Wer kennt sie nocht ?
Die Geschichte der Jugendherberge in Unter-Eißeln
von Lieselotte Janzen

Zum Dorf gehörte ein Sportplatz des Vereins für Bewegungsspiele Unter-Eißeln. Es kamen wegen der wunderschönen Heide (privater Mischwald, Binnendünen) viele Naturliebhaber zum Wandern, zu damaliger Zeit "Wandervögel" genannt.

Rektor Parplies von der Ragniter Jungenschule war Kreisjugendpfleger. Wie sein Schwiegersohn Dr. Pokars bestätigte, kaufte er für die Kreisverwaltung eine Baracke und fand meinen Vater Gustav Köppen bereit, diese mit aufzubauen. Meine Eltern hatten im März 1925 geheiratet. Sie erhielten in der Baracke eine Wohnung und wurden Herbergseltern.


Einweihung der Jugendherberge 1925

In der Jugendherberge gab es je einen Schlafraum für Mädchen, für Jungen und für Ehepaare. Eisenbetten mit Strohsäcken und Decken waren das Mobiliar. So primitiv der Anfang auch war, wurde die Jugendherberge sehr rege angenommen. Zwei Tischler-Handwerksburschen aus Bayern hatten mit meinem Vater gemeinsam Tische und Bänke für den Tagesraum gearbeitet. Nun fanden Vereins- und Lehrertagungen in der Jugendherberge statt. Sie wurde auch Ziel von Schul- und Familienausflügen, und Lehrer Dargelies kam mit seinen Sängern.

Neben der Jugendherberge entstand eine Segelfliegerhalle mit 2 Segelflugzeugen. Von den Binnendünen in der Heide wurden Flugversuche gemacht. Durch die Jugendherberge erreichte Unter-Eißeln einen höheren Bekanntheitsgrad, und es kamen immer mehr Ausflügler und Erholungssuchende. Meine Eltern kauften neben der Jugendherberge ein Grundstück und bauten 1932 ihr eigenes Haus, das sie 1938 erweiterten und daneben ein Sommerhaus errichteten. Sie nannten es "Haus in der Heide". Heute steht an der Stelle außer einer kleinen Treppe nichts mehr.

Im Laufe der Jahre wuchsen die Ansprüche und der Bedarf, so daß an anderer Stelle - an der Memel - eine neue und größere Jugendherberge gebaut wurde, die wunderschön ausgestattet war. Der Krieg beendete ihre eigentliche Funktion; sie wurde Arbeitsmaidenlager und später Kinder-Landverschickungsheim. - Die alte Jugendherberge wurde während des Krieges Kriegsgefangenenlager, das "Haus in der Heide" Lazarett und zuletzt Hauptverbandsplatz.


Die neue Jugendherberge in Unter-Eißeln 1993
Autor: © 2000 Lieselotte Janzen geb. Köppen (Text und Bilder)
Quelle:
"Land an der Memel " Nr. 67/2000

Unter - Eißeln



© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am 03.06.2001
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letzte Änderung dieser Seite : Samstag, 15. Januar 2011