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von Hans Dzieran
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Die weltweite Krise machte sich auch in unserer Heimatstadt bemerkbar. Die Schließung mehrerer Betriebe (Fernsehgerätewerk Stella, Konfektfabrik Ruta u.a.) führte zum Anwachsen der Arbeitslosenzahl und zu rückläufigen Steuereinnahmen im städtischen Haushalt. Zahlreiche kommunale Vorhaben mußten gestrichen werden. Fortschritte gab es nur bei zwei zentral finanzierten Projekten, die der Stadt größere Attraktivität verleihen sollen. Das ist zum einen der Neubau einer Schule für 1000 Schüler mit Turn- und Schwimmhalle in Kallkappen, weiterhin der Bau eines Sport- und Erholungszentrums am Mühlenteich auf dem Gelände der ehemaligen Tennisplätze. Hier werden ein Hallenbad, Sporthallen und Fitnesseinrichtungen entstehen. Ständige Kontrollen auf den Baustellen sorgten für einen zügigen Baufortschritt ohne nennenswerte Unterbrechungen. OB Smilgin will Tilsit vor allem für junge Menschen attraktiver machen, damit diese nach dem Studium in die Stadt zurückkehren. Große Erwartungen ließ die Errichtung des Kernkraftwerkes in unmittelbarer Nachbarschaft der Stadt entstehen. Tilsits OB war bei der Grundsteinlegung zugegen, die mit einem festlichen Zeremoniell begangen wurde. Der Generaldirektor der staatlichen Gesellschaft Rosatom", Sergej Kirijenko, versicherte in seiner Ansprache, dass mit der Beschäftigung von 8000 Arbeitskräften in der Bauphase und mit 1100 Mann Stammpersonal positive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt zu erwarten seien. Auch die Infrastruktur werde profitieren. Allein der Antransport riesiger Mengen von Baustoffen und Ausrüstungen für die Großbaustelle ist ohne den Ausbau von Verkehrswegen und Umschlagplätzen nicht realisierbar. Weder das Schienennetz noch die Flußschiffahrt genügen den hohen Anforderungen. In einem Strategiepapier ist für die nächsten sechs Jahre in Abstimmung mit dem Rosatom-Konzem die Entwicklung Tilsits zu einem leistungsstarken Transport- und Logistikzentrum vorgesehen. Schwerpunkte sind die Modernisierung des Güterbahnhofs, der Bau eines modernen Flusshafens und die Errichtung einer neuen Brücke über den Memelstrom. Auch für den Wohnungsbau ergibt sich eine hoffnungsvolle Perspektive. Für die künftige Belegschaft des Kernkraftwerks wird keine neue Wohnsiedlung gebaut, sondern für sie wird Wohnraum in Tilsit geschaffen. |
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Damit ist gleichzeitig die Möglichkeit gegeben, die bereits vorhandenen Kultureinrichtungen wie Theater und Museen sowie Sportstätten optimal zu nutzen. Es war sehr bemerkenswert, dass sich im Denken der heutigen Bewohner das Interesse an der historischen Vergangenheit der Stadt am Memelstrom energisch Bahn brach. Seit den Feierlichkeiten zum 200. Jahrestag des Tilsiter Friedens erfreute sich die Königin Luise zunehmender Beliebtheit. Eine ihr gewidmete Ausstellung fand große Beachtung. In Bildtafeln und Exponaten wurde die geschichtliche Rolle der preußischen Königin bei den Tilsiter Friedensverhandlungen und ihre Verehrung durch das preußische Volk dargestellt. Anlässlich des Stadtfestes war die Königin an ihrem alten Standort im Park Jakobsruh zu bewundern, allerdings vorerst symbolisch, dargestellt von Schauspielern. Oberbürgermeister Smilgin wertete die Präsentation als einen verheißungsvollen Anfang und verkündete unter großem Beifall, dass ein Luisendenkmal wieder her müsse. Die finanzielle Seite soll durch Spenden, Sponsoren und eine Lotterie gefördert werden. Interessant war auch, dass im vollbesetzten Stadttheater der Uraufführung des UFA-Films "Die Reise nach Tilsit" vor genau 70 Jahren gedacht wurde. Besonders die Passagen aus dem Tilsit der Vorkriegszeit mit dem einzigartigen Panorama und dem Flair der Vergangenheit fanden das neugierige Interesse der Zuschauer. Eine sensationelle Entdeckung machte man bei der Renovierung einer Säulenhalle in der nun leerstehenden Dragonerkaserne. Dort fand man unter Putz- und Farbschichten 36 Wandfresken, auf denen in Goldbuchstaben alle Gefechte verzeichnet sind, an denen das 1. Dragonerregiment "Prinz Albrecht von Preußen" seit seiner Gründung unter dem Soldatenkönig teilgenommen hatte. Restauratoren aus St. Petersburg waren um die Wiederherstellung bemüht. Noch vor einigen Jahren hätte man Hinterlassenschaften aus deutscher Zeit kaum Beachtung geschenkt. Die gemeinsamen Bemühungen der Stadtgemeinschaft Tilsit mit der russischen Gesellschaft "Tilsit" haben begonnen, Früchte zu tragen. |
| Autor: © 2010 Hans Dzieran, Vorsitzender der Schulgemeinschaft SRT (Realgymnasium/Oberschule für Jungen zu Tilsit) ; Quelle: SRT-Mitteilungen Nr. 56/ Mai 2010 |