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Von Ingolf Koehler
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Fast jeder ältere Tilsiter und natürlich auch viele Bürger aus den Landkreisen Tilsit-Ragnit und Elchniederung kannten dieses größte Kaufhaus in der Deutschen Straße/Ecke Wasserstraße. Erinnerungen an die Geschichte dieses Kaufhauses wurden wieder lebendig bei Gesprächen auf der Ostsee während der Sonderreise der Stadtgemeinschaft Tilsit über Memel/Klaipeda nach Tilsit. Wolfgang Debler war Mitreisender dieser Sonderreise und Gesprächspartner über die Vergangenheit des Kauhauses. Bei dieser Reise traf er auch einen Vetter mit seiner Familie wieder. Beide Familien hatten sich längst aus den Augen verloren und lernten sich nun wieder kennen. Zeit und Gelegenheit für ausführliche Gespräche gab es während der Seereise genug. Hierbei konnte Wolfgang Debler, der Sohn von Artur Debler, einem der Firmengründer, dem Verfasser dieses Artikels, einiges über die Firmengeschichte dieses Familienunternehmens erzählen. Weitere Details folgten später schriftlich. Die Firmengeschichte begann zunächst am Schenkendorfplatz 4, wo die Brüder Artur und Ewald Debler ein kleines Textilgeschäft gründeten. Dieses Geschäft existierte dort bis 1938. Das Kaufhaus in der Deutschen Straße 62/Ecke Wasserstraße betrieb die Kaufmannsfamilie Bräude unter dem Firmennamen Max Bräude bis 1938. Herr Bräude war jüdischer Mitbürger und konnte sich noch rechtzeitig der politischen Verfolgung entziehen und emigrierte. Er bot sein Geschäft unter drei Bewerbern zum Verkauf an. Den Zuschlag erhielt dann die Firma Gebr. Debler. |
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Während des Krieges war Artur Debler Soldat. So führte dessen Bruder Ewald das Kaufhaus während des Krieges weiter, bis es 1944 durch Bombenangriffe zerstört wurde. Wie ging es nun weiter? Die Ehefrau von Artur Debler flüchtete mit ihren Söhnen zunächst nach Königberg und an die Samlandküste nach Georgenswalde. Dort wurde der vierte Sohn geboren. Mit nunmehr vier Söhnen, acht, vier und zwei Jahre alt und dem Säugling ging die Flucht weiter, teils mit dem Zug und teils mit dem Treck. Über verschiedene Zwischenstationen erreichte die Mutter mit ihren Kindern in Niedersachsen den Ort Rotenburg an der Wümme. Von dort landete die Familie schließlich bei einem äußerst hilfsbereiten Bauern in dem kleinen Dorf Rahnhorst, wo sie auch die Kapitulation erlebte. Vater Artur Debler kam im August 1945 aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft zurück. Für ihn begann ein beruflicher Neuanfang, was ihm auch mit Hilfe früherer Lieferanten gelang, wenn auch zunächst recht bescheiden. Für die Kinder der Familie Debler waren die vier Jahre beim Bauern eine schöne Zeit. Zusammen mit den Kindern des Dorfes lernte die Flüchtlingsfamilie das Leben auf dem Lande und die bäuerliche Mentalität kennen. |
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Mit der Währungsreform begann für Artur Debler der berufliche Aufstieg. So wurde in Verden an der Aller ein Textilhaus aufgebaut, das mehrmals verbessert und im Sortiment verändert wurde, zuletzt als Bettenhaus. Wie einst in Tilsit, wurde der Name Debler auch in Verden zu einem Begriff. 60 Jahre existierte dort die Firma Debler, im letzten Abschnitt der Firmengeschichte, unter der Leitung von Wolfgang Debler. Mangels Nachfolger wurde das Geschäft im Jahr 2008 aufgegeben. Ewald Debler, der Mitbegründer des Tilsiter Unternehmens, gelang die Flucht über Dänemark und endete in Lüneburg, wo er noch vor der Währungsreform starb. |
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Im Frühjahr 2010 fuhren die Familien Wolfgang und Hugo Debler mit der Tilsiter Reisegruppe über See und mit dem Bus nach Tilsit. Natürlich gehörte zu eiern Rundgang durch die Stadt auch der Schenkendorfplatz und die Deutsche Straße, wo einst die Geschäfte der Gebrüder Debler waren. Groß war die Enttäuschung, besonders in der Deutschen Straße, wo nur noch wenige Häuser aus deutscher Zeit existieren. Hier dominieren jetzt monotone Wohnblocks. Am ehemaligen Eckhaus am Schenkendorfplatz existierte einige Jahre das Restaurant "Druschba" (Freundschaft). Diese Räumlichkeiten sind jetzt ungenutzt. Zwei Tage später hielt sich die Reisegruppe programmgemäß für kurze Zeit am Ufer der Memel in Untereißeln auf. Vielleicht nutzten die Deblers diesen Ausblick über die Memel ins Memelland, um von den negativen Eindrücken der Vortage ein wenig Abstand zu gewinnen, denn hier hat sich die Heimat kaum verändert. |
| Autor: © 2010 Ingolf Koehler Quelle: "Tilsiter Rundbrief" Nr 40 / 2010 |