60 Jahre SRT: Schultreffen des Realgymnasiums/Oberschule für Jungen in Schwerin
Bericht über das 68. Schultreffen

Das diesjährige Schultreffen der SRT fand vom 3.- 5. September 2011 in Schwerin statt. Hier der Bericht:

Das Treffen hatte eine besondere Bedeutung. Die Schulgemeinschaft konnte ihr 60-jähriges Bestehen feiern. Es geschah an einem Herbsttag im Jahre 1951 in einer Gaststätte in Hamburg. Acht Schüler des Tilsiter Realgymnasiums beschlossen damals, eine Schulgemeinschaft zu gründen. Niemand von ihnen ahnte wohl, daß diese Schulgemeinschaft im Jahre 2011 noch immer existiert. Die hier zusammenkamen, hatten alles verloren, ihre Heimat, ihre Verwandten, ihr Hab und Gut. Was blieb war eine solide Schulbildung und die dankbare Erinnerung an das Tilsiter Realgymnasium. Das gemeinsame Vertreibungsschicksal und die Treue zur ostpreußischen Heimat war das Band, das sie zusammenhalten ließ. Und sie waren froh, daß sie den Krieg überlebt hatten..

Aus Anlaß des 60-jährigen Jubiläums waren in der Hotelrezeption des Schweriner Intercity-Hotels zahlreiche Glückwunschschreiben eingegangen, vom Landesvorsitzenden der Landsmannschaft Ostpreußen in Mecklenburg/Vorpommern, Manfred Schukat, vom Vorstand der Stadtgemeinschaft Tilsit, vom Kreisvertreter der Kreisgemeinschaft Elchniederung, Manfred Romeike und von den Schulsprechern der Herzog-Albrecht-Schule, Siegfried Dannath-Grabs, vom Humanistischen Gymnasium Egon Janz und der Neustädtischen Schule, Erwin Feige. Sie gratulierten zum 60-jährigen Bestehen, würdigten die Vorbildrolle der SRT und wünschten Kraft und langes Leben. Die Vorfreude auf das Treffen war groß. Fast 50 Anmeldungen lagen vor. Dass es dann im letzten Moment viele unverhoffte Absagen gab, war den gesundheitlichen Problemen der Schulkameraden oder ihrer Ehepartner zuzuschreiben. Der gute Wille war da, aber der Alterszustand forderte seine Rechte. Besondere Betroffenheit löste das Fehlen von Klaus-Jürgen Rausch aus, ohne den ein Schultreffen kaum vorstellbar war. Klaus war kurz zuvor bei einer Rheinfahrt gestürzt und hatte sich einen Oberschenkelbruch zugezogen. In einem von allen Kameraden unterzeichneten Brief wurde ihm gute Genesung gewünscht

Immerhin waren es 33 Teilnehmer, die im Intercity-Hotel Schwerin begrüßt werden konnten.

Das Hotel erwies sich als gute Wahl. Es lag direkt am Bahnhof und in Citynähe. Es hatte ein ansprechendes Ambiente und bot mit seiner Freifahrkarte für die öffentlichen Verkehrsmittel viele Möglichkeiten für individuelle Unternehmungen. Einige Teilnehmer waren nämlich schon einen Tag früher angereist und erkundeten die alte Residenzstadt der mecklenburgischen Großherzöge.

Am Sonnabend pünktlich um 15 Uhr lud Gernot Grübler zur traditionellen Kaffeetafel in den Klubraum Wallenstein ein. Nach den ersten Wiedersehensgesprächen und dem Austausch von Neuigkeiten eröffnete Gernot Grübler mit dem gemeinsamen Gesang des Ostpreußenliedes und der Begrüßung den offiziellen Teil des Treffens. Ein besonderer Gruß galt den von weit her angereisten Teilnehmern Georg Dargelies und Frau Hannelore aus Kanada und Werner Rhaese mit Frau Karin aus Südafrika. Auch Dr. Karl-Heinz Steinacker wurde als Senior des Treffens und Vera Jawtusch als Sprecherin der Luisen herzlich begrüßt.

Dann ergriff der Vorsitzende Hans Dzieran das Wort zu seiner Ansprache, die unter dem Motto "60 Jahre SRT" stand. In einem Rückblick auf die vergangenen sechs Jahrzehnte schilderte er das Werden und Wirken der Schulgemeinschaft und würdigte die Leistungen der verstorbenen Schulsprecher Dr. Friedrich Weber und Werner Szillat.

In den neunziger Jahren konnte die SRT einen bemerkenswerten Aufschwung verzeichnen. Ungeachtet der jährlich länger werdenden Reihe von Sterbefällen gelang es dank der Bemühungen von Klaus Rausch, viele Neuzugänge unter den jüngeren Klassen Sexta bis Tertia zu gewinnen, so dass die Mitgliederzahl bis auf beachtliche 375 erhöht werden konnte.

Zu einem Höhepunkt wurde im Jahre 1999 die Feier zum 160. Gründungstag des Tilsiter Realgymnasiums. In einer Jubiläumsschrift "Das Tilsiter Realgymnasium 1839-1999" wurde der kulturgeschichtlichen Vergangenheit der Tilsiter Bildungseinrichtung gedacht, die viele Jahrzehnte das geistige Klima der Region am Memelstrom geprägt hatte. Im Zeichen des Gründungsjubiläums stand auch das 55.Schultreffen, das vom 1.-3.10.1999 in Wolfenbüttel stattfand. Unter dem Motto "Unsere Schule lebt" fand eine Festveranstaltung in der Aula der Harztorwallschule statt, bei der deutlich wurde, daß die Schule weiterlebt, auch wenn dort seit 1945 kein deutscher Lehrstoff mehr vermittelt wird. Sie lebt fort in dem Wirken ihrer Schüler und ihrer Schulgemeinschaft, die den Geist der Schule in Treue bewahrt.

Natürlich, so räumte Hans Dzieran ein, werden wir allmählich immer weniger. Alter, Krankheiten, Pflege von Familienangehörigen, nachlassende Mobilität - das und vieles mehr wirke sich auf die Teilnahme an den Schultreffen aus. Deswegen ging ein besonderer Gruß an alle Schulkameraden, denen es aus vielerlei Gründen nicht vergönnt war, am Schweriner Treffen teilzunehmen. Allen, die krank oder nicht reisefähig waren, wünschte Hans Dzieran gute Besserung.


Die Reihen lichten sich auch durch Sterbefälle. Seit dem Treffen in Erfurt im vergangenen Jahr haben 19 Kameraden die Schulgemeinschaft für immer verlassen. Die Anwesenden erhoben sich von den Plätzen und gedachten in Trauer der Schulkameraden, die ihr Leben lang unserer Heimat und unserer Schute die Treue gehalten haben.. Jeder von ihnen hat eine Lücke hinterlassen, mit jedem ist ein echtes Stück Ostpreußen verloren gegangen.

Das erfreuliche Fazit des Streifzuges durch 60 Jahre SRT war, dass die Schulkameraden immer noch zusammenkommen und der ostpreußischen Heimat gedenken. Der Zusammenhalt der Schicksalsgefährten ist auch 66 Jahre nach der Vertreibung ungebrochen.

Dafür sprach Hans Dzieran allen Teilnehmern seinen Dank aus und schloss mit den Worten: "Ein Land, in dem 700 Jahre preußisch-deutsche Geschichte geschrieben wurde, darf nicht aus dem Gedächtnis der Menschheit verschwinden. Wir sind dazu berufen, die Erinnerung an Ostpreußen wach zu halten und die Wahrheit über das Unrecht der Vertreibung weiterzugeben. Das sind wir unserer Heimat und unseren Vorfahren schuldig."

Den Revisionsbericht erstattete Kassenprüfer Gerhard Pfiel. Er bestätigte eine einwandfreie Kassenführung und eine ordnungsgemäße Verwendung der Spenden. Dem Antrag auf Entlastung wurde einstimmig stattgegeben. Vera Jawtusch überbrachte Grüße der "Luisen" und Glückwünsche zum 60. Jubiläum. Klaus Bluhm ging auf Erinnerungen an Tilsit ein und überreichte allen Schulkameraden Fotomotive aus der unvergessenen Vaterstadt. Als Jubiläumsgeschenk der Stadtgemeinschaft Tilsit erhielt jeder Teilnehmer eine Kaffeetasse mit Elchbild und Tilsiter Stadtwappen.

Im kommenden Jahr wird ein Heimattreffen der drei Nachbarkreise Tilsit-Stadt, Tilsit-Ragnit und Elchniederung veranstaltet. Es findet am 28.April 2012 in Halle/Saale statt. Dazu sind alle herzlich eingeladen. Wir werden an die Veranstaltung ein Schultreffen anschließen und für den folgenden Tag ein erlebnisreiches Rahmenprogramm für die SRT organisieren.

Zum Abschluß der Regularien erläuterte Gemot Grübler, der das Treffen und das Rahmenprogramm perfekt vorbereitet hatte, den weiteren Ablauf des Geschehens und bat zu einem Fototermin.

Der Abend sah alle Teilnehmer beim festlichen Büffet vereint und bot reichlich Gelegenheit zum Plachandem.

Am Sonntagvormittag fuhren wir mit dem Bus zur Schlossinsel und bestiegen ein Schiff der Weißen Flotte. Bei sonnigem Wetter genossen wir den Reiz des Schweriner Sees. Er ist der viertgrößte See Deutschlands mit einer Tiefe von 54 Metern. Vorbei an mehreren Inseln und dem Zippendorfer Strand präsentierte sich auf der Rückfahrt das märchenhafte Schweriner Schloss von der Seeseite. Es ist heute das schönste Landtagsgebäude aller deutschen Bundesländer. Nach der Mittagspause erwartete uns vor dem Hotel der „Petermännchen-Express" zu einer Stadtrundfahrt. Die Stadt hat das einrucksvolle Flair einer alten Residenzstadt bewahrt. Arsenal, Kollegienhaus, Staatstheater, Marstall und andere repräsentative Bauten aus dem 19. Jahrhundert erinnern an die Zeit der mecklenburgischen Großherzöge. Die Fahrt führte am Schlossgarten entlang über den Franzosendamm zum Offizierskasino mit herrlichem Schlossblick. Weiter ging es zum Dom und am Pfaffenteich vorbei zum Markt mit seinem Alten Rathaus und der säulengeschmückten Markthalle, die heute als Cafe einlädt.

Der Tag klang mit dem gemeinsamen Abendessen im Hotel aus. Noch einmal ließ man die vielen Eindrücke Revue passieren. Martin Hübner trug mit einigen Fahrschülererlebnissen und Brunhilde Sehr mit einem Gedicht zur guten Stimmung bei. Mit dem Wunsch nach baldigem Wiedersehen in Halle/S, ging der gemütliche Abend zu Ende.

Am Montag schlug die Stunde des Abschiednehmens. Wie nach einer großen Familienfeier gab es herzliche Umarmungen und gute Wünsche. Mit vielen Eindrücken und bleibenden Erinnerungen im Gepäck wurde die Heimreise angetreten.

Autor: © 2011 Hans Dzieran
Quelle:
1) SRT - Mitteilung Nr. 59 vom Dezember 2011
2) Heimatrundbrief "Land an der Memel"

Schulgemeinschaft



© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am 29.11.2011
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letzte Änderung dieser Seite : Dienstag, 29. November 2011