Trappen ( Trappönen)

Das Kirchspieldorf  Trappen liegt im Nordosten des Kreises am südlichen Memelflussufer. Das Dorf als Mittelpunkt einer modern entwickelten Region.
In Trappen wurden 72 Landwirtschaften mit 122 Gehöften gezählt. 24 Betriebe mit handwerklichem Hintergrund wurden angesiedelt.

Zollamt Trappönen mit Blick
auf die Flussfähranlage

Nachgewiesen wurden auch 8 Schiffs-eigner als ein beachtlicher Wirtschafts-zweig für die Gemeinde. Anfang des 20.Jahrhundert kam noch eine Ziegelei dazu.

Mit vier Gaststätten und Läden für den allgemeinen Bedarf war die Bevölkerung ausreichend versorgt.
Der vorhandene Hafen - erbaut in den Jahren 1904/05 - diente den Schiffseignern zur Überwinterung. Die Regie für den Hafen hatte das Wasserbauamt. Die Aufsicht vor Ort wurde dem ansässigen Strommeister übertragen.

Als Mittelpunkt der christlich-bäuerlichen Lebensart wurde die 1905 erbaute Kirche in Trappönen angesehen.. Zum Kirchspiel Trappönen gehörten die Orte Hartingsberg und Treiben, Friedenswalde, Memelwalde und Waldheide.
Die Dörfer dieses Kirchspiels waren überwiegend von Staatsforsten umgeben. Die Forstämter hatten ihren eigenen Amtsbezirke.

Die postalische Versorgung der Orte des Kirchspiels wurde mit der Einführung der Post-Omnibus-Linie Tilsit-Ragnit-Waldweide ab 1925/26 sichergestellt. Nach Abtrennung des Memelgebietes im Jahre 1922 wurden Zollstationen in Trappen (12-15 Beamte) und Memelwalde (8-10 Beamte) etabliert.

Das Landjägerhaus,
Polizeigebäude bis etwa 1935

Trappen hatte eine eigen Polizeistation (Landjägerei) mit zwei Beamten.
Die Schulausbildung wurde am Ort in der 4-klassigen Volksschule durchgeführt. Es waren überwiegend 5-6 Lehrkräfte tätig. Trappen gehörte zu den ersten Gemeinden, die nach Einführung der Schulpflicht (01.08.1776) ein eigenes Gebäude erhielt.


Kirchspiel T r a p p e n (T r a p p ö n e n ):
Das Kirchspiel wurde im Jahre 1902 durch Abzweigungen von Wischwill und Lasdehnen gebildet; 1904 wurde die bis dahin noch bestehende pfarramtliche Verbindung zwischen Wischwill und Trappönen endgültig aufgehoben.

Durch ein Gnadengeschenk Kaiser Wilhelms II. wurde der Bau des Gotteshauses bald ermöglicht, das im November 1905 eingeweiht wurde. 1908 war das Pfarrhaus vollendet

Die Kirche um 1940rechts: Kirche von Trappönen ( vor 1945)

Das in Ost-West-Richtung angelegte Kirchengebäude aus roten unverputzten Backsteinen ließ Anklänge an die Ordensarchitektur erkennen; der im Westen vorgelegte Turm hatte ein Satteldach. Durch die neugotische Eingangstür betrat man einen Vorraum vor dem eigentlichen Kirchenschiff; von hier aus lief ein breiter Gang auf den in Ostrichtung gelegenen Altar zu.

Das Kirchenschiff hatte eine halbrund gewölbte Decke, von Wand zu Wand liefen zwei starke Balken. Von der Decke herab hingen zwei Leuchter in neugotischen Formen. Das Kirchenschiff und der rechteckig angelegte, spitzbogig nach oben zulaufende Altarraum waren durch einen reich bemalten Triumphbogen getrennt. Der Altar, aus Holz geschnitzt, hatte einen kleinen Aufsatz, auf dem sich ein drei Meter hoher holzgeschnitzter Kruzifixus erhob.

Das Pfarrhaus um 1935
Pfarrhaus Trappönen in den 30.Jahren

Hinter dem Altar befand sich ein großes Spitzbogenfenster mit den Darstellungen der Kreuzigung und Auferstehung Christi. Rechts vom Altar befand sich die Kanzel, links im Altarraum der Taufstein. Die Orgel an der Westseite stammte aus der Erbauungszeit der Kirche. Der Innenraum der Kirche war verputzt. Zwischen den schmalen Seitenfenstern waren zunächst Leuchter angebracht, später elektrische Lampen

Im Rahmen der Renovierungs-arbeiten 1934 wurden die beiden eisernen Öfen durch eine Warmluftheizung ersetzt. Die Kirche besaß drei Glocken, von denen die eine im Zweiten Weltkrieg abgegeben werden musste.


Nach 1945 : Nemanskoe  
Bild rechts: Ziegelei im Jahre 1993

Das Kirchspieldorf Trappen wurde nach der Besetzung durch die Sowjetstreitmacht im Januar 1945 in "Nemanskoe" umbenannt. 
Durch die Kriegseinwirkungen der Jahre 1944/45 wurden etwa 60 % der Gebäude zerstört, was gleichermaßen für alle Orte des früheren Kirchspiels gilt.
Der verbleibende Rest der Gebäude wurde durch Zwangsumsiedelungen von Menschen aus Russland belegt.

Vielfach wechselten die Bewohner, da in der Region kaum Erwerbsmöglichkeiten vorhanden waren. Es herrschte totale Armut.
Im Laufe der Jahre etablierte sich die Bevölkerung bis zur jetzigen Anzahl von etwa 780 Seelen in Nemanskoe.Man versucht sesshaft zu werden und begann mit dem Anbau von Gemüse, nahm Arbeiten in der Holzwirtschaft, und betrieb die aus früheren Zeit existierende Ziegelei. Dieser Betrieb wurde am Anfang des letztem Jahrhunderts erbaut.
Eine ordentliche Landwirtschaft wird nicht betrieben. Vielmehr verkommt das land zur Steppe.


Denkmal in Nemanskoe erbaut 1993

Die aus früheren Tagen existierende Schule wird mit 8-9 Lehrkräften für ca. 90 Kinder für den Schulunterricht genutzt. Ein Kindergarten existiert in der Dorfmitte.
Die evangelische Ortskirche fiel der Kriegszerstörung zum Opfer. Verbleibende Reste wurden danach abgetragen und an gleicher Stelle ein Verwaltungsgebäude errichtet. Zwischen diesem Gebäude und dem erhaltenen Pfarrhaus wurde ein Denkmal für alle Gefallenen und Verstorbenen beider Weltkriege als deutsch-russisches Gemeinschaftsprojekt errichtet.

Ein Denkmal als verbleibendes Werk für die Öffentlichkeitsarbeit in Sinne der Völkerverständigung.
Im ehemaligen Pfarrhaus entstand durch gezielte Initiativen ein Museum für russische und deutsche Ort-Zeitgeschichte. Das Museum wird von vielen Heimatbesuchern besucht und erfährt Anerkennung.

Bilder: Sammlung Erich Dowidat

letzte Statistik :
  • Trappen : Einwohnerzahl : 1.095 (Stand : 17.05.1939) - Fläche : 888 ha
    • alter Namen : Trappönen bis 16.07.1938)
    • seit 1947 : Nemanskoe
    • zugehörige Wohnplätze :
      • Trappen, Ofö, Fö
        alter Namen: Trappönen, Ofö; Fö bis 16.07.1938.
      • Fö. Clum
      • Böttchersdorf (Böttchershof)

Anmerkung: Kirchspieldorf - Ksp. Trappönen( Trappen) seit 1902 durch
Abzweigungen von von Ksp. Lasdehnen und Wischwill

Kartenmaterial:
Der Ort ist auf folgenden Landkarten verzeichnet:
  • Karte des Deutschen Reiches 1:100 000 - Ausgabe Kreiskarten/Kreis Tilsit-Ragnit aus dem Jahre 1940 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie
  • Karte des Deutschen Reiches - Topographische Karte 1:25 000 - Nr. 091000 (Wischwill) -
    aus dem Jahre 1938 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie

Die Karten sind unter folgender Internetadresse zu beziehen: www.bkg.bund.de


Sonstige Beiträge :
Ein Denkmal in Trappen
Kirchspiel Trappen: Kirchspielvertreter läßt Revue passieren
Ein Wappen als Symbol für Trappen
Heimaterinnerungen - Trappöner Wald
Trappönen: Das Ende eines schönen Dorfes
Liste der Grundstückeigentümer in Trappen (341 KB)
Dorfskizze mit Hinweis-Nummern zur Liste der Grundstückseigentümer (333 KB)
Liste der Einwohner, die kein Grundeigentum hatten (305 KB)
Gedenktafel der Gefallenen und Vermißten des 2.Weltkrieges und der Einwohner,
die durch das Fluchgeschehen verstorben sind (233 KB)
Quelle: Text und Bilder von Erich Dowidat
            (Kirchspielvertreter Trappen in der Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit von 1993 bis 2007.)
Gedanken an die Heimatarbeit von Erich Dowidat
Erinnerungen an unsere Heimat Kirchspiel Trappen von Erich Dowidat




© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am 15.06.2000
www.tilsit-ragnit.de
letzte Änderung dieser Seite : Donnerstag, 27. Januar 2011