| Kirchspiel Großlenkenau | |
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von Herbert Korth
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Mit diesem Heimatbericht soll noch einmal in Kürze an die ehemalige sehenswerte und schöne Landgemeinde Unter-Eißeln erinnert werden. Diese interessanten Schönheiten gilt es auch weiterhin im Gedächtnis unserer noch lebenden und dort geborenen Ostpreußen weiter zu bewahren. Solch eine landschaftlich schöne Gegend soll als Erbe für unsere nachfolgende Generation erhalten und weitergegeben werden. Die Gesamtfläche unseres Dorfes betrug rund 1 360 ha. Es hatte im Jahr 1939 eine Einwohnerzahl von 876 aufzuweisen. Als größtes Dorf im Kirchspiel Groß Lenkenau konnte es sich infolge seiner günstigen Lage am Südufer des Memelstromes wirtschaftlich ständig weiterentwickeln. Hierbei spielen vorwiegend die Landwirtschaft, das Handwerk, die Schiffahrt und nicht zuletzt der wachsende Fremdenverkehr gemeinsam mit der Nachbargemeinde Ober-Eißeln eine tragende Rolle. Dadurch wurde auch dieses Musterdorf Unter-Eißeln immer stärker zu einem vielbesuchten Ausflugsziel und Urlaubsort im nördlichen Teil unserer ostpreußischen Heimat. Man konnte so z.B. mit dem Raddampfer von Tilsit und Ragnit aus die beiden Urlaubsorte im Sommer bequem erreichen. Der Fremdenverkehr wurde mit dem Neubau und der Inbetriebnahme einer Jugendherberge am Rande der Heide und nahe der Memel besonders aktiv gefördert. Der Standort der Jugendherberge in Unter-Eißeln war durch seine günstige Lage und kurze Entfernung zu den Städten Tilsit und Ragnit ein natürliches, klimatisches Erholungszentrum. Hier konnten gleichzeitig der Sportverein, die Ragniter Segelflieger, die Wasserwanderer und nicht zuletzt die vielen Wandergruppen einen sinnvollen Sport betreiben und sich erholen. |
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Zahlreiche Wanderer haben diesen schönen Weg durch die Daubas beschritten und dabei gleichzeitig den Memelstrom in seiner einmaligen Breite und Schönheit betrachten können. Hier führte nun dieser Wanderweg zu den Ausflugsorten Ober- und Unter-Eißeln. Ein Blick zu den hellgrünen Memelwiesen und dem Schreitlaugker Wald auf der Gegenseite des Memelstromes zählte zu den schönsten Seiten dieser ausgedehnten Fußwanderung. Mit diesem kurzen Abriß möchte ich als ein heute noch aktiver Posaunenbläser des ehem. Groß Lenkenauer Chores (letzter Leiter war Hauptlehrer Kasper) abschließend das kirchliche Leben in der Dorfgemeinde Unter-Eißeln noch einmal in Erinnerung bringen. Unsere Landgemeinde hatte auf Grund ihrer örtlichen Randlage kein eigenes Gotteshaus. Sie gehörte bis zur Jahrhundertwende zum Kirchspiel Ragnit. Erst im Jahre 1904 wurde in Gr. Lenkeningken eine unverputzte Backsteinkirche errichtet, in der auch die Kirchenmitglieder aus Unter-Eißeln mit aufgenommen wurden. Dieser Kirchenneubau bekam 1905 eine Orgel aus einer Königsberger Werkstatt und war mit einem Geläut von drei Glocken ausgestattet, die im weiten Umkreis hörbar waren. Der letzte Gemeindepfarrer, Herr Gerhard W a l t h e r, war als ein aktives Mitglied der Bekennenden Kirche Deutschlands in Groß Lenkenau in der Zeit von 1931 -1945 im Amt. Seine Gattin war eine tüchtige praktizierende Ärztin. Pfarrer Walther hielt regelmäßig in unserem Ort Hausandachten, Bibelstunden, persönliche Gespräche usw. ab. Diese Art der Seelsorge wurde von den älteren Kirchgängern besonders im Winter begrüßt, die sich so einen anstrengenden 5 km-Weg nach Groß Lenkenau ersparten. |
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Heute ist nun leider dieses kirchliche Bauwerk aus dem schönen roten Backstein von den dortigen Einwohnern als willkommenes Baumaterial im Jahre 1960 abgetragen worden. Die Kirche hatte den letzten Weltkrieg wie durch ein Wunder schadlos überstanden. Nun aber wächst wildes Gras und Gestrüpp auf ihrem Fundament. Der Taufstein der Groß Lenkenauer Kirche wurde rein zufällig in Ragnit hinter einem Hotelgebäude aufgefunden. Er ist jetzt auf dem Gelände unserer ehemaligen Kirche aufgestellt worden. Möge dieser gerettete Taufstein Zeugnis dafür ablegen, daß Russen und Deutsche der christliche Glaube und ein dauerhafter Völkerfrieden enger verbindet. |
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Autor: © 1997 Herbert Korth, Paul-Müller-Str. 27, 09599 Freiberg
Quelle: Heimatrundbrief "Land an der Memel" Nr. 61/1997 Seite 67 |
| letzte Statistik 1939: | |
Untereißeln (Einw.: 876 ; Fläche: 1.359 ha)
Anmerkung: Ort und Wohnplätze zugehörig zu ev. Ksp. Großlenkenau |
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Kartenmaterial:
Der Ort ist auf folgenden Landkarten verzeichnet:
Die Karten sind unter folgender Internetadresse zu beziehen: www.bkg.bund.de |
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