| Kirchspiel Sandkirchen: | |
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Die zuletzt unter der Bezeichnung Waldau bestehende Gemeinde ist aus den ursprünglichen Siedlungen:
Weedern, Mickehnen (Michenen, Mikienen und auch Micheln genannt) und Dannenberg, entstanden. Weedern als größte dieser drei Einzelsiedlungen ist in der Amtsrechnung des Amtes Lesgewangminnen aus dem Jahre 1654 mit 4 Huben und 15 Morgen mit dem Vermerk " nur Zins, kein Scharwerk" verzeichnet. Dieser Ort ist von der großen Pest (1708/ 1710) so betroffen worden, daß alle Bewohner ausgestorben sind. Bereite 1722/23 ist der Ort jedoch wieder mit neuen Siedlern besetzt. Bei der Vermessung durch das Amt Lesgewangminnen im Jahre 1780 sind als Siedler Cöllmische und Coßate ausgewiesen. Nach Goldbeck ist Weedern 1785 ein meliertes Dorf mit 7 Feuerstellen, 1818 hat sich das Dorf schon auf 9 Feuerstellen mit insgesamt 43 Seelen vergrößert. Die Ende des 19. Jahrhunderts gemachten Funde, ähnlich wie im benachbarten Lobellen, deuten darauf hin, daß hier schon sehr viel früher eine feste Ansiedlung bestanden hat. Bei der Neubesiedlung ist die Landnahme und die Bewirtschaftung recht ungeordnet erfolgt, da es keine festen Abgrenzungen gegeben habe. Wer zuerst einen Acker bebaute, der hatte auch das Recht zu ernten. So hatten auch Bewohner von Birkenhain etwa 3 ha Weidefläche in Weedern in Nutzung. Die Separation beseitigte diese Unordnung und schaffte klare Besitzverhältnisse. Auch mußte Weedern Teile von Flußwiesen an die Nachbardörfer Hirschflur (Giewerlauken) und Mickehnen abgeben. Die Regierung Gumbinnen übernahm einen großen Teich von 1,44 ha in Eigenbesitz. Die Urkunde über die Separationsmaßnahme (Ortsrecess) war nur von 2 Bewohnern mit Namen unterzeichnet, während alle andern ihre Unterschrift nur mit Kreuzen geleistet hatten. |
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Bei dieser Neuregelung wohnten in Weedern: Der Kölmer Göttner und der Hufenbesitzer Leitner waren Salzburger Siedler. Die Kölmer Bugnenings und Masurat und der größte Teil der Eigenkätner waren Litauer. Aus der überwiegenden Besiedlung durch Litauer stammten auch die bis zuletzt bestehenden Bach- und Flurbezeichnungen: Johann Boß, wahrscheinlich ein Nachfahre des Hufenbesitzers Boß, hat 1856 eine Hökerei und Schänke unterhalten, wofür er 2 1/2 Silbergroschen monatlich und 2 Reichsthaler jährlich an Abgaben zu leisten hatte. Einer der Eigenkätner hat zum gleichen Zeitpunkt eine Windmühle unterhalten. Etwa 1870 verkaufte der Kölmer Bugnenings sein Grundstück. Die Gebäude mit 2 ha Land kaufte die Regierung und richtete nun hier die Schule für die 3 Dörfer und das Gut Juckstein ein. Das Gut Juckstein erwarb den übrigen, größeren Teil des Grundstücks (fast ein Drittel von Weedern). Aufgrund schlechter Wirtschaftslage des Gutes wurden diese Ländereien jedoch recht bald wieder verkauft. Im Jahre 1900 war die Gemarkung wieder in vollem Umfang im Eigentum der Bewohner von Weedern. Einige Bauern hatten inzwischen eigene Memelwiesen in der sogenannten Alxnis erworben, die zwischen dem Lenker Vorwerk Aschelingen (Aszolinen) und dem Wiesengut Klein Hartigsberg (Mösen) belegen waren. |
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Der Ortsteil Mickehnen ist im Castastrum für Furage etc. lt. Order vom 31.5.1723 als "nunmehr adlig" bezeichnet. In späteren Erhebungen, 1785 und 1818, ist der Ort als adl. Dorf mit 14 Feuerstellen und 51 Seelen festgestellt. Diese Siedlung ist auf einem Teil der Gemarkung des Gutes Juckstein entstanden. Das Gut hatte hier zuerst ein Vorwerk mit 2 Insthäusern errichtet. Hier war auch die erste Schule für die 3 Einzelsiedlungen und das Gut eingerichtet worden. Nach der Neubesiedlung wohnten in Mickehnen 1 Kölmer und 7 Eigenkätner. Das Gut Juckstein hat eine Schnapsbrennerei unterhalten. Die Bewohner von Mickehnen sind diesem Erzeugnis nicht abgeneigt gewesen und dadurch derart in Verschuldung geraten, daß sie ihre Anwesen an das Gut verkaufen mußten. So kam es, daß etwa 1700 fast die ganze Gemarkung, außer dem Besitz des Kölmers, wieder zum Gut gehörte, 1829 wurde der damalige Eigentümer, Rittmeister von Peterson (dän. Adelsgeschlecht), infolge schlechter Vermögenslage zum Verkauf des Gutes genötigt. Bei dieser Gelegenheit haben Abkömmlinge der ehemaligen Eigenkätner und neue Siedler die Fläche der früheren Gemarkung bis auf 7,5 ha erworben und die Unabhängigkeit der Gemeinde vom Gut erreich t. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Schule abgebrochen, da inzwischen eine Schule für den Bereich im größten Dorf Weedern eingerichtet, worden war. Dannenberg, der kleinste Ortsteil, ist vermutlich erst im Zuge der Neubesiedlung entstanden, da der größte Teil der Gemarkung früher bewaldet gewesen ist und hier die Siedler, wie auch in Sammelhofen, durch die Forstbehörde angesetzt worden sind. Nach Goldbeck ist Dannenberg 1785 Chatullort mit 2 Feuerstellen. Auch 1818 sind nur 2 Feuerstellen mit ganzen 6 Seelen vorhanden. Im Rentenkataster von 1860 sind dann schon 6 Grundeigentümer ausgewiesen: Außerdem ist in der Gewerbesteuerrolle von 1856 noch Gottlieb Günther als Höker mit monatlich 2 1/2 Silbergroschen veranlagt. Diese Ansiedlung hatte bis 1900 die Gemarkung auf 61 ha mit 10 Gehöften erweitert und auch die Einwohnerzahl war auf 56 Seelen angewachsen. Die auf dem Ostufer des Ostflusses, der hier von Norden kommend auf kurzer Strecke nach Süden verläuft, gelegenen 3 verhältnismäßig kleinen Gemeinden wurden im Jahre 1928 zu einer politischen Gemeinde unter dem neuen Namen "Waldau" vereinigt. Angrenzende Gemeinden waren: Aschen im Norden, Sammelhofen im Osten, Kleinschollen im Südosten und das Gut Juckstein im Süden. |
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Diese neue Gemeinde hatte eine Gesamtfläche von 415 ha und nach der letzten Volkszählung 1939 eine Einwohnerschaft von 199 Seelen. Die Landschaft war leicht gewellt und aufgrund der langen Flußgrenze sehr reizvoll. Die Bodenqualität war wie im ganzen Flußbereich sehr unterschiedlich und somit ergab sich nur ein Gemeindedurchschnitts-Hektarsatz von 550,- RM. |
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Die größten landwirtschaftlichen Betriebe waren: |
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Die politische Gemeindevertretung bestand aus dem Bürgermeister, 2 Schöffen und 6 Geneindevertretern. Seit 1928 (Zusammenschluß der Gemeinden) bis zur Vertreibung war Andreas Arndt Bürgermeister. Ihm zur Seite stand als Kassenrendant Bernhard Welsch. |
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Die Gemeinde hatte eine einklassige Volksschule, die in Jahre 1904 erbaut war. Das ehemals durch die Regierung erworbene Bugnening'sche Bauernhaus war abgerissen und durch diesen Neubau ersetzt worden. Diese Schule wurde auch von den Kindern aus dem westlichen Teil der Gemeinde Aschen besucht. Die Verwaltung der Schule oblag einen Schulverband, der vor dem Zusammenschluß der 3 Gemeinden gegründet und auch weiterhin bestehen geblieben war. Der Vorstand dieses Verbandes setzte sich aus dem Verbandsvorsteher, 2 Ortsvertretern von Aschen, 2 Vertretern vom Ortsteil Mickehnen und je einem vom Ortsteil Dannenberg und vom Ortsteil Weedern zusammen. Schulverbandsvorsteher war seit 1923 der Bürgermeister Andreas Arndt (Ortsteil Weedern). Letzter Lehrer bis zur Einberufung zum Kriegsdienst war Wilhelm Eigner, Die Interessen der Gemeinde bei der Kornhausgenossenschaft in Neusiedel vertrat als Vorstandsmitglied ebenfalls der Bürgermeister Andreas Arndt. Aus der Zeit vor dem Zusammenschluß der Kleingemeinden bestanden 3 Friedhöfe, die von den einzelnen Ortsteilen weiterhin genutzt und gepflegt wurden. Eine eigene Feuerwehr hatte die Gemeinde nicht. Sie war dem Feuerlöschverband des Kirchdorfes Sandkirchen angeschlossen. Die Gemeinde hatte eine ausgewogene soziale Struktur, da nur wenige Familien auf Einkünfte aus nichtselbständiger Existenz angewiesen waren. Die Kleineigentümer bemühten sich ebenfalls um Nebeneinkünfte zur Verbesserung ihres Lebensstandards oder zur Ansammlung von Ersparnissen zum weiteren Grunderwerb oder für einen Grundstückswechsel. Die größeren landwirtschaftlichen Betriebe waren, wie in den meisten Gemeinden, die tragenden Glieder der gemeindlichen Aufgaben und Anliegen. |
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| Autor: © 1971 Walter Broszeit Quelle: "Das Kirchspiel Sandkirchen Kreis Tilsit-Ragnit" - Herausgeber Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V - Ausgabe Oktober 1975 |
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letzte Statistik 1939:
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Anmerkung: |
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Kartenmaterial:
Der Ort ist auf folgenden Landkarten verzeichnet:
Die Karten sind unter folgender Internetadresse zu beziehen: www.bkg.bund.de |
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Unser Dorf Waldau - eine Reise in die Vergangenheit |
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Dorfskizze mit Verweisliste zu den Grundeigentümern/Mietern(6Seiten - 380 KB) |