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von H.-J. Newiger
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Wieviel unser Tilsiter Theater seinem Publikum in den Kriegsjahren zu bieten hatte, möchte ein alter Theatergänger, der damals, 14 Jahre alt, mit dem regelmäßigen Besuch von Theater und Konzert begann, aus dankbarer Erinnerung an eigene Erlebnisse zeigen. Der damalige Intendant des Theaters, Ernst Badekow, wohnte übrigens mit uns im selben Haus, und manche Künstler verkehrten in unserem Geschäft. So habe ich seit der Spielzeit 1939/40 in diesem schönen Theater meine ersten Schauspiele, Opern und Operetten gesehen und zum Teil noch in lebhafter Erinnerung. Lessings "Emilia Galotti" und "Minna von Barnhelm", Goethes "Iphigenie auf Tauris", Schillers "Kabale und Liebe", Kleists "Prinz Friedrich von Homburg" und "Der zerbrochene Krug" legten neben der Lektüre (in Schule und Haus) die Grundlagen einer damals ja noch angestrebten Bildung in klassischer deutscher Literatur. Aber auch neuere Dramen wurden gespielt, z.B. "Der Biberpelz" von Gerhart Hauptmann oder "Die Weiber von Weinsberg" oder dem Kriege Förderliches wie "Oberst Vittorio Rossi" und "Achill unter den Weibern". Auch an einige Darsteller darf erinnert werden: Friedrich Kutschera und Erich Panzer als Helden und Liebhaber, Käsmann als Charakter- und Chargenspieler, Ingeborg Heberer als Heldin und Liebhaberin. |
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Für Oper und Konzert war der Städtische Musikdirektor Arno Hufeid zuständig und bot Beträchtliches. Hier kann ich, nach Spielzeiten geordnet, vollständig sein: 1939/40 "Die Entführung aus dem Serail" von Mozart und der "Waffenschmied" von Lortzing; 1940/41 "Madame Butterfly" von Puccini, "Königskinder" von Humperdink und "Don Giovanni" von Mozart; 1941/42 "Don Pasquale" von Donizetti, "LaTraviata" von Verdi; 1942/43 "Ein Maskenball" von Verdi, "Der Barbier von Sevilla" von Rossini, "Der schwarze Peter" von Norbert Schultze (Komponist von "Lilli Marleen" und "Bomben auf England") und "Figaros Hochzeit" von Mozart. Alle Opern habe ich damals mindestens zweimal besucht. Von Sängern erinnere ich mich (namentlich) nur noch an den italienischen Tenor Nino Zennaro (ab 1941/42) und an ein Gastspiel der Sopranistin Lotte Fischbach vom Opernhaus Königsberg im "Figaro". |
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![]() Vielleicht gibt dieser persönliche Bericht auch heute noch einen Eindruck von dem lebhaften Theater- und Musikleben und dessen Niveau, in einer Provinzstadt von 60.000 Einwohnern, gerade auch in den Kriegsjahren. Außerdem gab unser Theater auch in kleineren benachbarten Städten regelmäßig zahlreiche Gastspiele, und zu den Vorstellungen in Tilsit kamen Busse aus dem näheren Umland. Der Verfasser denkt mit Freude - und Trauer - daran zurück und wollte ein wertvolles Stück des Tilsiter Kulturlebens, auf das wir stolz sein können, noch einmal zur Sprache bringen. |
| Autor: Hans-Joachim Newiger - Fotos: V. Groß Quelle: Tilsiter Rundbrief Nr. 34/2004 |