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von Hans Dzieran
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Es sind litauische Investoren, die in letzter Zeit zur wirtschaftlichen Belebung der Stadt beigetragen haben. Sie profitieren von Niedriglöhnen und günstigen Absatzmöglichkeiten. Auch erfreuen sie sich der besonderen Aufmerksamkeit des Gouverneurs Jegorow, der bei mehreren Besuchen in Tilsit den litauischen Unternehmern seine Reverenz erwies. Die Vyczunai-Russ AG schuf 450 Arbeitsplätze. Sie produziert täglich 60 t Krabbenstäbchen. Die litauische Firma Stella-Plus nahm die Fertigung von monatlich 18.000 Fernsehgeräten auf. Die Sowlit AG hat ihr Sortiment auf 18 verschiedene Fruchtsäfte und Mineralwässer erweitert. Unterstützung finden die Investoren von jenseits der Memel im litauischen Konsulat, das im Juli dieses Jahres in der ehemaligen Fabrikstraße neben der Katholischen Kirche seine Tätigkeit aufnahm. Neben der Förderung von Business und Kultur besteht ein Großteil der Arbeit in der Ausstellung von Visa, die nach den EU-Richtlinien erforderlich werden. |
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Das größte Wirtschaftsunternehmen der Stadt, das Zellstoffkombinat, hat ernste Probleme bekommen. Das Umweltministerium der Russischen Föderation führt Klage wegen fortgesetzter Verunreinigung des Memelstroms durch belastete Industrieabwässer. Die geforderte Umstellung auf ein biologisches Reinigungssystem wird einen Zeitraum von 7 Jahren in Anspruch nehmen und Kredite der Europäischen Zentralbank in Höhe von 55 Mio Euro erforderlich machen. Die Menschen in Tilsit halten immer noch Ausschau nach Licht am Ende des Tunnels. Sie haben es schwer. Mit dem Kälteeinbruch zu Beginn des Jahres wurde die zentrale Wärmeversorgung abgestellt. Grund war die ungenügende Heizölbevorratung in der städtischen Kraftzentrale. Mit einer Protestkundgebung versammelten sich am 11. Februar die frierenden Tilsiter vor dem Rathaus und forderten mit Plakaten und Sprechchören rasche Abhilfe. Die Kälte führte in vier Fällen zum Tod durch Erfrieren. Erfreulich ist, daß im September der Abzweig einer Erdgasleitung nach mehrjähriger Bauzeit den südlichen Stadtteil Kalkappen erreicht hat. Damit besteht baldige Aussicht auf Stabilisierung der Brennstofflage. |
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Unverändert ist die Situatiuon bei der seit einem Jahr wegen Baufälligkeit gesperrten Schleusenbrücke. Die Umleitung des gesamten Schwerlast- und Transitverkehrs aus Richtung Ragnit über die Sommerstraße hat zu ernsten Straßenschäden geführt. Das mit der Sanierung der Schleusenbrücke beauftragte Königsberger Projektierungsinstitut trat vom Vertrag zurück und das Vorhaben mußte neu ausgeschrieben werden. Nun will sich ein Forschungsinstitut im 1000 km entfernten Woronesch mit dem Auftrag befassen. In unserer Schule (Anm.: Realgymnasium/Oberschule für Jungen zu Tilsit) gab es wieder einmal einen Wechsel in der Chefetage. Zum neuen Kommandeur des Militärhospitals wurde der bisherige Chefchirurg, Oberst Dr. Beloussow ernannt. Er hat zugesichert, jeden ehemaligen Schüler, der sich bei ihm meldet, durch das Schulgebäude zu führen. Mit Betroffenheit mußten wir im März erfahren, daß Prof. Rutman verstorben ist. Er war den alten Tilsitern zugetan und sehr bemüht, den jetzigen Bewohnern der Stadt das kulturgeschichtliche Erbe und die historische Vergangenheit der Stadt nahezubringen. |
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Anläßlich des 75.Jahrestages der Einweihung des Tilsiter Elchstandbildes wurde in Tilsit eine neue Kampagne zur Rückkehr des bronzenen Elches gestartet. Jakob Rosenblum und ein Tilsiter Lokalblatt fragten mit Aufrufen und Unterschriftensammlungen: Wann kommt er endlich heim? Der Elch erlebte seinen 75.Geburtstag, traurig und beider Schaufeln verlustig, in einer Ecke des Königsberger Tierparks. Das städtische Museum machte mit einer eindrucksvollen Personality-Ausstellung auf das künstlerische Schaffen von Jakob Rosenblum aufmerksam. In seinen Fotos kommt die tiefe Verbundenheit mit der Stadt am Memelstrom zum Ausdruck. Abschließend vielleicht noch eine Bemerkung zur wachsenden Kriminalität. Auf einer Stadtkonferenz forderte Staatsanwalt Bondarenko energische Anstrengungen zur Verbrechensbekämpfung. 16 Morde im Jahr zuvor seien für eine Stadt wie Tilsit entschieden zu viel. |
| Autor: © 2003 Hans Dzieran, Vorsitzender der Schulgemeinschaft SRT (Realgymnasium/Oberschule für Jungen zu Tilsit) ; zusammengestellt aus Nachrichten der Tilsiter Stadtzeitung "Wjestnik" Quelle: SRT-Mitteilungen Nr. 41/2003 |