| Handel und Verkehr | |
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von Friedrich Reitmeyer
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Viele Tilsiter werden sich an die Lastkraftwagen (zumeist mit Anhänger) erinnern, die fast täglich durch die Straßen der Stadt fuhren, um die Baustellen in Tilsit und Umgebung mit den Produkten der Ziegelei zu beliefern. Deutlich sichtbar an den Fahrzeugen war die Aufschrift "Dampfziegelei Bendiglauken", später Bendigsfelde. Die Ziegeleien l und II lagen am südlichen Stadtrand von Tilsit. Das Büro befand sich im Haus Am Hohen Tor 1-2, in jenem Haus, in dem auch die Kreissparkasse Tilsit-Ragnit ihre Räume hatte. Das Haus gehörte, wie auch die Dampfziegelei, der Familie Reitmeyer. Das Haus "Am Hohen Tor" wurde im Sommer 1944 durch die Bombenangriffe zur Brandruine, befindet sich aber nach dem Wiederaufbau durch die neuen Machthaber heute in einem guten Zustand. Herr Friedrich Reitmeyer, ein Nachkomme des Firmengründers, lebt heute in Iserlohn. Er ist in der glücklichen Lage, noch über Erinnerungsstücke wie Fotos, Schreibpapier mit dem Briefkopf der Firma, über Lohntüten, Stempel, Quittungsvordrucke und Visitenkarten zu verfügen. Ihm sei auch an dieser Stelle dafür gedankt, daß er solche Erinnerungsstücke der Stadtgemeinschaft Tilsit überstellte. Hier nun seine Ausführungen über die Geschichte der "Dampfziegelei Bendigsfelde".
F. REITMEYER SÖHNE
Dampfziegelei-, Dachziegel- und Röhrenfabrik Bendiglauken Post Tilsit, Ostpr. etwa 1939/40 hat der Bruder meines Großvaters Julius R., mein Großonkel Louis R., eine Familien-Chronik erstellt, die mein Vater im Entwurf - mit weiteren Unterlagen - retten konnte. |
![]() Briefkopf und Stempel der Firma F.Reitmeyer Söhne |
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Hiernach kam es wie folgt zur Begründung der Ziegelei Bendigsfelde: Im Jahre 1864 erwarb der Maurermeister Friedrich Wilhelm Eduard Reitmeyer eine etwa 25 Morgen große Handstrichziegelei mit Feldofen in der Gemeinde Tilsit/Preußen. Hierauf errichtete er im Jahre 1872 den ersten Ziegel-Ringofen. Diese Ziegelei wurde aber bereits nach fünf Jahren wieder abgerissen, da der Lehmvorrat zu Ende ging. Das Grundstück wurde im Jahre 1877 wieder verkauft. Im gleichen Jahr - Anno 1877 - wurde ein landwirtschaftliches Grundstück von 120 Morgen in Bendiglauken (später Bendigsfelde) bei Tilsit erworben, worauf im Jahre 1878 - nach dem Aufbau der Ziegelei - der Ziegeleibetrieb in größerem Umfang eröffnet wurde. Der Betrieb wurde dann im Jahre 1884 durch Errichtung einer Maschinenanlage zur Herstellung von Ziegelsteinen, Dachpfannen und Drainageröhren modernisiert und erweitert. Außerdem wurde ein Schlämmteich zum Betrieb einer Schlämmerei-Anlage angelegt. Aufgrund seines Alters hat der Firmengründer Friedrich Reitmeyer die Ziegelei dann von 1892 bis 1894 zunächst an seine Söhne Julius und Louis Reitmeyer verpachtet (daher F. Reitmeyer Söhne!) und sie dann an sie veräußert. Friedrich W. E. Reitmeyer - der Firmengründer - verstarb am 16. März 1900 im Alter von 76 Jahren. |
![]() Bild links: Die Ziegelei I in Bendigsfelde |
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Die Ziegelei wurde von Julius und Louis Reitmeyer durch Zukauf von mehreren Grundstücken und den Erwerb einer weiteren Handstrichziegelei (an der Raukothiener Chaussee) im Jahre 1908 vergrößert (zukünftig Ziegelei II). Nach dem Tode des Julius Reitmeyer im Jahre 1926 traten dessen Söhne Georg und Carl Reitmeyer in die Firma F. Reitmeyer Söhne ein. Sie bauten im Jahre 1928 eine künstliche Trocknerei für Ziegel und Dachpfannen sowie eine automatische Absetz- und Abfuhreinrichtung. Ferner wurde die Ziegelei durch Anschluß an das Überlandwerk elektrifiziert. Es wurden Lastkraftwagen für Abfuhr und Auslieferung der Ziegel angeschafft, ebenfalls wurden die ersten PKW beschafft. Die Handstrichziegelei (Ziegelei II) an der Raukothiener Chaussee wurde auf Maschinenbetrieb umgebaut und ebenfalls 1928 an die Stromversorgung angeschlossen. Zusätzlich wurde aber 1938 noch ein moderner Dampfkessel für den vergrößerten Betrieb angeschafft. Infolge seines hohen Alters trat Herr Louis Reitmeyer am 1. April 1940 aus der Firma F. Reitmeyer Söhne aus. Seitdem wurden die Ziegelei l und II von den Brüdern Georg und Carl Reitmeyer als alleinige Eigentümer fortgeführt. |
![]() Bild links: Das Lieferfahrzeug der Ziegelei, ein vertrautes Bild auf den Straßen der Stadt und der benachbarten Kreise. Hinter dem Fahrersitz gut sichtbar der Holzgasgenerator. |
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Um zukünftig Vorratsgelände für die Ziegelei zu haben, wurden bei passender Gelegenheit landwirtschaftliche Grundstücke anschließend an das Ziegeleigelände bzw. in der Nähe - hinzugekauft. Bis zur Nutzung für die Ziegelei (Ausziegelung) wurden diese Grundstücke landwirtschaftlich genutzt. Neben den beiden Ziegeleien wurde also auch noch eine komplette Landwirtschaft mit Ackerbau, Viehzucht, Milchwirtschaft etc. betrieben. Die Gesamtfläche (bis zur Vertreibung) war auf ca. 560 Morgen (140 ha) angewachsen. Beschäftigt wurden ca. 100 bis 120 Mitarbeiter. Ziegelei l wurde bis 1954 von den Russen weiter betrieben und dann abgerissen. Ziegelei II ging jedoch in den Kriegswirren unter und wurde total zerstört. |
| Autor/Bilder: Friedrich Reitmeyer (Text und Bilder) Quelle: Tilsiter Rundbrief Nr. 34/2004 |