| Heimaterinnerungen | |
|
|
|
Von Erich Dowidat
|
|
Das Thema "Heimat" ist ein Begriff für Menschen, die auch bereit sind, sich darüber Gedanken zu machen, aber auch Bereitschaft empfinden, diesen Begriff zu deuten. Erinnerungen allein genügen nicht, denn vielmehr ist es wichtiger, Erfahrungen an Menschen meiner Generation weiterzugeben, aber ganz besonders an die Nachfahren zum Erhalt des Heimatgedankens. Dieser Heimat zu dienen soll eine Verpflichtung sein, denn nur so kann erhalten werden, was geschichtlich und kulturell entsprechende Einstufungen erfahren haben. Und schon taucht die Frage auf: "Was können wir denn tun, damit der Gedanke "Heimat" auch Heimat bleibt?" Erstens soll die Dankbarkeit in den Vordergrund gestellt sein, daß dieses Erbe uns zur Verfügung steht und wir auch ohne jeglichen Abstrich verpflichtet sind zum Erhalt der Erbschaft „Heimat". Pfleglich und mit Liebe den Einsatz des Heimatgedankens zu wahren, kann nur mit persönlicher Leistung und Handhabung zum Erfolg führen. Es darf auch nicht in Vergessenheit geraten, daß unsere jüngere Generation aktiv Angebunden werden sollte. Dafür soll auch ein bestimmtes Maß an Interesse und Pflichtbewusstsein vorhanden sein. Heimat zu haben ist ein Geschenk, und Geschenke bringen in vieler Hinsicht auch Freude mit sich, wie auch in diesem Fall Erfahrung. Also packen wir es in, ziehen wir die jüngere Generation mit ins Boot, ins Boot der Erinnerungen an unsere Heimat "Ostpreußen", unsere Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit" und das
„Kirchspiel Trappen"
|
|
Es ist eine große Freude, mit Menschen aus der Jugendzeit über die verlogne Heimat Gespräche zu führen. Überwiegend auch Themen der Region Kirchspiel Trappen, ein Gebiet, das nicht in Vergessenheit geraten darf. Die Zusammengehörigkeit geht dann wohl aus den Gesprächen oder Korrespondenzen hervor. Die Kenntnisse der einzelnen Ortsstrukturen werden dabei nicht vergessen, besonders sollen die ständigen Kontakte zu den Menschen vorrangig erhalten bleiben. Dabei können wir spüren, daß die Heimatgedanken nicht verloren gehen können. Die Menschen unserer Heimat, der Region Trappen und Umgebung, waren der christlich-bäuerlichen Lebensart zugewandt. Der Lebensunterhalt wurde überwiegend aus den landwirtschaftlichen Erzeugnissen bestritten, nachweislich waren im Kirchspiel Trappen 252 Gehöfte für den Anbau von Lebensmitteln angesiedelt. Ferner waren 94 handwerkliche Betriebe mit großen Kenntnissen in der unmittelbaren Region nachgewiesen. Arbeit war genügend vorhanden, so daß für die Versorgung von angesiedelten Familien gesorgt war. Acht ansässige Schiffseigner boten einen wichtigen Wirtschaftszweig. Erzeugnisse aller Bereiche konnten sodann auf dem Wasserweg auch an den Ort des Bedarfs befördert werden. Der Wasserweg, der Memelstrom, wurde für diese Zwecke voll genutzt. Die örtliche Ziegelei bot einer größeren Anzahl von Arbeitskräften Einkommen und Lebensunterhalt. Für die damalige Zeit war die Ziegelei den Fortschritten der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung angepaßt. Produkte moderner Art konnten daselbst hergestellt werden. |
|
Kirchspiel Trappen - Die Kirche
Einige Minuten Rückschau auf unsere Kirche erscheint nötig, denn wir hatten in Trappen eine Mitte, einen Punkt im Dasein unserer Lebensart. Erbaut wurde diese Kirche 1905, gleichzeitig auch eingeweiht. Leider hat unsere Kirche den 2. Weltkrieg nicht überlebt. Die Zerstörungskraft der Waffen trafen das wunderbare Bauwerk sehr stark. So konnten die damaligen Bewohner des Kirchspieles Trappen nur vier (4) Jahrzehnte ihren christlichen Glauben in Harmonie ausleben. 2270 Seelen aus 5 Ortschaften hatten in der Kirche Gelegenheit, den Segen Gottes zu empfangen. Es besteht jetzt die Möglichkeit, darüber nachzudenken und in Treue zur verlorenen Heimat der Landsmannschaft Ostpreußen zu dienen. |
|
Sicherheit und Grenzschutz
Seit dem Wegfall des Memelgebietes im Jahre 1922 mußte die nahe Grenze zu Litauen geschützt werden. Der sogenannte Grenzschutz mit den Zollstationen in Trappen, Friedenswalde und Waldheide wurde installiert. Etwa 20 - 25 Beamte erfüllten die Zollüberwachungsaufgaben. Trappen erhielt eine Polizeistation zur allgemeinen Sicherung des Ortes, auch Landjägerei genannt. Die Station wurde allgemein mit zwei Beamten besetzt. |
|
Gewerbe und Versorgung
Für den Lebensbedarf waren in Trappen ausreichend Läden vorhanden, sowie auch Gaststätten. Die Wirtschaftsentwicklung in Trappen wurde als fortschrittlich beschrieben, was auch Wohlstand bedeutete. Für die Zukunft war Trappen, wie man sagte, kleinstädtisch-gewerblich gut gerüstet. |
| Schulwesen - Schulpflicht Die Schulpflicht durch Gesetz erfolgte am 01.08.1736. Eine Schule mußte gebaut werden. Der Schülerzahl entsprechend waren vier Klassen zwingend notwendig, was auch erfüllt wurde. Fünf bis sechs Lehrkräfte führten die Grundschulausbildung durch. Tag der Flucht und Vertreibung war der 09. Oktober 1944. Die Bewohner mußten auf Anweisung der politischen und kommunalen Beauftragten in Eile die Heimat verlassen. Der damalige Kriegsfeind war bis auf hörbare Nähe herangerückt. Zum Teil ging alles drüber und drunter, was die Organisation anbetraf. Es wurden Anweisungen gegeben, nur in Richtung Westen die noch freien Wege zu benutzen. Nicht alle Bewohner der Heimat erreichten den Westen, kamen ums Leben oder wurden von den Besatzern drangsaliert, mußten Arbeiten verrichten oder starben durch Situationen, für die es keine Gründe gab. |
|
Die Patenschaft Schönberg - Trappen
Für die heimatlosen Bewohner des Kirchspiels Trappen wird der Tag der Patenschaftsbegründung am 21. Juni 1953 unvergessen bleiben. Zwischen der Gemeinde Schönberg und Vertretern der Trappener Heimatlosen erfolgte an diesem Tag die feierliche Beurkundung einer Patenschaft für die Menschen des früheren Ortes Trappen sowie auch der dazugehörenden Orte. Den Menschen wurde zugesichert, daß Schönberg sich hilfreich in jeder Weise einbringen wird. Ein Ort zum Treffen der Ostpreußen wurde ebenso zugesichert. Eine Möglichkeit zum Gedankenaustausch über die verlorene Heimat war gefunden. Für all diese Zusagen und insbesondere die praktische Ausführung danken die Trappener sehr herzlich. Es war und ist eine Patenschaft für immer. |
|
Begegnungen nach Kriegsende
Der Heimat Trappen eng verbunden nahmen einige Vertriebene den Besuch der Heimat auf. Sie fanden ihre Heimat in einer anderen Situation vor. Das Gewohnte der Vergangenheit, ebenso die früheren Besitzungen waren teils bis zur Unkenntlichkeit zerstört oder waren nicht mehr vorhanden. Das Gebiet um Trappen herum war bekannterweise von Sept. 1944 bis März 1945 Kampfgebiet und somit auch der völligen Zerstörung ausgesetzt. Ein wenig Hilfe den jetzigen in der Heimat lebenden Menschen zu leisten, war Wunsch vieler Vertriebenen. Denn die Menschen in der früheren Heimat lebten sehr einfach und waren arm. Die bekannte „Hilfe zur Selbsthilfe" hat sich im Laufe der Zeit als sehr ratsam erwiesen. Bleibendes sollte geschaffen werden. Freundschaften ergaben sich im Laufe der Zeit, so daß eine dokumentierte Patenschaft am 11.05. 1992 zustande kam. Die Freundschaft war damit besiegelt. |
|
Gedenkstätte in Trappen
Durch Besuche der Heimat hat sich im Laufe der Zeit ein vertrauensvolles Verhältnis zu den jetzigen Bewohnern ergeben. Teils konnte Hilfe seitens der Heimatlosen organisiert, aber auch Hilfe zur Selbsthilfe geboten werden. All diese Versuche wurden dankend angenommen, wie zum Beispiel Lebensmittel, Medikamente und Gebrauchsgegenstände. All diese Dinge fehlten bei den jetzigen Bewohnern infolge ihrer Armut. Es ergab sich im Laufe der Zeit, daß die jetzigen Bewohner auch Interesse an der früheren deutschen Kultur und Geschichte ausdrückten. Ein Museum wurde in Trappen angesiedelt, wobei nicht nur Gegenstände aus russischer Zeit, sondern auch aus unserer Geschichte gerne angenommen wurden. So fand dieses Museum im früheren Pfarrhaus Platz. Wir Trappener konnten auch aus unserer Zeit einige Ausstattungsstücke zur Verfügung stellen. Das Museum in Trappen fand auch große Anerkennung durch die Regierung in Königsberg. Der Einsatz hat sich also gelohnt. Auch für den Bau einer Gedenkstätte kam Interesse auf und wurde von den Trappenern und den Bewohnern des Ortes mit Elan in Angriff genommen. Die Gedenkstätte fand Aufstellung auf den Grundmauern des früheren Mahnmales. Der 2. Weltkrieg hatte auch diese Stätte zerstört. Die Form des ehemaligen Kriegerdenkmales von 1927 konnte realisiert werden. Auch die Inschrift konnte übernommen werden, die wie folgt anerkannt wurde: "Den Toten zur Ehre, den Lebenden zur Mahnung". Für den Bau dieser Gedenkstätte haben sich insbesondere Frau Schawkunova und der Trappener Erich Dowidat eingesetzt. Die Gedenkstätte wurde am 28.08.1993 eingeweiht, auch mit christlichem Segen eines Popen aus Lasdehnen und von Probst Beyer aus Königsberg versorgt. Das Denkmal wird nun als Ortsmitte anerkannt und entsprechend behütet und gepflegt. Ein Beispiel zur Völkerverständigung wurde durch diese Gedenkstätte geschaffen. Zur Pflege dieses Denkmales werden gerne Spenden angenommen. |
| Autor: © 2010 Erich Dowidat , Kirchspielvertreter Trappen Quelle: Heimatrundbrief "Land an der Memel" Nr. Nr. 87/2010 |