|
||
|
Tilsit - gelegen unter 55(2) Grad nördlicher Breite und 21(46) Grad östlicher Länge leitet seinen Namen von dem Flüßchen Tilze(Tilse), Tilszele ab, das dicht bei der Stadt in die Memel fließt. Das Wort ist von "tilßus" abzuleiten und bedeutet sumpfiger Fluß. |
|
|
Der breite Memelstrom ist die Lebensader der Stadt, die sich lang und schmal an seinem Südufer hinzieht. Sie hat sich nicht auf das Nordufer ausgedehnt, obgleich zwei Brücken bei Tilsit die Memel überqueren: die Eisenbahnbrücke (1875) und die Luisenbrücke (1907), diese als Ersatz für eine Schiffsbrücke, die seit 1767 bestand. Nachdem bereits Splitter (auf heutigem Stadtgebiet von Tilsit) seit 1365 als Burg des Deutschen Ordens bestanden hatte, wurde der Bau der Burg Tilsit 1406-09 durchgeführt. In ihrem Schutze bildete sieh bald eine Siedlung, die als Marktflecken Bedeutung gewann. Noch kurz vor der Reformation, Anfang 16. Jh., ließen sich Franziskaner in Tilsit nieder. |
|
![]() Luisenbrücke |
Mit der Besiedlung der Wildnis im 15. und 16. Jh. wurde dieses ein wirtschaftlicher Mittelpunkt für das nordöstliche Ostpreußen. In der langen Friedenszeit nach 1525 blühte der Handel mit dem benachbarten Litauen auf. Herzog Albrecht verlieh Tilsit 1552 das Stadtrecht . Obgleich die ländliche Umgebung mit litauischen Bauern besiedelt war, blieb die Bürgerschaft der Stadt fast rein deutsch. |
|
Auch in den folgenden Jahrhunderten konnte Tilsit sich ständig weiterentwickeln und hat bis 1944/45 keine Zerstörung erlebt. An Baulichkeiten ist aus dem Mittelalter fast nichts erhalten Die Ordensburg wurde im 19. Jh. abgerissen. Man besitzt über sie jedoch historische Nachrichten, auch einzelne Bauzeichnungen und Abbildungen. Die Burg war zur Ordenszeit nicht so groß und bedeutend wie Ragnit; sie unterstand dem Komtur von Ragnit und war nur Sitz eines Pflegers. Zeugnisse bürgerlichen Reichtums waren Bauten seit dem 16. Jh. Die Lutherkirche (Stadtkirche, erbaut 1598-1612, der Turm 1695-99) hatte bemerkenswerte Epitaphien und ein Altarbild von Friedrich Kessler (geb. in Tilsit 1826, ·gest. in Düsseldorf 1906, Mitbegründer des Düsseldorfer Malkastens; er war wie sein Vater Christian Friedrich Kessler ein tüchtiger Landschaftsmaler; Bildnisse von Tilsit und Umgebung). Die Landkirche, von 1757, war ein einfacher Rundbau, für die Bewohner der ländlichen Umgebung bestimmt und wurde auch litauische Kirche genannt. Außer den öffentlichen Bauten besaß Tilsit auch eine Anzahl schöner Bürgerhäuser des 16.- 19. Jh., aber wegen der raschen Entwicklung keine Straße, die das Gesicht einer bestimmten Epoche zeigte. |
|
|
Dieser, später Gymnasium genannte Anstalt trat 1839 eine Realschule, später Realgymnasium, an die Seite. Auch durch sein Theater (19. Jh.) war Tilsit ein kultureller Mittelpunkt für den Nordosten der Provinz. Der Russeneinfall (1758-62) ließ Tilsit unbeschädigt, desgleichen der Einmarsch der Franzosen 1807. Damals wurde Tilsit ein weltgeschichtlicher Ort. Hier trafen sich die Verbündeten, König Friedrich Wilhelm III. von Preußen und Zar .Alexander I. von Rußland, Anfang Juni 1807 vor der für sie unglücklichen Schlacht bei Friedland (14. Juni). Am 19. Juni rückte Napoleon in Tilsit ein. Ihn begleiteten u. a. die Generäle Murat und Berthier, später traf auch Talleyrand ein. Auf einem Floß in der Memel (die Memel war Waffenstillstandsgrenze) trafen sich am 25. Juni Napoleon und Alexander I., am 28. Juni wurde auch Friedrich Wilhelm III. hinzugezogen. Am 7. Juli wurde zwischen Frankreich und Rußland, am 9. Juli zwischen Frankreich und Preußen der Friede abgeschlossen. Preußen verlor alle Gebiete westlich der Elbe und fast alle Erwerbungen aus den Teilungen Polens, doch blieb durch Westpreußen eine Landverbindung mit Berlin erhalten. Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise , die herbeigeeilt war um Napoleon zu beeinflussen, wurden rücksichtslos behandelt. Alexander I. wurde von Napoleon umworben, ging in das frz. Lager über und erhielt zur Belohnung aus der preußischen Beute ein Stück Polen (Bialystok). Dieses Geschäft hat sich für Rußland schlecht ausgezahlt, denn schon 1812 wurde Rußland von Napoleon überfallen, und Preußen trat 1813 zum Befreiungskampf an. Damit wurde der Friede von Tilsit hinfällig. Die denkwürdigen Tage wurden in der Erinnerung festgehalten durch Gedenkstätten wie das .Napoleonhaus. (Deutsch Str. 24, klassizistisch) und das zum Museum umgestaltete Luisenhäuschen. Zum Gedächtnis der Königin Luise wurde 1900 ein Denkmal im Park Jakobsruhe errichtet, nach ihr wurde auch die Luisenbrücke (1907) benannt. |
|
|
Das Jh. des Friedens war der weiteren Entwicklung von Tilsit günstig (1815-1914). Die Holzflößerei fand seit dem Mittelalter in großem Ausmaße auf der Memel statt und gab dem Strom zeitweise ein eigenartiges Gesicht. Tilsit wurde für ganz Deutschland zu einem Zentrum von Holzhandel und Holzindustrie. An das Bahnnetz wurde Tilsit 1865 (nach Insterburg) angeschlossen, die Bahn wurde 1875 nach Memel weitergeführt. Schon vorher war (1833) die Poststraße von Berlin nach St. Petersburg über Tilsit gelegt worden. Im Ersten Weltkrieg erlebte Tilsit eine kurze Zeit der russ. Besetzung ohne ernsthaften Schaden zu nehmen (August bis September 1914). Nach dem Kriege rückte die Grenze durch die Abtretung des Memellandes noch näher an Tilsit heran; der Memelstrom wurde Grenzlinie und Tilsit verlor einen Teil seines Hinterlandes. Die Holzflößerei litt unter den neuen Grenzen auf dem ehemaligen einheitlichen russischen Wirtsschaftsgebiet. Am 20.10.1944 wurde Tilsit Frontstadt. Was Fliegerbomben nocht nicht getroffen hatte, vollendeten die russische Artillerie. Als Tilsit am 20.Januar 1945 von den Russen eingenommen wurde, war sie eine tote Stadt, in der gespenstische Ruinen in den Himmel starrten. Sie war zu 60 bis 80 % zerstört. |
|
![]() Schenkendorfplatz mit dem Denkmal des Dichters Max. von Schenkendorf |
|
|
Als der zweite Weltkrieg ausbrach, ahnte keiner , daß damit auch der Beginn des Endes der Stadt eingeleitet wurde. Einwohnerzahlen: im Jahre 1782: 7701; 1852: 13 748; 1890: 34 539; 1910: 47 667. |
|
|
Tilsit ist Geburtsort des Dichters Max v. Schenkendorf (geb. 1783, gest.in Koblenz 1817). Sein Denkmal stand auf dem Schenkendorfplatz. |
|
|
Bilder: Dr. Fritz Brix (2x) - Archiv Stadtgemeinschaft Tilsit (1x)
|
| Wappen | |
![]() |
Das Wappen hat in Silber über blauem Wasser eine rote Mauer mit spitzbedachtem Turm und zwei hohen, bedachten Zinnen; der Turm ist belegt mit dem von Silber und Schwarz gevierten Zollernschild. |