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Der nachfolgenden Darstellung liegen Befragungen von "Ehemaligen der ersten Stunde", Recherchen in Tagebüchern und Protokollen, Auswertungen alter Mitteilungsblätter, Tilsiter Rundbriefen und SRT-Mitteilungen zugrunde. Zitiert werden auch Auszüge aus Erinnerungsberichten von Mitschülern und aus noch vorliegenden Protokollen. Ergänzungen zu diesem Bericht sind jederzeit willkommen. Er erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Er soll auch kein literarischer Aufsatz sein, sondern die nüchterne Darstellung eines Zeitabschnitts im Leben unserer Schulgemeinschaft, eines Abschnitts, der es wohl wert ist, für uns und die Nachwelt dokumentiert zu werden. |
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50 Jahre "Schulgemeinschaft Realgymnasium Tilsit"
1951 - 2001 |
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Es war in Hamburg im Jahre 1951. Acht Abiturienten des Tilsiter Realgymnasiums beschlossen, eine Schulgemeinschaft zu gründen. Niemand von ihnen ahnte wohl damals, daß diese Schulgemeinschaft ein halbes Jahrhundert danach mit 350 Mitgliedern in das neue Jahrtausend gehen und auf fünfzig Jahre erfolgreiche Arbeit zurückblicken wird. |
| Gründung in Hamburg |
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Der Gründung gingen viele Bemühungen voraus, die durch Krieg und Vertreibung auseinandergerissenen und in alle Winde verstreuten "Ehemaligen" ausfindig zu machen. Es war besonders Dr. Friedrich Weber, Abiturient von 1925, der es als ein heimatverbundenes Anliegen betrachtete, durch Suchlisten, Anzeigen und persönliche Nachforschungen die Tilsiter Mitschüler aufzuspüren und wieder zusammenzubringen. Erste lockere Zusammenkünfte fanden statt, bis es am 13.Oktober 1951 zur offiziellen Gründung kam. Dr. Fritz Weber übernahm den Vorsitz. Jedes Jahr sollte von nun an ein Schultreffen stattfinden. Hamburg schien der geeignete Treffpunkt, hatte es doch einen großen Teil der Ehemaligen in den norddeutschen Raum verschlagen. Und so traf man sich in schöner Regelmäßigkeit am 9.8.1952, am 21.3.1953 und am 20.3.1954 immer am selben Ort. Die hier zusammenkamen, hatten alles verloren, ihre Heimat, ihre Freunde, ihr Hab und Gut. Was blieb war eine solide Schulbildung und die dankbare Erinnerung an das Tilsiter Realgymnasium und dessen Lehrer. Das gemeinsame Vertreibungsschicksal und die Treue zur ostpreußischen Heimat war das Band, das sie zusammenhalten ließ. Und sie waren froh, daß sie den Krieg überlebt hatten. Grund genug, daß es auf den Treffen immer hoch her ging. Günter Smentek schreibt über die damalige Zeit: "Die alten Abi-Jahrgänge waren äußerst trinkfest. Und sie waren auch Gesellschafter alter Schule. Wenn Damen dabei waren, wurden sie stets mit Handkuß begrüßt. Es gab immer viel zu erzählen, zumal immer neue Wiedersehen zu begießen waren. Es wurde auch kräftigst gesungen." |
| Die Schulgemeinschaft mausert sich |
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Nach dem denkwürdigen Tilsitertreffen im Sommer 1954 in Kiel fanden viele Neue Anschluß an die Schulgemeinschaft. Bei dem Treffen am 15.6.1957 im Hamburger Hotel Kronprinz konnte man die beachtliche Zahl von 33 Schulkameraden registrieren. Von diesem Treffen gibt es ein Foto, das in der Broschüre "DasTilsiter Realgymnasium", herausgegeben anläßlich des 160.Schuljubiläums 1999, auf der Seite 64 veröffentlicht ist. Auf diesem Treffen beschloß man eine Patenschaft mit der Hebbelschule Kiel, um die Erinnerungen an die Heimat an die junge Generation weiterzugeben. Durch jährliche Überreichung von Alberten an die Abiturenten sollte der Gedanke an Ostpreußen wachgehalten werden. Am 14.3.1959 überreichte Dr. Weber erstmalig an 76 Abiturienten in der Aula der Kieler Hebbelschule den Albertus. Heinz Schlaefereit war dabei und erinnert sich an die bewegenden Worte auf dieser eindrucksvollen Veranstaltung. In den Folgejahren wurde die Verleihung durch den Schulleiter vorgenommen. Im Jahre 1959 wurde auch mit der Herausgabe eines jährlichen Mitteilungsblattes begonnen. Das Wirkungsfeld der Schulgemeinschaft wurde größer. Die jährlichen Treffen in Norddeutschland fanden eine Ergänzung durch Regionaltreffen im westdeutschen Raum, organisiert von Schulkamerad Otto Stuzky. So gab es in den nächsten Jahren folgende Treffen: |
| 1961 10.06. Deutsches Eck, Kiel 19.03. Schloßhotel, Wiesbaden. 1962 10.11. Feldeck, Hamburg 18.08. Gießen 1963 17.08. Würf. Biergarten, Hannover 21.09. Favorite, Mainz 1964 05.09. Hotel Consul, Kiel 24.10. Frankfurt/M. 1965 16.10. Feldeck, Hamburg 20.11. Bad Homburg |
| Schultreffen mit großer Resonanz |
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Mit wachsender Mitgliederzahl machten sich entsprechende Regularien erforderlich. Im Mitteilungsblatt heiß es: "Am November 1962 fand in Hamburg das 21. Treffen unserer Ehemaligen nach dem Krieg statt. 40 Mitschüler aus dem norddeutschen Raum nahmen daran teil. Zu Beginn gedachte der Leiter der Schulgemeinschaft der Toten des letzten Jahrs. Schulkamerad Dr. Beck, der vor Beginn des Treffens mit Walter Ackermann und Kuno Kiehl eine Prüfung der Kasse vorgenommen hatte, gab einen Bericht über die Kassenlage. Dem Leiter der Schulgemeinschaft wurde für die Kassenführung einstimmig Entlastung erteilt. Gleichzeitig wurde ihm für die Leitung der Schulgemeinschaft der Dank ausgesprochen. Die Neuwahl ergab einstimmig die Wiederwahl von Dr. Fritz Weber. Zu Stellvertretern wurden gewählt: Walter Ackermann-Hamburg, Ernst Schaefer-Kiel als Verbindungsmann zur Patenschule und Otto Stuzky-Wörsdorf/Taunus für den west- und süddeutschen Raum." Über das Schultreffen 1963 wird berichtet: |
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Das Treffen 1964 fand "am Vorabend der Feier des zehnjährigen Bestehens der Patenschaft Kiel-Tilsit im Hotel Consul in Kiel statt. Etwa 60 Ehemalige mit ihren Angehörigen waren erschienen. Mit besonderer Freude wurden die Gattinnen von StR Zerrath und OStD Zerull begrüßt. Als Vertreter der Hebbelschule nahm Herr OStR Behrens an der Veranstaltung teil. Er sprach kurz über das Patenschaftsverhältnis und dankte unserer Schulgemeinschaft für die Alberten, auf die die Abiturienten immer sehr stolz seien. Im Rahmen der Zusammenkunft wurde des 125-jährigen Bestehens unserer Schule gedacht." Das nächste Schultreffen "fand am 16.10.1965 in Hamburg statt. Vor dem Treffen wurde eine Prüfung der Kasse vorgenommen. Die anwesenden Ehemaligen erteilten dem Leiter der Schulgemeinschaft einstimmig Entlastung für die Kassenführung und dankten in herzlichen Worten für seine langjährige Tätigkeit. Die Neuwahlen ergaben: Dr. Fritz Weber-Marne als Leiter, Walter Ackermann-Hamburg als Stellvertreter, Bruno Lemke-Hamburg für Patenschaftsarbeit, Otto Stuzky für den west- und süddeutschen Raum." Hannover wurde der Treffpunkt für die nächsten sieben Schultreffen. Sie fanden von 1966 bis 1972 immer am Vorabend des Tilsitertreffens der Stadtgemeinschaft Tilsit statt, im Künstlerhaus Sophienstraße. Die Beteiligung ließ offenbar nach, denn sowohl am 10.6.67 als auch am 6.7.68 beklagte laut Protokoll Dr. Weber die schlechte Teilnahme. Auch bei den folgenden Treffen, am 4.6.1970, am 12.6.1971 und am 10.6.1972 wurde es nicht besser. Dennoch herrschte eine nette Atmosphäre. Schulkamerad Dr. Hans Schumann, der am 10.6.72 erstmalig zur Schulgemeinschaft stieß, erinnert sich: "Ich wurde von Dr. Weber und den älteren Schulkameraden aus der Schulzeit nicht mehr kannte, sehr freundlich aufgenommen. Meine Hoffnung, nach all den Jahren und all dem, was hinter uns lag, vielleicht doch noch einen Klassenkameraden meiner Abiturklasse OI nat von 1939 wiederzusehen, erfüllte sich allerdings nicht. Nur aus der sprachlichen Parallelklasse traf ich Prof. Wannagat und. Horst Frischmuth." |
| Auch in den Siebzigern ist die Schule unvergessen |
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Um einen Überblick über alle in der Schulgemeinschaft erfaßten Schulkameraden zu vermitteln, erschien 1972 ein Anschriftenverzeichnis. Walter Ackermann hatte das Heftchen zusammengestellt. Der großen Nachfrage wegen wurde es 1979 aktualisiert und neu aufgelegt. Datenschutzquerelen gab es seinerzeit noch nicht. Im Jahr 1973 verzichtete man auf ein Schultreffen. Auch die Verleihung von Albertusnadeln an die Abiturienten der Kieler Hebbelschule wurde eingestellt. Das Tagebuch der Schulgemeinschaft registriert das 36.Schultreffen am 30.11.1974 im Hotel Kronprinz in Hamburg und das 37. am 7.6.1975 in Lüneburg in Wellenkamps Hotel. "Es war verbunden mit einem Besuch des Ostpreußischen Jagdmuseums. Anna Kurschat, die ehemalige Schulsekretärin, hatte als DDR-Rentnerin aus Quedlinburg die Möglichkeit genutzt, das Treffen zu besuchen. Sie berichtete den ehemaligen Schülern von den letzten Tagen ihrer alten Schule. Für die 50 Ehemaligen und ihre Ehefrauen wurde das Treffen zu einem unvergeßlichen Erlebnis." |
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1976 fand kein zentrales Schultreffen statt. Statt dessen kamen Klassentreffen in Mode. Schon ein Jahr zuvor, am 15.3.1975, hatte der Abi-Jahrgang 1925 den Anfang gemacht und traf sich zum Goldenen Abiturjubiläum in Hannover. Das Beispiel machte Schule. Im Mai 1976 versammelten sich die Abiturienten der Abi-Jahrgänge 1930/31 im Goldenen Löwen des Harzstädtchens Seesen. Es wurden 40 Teilnehmer gezählt. Schulkamerad Dr. Helmut Kudszus war dabei und erinnert sich gern an das zweitägige Treffen, das mit einer Bus-Rundfahrt durch den Westharz ausklang. Von nun an traf sich diese Jahrgangsgemeinschaft öfter, im April 1978 in Bad Gandersheim und im Mai 1981 anläßlich des Goldenen Abiturs in Bad Oeynhausen unter der Regie von Kurt Fehrmann. In einem Rundschreiben wurden solche Klassentreffen zur Nachahmung empfohlen: "Jede Klasse sollte einmal im Jahr ein Klassentreffen einschließlich Ehefrauen durchführen. Wie sich gezeigt hat, bedarf es meist nur einer tatkräftigen Initiative eines Einzelnen, um seine Klassenkameraden für eine Wiedersehensfeier zu interessieren. Erfahrungsgemäß ergibt sich aus einer derartigen Veranstaltung der Wunsch, solche Treffen zu einer regelmäßigen Einrichtung werden zu lassen." Aber auch zentrale Treffen fanden wieder statt. Man traf sich zum 38.Schultreffen am 5.11.1977 und zum 39. am 11.11.1978, beide Male im Europäischen Hof in Hamburg. Es wird von guter Beteiligung berichtet. "Das Erzählen und Austauschen alter Erinnerungen nahm kein Ende und nach Erledigung der offiziellen Angelegenheiten saßen die Ehemaligen noch einige Stunden in gemütlicher Runde zusammen. 1978 saßen die Letzten noch bis 2 Uhr in der Hotelbar." |
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Das 40.Schultreffen wurde im Rahmen des 25-jährigen Bestehens der Patenschaft Kiel -Tilsit durchgeführt, am 22.9.1979 im Flensburger Hof in Kiel. Mit 90 Teilnehmern war es das seither am besten besuchte Treffen. 1980 gab es kein zentrales Treffen, dafür aber ein Treffen des Abi-Jahrgangs 1925 anläßlich seines 55-jährigen Abiturjubiläums. Es fand am 8.3.1980 in Verden/Aller statt. "Im gemütlichen Teil unterhielten uns unsere Klassenkameraden Walter Ackermann, Helmut v.d.Groeben, Kuno Kiehl und Otto Stuzky aus einem nicht enden wollenden Repertoire von Vorträgen, Gedichten und Erzählungen aus unserer ostpreußischen Heimat. Schulkamerad Bruno Lemke (Abitur 1930) nahm als Vorsitzender der Stadtgemeinschaft Tilsit an unserem Treffen teil.." |
| Nach dreißig Jahren darf nicht Schluß sein ! |
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Am 13.8.1981 fand das 41.Schultreffen statt. Es stand im Zeichen des 30-jährigen Bestehens der Schulgemeinschaft. Darüber gibt es folgenden Bericht: "Dr. Friedrich Weber, der die Schulgemeinschaft einst ins Leben gerufen und ihr drei Jahrzehnte vorgestanden hatte, konnte beim 41. Schultreffen im Hotel Europäischer Hof zu Hamburg mehr als 60 Ehemalige begrüßen, die das Europazimmer bis auf den letzten Platz füllten. Er gedachte der Schulkameraden, die seit dem letzten Treffen verstorben waren und verlas anschließend eine Reihe von Grußbotschaften. Dann erteilte er Bruno Lemke das Wort zum Kassenprüfbericht. Sein Antrag auf Entlastung wurde einstimmig angenommen, ebenso sein Antrag, der Aktion >Albatros-Rettung über See< den Betrag von 100 DM zu spenden. Erneut trug Dr. Weber die Sorge über seine Nachfolge vor, die er aus Altersgründen seit Jahren anstrebt. Nach Erledigung der Formalitäten wurde gemeinsam Abendbrot gegessen. Danach zeigte der 2. Vorsitzende der Stadtgemeinschaft Ingolf Koehler seine Dia-Serie "Tilsit - einst und jetzt", die mit viel Beifall aufgenommen wurde. Das anschließende zwangslose Beisammensein währte bis Mitternacht. Tags darauf wurde Dr. Weber beim Jahreshaupttreffen der Stadtgemeinschaft Tilsit im Curio-Haus mit dem Ehrenzeichen in Silber der Landsmannschaft Ostpreußen ausgezeichnet. Das Ostpreußenblatt brachte einen Bericht über dieses Treffen." 1982 gab es kein Schultreffen, dafür aber etliche Klassentreffen. Der Appell von Dr. Weber hatte Früchte getragen. Der Abi-Jahrgang 24/26 traf sich am 27.3.82 in Verden/Aller, der Abi-Jahrgang 30/31 im Mai 82 in Bad Oeynhausen und der Abi-Jahrgang 32 am 6.3.82 in Hannover. |
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Im Jahr 1983 führten die Heimatkreise Tilsit, Tilsit-Ragnit und Elchniederung ein gemeinsames Bundestreffen in der Ostseehalle Kiel durch. Am Vorabend, dem 1.10.1983 traf sich die Schulgemeinschaft im Legienhof zu ihrem 42.Schultreffen. Es nahmen 80 Ehemalige einschließlich Damen teil. "Zu Beginn der Jahresversammlung gab der Leiter der Schulgemeinschaft einen Tätigkeitsbericht über die vergangenen zwei Jahre einschließlich eines Kassenberichts. Walter Ackermann berichtete über die im Juni 83 durchgeführte Kassenprüfung, die eine einwandfreie Kassenführung ergab. Er stellte den Antrag, dem Kassenführer Fritz Weber Entlastung zu erteilen, der einstimmig angenommen wurde. Nach dem Tätigkeitsbericht beantragte Peter Orlowski, Fritz Weber Entlastung zu erteilen, der einstimmig angenommen wurde. Unter dem Punkt "Neuwahlen" erklärte Fritz Weber, dass er aus gesundheitlichen Gründen die Leitung niederlegen müsse. Da sich kein Mitschüler für die Nachfolge zur Verfügung stellte, übernahm Dr. Weber nochmals kommissarisch die Leitung bis spätestens Ende 1984. Walter Ackermann wurde zum stellvertretenen Leiter wiedergewählt. Kassenprüfer wurden Georg Wichert/Plön, Ernst Schaefer/Kiel , Peter Orlowski/Kile und Werner Lange/Hamburg." |
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In den nächsten beiden Jahren fanden keine zentralen Schultreffen mehr statt. Dr. Weber war am Ende seiner Kraft. Zum Glück gab es einige rührige Klassengemeinschaften, die die Schule nicht in Vergessenheit gerieten ließen.- Der Abi-Jahrgang 30/31 traf sich in Bad Oeynhausen und in Bad Harzburg, Am 20./21.3.1984 kamen die Abi-Jahrgänge 24/29 in Lüneburg zusammen. .Diese 6 Jahrgänge hatten sich stark gelichtet, weshalb sie sich zu einem gemeinsamen Treffen entschlossen. Auch .in den Folgejahren trafen sie sich gemeinsam, wieder in Lüneburg, am 19./20.März 1985 und am 15./16.April 1986. Die Suche nach einem Nachfolger für Dr. Weber gestaltete sich zu einem schier unlösbaren Problem. Zudem gab die jährlich länger werdende Reihe der Sterbefälle Anlaß zu der düsteren Prophezeiung, die Schulgemeinschaft gehe ihrem baldigen Ende entgegen. Vom Auslaufmodell war die Rede. |
| Weiter mit neuen Impulsen |
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In dieser Situation erklärte sich Werner Szillat vom Geburtsjahrgang 1922 bereit, den Vorsitz zu übernehmen. Für den 20.9.1986 wurde das 43.Schultreffen in den Kieler Legjenhof einberufen, auf dem Dr Fritz Weber nun endgültig die Geschicke der Schulgemeinschaft in jüngere. Hände legen konnte. Werner Szillat wurde zum Vorsitzenden, Herbert Laurinat zu seinem Stellvertreter gewählt Mit Ideenreichtum stellte sich Werner Szillat der übertragenen Verantwortung. Um den Zusammenhalt der verbliebenen Schulkameraden zu beleben, wurde die Herausgabe der SRT-Mitteilungen in Angriff genommen. Zweimal jährlich wurden darin aktuelle Nachrichten aus dem Leben der Schulgemeinschaft, Termine, Ehrungen, Auszeichnungen, Glückwünsche, Totengedenken und Suchmeldungen veröffentlicht. Sie enthielten auch Beiträge und kleine Episoden aus der Schulzeit, um Erinnernswertes zu bewahren. Die. SRT-Mitteilungen wurden zu einem wichtigen Bindeglied und fanden großen Anklang. Schultreffen fanden nun wieder regelmäßig statt. Die Schulgemeinschaft klinkte sich in die alljährlich stattfindenden Treffen der Traditionsgemeinschaft TSC/MTV ein. !m Mai 1987 kamen 31, im Mai 1988 26 ehemalige Schüler ins Sporthotel nach Barsinghausen und verlebten dort angenehme Stunden. Zu einem Höhepunkt im Leben der Schulgemeinschaft wurde das 46.Schultreffen am 16.September 1989 in Kiel. Es stand im Zeichen der 150.Gründungsfeier des Tilsiter Realgymnasiums. An der Veranstaltung nahmen 68 Schulkameraden mit ihren Angehörigen und viele Tilsiter Mitbürger teil, so daß die Aula der Hebbelschule voll besetzt war. Zahlreiche Ehrengäste überbrachten Grußworte. Schulkamerad Prof.Dr. Helmut Motekat würdigte in seinem Festvortrag die Geschichte des Realgymnasiums. Das Schulorchester der Hebbelschule schuf einen würdigen musikalischen Rahmen. Zu einem eindrucksvollen Erlebnis .gestaltete sich der Auftritt des früheren Musikpädagogen der Oberschule für Jungen zu Tilsit, Dr. Werner Schwarz mit seinem ehemaligen Schüler Werner Szillat, die vierhändig am Flügel das Andante aus der Sonate D-Dur von Mozart vortrugen. |
| Die SRT bekommt Zuwachs |
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Wenige Wochen nach dem 46.Schu!treffen begann mit der Wende in der - DDR der deutsche Vereinigungsprozeß. Den in Mitteldeutschland lebenden Schulkameraden erschloß sich die Möglichkeit, am Leben der Schulgemeinschaft teilzuhaben. Auch der Versand der SRT-Mitteilungen nach .Mitteldeutschland wurde nun möglich. Auf dem 47.Schultreffen am 27.05.1990 konnte a!s erster. Neuzugang aus der "Noch-DDR" Hans Dzieran aus Chemnitz begrüßt werden Durch das Ostpreußenblatt hatte er. von dem Treffen erfahren und war nach Barsinghausen gekommen. Auf dem 48.Schu!treffen am 7.Juni 1991 wurden weitere "Neue" willkommen geheißen, darunter Helmut Fritzler aus Leipzig und Karl-Heinz Lange aus Halle. Die Schulgemeinschaft hatte Zuwachs auch bitter nötig. Ihr Mitgliederbestand war ausgangs der achtziger Jahre stark abgesunken. Es galt, in den neuen Bundesländern, aber auch unter den jüngeren Jahrgängen der gesamten Bundesrepublik jene Mitschüler aufzuspüren, die bisher noch nicht den Anschluß an die Schulgemeinschaft gefunden hatten. Es wurde deutlich gemacht, daß es nicht nur um Abiturienten oder "Ehemalige" des Realgymnasiums gehe, sondern daß gerade auch alle jüngeren Jahrgänge der Oberschule für Jungen angesprochen seien. .Es sei völlig uninteressant, wie lange jemand die "Schule überm Teich" besucht habe. Jeder, der in diese Schule ging - und sei es nur für ein Jahr - und der sich gerne daran erinnere, sei willkommen. |
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Bei der Gewinnung von "Nachwuchs" erwarb sich Schulkamerad Klaus-Jürgen Rausch einmalige Verdienste. Mit freundlicher Unterstützung von Studienrat Dr. Schwarz rekonstruierte er aus dessen Unterlagen komplette Klassenlisten des Schuljahrs 1943/44, von der Sexta bis zur Prima. In unermüdlicher Fleißarbeit begann Klaus .Rausch, nach Verbleib und Anschrift fehlender Mitschüler zu recherchieren und hatte großen Erfolg Es war vor allem, seinen Bemühungen zu verdanken, daß die Mitgliederzahl im Jahre 1992 wieder die 300 überschritt und im Folgejahr trotz zwischenzeitlicher Abgänge auf 342 anstieg. Im Herbst 1992 fand im Rahmen des Bundestreffens der Tilsiter das 49.Schultreffen in Kiel statt, am 10.10.1992. "Nach der Totenehrung durch Schulkamerad Erich Stepponat gab Werner Szillat einen Bericht zur Lage und Hans-Georg Liehr den Revisionsbericht. Dem Vorstand wurde Entlastung erteilt. Hans Dzieran wurde in den Vorstand als stellvertretender Vorsitzender einstimmig gewählt." |
| Erlebtes Zusammengehörigkeitsgefühl |
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Am 14.Mai 1993 gab es in Barsinghausen ein Jubiläumstreffen. Zum fünfzigsten Mal kam man zusammen, um Tilsit und seiner Schule zu gedenken. Eine Andacht in der Barsinghausener Klosterkirche würdigte das Jubiläumstreffen als schönen Ausdruck menschlicher Verbundenheit und gedachte aller Schulkameraden, die die Schulgemeinschaft für immer verließen. Das nächste Schultreffen fand wieder im Rahmen des Tilsitertreffens in Kiel statt, am 8.10.1994. 53 Schulkameraden nahmen daran teil. Kurz darauf erkrankte Werner Szillat schwer und mußte sich einer langwierigen Therapie unterziehen. Dem 52.Schultreffen am 5.7.1995 in Barsinghausen mußte er fernbleiben. Mit Betroffenheit erfuhren die anwesenden Schulkameraden von dem schweren Schicksalsschlag. Werner Szillat wünschte brieflich dem Treffen einen guten Verlauf und bat Hans Dzieran um die Übernahme der Leitung. Werner Szillat kämpfte zäh gegen seine tückische Krankheit, bis der Tod ihn wenige Wochen später, am 18.7.1995 für immer abberief. Er verstarb im Alter von 73 Jahren. Neun Jahre stand er an der Spitze der SRT und lenkte sie mit Engagement und Umsicht. Die Schulgemeinschaft verlor einen tüchtigen Vorsitzenden und guten Kameraden. Wieder einmal stand die Frage der Nachfolge auf der Tagesordnung. |
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Die Leitung übernahm Hans Dzieran zunächst kommissarisch. Um dem Schrumpfen der Schulgemeinschaft entgegenzuwirken konnten mit Unterstützung von Klaus-Jürgen Rausch viele Mitschüler aus den jüngeren Jahrgängen gewonnen werden. Allein im Jahr 1995 wurden 57 ehemalige Schüler willkommen geheißen, die im Schicksalsjahr 1944 den Klassen 1-4 angehörten. Diese Entwicklung setzte sich erfreulicherweise fort, so daß der natürliche Verlust durch Todesfälle nicht nur ausgeglichen wurde, sondern die Mitgliederzahl sich auf 375 einpendelte. Das lag auch daran, daß die Geburtsjahrgänge 1930-1933 mit Eintritt in das Pensionsalter mehr Zeit und Muße fanden, sich ihrer Schulzeit zu erinnern. Mit einer Reihe von Klassen- und Regionaltreffen konnte dazu beigetragen werden, den Zusammenhalt in der SRT zu vertiefen. In die Vorbereitung solcher Treffen wurden interessierte Schulkameraden einbezogen. Im Januar 1996 fanden ein Regionaltreffen in München und im Mai 1996 Klassentreffen der 3a/b unter der Leitung von Helmut Fritzler, der 4a/b unter der Leitung von Dr. Joachim Kirsch und der 5/6 unter der Leitung von Klaus Rausch statt, alle in Barsinghausen. Vorbereitet wurden auch die Regionaltreffen in Berlin in der Regie von Heinz-Günter Meyer, die seit 1997 alljährlich zu einer guten Tradition geworden sind. Auch die älteren "Semester" setzten den schönen Brauch der Klassentreffen fort. 1995 trafen sich die "5 Alten" des Abi-Jahrgangs 1932 in Kloster Wennigsen auf Einladung von Leo-Werner Wolski, die Jahrgangsgemeinschaft 1922/23 (Klaus Arand) zum 20.Mal und die Jahrgangsgemeinschaft 1926/27 (Horst Tüburg) zum 10.Mal im Leinsweiler Hof. |
| Bewahrung der geschichtsträchtigen Vergangenheit |
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Am 3.10.1996 weilte erstmals eine Abordnung ehemaliger Schüler zu einem offiziellen Besuch in der alten "Schule überm Teich". Der Chef des Militärhospitals, Oberst des med. Dienstes Schuljak, hieß die Gruppe herzlich willkommen, schilderte in einem Vortrag, wie es dem ehrwürdigen Gebäude seit 1945 ergangen ist und führte die ehemaligen Schüler persönlich durch die Räumlichkeiten. Er wertete die Kontaktaufnahme mit der SRT als Ausdruck der Verständigung und als Beitrag zur Pflege des Andenkens an die alte Schule. Am 12.10.1996 fand das 53.Schultreffen statt. 87 Teilnehmer waren nach Kiel gekommen. "Hans Dzieran gab den Rechenschaftsbericht über die zurückliegenden zwei Jahre. Der Bericht zeugte davon, daß alles getan wurde, um nach dem schmerzlichen Verlust von Werner Szillat keinen Bruch im Wirken der Schulgemeinschaft entstehen zu lassen und die jahrzehntelange Geschichte der SRT kontinuierlich fortzusetzen. Schulkamerad Dr. Horst Dietrich leitete die Neuwahl. Zum Vorsitzenden der Schulgemeinschaft wurde Hans Dzieran, zu Stellvertretern Herbert Laurinat und Helmut Fritzler, als Kassenprüfer Hans-Georg Liehr und Hans Ehleben gewählt." Zum Austragungsort des 54.Schultreffens wurde Eisenach. Es fand vom 17.-19.April 1998 statt. Für die fast hundert Teilnehmer wurden es drei erlebnisreiche Tage mit Stadtführung, Besuch der Wartburg, Exkursion ins Schaubergwerk Merkers und vielen eindrucksvollen Begegnungen. Im Dezember 1998 verstarb Dr. Friedrich Weber. Im Namen der Schulgemeinschaft erwies Hans Dzieran bei der Trauerfeier in der Friedhofskapelle zu Marne dem Begründer und langjährigen Vorsitzenden der SRT die letzte Ehre. |
| "Die Schule lebt" war das Motto des 160. Schuljubiläums |
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1999 jährte sich zum 160.Mal der Gründungstag des Tilsiter Realgymnasiums. Anlaß genug, um in einer Jubiläumsschrift "Das Tilsiter Realgymnasium 1839-1999" die kulturgeschichtliche Vergangenheit jener Bildungseinrichtung zu würdigen, die viele Jahrzehnte das geistige Klima der Region am Memelstrom prägte. Im Zeichen des Gründungsjubiläums stand auch das 55.Schultreffen, das vom 1. bis 3.10.1999 in Wolfenbüttel stattfand und zu einem echten Höhepunkt wurde. Den Auftakt bildete eine Vollversammlung mit Rechenschaftslegung, Revisionsbericht und Vorstandswahl. Zum Vorsitzenden wurde Hans Dzieran wiedergewählt, zu Stellvertretern Helmut Fritzler und Heinz-Günter Meyer, als Revisoren Dieter Wegerer und Dieter Punt. Am nächsten Tag fand unter dem Motto "Unsere Schule lebt" die Festveranstaltung in der Aula der Harztorwallschule statt. In Grußansprachen der zahlreich erschienenen Gäste wurde deutlich, daß die Schule weiterlebt, auch wenn dort seit 1945 kein deutscher Lehrstoff mehr vermittelt werde. Sie lebt fort in dem Wirken ihrer Schüler und ihrer Schulgemeinschaft, die den Geist der Schule in Treue bewahre. Dr. Hansgeorg Storost hielt den Festvortrag. Er führte die Zuhörer durch die mehr als hundertjährige Schulgeschichte und schilderte die Bedeutung der Anstalt als Bildungs- und Kulturträger im äußersten Nordosten Deutschlands. Das Schlußwort sprach Ehrenmitglied Hans-Erhard v. Knobloch. Mit dankbaren Worten würdigte er die ergreifende Atmosphäre der Feier, die viele Augen feucht werden ließ. Man werde dieses Ereignis nicht vergessen. Es waren "Goldene Oktobertage", nicht zuletzt durch das Rahmenprogramm mit Stadtführung, Besuchen im herzoglichen Schloß und in der Herzog-August-Bibliothek sowie durch zwei gesellige Abende im Parkhotel. Wenige Monate später, am 3./4.Mai 2000 weilte erneut eine Gruppe von ehemaligen Schülern in ihrer alten Schule, einer Einladung des neuen Chefs , Oberst des medizinischen Dienstes Krylow, folgend. Auch in Tilsit wurde des 160. Gründungstages der Schule gedacht. Auf einem Festempfang, an dem Schulkameraden, leitende Ärzte des Militärhospitals und Persönlichkeiten aus dem heutigen Sowjetsk teilnahmen, wurde bekräftigt, daß der seit einigen Jahren bestehende Kontakt mit der Schulgemeinschaft SRT zum besseren Verstehen zwischen den neuen und alten Bewohnern Tilsits beitrage und daß die Bewahrung der geschichtlichen Vergangenheit als ein gemeinsames Anliegen betrachtet werde. |
| Dem 50.Gründungstag der SRT entgegen |
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Pfingsten 2000 trafen sich die Ostpreußen zu ihrem Deutschlandtreffen in Leipzig. Die Schulgemeinschaft hatte einen Treffpunkt eingerichtet und am Pfingstsonntag versammelten sich 29 Schulkameraden im Messecafe zu einer gemeinsamen Kaffeetafel. Für die im süddeutschen Raum lebenden Schulkameraden fand am 5.9.2000 ein Regionaltreffen in Ulm statt, das Dr. Joachim Kirsch vorbereitet hatte und das großen Anklang fand. Im Jahre 2000 fand auch wieder das turnusmäßige Tilsitertreffen in Kiel statt., darin eingebettet das 56.Schultreffen im Legienhof am 7.10.00. Herzlich begrüßter Gast war Horst Mertineit. Er ging in seiner Grußansprache auf den hohen Stellenwert ein, den die Schulgemeinschaften tragen und verwies darauf, daß die SRT im Jahr 2001 auf fünfzig Jahre erfolgreichen Wirkens zurückblicken wird. Mit dem Blick auf dieses Ereignis wünschte Horst Mertineit der SRT alles Gute in ihrem Bemühen, auch weiterhin das Andenken an das Tilsiter Realgymnasium zu bewahren und den Zusammenhalt der Schulkameraden zu pflegen. In diesem Sinne geht die Schulgemeinschaft ihrem 50.Gründungstag entgegen. In seinem Zeichen wird das 57.-Schultreffen vom 12.-14.0ktober 2001 stehen, das im Preußenjahr in Potsdam stattfinden wird. Machen wir das Potsdamer Treffen zu einem Treuebekenntnis zu unserer Tilsiter Schule und zu unserer ostpreußischen Heimat! Auf Wiedersehen in Potsdam ! |
| Autor: © 2000 Hans Dzieran (Text und Bilder) Quelle: SRT-Mitteilung - Sonderausgabe |