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Gedanken von Willi Groß
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Trappen |
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Glücklich am großen Memelstrom, mit seinen hellen Uferstränden und Weidenbüschen, durchwachsen mit Barbenietsho. Der Strom, er gab uns viel Freude und Nahrung. Wir waren noch klein und nackt, wie uns die Natur erschaffen, stehen am Strand und staunen über das Anderssein. Das Staunen hält nicht lange an, denn das Wasser der geliebten Memel ruft. Wir schwimmen am Anfang wie kleine Hunde, dann lernen wir langsam richtig schwimmen; Brust-Rücken-Kraulen und Wassertreten. Wir wurden größer und die Nacktheit ist bedeckt. Es gibt kein Staunen mehr, denn unser Wissen ist gewachsen. |
Der Strom, der große Freudenspender; Dies alles, und das große schöne Heimatdorf "Trappönen" vergißt man nicht, es lebt in unseren jungen Herzen fort. |
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Eine andere Zeit ist angebrochen, die Zeit mit Hackenschlagen und Händeheben. Die alten Heimatlieder werden nicht mehr gesungen, dafür andere Lieder aufgezwungen. Die Pflichten sind größer geworden, im Vaterhaus, in der Schule und der Gesellschaft. Trotzdem ruft der Strom, die schöne Memel. |
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Nur die Zeit ist jetzt kürzer, am frühen Abend trifft man sich. Der Mutterruf erschallt am Strom, gar strenge: "Verdammter Lorbas, komm sofort nach Hause". Der Ruf verklingt in der Ferne. Nun kann der Freudenspaß beginnen. Wettschwimmen, Tieftauchen, eine handvoll Modder ist Beweis. Der Mond geht auf, die Nacht bricht herein. Manch ein zarter Kuß wird versucht. Die Nachtigall begleitet dieses süße Tun mit ihrem lieblichen Lied. Die Zeit der Trennung ist gekommen. Der Weg des späteren Lebens muß beschriften werden. Ob in der Schule, Bauer oder Handwerker, alles muß gelernt sein. Doch auch diese Zeit geht rasch vorbei. Der graue Rock muß dann getragen werden, ein "Nein" gibt es nicht. Auch Töten und Sterben muß gelernt sein. Der Horizont verdunkelt sich, die Furie Krieg erhebt ihr Haupt. In fremden Ländern wird gestorben, denn nur hier werden Siege errungen. Der Siegestaumel will nicht verklingen. Beim Rufen von Franz, Fritz, Kurt oder Otto erhält man keine Antwort. Ein schwarzer Rand auf dem Papier gibt diese Antwort. Eine Wiederkehr gibt es nicht. Der Horizont wird immer dunkler. Wann wird die volle Schwärze bei uns sein? |
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Es kommt die Zeit mit Not in unser Land. Kanonendonner erschallt schon über unserem schönen Heimatdorf. Die gute alte Memel ist unser letzter Schutz. Die Siegesfanfaren erklingen nicht mehr. Ein lauter Ruf erschallt, wir müssen fort! Was wird geschehen mit unserem großen schönen Heimatdorf? Der schwere Weg der Ungewißheit hat begonnen. Viele Tote säumen den langen Weg der Ungewißheit. Todesschergen sammeln letzte Kräfte, sie kennen kein Erbarmen. Sie sollen als Kanonenfutter dienen. Es geht nach Westen in eine fremde Umgebung. Ob Süden, Westen oder Norden, wir kennen keinen Ort. Das ganze Land ist zerstört. Es gibt nur noch wenige heile Orte. Wo wir auch hinkommen, man liebt uns nicht. Wir sind die Fremden. Die ersten Jahre am neuen Ort sind sehr schwer. Keiner weiß etwas von den früheren Freunden, dann etwas später nur wenig. Die Jahre gehen dahin, es wird besser, unser Hiersein wird akzeptiert. Der Name Schönberg macht die Runde. Dieser Ort soll die Patenschaft für unser schönes Heimatdorf Trappen übernommen haben. Dort werden Treffen der Heimatlosen abgehalten. Wen werde ich dort sehen, wen wiedererkennen, wer wird noch sein? |
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Mit bangem Herzen und innerer Freude geht die Reise dorthin. Schönberg begrüßt freundlich, man wird herzlich aufgenommen. Köstliche Speisen und guter Wein werden uns angeboten. Tröstliche Worte findet man für uns Fremde, man reicht uns freundschaftlich die Hände. Dafür sind wir sehr dankbar und wünschen, daß es immer so bleiben möge. Die Jahre vergehen, die Treffen werden laufend wiederholt. Sehnsucht nach diesen Treffen wächst ständig. |
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Mein armes Land, wie hat man dich geschunden! Dann sind wir da, hier soll es sein, ein Irrtum ausgeschlossen. Ein neuer Name des Ortes wird erkannt. Das schöne Dorf ist nicht mehr, die Straßen kaum zu finden. Nur wenige Häuser stehen hier und dort. Die Ruhestätten unserer Toten sind geschändet oder ganz verschwunden. Gebeine liegen am Memelstrand, wie Abfallholz. Mit traurigem Herzen und zitternder Hand wird dieses Gebein gesammelt und an alter Stätte begraben. Ein dürftig Kreuz wird aufgestellt. Zum Abschied wird das Haupt gesenkt, ein letztes Gebet gesprochen, der Ruheort verlassen. Ein Wiedersehen bleibt als Frage im Raum. Mit fremder Hilfe Hand wird ein Mahnmal erstellt. Die Inschriften teilen mit, daß die Lebenden ermahnt werden, den Toten soll die Ehre erwiesen sein. Nur Freundschaft soll die Zukunft bestimmen. |
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Die dort lebenden Menschen kommen aus fremden Landen. Trotz Not und Armut kommen sie uns freundlich entgegen. Viel Gutes wird geboten mit Essen, Trinken und Musik. Geschenke werden ausgeteilt, Kinderaugen leuchten, denn dieses hatten sie noch nicht gesehen. Haß schlug uns nicht entgegen. Dann heißt es Abschied nehmen. Die schönen Bilder der Jugendzeit werden nicht mehr sein. Grau ist das geschundene Land, traurig unser Herz beim Verlassen der Stätte der Jugend. Die Heimat ist verloren, wie sangen ihr ein "Lebewohl". Auch die Zeitgeschichte wird sie nicht mehr wiederbringen. Die Kinder und Enkel werden diese Heimat ihrer Vorfahren sehen wollen, aber sie kehren freiwillig in ihre jetzigen Heimat zurück. |
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Nun "Lebewohl", mein schönes Heimatdorf,
dein Bild wird in unseren Herzen weiterleben. |
| Autor: © 1999 überarbeitet und vorlegt von Erich Dowidat Quelle: Heimatrundbrief "Land an der Memel" Nr. 64/1999 |