten. So bot unser Sperlingsluster Paradies im Sommer wie im Winter unendlich viele Gelegenheiten zum spielen. Es wurde verstecken gespielt, Hopsche, Ballspiele, Klipp, Dosefritze, "Wir kommen aus dem Morgenland", Zirkus und vieles mehr. Man konnte diese unsere Wohnanlage Sperlingslust nur Paradies nennen! |
| Autor: Brigitte Bergmann geb. Fritzsche Quelle: Tilsiter Rundbrief Nr. 34/2004 |