Gedanken an die Heimatarbeit
von Erich Dowidat

Ich habe bisher stets daran geglaubt, daß Lebenserfahrungen sich durch Zeit danach in gewisser Weise verflüchtigen. In Wahrheit aber stärken diese Erfahrungen die Werte eines Menschen, ein spürbares Lebensbewußtsein für das Sein wird dadurch hervorgerufen.

Einige dieser Erfahrungen leben in meinem Erinnerungsvermögen ständig fort, und ich behaupte, daß mehrere davon sich heute noch in positiver Weise zu meinem Nutzen zu erkennen geben. Diese Erinnerungen, sofern sie ehrlichen Charakters waren, können niemals zerstört werden, schon gar nicht durch Einflüsse von außen.

Dem Vorwort entsprechend möchte ich meine Erfahrungen aus dem Einsatz für meine verlorene Heimat beschreiben.

Viele meiner Landsleute meines Alters wurden im 2. Weltkrieg auf staatlichen Befehl zum Kriegseinsatz gezwungen. Auch ich hatte diesem Befehl zu folgen. Mir wurde seinerzeit erstmals bewußt, was Heimat, was ein Verlassen des Elternhauses sowie auch eine Trennung von Jugendfreunden bedeutete. Ich spürte erstmals, was diese Abwesenheit für mich bedeutete. Schon damals bezeichnete ich diesen Verlust als Heimweh auf Heimat. Diese Erkenntnis ging zeit meines Lebens nie verloren, vielmehr hat sich im Laufe von Jahren diese Erfahrung verfestigt.

Hier möchte ich Immanuel Kant zitieren, der 1772 sagte: "Was du begehrst, trägst du in dir, suche es nicht draußen".

Nach Kriegsende im Jahre 1945 war eine Rückkehr in die verlorenen Heimat nicht mehr möglich. Durch viele Monate von Suchaktivitäten wurden die Eltern und auch einige der Jugendfreunde aus dem Heimatort Trappen an der Memel ausfindig gemacht. Ein Glücksgefühl kam in mir auf, als die Familien Brück und Sanowski mir sehr helfend zur Seite standen, und der Gedanke an die verlorene Heimat wurde gestärkt, was auf meinem weiteren Lebensweg sehr hilfreich war. Nicht nur meine Eltern, die ebenfalls gleiche Schicksale der Flucht und Vertreibung durchzustehen hatten, sondern auch diese wiedergefundenen Freunde gaben mir Halt und auch die Möglichkeit, weiteres Suchen nach Landsleuten durchzuführen. Ich hatte Glück, ein Treffen dieser Freunde wurde auch organisiert.

Durch diese Treffen mit Landsleuten habe ich erkannt, daß eine aktive Mitarbeit für diesen Personenkreis von großem Nutzen sein könnte, denn es gab Betreuungsaufgaben in der landsmannschaftlichen Organisation, die auch sehr viel mit dem Erhalt von Kultur und Geschichte der verlorenen Heimat etwas zu tun hatte. Es galt daher, diesen Gedanken zu pflegen und zu fördern. Dieses erkannte ich für meine Person als eine Verpflichtung, und es wurde auch ein Erlebnis von unschätzbarem Wert.

Daher wurde mein Gedanke zur Mitarbeit in der Landsmannschaft aller Ostpreußen realisiert. Ich erklärte mich bereit und begann diesen Dienst in der Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.. Ich erfüllte Dienste, die für diesen Kreis erforderlich waren mit Zufriedenheit. Dem seinerzeitigen Vorsitzenden Herrn Bender bin ich auch heute noch zu Dank verpflichtet, daß ich volle Akzeptanz fand. Ich hatte mich seinerzeit zu meiner Heimat bekannt, und konnte meinen Einsatz 25 Jahre zur Zufriedenheit meiner Landsleute durchführen. Mein inzwischen erreichtes Alter und Gesundheitsprobleme haben ein Ende meiner Tätigkeit zwangsweise hervorgerufen. Diese Zeit bleibt mir in guter Erinnerung.

Mit heimatverbundenen Grüßen Euer
Erich Dowidat

Quelle : Heimatrundbrief "Land an der Memel" Nr. 82/2008

Trappen



© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am 20.05.2008
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letzte Änderung dieser Seite : Donnerstag, 27. Januar 2011