|
|
|
von Hans Dzieran,
|
|
Zunächst wurde wieder einmal gezählt. Man kam auf 43.900 Einwohner. Das war wichtig, weil in diesem Jahr die Bürger gleich zweimal zu Wahlen aufgerufen wurden, im März zur Präsidentenwahl und im November zur Kommunalwahl. Im Vorfeld der Wahlen fanden Einwohnerversammlungen statt, auf denen mit Kritik nicht gespart wurde. Es ging vorrangig um kommunale Probleme: Mängel in der Gebäudeinstandhaltung, im städtischen Nahverkehr, in der Müllabfuhr und bei der Straßenreparatur. Die Wahlbeteiligung fiel bescheiden aus. Bei den Präsidentenwahlen betrug sie 48%, bei der Kommunalwahl gar nur 23%. Hoffnungsträger Putin erhielt 72 % der Stimmen. Bei der Kommunalwahl ging es um die Wahl der Abgeordneten für das Stadtparlament. 73 Kandidaten bewarben sich um die 20 Sitze und rangen um die Gunst der Wähler. Das neue Stadtparlament wird in den nächsten 5 Jahren Einfluß auf die Geschicke der Stadt nehmen. In seiner konstituierenden Sitzung wählte es Frau Sedych zur neuen Stadtpräsidentin. |
|
Ausgehend von den guten Erfahrungen des Vorjahrs gab es wieder ein Stadtfest.. Es gelang, die Vorbereitungen in das internationale Festival "Blumen ohne Grenzen" einzubinden und dafür die finanzielle Beteiligung der EU und Dänemarks zu sichern. Allerdings mussten zahlreiche Vorhaben wie Feuerwerk, Disko und Blaskonzertwegen der tragischen Ereignisse in Beslan kurzfristig abgesagt werden. Perspektivische Beratungen gab es in der Partnerstadt Kiel. Eine Delegation unter Leitung von Stadtpräsidentin Sokolowa nahm an den Feierlichkeiten "50 Jahre Patenschaft Kiel-Tilsit" teil. Dank dieser Patenschaft hat sich bekanntlich in den letzten zwölf Jahren eine Städtepartnerschaft Kiel-Sowjetsk entwickelt. Bei den Gesprächen im Kieler Rathaus ging es u.a. um die Projekte "200 Jahre Tilsiter Frieden" und "100 Jahre Königin-Luise-Brücke". Zur Wiederherstellung des Parks Jakobsruh bot die Stadt Hilfe bei der Beantragung von EU-Mitteln an. Stadtpräsident Dr. Arne Wulf gab bei einem gemeinsamen Essen die Absicht bekannt, im Jahr 2005 der Stadt Sowjetsk einen Besuch abzustatten. Die Vorbereitungen zum 200-jährigen Jubiläum des Tilsiter Friedens riefen auch den in Moskau residierenden französischen Botschafter auf den Plan. Mit großem Gefolge und Journalistentroß kam er nach Tilsit und suchte nach Stätten, die an den Aufenthalt Napoleons erinnern. Frankreich wird den Friedensschluß auf historischem Tilsiter Boden gebührend feiern. |
|
Das industrielle Profil der Stadt bestimmen gegenwärtig 3 Unternehmen: Die ehrwürdige alte Zellstoffabrik mit 37 % Anteil an der städtischen Warenproduktion, gefolgt von den beiden neuerrichteten litauischen Unternehmen Stella und Viczunai. Die Zellstoffwerke mit 2.280 Beschäftigten hatten eine Jahresproduktion von 70 Mio t Zellulose und 20 Mio t Papier. Die Stella-Werke fertigten monatlich 25.000 Fernsehgeräte. Viczunai konnte seine Beschäftigtenzahl auf 840 erhöhen und die Herstellung von geräucherten Fischerzeugnissen auf 701 pro Tag steigern. Im Oktober wurde nach mehrjähriger Bauzeit die Schleusenbrücke wieder für den Verkehr freigegeben. Die Umleitung, des Transit- und Schwerlastverkehrs über die Sommerstraße hatte zu Dauerprotesten geführt. Mit großer Eindringlichkeit sind die Einwohner aufgerufen worden, ihre auf mittlerweile 12 Mio Rubel angewachsenen Schulden an Wasser- und Abwassergebühren zu begleichen. Das Geld werde dringend für Ersatzinvestitionen an Wasserleitungen und Kanalisationsrohren gebraucht, die alle noch aus den Anfangsjahren des vorigen Jahrhunderts stammten und zu 85 % verschlissen seien. Großer Wert wird auf die Feierlichkeiten zum 60Jahrestag des Sieges gelegt. Eine Kommission unter dem Vorsitz von Oberbürgermeister Swetlow tagte mehrfach, um dem Gedenktag einen würdigen Rahmen zu geben. Welche Gäste eingeladen werden ist bisher noch nicht bekannt. |
| Autor: © 2000 Hans Dzieran, Vorsitzender der Schulgemeinschaft SRT (Realgymnasium/Oberschule für Jungen zu Tilsit) ; Quelle: SRT-Mitteilungen Nr. 44/ März 2005 |