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Gut 200 Jahre alt ist sie geworden, die Napoleonslinde auf dem Drangowskiberg in Tilsit-Senteinen, als man sie am 22. März des Jahres 2010 fällte. Die Frage nach der Notwendigkeit wird vordergründig wohl damit erklärt, dass der Baum altersschwach und, wie vermeintlich sichtbar, im Stamm hohl war und eine Gefahr darstelle. |
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Erkrankungen eines Baumes zeigen sich Jahre vorher bereits an, die Belaubung wird lichter. Grund für die Entfernung dürfte nach meiner Einschätzung hauptsächlich darin zu sehen sein, dass die Linde den Häuslebauer gestört hat: a) auch weil das Haus nur etwa 20 m entfernt steht und b) man im kommunalen Bereich nach der Gedenkveranstaltung des Tilsiter Friedens 2007 nachzudenken begann, dies einzige noch verbliebene Relikt von 1807 irgendwie aus seiner Anonymität herauszuheben. Dies könnte den privaten Interessen in Baumnähe zuwiderlaufen. Die Zweifel an der Authenzität der Napoleonslinde, die, kaum gesichert, vornehmlich von der Museumsleitung des Tilsiter Museums kamen, blieben aus, als vor einigen Monaten in einem kurzen Fernsehspot des NDR die Napoleonslinde von der Museumsleitung vorgestellt wurde. |
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Umfassend habe ich im 38. Tilsiter Rundbrief über die Napoleonslinde berichtet. Mich hat die Nachricht von der Baumfällung betroffen gemacht. Ich wiederhole mich, wenn ich erneut schreibe, dass ich „im Schatten der Napoleonslinde" groß geworden bin. Mehr als die noch heute erhaltenen Bäume in unserem, dem Napoleonsgarten, hatte die Linde für mich einen hohen mentalen wie historischen Stellenwert. |
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Ein Stück überkommene Vergangenheit, an dem Erinnerungen an Zuhause festgemacht wurden, gibt es nicht mehr. |
| Autor: © 2010 Alfred Rubbel Quelle: "Tilsiter Rundbrief" Nr 40/2010 Bilder: Jakow Rosenblum |