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von Rudolf Kukla
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Gewiß hat es an den Westenden der Hohen oder Deutschen Straße wirklich einmal regelrechte Tore gegeben; - (vgl. Joost/Koehler- "Altes und Neues aus Tilsit" - 1983 - "Die Hohe Straße"), aber kein noch lebender Alt-Tilsiter hat jeweils ein solches dort entdecken können. Also gehörten sie gewissermaßen zum poetischen Gesamtbild der Stadt mit ihrem von Kindheit an vertrauten Getriebe. |
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Auf einem älteren Stadtplan (1921), sind zwar mehr Straßenbahn-Linien eingezeichnet, als ich sie selbst noch kannte, z.B. eine Abzweigung Clausius-, Landwehr-, Magazinstraße nach Jakobsruh; sowie Hohes Tor, Kasernenstraße, Deutsche Straße zum Fletcherplatz, - aber deren Gleisanlagen gab es gemäß meiner Erinnerung nicht mehr. -- |
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Demnach herrschte am Deutschen Tor gewissermaßen Ruhe; - nun ja, sofern man davon absieht, daß sich am Dreieck aus Angerpromenade, Hospitalstraße, Kapellenweg bisweilen Abwechslungsreiches abspielte: Wie übrigens, etwas entfernt davon, in der Schlachthofhalle, rechtsseitig der Hospitalstraße, z.B. Fleischer ohne eigenes Geschäft ihre Produkte feilboten, - so bauten sich hier, in der Regel aber nur an Wochenenden, einige Obst- und Gemüsestände auf, an denen lautstark gehandelt wurde. - In unregelmäßigen Abständen tauchten dort bisweilen auch lautsprecherverstärkte Werbewagen auf: - Damit feierten z.B. PERSIL mit HENKO und SIL, - Hoffmanns Stärke mit Wäscheblau, sowie ERDAL , FROSCH- bzw. Kavauer-Schuhwichse und Bohnerwachs fröhliche Urständ". - Deren Vorstellungen konnten u.U. zu wahren Kinderfesten geraten, denn bei flotter Musik erhielt man bunte Zettel -und den Auftrag, jene auch wirklich daheim abzuliefern. Mit Probepäckchen ging man allerdings sparsamer um und verteilte sie nur an Erwachsene, die sich evtl. damit als Interessenten anlocken ließen. Zum Glücksfall für Kinder wurde es, wenn man von ERDAL einen grün lackierten Frosch aus Blech ergatterte. An dessen Unterseite befand sich nämlich eine Federstahl-Zunge, welche bei leichterem Andruck laut "knaxte", - bei festem, in eine zähe Teermasse, kurzfristig darin haften blieb. - Einer Zeitzündung ähnlich, sprang dann der auf den Boden gelegte Frosch fast meterhoch, sobald der Klebstoff die Federzunge endlich freigab. - Das damit erzielte Erschrecken vorbeigehender Marjellen erwies sich stets als ungemein unterhaltsam. - Bei Erwachsenen lohnte sich dieses allerdings nur unter Gewißheit derer Sympathie, - weil die lustigen Springer andernfalls bestimmt einkassiert worden wären. Von KAVALIER gab's ein kleines Briefchen, worin sich der "Kavalier" mit Zylinderhut, aus Cellophanhaut - nebst Gebrauchsanleitung befand. - Gemäß dieser rollte sich der "Kavalier" beim Anhauchen der Länge oder Breite nach auf, um sich nach Anpusten wieder auszustrecken. - Gewiß waren das nur Kleinigkeiten, - im Rahmen damaliger Einkommen wurden jene von uns allerdings, geradezu als Wertstücke gehandelt! |
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Die dazu fast poetischen, zudem gelegentlich in einprägsame Melodien gebetteten Werbesprüche - drängen aus der Erinnerung sogar einen Vergleich zum Heute auf; - und dabei zeigt es sich, daß dort, wo sinnlich praxisnahe Verbundenheit zum Produkt und dessen Qualität etwa betriebswirtschaftlich berechenbarem Kalkül weichen mußte, zugleich die Lust daran zu versiegen droht, sich z.B. spaßiger Werbung halber, - einer gefühlvoll wirksamen, poetischen Sinnlichkeit zu bedienen. -- Aber gemach: - Das Pendel unterschiedlicher Betrachtungsweisen bewegt sich im Zeitgeschehen ja unermüdlich weiter, - woraus sich evtl. schließen ließe, daß man von den profanen "Slogans", wie - "... wäscht so weiß, weißer geht's nicht!" - es irgendwann wieder einmal mit lustigen Versen versuchen wird, die Ware an den Kunden zu bringen; - etwa so: "Werden Flecke Dir zur Qual, wasch' automatisch mit Schakal!" |
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Ansonsten gab es am Hohen wie Deutschen Tor auch die - an modernen Lichtreklamen gemessen -energiesparenden "Litfas-Säulen" zwecks Anpreisung alles Begehrenswerten, damit die Tilsiter, auch bei Abwesenheit mobiler Reklame, mit ausreichendem Angebots-Rummel versorgt waren. - Neben Filmplakaten, Theater-Spielplan, Persil oder Haarpomade, warb dort auch manche Autofirma um Aufmerksamkeit. Diese brachte wohl eher die Jugend auf, weil die meisten Erwachsenen höchstens im Traume an den Erwerb eines jenen Luxus denken konnten. - Also war es hauptsächlich sie, welche schon von weitem "alle" Automodelle erkannte, um diese dann, in Fahrt oder stehend, auch real zu bewundern: "Möönsch, - haste den Bugatti vonne Söderbaumsche inne Deutsche geseh'n? Die dreh'n da nen Film; - komm, kucken!" - Oder: - "Da steht ein MAYBACH oder HORCH - Ecke Deutsche - Wasser!" - Ja, diese waren wohl - wie etwa ebenfalls ein Mercedes-Benz oder gar AUDI -wirklich sehenswert! Jedoch auch weniger kostspielige Marken, wie u.a. Adler, Brennabor, DKW, Ford, Hannomag, Opel, Wanderer, erboten sich als beste Anlässe für altkluge Beurteilungen. - Als nahezu herzerfrischend wirkte ein Reklamespruch: "Die Welt, sie öffnet Tür und Tor - für Deinen Freund, den Brennabor!" - Und, wie sieht das heute, "sloganisch" aus? - "Ford, - die tun was!" |
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"Ach ja", - "Du liebe Zeit" - oder was man sonst sich erinnernd zu sagen pflegt; - ob in Dichtung und Wahrheit - oder "Slogan" mit eben jener, - nach wie vor mag es für jedermann erspürbar sein: - Werbung enthält seit ihrer Geburt immer schon ein wenig Widersprüchliches, - denn darin folgt dem Glauben daran - stets das Wissen der Erfahrung; - und mit Erinnerungen läuft es ja manchmal so ähnlich aus. - Also beginnt man - etwas verspätet - Dinge oder Umstände zu lieben, die man einst vielleicht nur als selbstverständliches, teils angenehmes, teils störendes Detail empfand, wirklich; - oder ist es etwa nicht so? |
Nie wußte ich, am Hohen Tor; |
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Gewiß, - die Zeiten haben sich geändert - und zwar deutlich sichtbar, - als u.U. betrüblich, wenn beispielsweise jemand heute an den bewußten Orten verweilt, um sich dort umzuschauen, - als gewiß nicht in allem unzufrieden, wenn er hier - ferne von dort - (evtl. auch etwas "unpoetischer"), so mancherlei Vorteile technischen oder wirtschaftlichen Fortschritts genießen darf, was es auch immer sei. Und, darüber hinaus, - nur 'mal ganz nebenbei gesagt: -Was reimt sich denn schon wahrhaft auf Globalisierung, Wettbewerbsfähigkeit oder gar Kosteneinsparung- usw.?- Na, eben!! |
| Autor: © 1998 Rudolf Kukla Quelle: "Tilsiter Rundbrief " Nr. 29/1999 |