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von Dr. Conrad
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Die Bahnfahrt nach Hannover und der Flug nach Polangen verliefen planmäßig. In Memel nahm ich ein Taxi, mit dem ich um 19.30 Uhr in Pogegen eintraf. Nachdem ich erfahren hatte, daß es dort kein Hotel gibt, fragte ich Passanten auf litauisch, ob ihnen Leute bekannt sind, die privat ein Zimmer vermieten. Als auch etwa die 10. Befragung negativ verlief, befürchtete ich, im Freien übernachten zu müssen. Für diesen Zweck hatte ich zwar im Gepäck einen Schlafsack und weitere Hilfsmittel, doch das war für den Notfall gedacht, wenn ich kein Dorf erreichen konnte. In dieser Situation tauchte eine Frau auf, die ich bereits zu Anfang befragt hatte. Aus ihrem Redeschwall entnahm ich, daß sie ein Zimmer mit Einschränkungen anzubieten hatte. Es war eine Gartenlaube, mit einer altersschwachen Couch, die ich für zwei Nächte mietete. |
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Pogegen. Der Ort hat sich wenig verändert. Die Straßenführung ist gleich geblieben. Viele alte Häuser stehen noch. Das litauische Gymnasium und die deutsche Realschule, letztere hatte ich von 1936 bis 1939 besucht, werden auch heute für schulische Zwecke genutzt. Lediglich der Markt und der angrenzende Sportplatz existieren nicht mehr. |
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Dort findet man in ungleichen Abständen Häuser und Gärten Auch meine litauische Wirtin wohnte dort. Es war nach unseren Begriffen ein Zweifamilienhaus, in dem fünf Familien lebten. Neben der deutschen Schule wird die evangelische Kirche gebaut. Das Dach über dem Kirchenschiff wurde gerade mit roten Dachpfannen gedeckt. Mit baldiger Fertigstellung ist zu rechnen, da selbst nach 21 Uhr und am Sonntag gearbeitet wurde. |
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Durch meine Wirtin wurde ich mit einer in der Nähe wohnenden Deutschen bekanntgemacht. Erika C. lebt seit ihrer Kindheit in Pogegen und wußte über die dortigen Veränderungen gut Bescheid. Von ihr erhielt ich viele nützliche Hinweise. Wegen der dortigen Wohnungsnot gab ich meinen ursprünglichen Plan, tagsüber mit dem gesamten Gepäck zu wandern und abends eine Unterkunft zu suchen, auf. |
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Pogegen bis Piktupönen. |
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Miekiten. Dort war die Abzweigung nach Tilsit gesperrt. Von Passanten erhielt ich die Auskunft, daß eine Brücke gesprengt sei. Welche, darüber bekam ich widersprüchliche Angaben. Später, als ich mein Quartier in Übermemel hatte, stellte ich fest, daß die landseitige Auflage der Ußlenkis-Brücke auf der nördlichen Seite erneuert werden mußte. Durch Neuaufschüttungen wird gleichzeitig die dahinter befindliche S-Kurve etwas begradigt. |
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Die falsche Auskunft veranlaßte mich, nicht nach Übermemel, sondern nach Piktupönen zu wandern.Am Ehrenmal in Miekiten steht auf schwarzer Marmorplatte in deutsch und litauisch "Zum Gedenken an die in den Jahren 1944-1947 umgebrachten und verhungerten Einwohner Ostpreußens", gewidmet vom "Deutschen Verein Edelweiß". Miekiten ist größer geworden. Vornehmlich am Ortsausgang in Richtung Piktupönen sind auf der linken Seite im Feld zahlreiche kleine Häuschen gebaut worden, |
| in denen die auf der Kolchose (jetzt Bendrove) beschäftigten Familien untergebracht sind.Auf den Feldern wird - wie früher - hauptsächlich Roggen angebaut, sowie Kartoffeln, Weizen und Gerste. Hafer, Menggetreide und Rüben sieht man selten. Häufiger als früher findet man in dieser Gegend Wiesen und Weiden. | |
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Der Ziegenberg, etwa 1 km hinter Miekiten, auf der rechten Straßenseite ist - wie früher - bewaldet. Älteren Landsleuten ist bekannt, daß dort bis zum Anfang der 30er Jahre Spitzbuben ihr Unwesen trieben, die die vom Markt in Tilsit oder Pogegen heimkehrenden Bauern ausraubten. Die dicht dahinter auf der linken Seite abzweigende Birkenchaussee nach Gudden und Nattkischken existiert noch. In Piktupönen ist die scharfe Kurve im Bereich der Piktupe-Brücke begradigt und die abknickende Fahrtrichtung vor den Ort gelegt worden. Zur Ortsbesichtigung reichte es nicht, da es schon 14 Uhr war und ich den Rückmarsch antreten mußte. Vor Miekiten erkundigte ich mich nach einer Abkürzung durch den Baubeler Wald. Dabei wurde ich an der Aussprache des Litauischen als Deutscher erkannt und in das nahe gelegene Haus zum Kaffeetrinken eingeladen. Es war eine deutschstämmige Frau zu der bald noch eine hinzukam. Beide erzählten mir ihren an Enttäuschungen reichen Lebenslauf. Über das Schicksal der dort angetroffenen Deutschen wird in einem späteren Beitrag berichtet. |
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Abends wanderte ich zum Pogeger Berg und genoß den dortigen Rundblick. Zum Pogeger See schaffte ich es nicht mehr, weil ein Regenschauer und einsetzende Dämmerung mich an die Rückkehr mahnten. Danach legte ich mich - eine ruhige Nacht erwartend, auf mein unebenes Bett. Bevor ich einschlafen konnte, wurde ich durch einen im Haushalt meiner Wirtin wohnenden Mann geweckt. Er war betrunken, und viel Geduld war nötig, um ihn schonend hinauszubefördern und die Tür zu verriegeln. |
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| Um 2 Uhr morgens wurde ich noch einmal durch den Betrunkenen belästigt. Früher als geplant, räumte ich am nächsten Morgen das ungastlich gewordene Quartier. | |
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Von Laugszargen bis Piktupönen. Es war ein Sonntag und Pogegen schien ausgestorben zu sein. Der 10.08-Bus nach Nattkischken fiel aus; es war It. Fahrplan der Einzige. Endlich, um 11.50 Uhr, bekam ich einen Bus nach Laugszargen. Dort wollte ich die aus roten Ziegeln gebaute Kirche besichtigen, doch sie schien schon seit langem verschlossen zu sein. In den Häusern daneben wirkte alles verschlafen. |
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Am Dorfausgang begegnete mir ein Mann, der Deutscher sein wollte, doch nicht deutsch sprach. Er lud mich in sein Haus ein und seine Frau bestand darauf, mir etwas zu essen zu machen, Danach fotografierte ich die Familie, und wir schieden voneinander nach herzlicher Umarmung.
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Es war die gleiche Landschaft, doch etwas fehlte. Anfangs wußte ich nicht, was es war. Als ich Gröszpelken erreichte, wurde es zur Gewißheit. Es fehlen die Baumgruppen in den Feldern, aus denen rote Ziegeldächer oder Hausgiebel hervorblinken. Es fehlen die Baumreihen, die Hof- oder Gemeindegrenzen und auch die Wege zu den Gehöften markierten. Lediglich an der Straße hat man einige alte Höfe stehen lassen, in denen die wenigen Menschen zusammengepfercht leben müssen.
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| Die Neubauten aus der Sowjetzeit erkennt man an den grauen Hausfassaden und Dächern. Die kleinen grauen Wohnhäuser erinnerten mich stets an Katendörfer in Rußland. | |
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Im Tal zwischen Sterpeiken und Wittgirren liegt rechts der Straße ein Restaurant und Cafe. Hier fand ich für 3 Nächte eine Schlafstelle. Nachdem ich mein schweres Gepäck abgestellt hatte, wanderte ich weiter in Richtung Piktupönen. Die Wittgirrer Mühle ist noch in Betrieb, doch das Dorf wurde abgerissen. Kurz danach stoppte neben mir ein PKW, und in einwandfreiem Deutsch wurde ich zur Mitfahrt eingeladen. Es waren Gerda und Heinz G. aus Piktupönen, die in mir einen Deutschen vermutet hatten, weil ich ihnen beim Heuwenden zugewinkt hatte. Angeblich tun Litauer so etwas nicht. Aus der Mitfahrt wurde nichts, weil ich an dem, was ich suchte, bereits vorbeigegangen war. Beide luden mich beim Abschied zu einem Besuch ein. In Grözzpelken fand ich abends noch den Hügelfriedhof, auf dem mein Onkel und mein Cousin begraben sind. Leider gab es keinen Zugang. Erst am nächsten Tag traute ich mich durch das Kornfeld zum Hügel zu gehen, dort die Grabumrandungen freizulegen und die Grabsteine wieder aufzurichten. Der Friedhof ist mit Gestrüpp zugewachsen. |
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Von Gröszpelken wanderte ich über Gintscheiten und Gillandwirszen zum Gut Sterpeiken. Frustrierend ist, wenn man nach alten Karten wandernd die eingezeichneten Dörfer nicht findet und nachträglich feststellt, daß die drei oder vier ramponierten alten Häuser, die man nicht beachtete, der Rest des früher stattlichen Dorfes gewesen sein muß. Nachmittags besichtigte ich Piktupönen. Dort ist viel gebaut worden: nicht nur graue Einheitshäuschen, sondern auch seit einigen Jahren dem westlichen Standard angepaßte Ziegelbauten. In einem dieser Häuser wohnen Gerda und Heinz G. |
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Das elterliche Land ist ihnen vom Staat zurückgegeben worden, doch bewirtschaften können sie es nicht, weil die notwendigen Maschinen unerschwinglich sind. Ich traf nur einen Deutschen, der den elterlichen Hof bewirtschaften wollte. Gerda und Heinz G. sind nicht die einzigen Deutschen, die man in der einst klassenlosen Gesellschaft zu den Begüterten zählen darf.
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Von Nattkischken über Gudden nach Pogegen. Mit einem Taxi fuhr ich am nächsten Morgen nach Nattkischken. Ich bin dort geboren, doch konnte ich mich an den Ort nicht erinnern, weil ich knapp ein Jahr alt war, als meine Eltern dort fortzogen. Der Ort bietet nichts Besonderes, doch ich kann jetzt ruhig schlafen, nachdem ich weiß, wie es dort aussieht. Von den früher an der Straße befindlichen Orten Kiupeln, Eistrawischken und Mantwillaten konnte ich keine alten Häuser entdecken. An Gudden erinnern nur noch 3-4 Häuser. Bojehnen wurde völlig abgerissen. |
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In Pogegen hatte die Wechselstube zwei Tage vor der Litas-Einführung geschlossen. Von dort fuhr ich mit dem Bus zurück nach Sterpeiken und wanderte noch einmal nach Gröszpelken und dann weiter nach Kampspowilken. Der Weg endet bei der Ziegelei, wo man eine Kolchose gebaut hat, die jetzt unbewohnt ist und verfällt. Übermemel. Am nächsten Morgen fuhr ich mit dem Bus über Pogegen und Plauschwarren nach Übermemel. Dort bin ich aufgewachsen. Trotzdem waren die Erwartungen nicht groß, denn unser Hof war bereits im August 1944 nach einem Bombenangriff abgebrannt. Durch Empfehlung fand ich Unterkunft bei einer litauischen Familie, die ein eigenes Haus besaß. |
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Übermemel ist größer geworden, heute 500 früher ca. 300 Einwohner. Neuer Baugrund wurde hauptsächlich an der Schirrmann-Straße erschlossen. Der Verkehr läuft heute über Schirrmann- und Taurogger Straße. Die Milchbuder Straße und der Rombinusweg haben heute nur die Bedeutung von Feldwegen. Verursacht wurde dies durch die Verlängerung der Brückenauffahrt um ca. 35 m. Dadurch konnten beim Brückenneubau Eisenträger eingespart werden, doch die Straßenverbindung wurde unterbrochen. Deshalb hat man die Zufahrt der Taurogger Straße zum Rombinusweg gesperrt und die letzten 150 m mit Schuppen und Ställen zugebaut. Zu dem östlich der Taurogger Straße liegenden Ortsteil gelangt man mit den Fahrzeugen nur über den unbefestigten Damm, der beim früheren Hof Schlaszus auf den Rombinusweg stößt. In Übermemel stehen noch sechs alte Häuser. |
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Zwischen Übermemel und Kumma-Bucht. Die Schreitlaugker Wiesen östlich von Übermemel, auf denen früher verschiedene Gräser und Wildkräuter üppig gediehen, haben sich verändert. Heute wächst dort fast nur das Rispen- und Steppenwieschgras. Vermutlich wurde dies durch die seit langem ausgebliebenen Memel-Hochwasser verursacht. Dies ist an den ausgetrockneten Teichen in der Region und am Anbau von Wintergetreide nahe der Memel erkennbar. Nach Auskunft der Einwohner war das letzte Hochwasser Anfang der 60er Jahre. Außerdem soll in den 60er Jahren ein unterirdischer Kanal gebaut worden sein, der höhere Wasserstände der Uszlenkis und Kurmeszeris in die Memel ableitet. Dies soll zu einem Sinken des Grundwassers geführt haben. Das Memelufer zwischen Kumma-Bucht und Übermemel zeigt deutlich geringeren Weidenbewuchs als früher. Vermutlich wurden sie für Heizzwecke gerodet. In einigen Abschnitten ist es zu Uferauswaschungen infolge ungenügender Spickdammwartung und fehlenden Uferbewuchses gekommen. |
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Von Übermemel zur Alten Memel. Als Fußgänger konnte ich die in Reparatur befindliche Uszlenkis-Brücke passieren und nach Miekiten wandern. Die Kurmeszeris-Brücke hat jetzt eine Fahrbahnbreite von 6,5 Meter. Dadurch konnte der Sommerweg neben der Brücke entfallen. Auf dem Rückweg bog ich am "Roten Krug" ab nach Schakeningken und besuchte dorteinige Deutsche. Prussellen existiert nicht mehr. Entlang der Alten Memel, die auch einen niedrigen Wasserstand zeigte, und stellenweise ausgetrocknet war, |
| versuchte ich, Krakonischken zu erreichen. Einsetzender Dauerregen zwang mich vorzeitig zur Umkehr. | |
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Von Übermemel nach Bittehnen. Etwa 1 km hinter der Uszlenkis-Brücke in Richtung Miekiten, zweigt nach rechts eine neue Straße nach Bittehnen ab. Auf dieser wanderte ich bis zur Kolchose vor Bardehnen ohne einen Menschen zu sehen. Lediglich Vogelgezwitscher und -gewisper aus den umliegenden Wiesen begleiteten mich. Auf dem Rombinus - dem hl. Berg der Litauer - ist der Blick auf die Memel, sowohl in der Richtung nach Tilsit als auch nach Ragnit durch hohe Bäume versperrt. |
| Die Treppen, die zum Anlegesteg der Ausflugboote führten, sind verfallen. Das Wirtshaus ist geschlossen. | |
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Zwischen Bardehnen und Bittehnen erstreckt sich heute junger Laubwald. In Bittehnen-Uszbitschen gibt es nur noch wenig alte Häuser. Die vorgerückte Zeit mahnte mich kurz vor Bittehnen-Schillehnen an den Rückmarsch. In Bahrdehnen stoppte ein Militärfahrzeug, um mich mitzunehmen. Ich wollte nicht, doch der litauische Offizier bat mich darum, so daß ich schließlich einwilligte. Später war ich froh, denn kurz nach meiner Rückkehr setzte schweres Unwetter ein, welches bis zum nächsten Morgen andauerte. |
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Von Übermemel nach Nausseden. Das Wiesengelände westlich von Übermemel interessierte mich wegen des Gutes Milchbude, in dem man den Tilsiter Käse bereits im vorigen Jahrhundert zur Marktreife entwickelt hatte. Leider wurde ich enttäuscht. Nicht einmal den früheren Standort konnte ich finden. Ich suchte bis Nausseden vergeblich nach Scheunen und Ställen , wo man die großen Heumengen und das Vieh hätte unterbringen können. Auch die Gebäude von Gr. Plauschwarren schienen dafür nicht ausreichend zu sein. Später hörte ich, daß das Gras dieser Wiesen durch extremen Feuchtigkeitsentzug zu einem Spezialfutter verarbeitet wurde. Zu spät merkte man, daß es eine unwirtschaftliche Methode war. |
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Nach sechstägigem Aufenthalt hieß es Abschied nehmen von der mir lieb gewordenen litauischen Familie. Ich verlegte mein Quartier nach Piktupönen, weil ich dort die Möglichkeit hatte, mit einem Kleinbus die um 9.30 Uhr startende Maschine in Polangen noch zu erreichen. Sonst hätte ich einen Tag früher nach Polangen fahren müssen. |
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Von der Jura über Lomponen nach Piktupönen. Zur Fahrt an die Jura nahm ich ein Taxi. Dort interessierte mich der Wasserstand im Sommer, da ich den Fluß einmal mit einem Faltboot ab Tauroggen befahren möchte. Die hügelige Landschaft um Willkischken wirkte durch den seit Stunden herrschenden Nieselregen grau verhangen. Das Dorf selbst scheint sich nicht verändert zu haben. Das deutsche Ehepaar J. ist im ganzen Dorf bekannt und geachtet. Sie bewohnen mit ihrem Sohn ein neugebautes, geräumiges Haus am Dorfrand. Ein Besitz, auf den beide mit Recht stolz sein können. Herr J. ist Metallhandwerker im Ruhestand, der stets in seinem Beruf in Willkischken tätig war. |
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Das Gut Polompen ist noch in Betrieb, doch am Erhalt der Gebäude wird nichts getan. Lompönen schien mir durch die vielen Neubauten größer zu sein als früher. Man belehrte mich, daß es nicht mehr Einwohner als vor dem Krieg besitzt. In Sichtweite von der Straße erkennt man um Lompönen drei Kolchosen, dies erweckt den Anschein, als ob die Nutzung des Bodens hier intensiver ist. |
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In Trakeningken fand ich nur noch die Reste von vier Höfen. Am Nachmittag hatte sich sonniges Wetter durchgesetzt. Bei der Wanderung nach Mietkiten kannte ich am südlichen Horizont die neue Silhouette von Tilsit wahrnehmen. Mit bloßem Auge waren der Schloßberg, der Wasserturm auf dem Engelsberg, die Hochhäuser am Fletcherplatz und der stets qualmende Schornstein der Zellstoff-Fabrik sichtbar. Ich empfand dieses Panorama als schönen Abschluß meines letzten Wandertages. |
Autor: © 1993 Dr. Conrad (Text und Bilder) Quelle: Heimatrundbrief "Land an der Memel" Nr. 54/1994 |
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