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von Heinz Kebesch
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Nachdem der Deutsche Ritterorden Ende 1300 n.Chr. das Memelstromgebiet mit den dort lebenden prussischen Schalauern erreicht hatte, errichtete er in diesem Grenzabschnitt neben anderen Burganlagen auch die Burg Tilsit, um die Memelstromübergänge nach Litauen offen zu halten. Es war ein weiteres Ziel des Ordens, der im Auftrag der höchsten Autoritäten des Mittelalters, Kaiser und Papst, handelte, ebenfalls Litauen zu christianisieren. In den Jahren 1404 bis 1409 wurde unter der Leitung des Ordensbaumeisters Fellenstein an der Mündung der Tilsele in den Memelstrom die Burg Tilsit errichtet. Sie war Sitz eines Pflegers des Ordens, der dem Konvent der Komturei Ragnit unterstand. Im Verhältnis zur Burg Ragnit und zu anderen Burganlagen des Ordens in Preußen war sie nur eine kleine Anlage, deren Waffenarsenal in dieser Zeit 17 Armbrüste, 11 Lotbüchsen und 3 Steinbüchsen betrug. Der Bau eines Schloßbollwerkes erfolgte 1670 bis 1671, während bis dahin diese Wehranlage von Palisaden mit Ecktürmen umgeben war. Hier waren Behörden der herzoglichen Verwaltung mit dem Amtshauptmann, die Gerichtsbarkeit und der Kommandeur des Dragonerregiments untergebracht. Im Jahre 1805 verkaufte der preußische Staat die Burganlage (Schloß) für 16500 Taler an Tilsiter Kaufleute. 1842 wurde diese Anlage für einen Holzstapelplatz und gewerblichen Betrieb mit einer Dampf-, Öl- und Mahlmühle genutzt. Zwei Jahre später wird an dieser Stelle eine Maschinenpapierfabrik erbaut. Im Jahre 1871 wird dann für die Firma J.C. Keyser eine Konzession für den Bau eines Kalkbrennofens erteilt. Ein Großfeuer vernichtete am 27.12.1876 den gesamten Bereich. Von der ehemaligen Burg Tilsit blieben nur ein Teil der Umfassungsmauern des Nordflügels zum Memelstrom hin übrig, welche die Außenwand des Kalkbrennofens bildeten. |
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Die bereits im Marktflecken "Tilse" an der stelle der ehemaligen Deutschen Kirche vorhanden gewesene Kirche wurde im Jahre 1598 infolge Baufälligkeit abgebrochen. Wahrscheinlich stammte dieser in Holz ausgeführte Kirchenbau noch aus vorreformatorischer Zeit. Im Jahre 1610 wurde die "Deutsche Kirche", nach 1933 "Deutschordenskirche" genannt, errichtet. Wie aus historischen Überlieferungen hervorgeht, hatte die "Deutsche Kirche" zunächst einen kleinen Turm mit einem Satteldach. Dieser wurde im Jahre 1695 abgetragen und in einer Bauzeit bis 1699 durch den bis 1945 bekannten, imposanten Turm ersetzt. Bei dem damaligen Stand der Technik ein für die Bauausführung schwieriges, andererseits auch sehr kostspieliges Werk. Die Baukosten betrugen 22691 Gulden; allein die Kupferausführung für den neuen Turm kostete 8000 Gulden. Der neue Turm hatte von der Straßenoberkante bis zur Kreuzesspitze eine Höhe von 63 m. Die Wetterfahne zeigte den kurfürstlichen Adler, der einen Fuß schützend auf das Tilsiter Stadtwappen stellte, außerdem mit den Zeichen "F.III." (Friedrich III.) sowie "Anno 1699" versehen waren. Der Initiant der Erweiterung und Verschönerung des Turmes der Deutschen Kirche war der auch sonst um die Stadt Tilsit hochverdiente Bürgermeister und spätere Hofrat Jakob Flottwell. |
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Die drei Glocken der Kirche wurden im Jahre 1674 in Tilsit umgegossen und damit vergrößert. Die größte dieser drei Glocken mußte allerdings im ersten Weltkrieg abgeliefert werden. Dank gesammelter Spenden konnte diese jedoch durch eine neue Glocke ersetzt werden, die am 24.5.1925 aufgebracht wurde. Nun erklang wieder das volle Geläut der drei Glocken der Deutschen Kirche mit dis, fis und gis. Das Innere der Deutschen Kirche war reich an Werken der Holzbildhauerkunst des 17. und 18. Jahrhunderts. Der 1611 in den Formen deutscher Renaissance hergestellte Altar befindet sich heute in der katholischen Kirche von Bartenstein. Die erste Orgel erbaute Burghart Wiechart im Jahre 1575, die 1755 und 1880 erweitert wurde. Ein wohl noch aus hochmeisterlicher Zeit stammender Kunstgegenstand war der granitgehauene, gotische Taufstein der Deutschen Kirche. In den Vertiefungen des Steines war ein Ordensschild eingelassen worden. Die bleierne Taufschüssel zeigte eingravierte Blätterranken und in vier Kränzen das Wappen von Tilsit mit der Jahreszahl von 1574. Ferner die Namen Tilsiter Bürger: Kotzer, Kluge und Alemann, die wahrscheinlich die Stifter waren. Die Deutsche Kirche war in ihrer markanten Silhouette ein besonderes Wahrzeichen der Stadt Tilsit und ein herausragendes Denkmal deutscher Baukunst. Die in den Jahren 1944/45 durch Kriegseinwirkungen beschädigte Deutsche Kirche wurde nach 1945 auf Veranlassung der russischen Verwaltung von Sowjetsk (Tilsit) beseitigt. Am 6.7.1757 fand die Grundsteinlegung der Landkirche - ein Barockbau - an der Hohen Straße/Ecke Packhofstraße statt. Im Jahre 1760 war dieser Kirchenbau in seiner länglich-runden Form vollendet. Zur Aufbringung eines Teiles der Baukosten wurde eine Kirchenlotterie durchgeführt. Während der Besatzungszeit im siebenjährigen Krieg (1756-1763) durch russische Truppen wurde sowohl von der russischen Kaiserin Elisabeth als auch von dem russischen Gouverneur Baron von Korff dieser Kirchenbau mit finanziellen Mitteln unterstützt. Eine gründliche Renovierung des schadhaften Turmes fand im Jahre 1853 statt, ebenfalls nicht formverändernde, kleinere Baumaßnahmen in den Jahren 1896/98. Die Landkirche hat den letzten Krieg nicht überlebt. |
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In der Stadtgründungsurkunde von 1552 (Fundation und Privilegium der Stadt Tilsit) wurde bereits der Platz für das erste Rathaus in Tilsit bestimmt, das 1565 in der damaligen "Langen Gasse", später "Deutsche Straße", errichtet wurde. Dieses erste, der Renaissanceperiode angehörende, in Fachwerk erbaute Rathaus wurde 1752 wegen Baufälligkeit abgebrochen. An gleicher Stelle wurde dann am 5.6.1753 der Grundstein zum neuen Rathaus gelegt, dem eine 8x14 Zoll große Kupferplatte mit eingravierter lateinischer Schrift (Inhalt ist nicht bekannt) beigefügt wurde. Man hatte den Tag der Grundsteinlegung mit Rücksicht und in der Hoffnung auf Teilnahme des Königs von Preußen, Friedrich der Große, gewählt, der sich in dieser Zeit zur Abhaltung von Manövern in Königsberg (Pr.) aufhielt. Nach zeitgenössischen Berichten ist jedoch davon auszugehen, daß der König bei der Grundsteinlegung des Tilsiter Rathauses nicht anwesend war. Die Baukosten des Rathauses betrugen 8023 Taler. Von 1752 bis 1755 wurde das Tilsiter Rathaus von dem Landesbaumeister, Kriegs- und Domänenrat Bergius, preußische Bezirksregierung Gumbinnen, erbaut. Unter den profanen Barockbauten Tilsits stand an erster Stelle das 32 m lange und 16m breite Rathaus und trat mit seinem Barockziegeldach, seiner hohen, malerischen Freitreppe und dem Uhr- und Glockkenturm, der an der Spitze den preußischen Adler trug, in stattliche Erscheinung. Dieses Baudenkmal der Stadt wurde durch die Kriegseinwirkungen der Jahre 1944/45 zerstört. Zu der bedeutsamsten Barockarchitekturgruppe unserer Heimatstadt Tilsit gehörten das Rathaus mit seiner geschweiften Turmhaube und die beiden Eckgebäude des Schenkendorfplatzes, das "Blaurocksche Haus", Deutsche Straße Nr. 68 und die "Falkenapotheke", Deutsche Straße Nr. 69. |
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Das "Blaurocksche Haus" mit seinem geschmückten Schaugiebel, zum Schenkendorfplatz hin, trug über dem Eingang die Jahreszahl 1705 als Baujahr. Es dürfte als das schönste Barockbürgerhaus Tilsits gelten. Es ist aber umstritten, ob es sich bei dem Wohn- und Geschäftshaus Deutsche Straße Nr. 69 (Falkenapotheke) um das älteste Gebäude der Stadt handelt, welches das Baujahr 1571 trug. Nach "Dr. Thalmann - Die bauliche Entwicklung der Stadt Tilsit - 1926 -" ist aber anzunehmen, daß durch erhebliche Umbauten im Jahre 1694 nur die ältesten Teile dieses Gebäudes das Baujahr 1571 rechtfertigen. In diesem Zusammenhang sollte das in Tilsit vor Erlangung der Stadtrechte im Jahre 1552 in der früheren Deutschen Straße Nr. 21/Ecke Sprindgasse im Jahre 1515/1516 erbaute Franziskanerkloster nicht unerwähnt bleiben. Dieses wurde bereits 1524 zerstört und abgetragen. Das in seinem Baukern älteste Bürgerhaus der Stadt könnte das im Jahre 1553 erbaute Wohn- und Geschäftshaus Deutsche Straße Nr. 21 sein, dessen Fundamente die starken Kellergewölbe der ehemaligen Klosterstätte bildeten. Einige Fachwerk-Giebelwohnhäuser aus dem 17. Jahrhundert, zum Beispiel das Wohnhaus Goldschmiedestraße Nr. 51 und Fachwerkspeicher aus dem 19. Jahrhundert, die Speicher Goldschmiedestraße Nr. 5/6 und der frühere "Wächtersche Riesenspeicher" in der Fabrikstraße waren ebenfalls Zeugen alter Tilsiter Baukunst. Diese Bauten wurden durch den letzten Krieg zerstört. Bemerkenswerte Barockhäuser waren ferner die Gebäude Mittelstraße Nr. 37/ Ecke Langgasse, Mittelstraße 41, das Schützenhaus, Kastanienstraße Nr. 9 und Deutsche Straße Nr. 51. Erwähnenswert ist die in französischem Barock erbaute Francksche Villa - Lindenstraße/Ecke Clausiusstraße, die heute als Waisenheim dient. |
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Eigentümer des Schützenhauses war zu damaliger Zeit Amtsrat Köhler. Hier befand sich vom 19.6. bis zum 25. 6.1807 das erste Quartier des französischen Kaisers Napoleon. Anschließend bezog Napoleon bis zum 9.7.1807 das stattliche Wohnhaus Deutsche Straße Nr. 24 mit dem auf dem Dachsims stehenden Urnen. Dieses Wohnhaus wurde um 1800 von Justizkommissionsrat Ernst Ludwig Siehr erbaut. Das "Napoleonhaus" besteht heute nicht mehr. Als zwischen Napoleon, Zar Alexander von Rußland und Preußens König Friedrich Wilhelm III. 1807 in Tilsit Frieden geschlossen wurde, bewohnte die Gattin des preußischen Königs, Königin Luise, das 1800 erbaute "Luisenhaus" Schloßmühlenstraße Nr. 11, später Ludendorffplatz Nr. 4. In diesem Haus fand auch die erste Begegnung mit Napoleon statt, eine Büste der Königin Luise über der Eingangstür dieses schlichten Bürgerhauses und eine Gedenktafel neben der Tür erinnerten an das für die Stadt Tilsit so bedeutungsvolle historische Ereignis der damaligen Zeit. Heute erinnert ein Gedenkstein an den 1807 geschlossenen Frieden am ehemaligen Fletcherplatz, dem alten Getreidemarkt Tilsits an der Königin-Luise-Brücke. Als sichtbares Zeichen auf die gemeinsame Vergangenheit trägt der 1991 hier errichtete Stein die Inschrift: "Tilsiter Frieden", in drei Sprachen; russisch, deutsch und französisch. |
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Bei den Anfang des 19. Jahrhunderts errichteten neuklassizistischen Gebäuden ist der Einfluß und die Ideenwelt des bedeutendsten deutschen Baumeisters Karl Friedrich Schinkel mehr oder weniger erkennbar. Gebäude aus dieser Zeit waren der Packhof, das Postgebäude (beide erstellt 1835), das Zollamt, das Bürgerhaus Hohe Straße Nr. 12 (1829) und die "Grüne" oder Wächterische Apotheke in der Deutschen Straße Nr. 63/Ecke Wasserstraße mit einem in die Deutsche Straße vorspringenden, auf hohen dorisierenden Säulen ruhenden Balkon. Ebenfalls wird man das 1846 erbaute Gebäude der Städt. Sparkasse in der Wasserstraße/Ecke Goldschmiedestraße als neuklassizistisches Baudenkmal bezeichnen können. Zu diesem Baustil um die Jahrhundertwende gehören auch das "Krönungs-Jubiläums-Stift"(1910), Realgymnasium mit Oberrealschule (1910/1913), sowie das 1912 erbaute Krematorium des früheren Waldfriedhofes. Das Krematorium wurde durch Kriegseinwirkungen zerstört. Vom Waldfriedhof bestehen nur noch einige Reste. Als bedeutsame Schöpfung deutscher Ingenieurkunst wäre, an Stelle der früheren Schiffbrücke, die im Jahre 1907 dem Verkehr übergebene "Königin-Luise-Brücke" zu erwähnen. Die Bauzeit dieser formschönen Brücke dauerte nahezu drei Jahre. Die Kosten betrugen rd. zwei Millionen Mark. Sie hatte eine Länge von 416 m und schwang sich in drei eleganten je rd. 100 m langen Bogen von 18 m Höhe über den Memelstrom. Ihren Namen erhielt diese imposante Brücke nach Preußens volkstümlicher Königin Luise. Ihr Porträt zierte das Portal der ihr gewidmeten Brücke. Ende 1944 wurde diese Brücke von deutschen Truppen gesprengt. Nach den vorliegenden Informationen ist das Portal der Brücke baufällig geworden, so daß infolge fehlender finanzieller Mittel eine Instandsetzung nicht möglich sein wird. Mit der Beseitigung des Portals wird dann zukünftig nichts mehr an die einstmals mächtige Königin-Luise-Brücke erinnern. |
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Das am 21.9.1890 enthüllte Denkmal mit der 2,80 m hohen Bronzestatue des in Tilsit am 11.12.1783 im Hause Hohe Straße Nr. 39 geborenen Dichters und Freiheitskämpfers Gottlob Ferdinand Maximilian Gottfried von Schenkendorf war ein hervorragendes preußisch-deutsches Kunstdenkmal, das der Bildhauer C.M. Engelke geschaffen hatte. Lebenswahr stand "Max" von Schenkenkendorf auf dem Sockel des Denkmals mit der zum Schwur erhobenen rechten Hand, während die Linke seine Freiheitslieder, die Gottesglauben und Liebe zum deutschen Vaterland beinhalteten, ans Herz drückt; und zuversichtlich, erhobenen Hauptes wirkte sein in die Freiheit gerichteter Blick. Ein prachtvolles Bild jugendlicher Manneskraft, hochstrebenden Sinnes und entschlossenen Wollens. Auf der einen Seite des Sockels befand sich die Inschrift: |
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Anläßlich der Enthüllung des Denkmals wurde der Tilsiter Marktplatz zu Ehren des großen Sohnes der Stadt Tilsit auf den Namen "Schenkendorfplatz" umbenannt. Am 11.12.1817 starb Max von Schenkendorf im Alter von nur 34 Jahren in Koblenz am Rhein. In der Endphase des zweiten Weltkrieges soll das Denkmal abgebaut worden sein. Es kann nicht gesagt werden, wo es verblieben ist. Der Verfasser dieser Abhandlung kann bezeugen, daß sich der Direktor des Museums Sowjetsk, Herr Ignatow, um das Auffinden des Schenkendorfdenkmals sehr bemüht hat. Der Rat der Stadt Sowjetsk hat vor einiger Zeit veranlaßt, daß am vermeintlichen Geburtshaus von Max von Schenkendorf, in der ehemaligen Packhofstraße, eine steinerne Gedenktafel angebracht wurde. Diese zeigt sein jugendliches Porträt und trägt in russischer Sprache die Inschrift: "In diesem Haus wurde der deutsche Poet Max von Schenkendorf geboren." Der Name Max von Schenkendorf ist in lateinischen Buchstaben geschrieben. |
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Im Park von Jakobsruh stand das aus Künstlerhand des Bildhauers Professor Eberlein geschaffene Denkmal der preußischen Königin Luise, das am 22.9.1900 in Anwesenheit des Deutschen Kaisers Wilhelm II. enthüllt und geweiht wurde. Die etwa 3 m hohe, aus Carrara-Marmor hergestellte Bildsäule stand auf einem fast 5 m hohen runden Sockel. Die Königin trug ein Empiregewand. Ihr Haupt war mit einem Diadem geschmückt. In ihrer rechten Hand hält sie einen Strauß von Kornblumen und Ähren. Mit der Linken faßt sie den herabfallenden Mantel. Dieses historische Denkmal wurde nach 1945 zerstört. |
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Das Kriegerdenkmal in der Nähe der früheren reformierten Kirche wurde am 18.10.1894 geweiht und fiel ebenfalls den Zerstörungen des letzten Krieges zum Opfer. Zu erwähnen wäre ferner die Friedenseiche mit dem Gedenkstein in der Angeranlage zur Erinnerung an den Krieg gegen Frankreich im Jahre 1870/71. |
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Die Verbundenheit der Stadt Tilsit mit den Menschen und der Natur der Memelniederung wurde mit der Einweihung des Elchstandbildes in Tilsit auf dem Anger am 29.6.1928 zum Ausdruck gebracht. Das Elchstandbild befindet sich im Königsberger Tiergarten. Kreise der russischen Bevölkerung von Sowjetsk (Tilsit) wünschen eine Rückgabe dieses Standbildes. Ebenfalls hat sich auch der heute in Tilsit lebende Heimatforscher Isaak Rutman aus Sowjetsk für die Rückgabe des Elchstandbildes aktiv eingesetzt. Zum Schluß dieser Ausführungen soll an eine literarische Persönlichkeit Tilsits gedacht werden. In der früheren Grabenstraße wurde am 9.4.1917 der Dichter und Schriftsteller Johannes Bobrowski geboren. Auf Veranlassung des Rates der Stadt Sowjetsk (Tilsit) befindet sich heute an einer Hauswand am Anfang der früheren Grabenstraße/Ecke Clausiusstraße eine marmorne Gedenktafel mit dem Porträt des Dichters. Auf ihr ist in kyrillischer Schrift zu lesen: "In dieser Straße wurde geboren und lebte der deutsche Schriftsteller und Kulturschaffende Johannes Bobrowski." |
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Die Stadt Tilsit an der Nordostgrenze des ehemaligen Deutschen Reiches, geprägt von einer wechselhaften Geschichte, besteht heute nicht mehr. Nach den Potsdamer Beschlüssen von 1945 wurde aus dem nördlichen Gebiet der Provinz Ostpreußen die russische Exklave Oblast (Bezirk) Kaliningrad, und Tilsit die neue russische Stadt Sowjetsk. Eine Anzahl historischer Bauwerke und Kunstdenkmäler, Zeugen einer 700jährigen deutschen Vergangenheit kulturellen Lebens und Schaffens, haben den letzten Krieg nicht überstanden. Sie fielen einer sinnlosen Vernichtung zum Opfer. Aber die historischen und kulturellen Spuren dieser Vergangenheit sollten jedoch unvergessen bleiben, denn diese wirken auch noch heute im geistigen Leben der neuen Stadt Sowjetsk weiter. Für die ehemaligen Tilsiter Bürger gehören die erwähnten kulturellen Stätten und Denkmäler nicht nur zum Geschichtsbewußtsein, sondern erinnern an eine nicht auszulöschende Vergangenheit ihrer Heimatstadt am Memelstrom. So möge dieser Bericht über die Bau- und Kunstdenkmäler in Tilsit, in dem sich die Tragik und Geschehnisse eines unbarmherzigen Krieges widerspiegeln, für die Jugend beider Nationen und für kommende Generationen Verpflichtung und Mahnung sein, Humanität, Kultur, Brauchtum und Sitten zu pflegen und diese Tugenden im gemeinsamen, freiheitlichen Friedensbemühen zu erhalten. |
| Autor: © 1996 Heinz Kebesch, Detmold Quelle: "Tilsiter Rundbrief " Nr. 26/1996 |