| Die schönen Wiesengüter am Strom | |
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- mit der Sage vom Schatz in der Jäge -
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von Gabriele Bastemeyer
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Das Gut Warrischken, westlich von Tilsit malerisch zwischen Ruß- und Jägestrom am See Warrischken gelegen, läßt sich nachweisbar über mehr als 300 Jahre zurückverfolgen. Das älteste Privileg für Warrischken wurde am 11. Dezember 1614 für Merten Lehman, den Tilsiter Fischmeister des Kurfürsten Johann Sigismund, ausgestellt und am 20.12.1614 in Königsberg bestätigt. Es lautet über 4 1/2 Huben Land auf Warrischken "zu Culmischen Rechten", "so meistentheilß Unlandt und unurbahr, die gebäude auch neulicher Zeit abgebrandt". Lehman zahlt für sein Land 100 Mark je Hube und jährlich 6 Mark Zins. In der Bestätigung wird das Gut auch als "Villa Wariszken" bezeichnet. Am 4.3.1634 wird ein weiteres Privileg ausgestellt, über "vier wüste Huben im Tilsitschen zu Plaschken im Pagilgischen Schultzen Ambt gelegen", an den Coadjuthschen Landgeschworenen Georg Kalau. Dieses Land wurde von Plaschken zu Warrischken geschlagen, wie aus dem Text einer Zeichnung hervorgeht, deren genaues Datum mir leider nicht vorliegt. Sie ist aber vom Landvermesser Sebastian Behrendt aufgestellt, von dem um 1650 viele Karten des Amtes Tilsit stammen. Auf dieser Zeichnung ist zu lesen: "Der Kalau Soll In Seinem Guth So vor Diesem von Plaschken Ist Abgenommen 4 Huben Haben Zinsen von Jedweder Hube 50 Marck Ist Itzo An Maß 5 Hubenn 17 Morgen 169 1/2 Ruthen ... Darinnen Ist Daß Stück vom See Warrischkenn Auch ein Stück vom Strom Gegen Soweytt Daß Waßer In Seynne Grentzen kombt". Vierhundert Mark Kaufgeld hat Georg Kalau bezahlt, den Rest 1638, wird am 14.3.1662 unter Kurfürst Friedrich Wilhelm in Königsberg bestätigt. Auf der Karte des Amtes Tilsit mit den Neusassen, angefertigt 1641 von Stefan Dombroffski, die im Geheimen Staatsarchiv in Berlin-Dahlem liegt, finden wir "Wariscken" mit 11 Huben 3 Morgen und 158 (188?) Ruthen verzeichnet. Pillwarren hat nach dieser Karte 31 Huben 23 Morgen 9 Ruthen und Perwallkischken 6 Huben 12 Morgen und 218 Ruthen. |
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Der Name Warrischken deutet aber darauf hin, daß dieser Landstrich am Strom schon sehr viel früher besiedelt oder zumindest von Bedeutung war. Die zahlreichen Ortsbezeichnungen mit der Silbe "warr", die im Zusammenhang mit Kampf, Gewalt (prußisch warei = Gewalt), kriegerisch oder "sich für den Krieg rüsten" stehen (Warrischken, Pillwarren, Leitwarren, Plauschwarren, eventuell auch Warsze) weisen auf die Zeit der Normannen hin, die im 9. und 10. Jahrhundert mit ihren schnellen Booten vom Kurischen Haff durch die Memel weiter nach Rußland fuhren. Sie werden auch als Ruß-Waräger bezeichnet. Einer ihrer Anführer, Rurik, gilt als Begründer des Russischen Reiches. Sie trieben lebhaften Handel bis zum Dnjepr, nach Kiew und nach Konstantinopel und müssen im Memeldelta feste Handelsniederlassungen gehabt haben. Reiche Wikingerfunde sind im Gräberfeld von Linkuhnen gemacht worden, das nicht weit von Warrischken südlich der Memel liegt, und auch bei Wischwill fand man ihre Spuren. Wenn wir unsere Phantasie ein wenig spielen lassen, können wir uns um Warrischken herum ein lebhaftes Treiben der bekannten Drachenboote der Normannen vorstellen. Auch im 14. Jahrhundert muß Warrischken noch (oder wieder) von strategischer Bedeutung gewesen sein. In den litauischen Wegeberichten des Deutschen Ordens wird der Warszke-See als Sammelpunkt für den Beginn der Schiffahrt genannt. Auf der Janssonius-Karte von 1680, die auf älteren Karten - wie z. B. Caspar Hennebergers Karte von 1576 - basiert, wird der See Warrischken noch als Warszke-See bezeichnet. Die Wegeberichte überliefern uns die Wege der Ordensheere durch die Wildnis. Die deutsche Besiedlung war von Westen aus nur bis Labiau/Laukischken vorgedrungen. Um zu den vorgelagerten Burgen Tilsit, Ragnit und Insterburg zu kommen, wurden einheimische Führer durch die sumpfige und urwaldähnliche unzugängliche Memelniederung benötigt. Im Sommer gingen die Fahrten mit Booten über die Flüsse und das wilde Haff, im Winter mit dem Schlitten über die gefrorenen Gewässer. Wegebericht Nr. 11 spricht von "derne zee Wariske". Oberlehrer A.Thomas meint in einem Artikel von 1885, daß damit ein Hinterwasser der Gilge in der Nähe der Warsche gemeint sein könnte, da es in Wegebericht 11 auch heißt: "dese wege wyl führen Datenne obirs hab durch die Gilge czu cziehen". Seiner Meinung nach muß also der Ausgangspunkt in der Nähe der Gilge gelegen haben. Theodor Hirsch, der Herausgeber der Wegeberichte, sieht jedoch einen Zusammenhang mit dem See Warrischken, dieser seenartigen Verdickung des Jäge-Flusses. Ich halte das ebenfalls für sehr wahrscheinlich. Es muß auch berücksichtigt werden, daß die Flüsse im Deltabereich der Memel jahrhundertelang großen Veränderungen unterworfen waren. |
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Wir kehren jetzt in Gedanken wieder in das 17. Jahrhundert zurück. Merten Lehman wird inzwischen vielleicht verstorben sein, aber Georg Kalau könnte noch leben und auf seinem Gut Warrischken am Strom leben, Fische im Rußstrom fangen und Enten jagen. Bitte stellen Sie sich einmal die Zeit vor, in der der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm mit seinem Schlitten über das Haff eilte und die feindlichen Schweden verfolgte. Er machte damals - nicht weit von Warrischken entfernt - auf der reichen "Kuckerneeser Insel" Station (auf der Janssonius-Karte ist sehr schön zu sehen, wie anders der Fluß-Verlauf damals war). Die Schweden wurden bei Tilsit-Splitter geschlagen und flüchteten nach Norden. Die Sage vom Schatz auf dem Grund des Jäge-Flusses stammt aus dieser Zeit. Dieser sogenannte Schatz muß bei Warrischken gelegen haben. Demnach soll beim fluchtartigen Rückzug der Schweden im Jahre 1659 eine Kriegskasse in der Jage versenkt worden sein. Gut hundert Jahre später hat der damalige Pächter von Warrischken, namens Wandersieben, einen Taucher aus Königsberg beauftragt, nach dem Schatz zu suchen. Der Pfarrer Johann Christian Roloff von Coadjuthen (*Linkuhnen 1762, "Coadjuthen 1826), der vorher von 1783 bis 1799 Präzentor von Plaschken gewesen war, erzählte, daß der Taucher "einen großen eisernen oder mit Eisen beschlagenen Kasten fand". Obwohl man zunächst mit 12, dann mit 18 und zuletzt mit 24 Pferden versuchte, diesen Kasten aus dem Wasser zu ziehen, konnte nur der abgerissene Griff des Kastens geborgen werden, aus dem sich der Kölmer Lessing von Leitwarren eine Elle machen ließ. Roloff untersuchte 1798 selbst die Stelle in der Jäge und glaubte, den Kasten noch wahrgenommen zu haben. Der Amtsrat von Halle machte die staatlichen Behörden auf den Fund aufmerksam. Daraufhin wurden im Jahre 1821 zwei Tage lang mit einem Tauchapparat aus Stettin Untersuchungen in der Mündung der Jäge vorgenommen. Der Schatz wurde nicht gefunden. Um 1759/1767 begegnet uns in den alten Kirchenbüchern Christoph Franck als Gutsbesitzer von Warrischken. Er war am 4.11.1728 in Eckitten geboren und ist am 23.12.1803 in Tilsit gestorben. Er besaß auch das Gut Karzewischken. Am 6. November 1755 hatte er in Klaar (später Klemenswalde im Kirchspiel Gr. Friedrichsdorf, Kreis Niederung) Maria Eleonora Becker geheiratet, die Tochter des Christian Becker und der Regina Patschke. Am 9.12.1759 stirbt in Warrischken Christoph Melchior Franck, der erstgeborene Sohn des Gutsbesitzers Christoph Franck. Eine Woche später, am 17.12.1759, wird der 2. Sohn geboren und Christoph Heinrich genannt. Dieser Christoph Heinrich Franck, von dem ein Scherenschnitt erhalten ist, wird 1789 Kriegs- und Domänenrat in Gumbinnen und zuletzt Geheimer Oberrechnungsrat in Berlin, wo er am 28. April 1832 stirbt. In einem kleinen handgeschriebenen Büchlein der Familie findet man folgenden Nachruf auf ihn: |
Necrolog auf Christoph Heinrich FRANCKZu Warrischken gebohren den .......................17.Decbr.1759 ginng nach Königsberg zur Universität als Cameralist.... 1776 hielt sich in den Aemtern Ragnit & Heidekrug auf .....bis 1783 avancierte zum Referendarius ......................................1787 zum Assessor nach Bromberg.................................... 1787 zum Krieges und Domainen Rath nach Gumbinnen .......1789 zum Geheimen Ober Rechnungsrath nach Berlin. ...17.II.1794 nahm nach 32 Dienstjahren seinen Abschied .12.(??).VII.1819 lebte auf dem Gute Lichterfelde ...............................bis 1827 nachdem zu Berlin, woselbst er den ................28.Aprill 1832 im 73.sten Jahre von dieser Welt schied. |
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Am 12. Dezember 1761 wird ein weiterer Sohn des Gutsbesitzers von Warrischken geboren, Carl Rudolph Franck. Eine der Taufpatinnen ist die Frau Damm-Inspektorin Braun vom nahegelegenen Gut Perwallkischken. Zwei Jahre später wird der Sohn Carl Friedrich Franck am 5.4.1763 geboren. Paten sind Herr Amtmann Krause von Althoff Memel, Herr Dammmeister Braun sen. von Kandorf (Landorf?), die verwitwete Frau Pfarrin Patschkin von Coadjuthen, Frau Amtsräthin von Heydkrug, Herr Cantor (?) Becker und Herr Radke. Die Paten sind also eine recht illustre Gesellschaft der oberen Zehntausend des Memellandes. Carl Friedrich stirbt jedoch schon am 2.7.1767. Bei der Geburt des Sohnes Gottlieb Wilhelm Franck am 24.8.1764 wird der Vater Christoph Franck von Warrischken im Kirchenbuch von Plaschken als "Herr Oberkirchenvorsteher" bezeichnet. Bei der Taufe des am 16.11.1765 geborenen August Ferdinand Franck ist wieder die Frau Dammmeister Braun von Perwallkischken Patin. August Ferdinand stirbt am 6.4.1788. Am 9.12.1768 wird Johann Christian Franck geboren. Paten sind u. a. Herr Pfarrer Holdtschoe von Coadjuthen und Herr Amtmann Becker von Lesgewangminnen. Am 9. November 1770 wird dem Ehepaar Franck noch eine Tochter geboren, die am selben Tag stirbt. Die vielen hochwohlgeborenen Paten bei der Taufe der Kinder deuten darauf hin, daß die Eltern selbst aus Pfarrer- und Amtmann-Familien stammten, die bekanntlich immer wieder untereinander heirateten. Die Zeit der Familie Franck auf Warrischken in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erscheint uns in relativ hellem Lichte. Es wird vermutlich auch eine fruchtbare Zeit für das Gut am Strom gewesen sein. In der Topographie von Goldbeck wird Warrischken 1785 als kölmisches Gut mit 3 Feuerstellen bezeichnet, das zum Amt Winge und zur Kirchengemeinde Plaschken gehörte. Von 1799 bis 1838 fand ich in den Plaschker Kirchenbüchern Mennoniten in Warrischken. Die Angehörigen dieser Glaubensgemeinschaft, die ursprünglich aus Holland und Niederdeutschland stammen, dann in die Weichselniederung zogen, weil sie wegen ihres Glaubens verfolgt wurden, wurden aufgrund ihrer Erfahrungen im Wasser- und Deichbau sowie bei der Milchwirtschaft geschätzt. In Warrischken lebten Mitglieder der Familien Rosenfeld, Ewert, Foth, Mertins und Janz. Am 21. August 1799 wurde in Warrischken Jacob, Sohn des Heinrich Rosenfeldt und der Euphrosina Mauritz, geboren und am 27.8.1799 in Plaschken getauft. Nach Angabe des bekannten Mennonitenforschers Dr. Adalbert Goertz aus den USA wurde Warrischken 1817 von folgenden 5 Mennoniten gekauft: den Witwen des Abraham und des Heinrich Rosenfeld, von Franz und Johann Ewert und von Franz Mertins. |
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Johann Ewert und seine Frau Louise geb. Foth bekommen am 26.8.1819 in Warrischken den Sohn Johann Ewert. Louise Foth stirbt am 17.11.1826 in Warrischken. Franz Mertins und seine Frau, eine geborene Rosenfeld, bekommen in Warrischken am 23.5.1824 die Tochter Christine Mertins. Auch Eva Mertins ist am 25.11.1822 in Warrischken geboren, wohl als Tochter desselben Paars. Sie heiratet später Daniel Janz. Das benachbarte Gut Brantischken oder Pilwarn sollen 1818 ebenfalls 3 Mennoniten gekauft haben, Johann Janz, Abraham Rosenfeld und der Prediger Peter Rosenfeld. In den Prästationstabellen des Amtes Tilsit wird allerdings sowohl 1828 als auch 1837 Herr Ruppel aus Memel als Besitzer von Warrischken angeführt, und als sein Vorbesitzer wird ein Herr Grunwald angegeben. Pächter von Warrischken sind im Jahre 1837 die Mennoniten Franz Rosenfeldt und Franz Mertins. Es ist also nicht ganz klar, ob die 5 Mennoniten 1817 das Gut Warrischken wirklich kauften oder nur als Pächter dort lebten. 1837 hatte Warrischken 4 Feuerstellen. Die Größe des Gutes betrug 21 Hufen,18 Morgen und 77 Ruthen. Das Privileg des köllmischen Gutes Warrischken wurde, wie wir schon hörten, in Königsberg ausgestellt am 20.12.1614. Ein weiteres Dokument vom 6.10.1627 ist in der Prästationstabelle angegebenen. An General-Hufenschoß waren um 1837 zu zahlen 62 Thaler, 1 Silbergroschen und |
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Die Grenzen von Warrischken waren laut Prästationstabelle um 1838 folgendermaßen: "Die Felder dieses Guths grenzen und zwar gegen Morgen mit Köllm. Leutwarren u. dem Guthe Muellerischken gegen Mittag mit dem schiffbaren Rußstrom gegen Abend mit dem Werke (?) der Kukerneser Dorf Societät u. gegen Norden mit dem Jaegestrom, gegenüber liegen die Wiesen von Pageldienen u. Alt Karzewischken u. Muellerischken". Dann versinken wieder einige Jahrzehnte im Dunkel der Geschichte, bis wir im Verzeichnis der Rittergüter aus dem Jahre 1879 die Witwe Elise Bein als Besitzerin und Louis Ogilvie als Administrator des Gutes finden, das eine Größe von 197,63 ha aufweist. Züchtung von Nord-Holländer Vollblut wird als besonderes Merkmal angegeben Im Familienarchiv der Altpreußischen Geschlechterkunde des Vereins für Familienforschung in Ost- und Westpreußen steht eine sehr interessante Anmerkung zur Gutsbesitzerin und ihrem Verwalter, die uns wieder für einige Jahre am Leben in diesem alten Gut am Strom teilnehmen läßt. Eigentlich geht es in dem Artikel von Hans Zippel um den Verwalter des Gutes, Louis Wilhelm Ogilvie, der am 21.7.1815 als Sohn des Memeler Kaufmanns und Kreisverordneten Jacob Ogilvie geboren war. Seine Mutter Maria Martha Auguste Trentovius war die Tochter des Heinrich Ephraim Trentovius, Pfarrer von Prökuls. Über den Verwalter Louis Ogilvie lesen wir dort also folgendes: |
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"Ein ganz besonderer Mensch ist Louis gewesen. Frau Luise BEIN geb. RUPPEL, Gutsbesitzerin in Warrischken, stand vor dem Bankrott. Louis versprach ihr zu helfen, wenn sie sich ohne Widerrede seinen Anordnungen fügen wolle. Da sie es versprach, übernahm er die Wirtschaftsführung. Sie mußte sich ärmlich kleiden, in Holzpantoffeln gehen, selbst mitarbeiten und früh schlafen gehen, um Licht zu sparen; er nahm ihr einfach das Licht fort und ließ sie im Dunkeln. Mit fast unglaublicher Konsequenz hat er dieses Leben durchgeführt, selbst mitgemacht und die Familie wirklich in geordnete und sogar wohlhabende Verhältnisse gebracht. Er tat das alles ohne jeden Eigennutz und ist selbst ohne Vermögen gestorben. Sein Name aber war in weiten Kreisen verehrt bis lange nach seinem Tode." Der solcherart gelobte Verwalter und Landwirt Louis Wilhelm Ogilvie starb in Warrischken am 15. Februar 1886. Und Frau Luise Bein geb. Ruppel dürfte mit der 1879 erwähnten Witwe Elise Bein identisch sein. |
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Es ist wohl kein Zufall, daß eine Tochter des Gutsbesitzers August Steppuhn (verstorben 1877) vom benachbarten Gut Pillwarren namens Johanna Steppuhn (geboren um 1860?) einen RUPPEL geheiratet hat, der in Australien verschollen sein soll. Dann scheinen schwere Zeiten für das Gut angebrochen zu sein. Im Güterverzeichnis von 1905 wird die Stadt Tilsit als Besitzer des Gutes Warrischken angegeben. Verwalter war Steppuhn. Größe 164 Hektar. 1907 ist die Stadt Tilsit weiterhin Besitzer des Gutes, Pächter ist Steppuhn, Administrator L. Kraus. |
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Um diese Zeit herum muß der junge Fedor Stepun als Student das Gut Warrischken für einige Wochen besucht haben. Fedors Vater August Steppuhn stammte von den Steppuhn vom benachbarten Gut Pillwarren ab. August war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Rußland gegangen, wo Fedor geboren und aufgewachsen war. Fedor Stepun wurde ein bekannter Philosoph und Schriftsteller. Im ersten Teil seiner Lebenserinnerungen "Vergangenes und Unvergängliches" beschreibt er die Tage auf dem Gut Warrischken: |
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Die Frau des Gutsbesitzers ist eine Cousine von Fedor Stepun. Sie lebt auf Warrischken getrennt von ihrem Mann und kümmert sich dort - gezwungenermaßen - um die Milchwirtschaft. Im Güterverzeichnis von 1913 ist immer noch die Stadt Tilsit Gutsbesitzer. Verwalter ist der Gutsbesitzer F. Franz vom benachbarten Gut Pillwarren. Das Gut ist 164 ha groß und besitzt eine Windmühle zum eigenen Bedarf. Im Internet fand ich, daß im Jahre 1915 der Kämmerer Friedrich Schlenther und die Witwe Henriette Schlenther auf Warrischken lebten, außerdem der Gärtner Michael Kreutz und der Losmann David Pukies. Und im Memeler Dampfboot vom 20.2.1960 stand, daß um 1940 Hellwig in Warrischken 60 Rinder besaß. Eine Abbildung des Gutshauses liegt mir leider nicht vor. So muß uns die Beschreibung des Dichters Fedor Stepun aus der Zeit um 1905 vorerst genügen. Ich würde aber sehr gerne mehr darüber wissen, wie es in Warrischken aussah und auch, was aus dem Gut wurde. Irgendjemand müßte das Gut doch gekannt haben und es beschreiben können. Ich würde mich sehr freuen, wenn eines Tages ein kleines Wunder geschieht und ich doch noch eine Abbildung des Gutshauses oder der Bewohner erhalte. Hiermit enden meine Erinnerungen an die Wiesengüter am Memel/Rußstrom. Auch wenn ich - 1948 geboren - die Güter Pillwarren, Perwallkischken, Winge und Warrischken früher niemals selbst gesehen habe, so war es mir doch ein Bedürfnis, die Informationen, die ich in vielen Jahren zusammengetragen habe, festzuhalten. Ich wünsche mir, daß sie zumindest in den Herzen der Menschen weiterleben, diese schönen Wiesengüter am Strom. Auch wenn es mir leider nicht gelungen ist, eine Abbildung des Gutshauses zu bekommen, habe ich noch einiges zusammentragen können. Ob es vielleicht noch Nachkommen der Familie Ogilvie gibt, die das Andenken an ihren fleißigen Vorfahren Louis Ogilvie bewahrt haben? Vielleicht meldet sich zufällig einmal jemand, der das Gut noch kennenlernte. Ich hoffe sehr, daß sich andere Leser aufgerufen fühlen, über weitere Güter zu berichten. Das Wissen über die Güter scheint mir sehr wichtig, und vieles ist nur in den Familien selbst erhalten und wird vergessen werden. Mir ist in den letzten Jahren immer bewußter geworden, daß in früheren Jahrhunderten die oft unbekannte Heimatgeschichte von den Personen gestaltet wurde, denen diese Güter gehörten. |
| Autor: © 2005 Gabriele Bastemeyer, D-21380 Artlenburg, E-Mail: Bastemeyer@t-online.de (Text und Bilder) Quelle: "Memel-Jahrbuch" für das Jahr 2006 - Selbstverlag Manfred Malien, 24211 Preetz |
Quellenhinweise:
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| Statistik: ( nach der Volkszählung Jan. 1925; Gemeindeverzeichnis 1.05.1939) |
Anmerkung: Dorf und Gemeindeteile gehören zum Kirchspiel Plaschken und zum Krs. Heydekrug |
| Kartenmaterial: Der Ort ist auf folgenden Landkarten verzeichnet:
Die Karten sind unter folgender Internetadresse zu beziehen: www.bkg.bund.de |