| Pferdezucht in Ostpreußen - heute | |
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Musterungsreise Litauen vom 17.04.2006 bis 24.04.2006
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Reiseziel war das ehemalige Gut in Schillgallen Kreis Tilsit-Ragnit (Anm.: nördl. der Memel Ksp. Rucken) an der Memel, bei russischer Besatzung hieß es Nemunas-Gestüt, heute heißt es "Lietuvos Trakenu Zirgu Augintoju Asociacija". Früher gehörte das Gut Schillgallen der Familie Habedank. Nach dem Krieg war es das Trakehner Gestüt Nemunas mit Stutenmaterial aus dem Gestüt Kirow. Nachdem der "Große Bruder" (Rußland) das Land verlassen hat, ist das Gestüt neu besetzt und verwaltet durch den litauischen Staat. Der Direktor und Gestütsleiter ist Arunas Jurgaitis. Ein begeisterter Anhänger des Trakehner Pferdes, Schüler der legendären Dorofeewa aus Rußland (Kirow-Gestüt). Das gleiche gilt für seine Zootechnikerin Ramune Jasiene. Letztere war über 20 Jahre bei Frau Dorofeewa. Zur Musterung des Jahrgangs 2003 und 2004 waren vom Trakehner-Verband beauftragt Gisela Gunia und Hans Ernst Wezel. Der Direktor Jurgaitis zeigte sich sehr dankbar über unser Kommen und unsere fachliche Beurteilung. Trotz der unterschiedlichen Qualitätsmerkmale und den dementsprechend vergebenen Noten war Herr Jurgaitis für unsere Offenheit und fachliche Beratung äußerst aufgeschlossen. Die Reiseroute begann am Ostermontag, dem 17. 04. 2006, von Schralling über Dresden, Leipzig nach Graditz. Durch die "Vogelgrippe" in Sachsen war es gar nicht einfach, nach Torgau an der Elbe zu kommen, da viele Nebenstraßen gesperrt waren, nicht nur wegen der Geflügelpest, sondern auch wegen des Hochwassers, außerdem sollte hier der Wagen von Gisela Gunia abgestellt werden. Kurz vor Torgau, ca. 23 km davor, befand sich das ehemalige Vollblutgestüt des Dr. Gereke in Pressel bei Bad Düben. Dr. Gereke war auch nach dem Krieg Präsident der neugegründeten Zentralstelle für Zucht und Leistungsprüfung der Vollblut- und Traberpferdezucht. Dorthin flüchtete vor den Russen Graf Kallnein von Graditz mit seinen besten Vollblütern Ende 1944 -Anfang 1945. |
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Das eigentliche Wiederbegründungsjahr des Gestütes Graditz nach dem 2. Weltkrieg war das Jahr 1949. Die beiden Länder Sachsen-Anhalt und Sachsen unterstützten den Wiederaufbau dieser Traditionszuchtstätte. Vorerst begann man in Graditz mit der Errichtung der Vollblutherde. Dazu wurden 1949 aus den im Landgestüt Moritzburg zusammengeführten Stuten (1945 wurden Stuten noch zwangsbedeckt, da der Anteil junger Pferde in der Landwirtschaft sehr gering war) 10 englische Vollblutstuten nach Graditz überführt. Neben diesen Stuten wurde der Hengst Harlekin xx von Magnat xx a.d. Lithense Bleue xx als Beschäler aufgestellt. Eine grundlegende Erneuerung der Stutenherde begann nach 1953. Im Sommer besagten Zeitraums wurde Dr. Gereke - jener Mann, der die Graditzer Herde 1945 in seinem Landsitz Pressel aufnahm - als Präsident der neugegründeten Zentralstelle berufen. Dr. Gereke erkannte die Situation und beschaffte einige sehr gute Hengste und Mutterstuten für Graditz. Aus privatem Besitz von Züchtern auf dem Gebiet der DDR wurden die Hengste Birkhahn, gez. 1945 von Alchimist, Sieger im Hamburger Derby 1948 sowie aus dem Gestüt Waldfried der Ticino-Sohn Grande erworben. Neben der Vollblutzucht begann man mit der Einrichtung bzw. Wiederbelebung der Trakehnerzucht. Seit dem Wiederaufbau des Gestütes entwickelte sich über den Zeitraum von 10 Jahren eine Herde von 20 Mutterstuten Trakehner Abstammung mit Nachzucht. Bedeutente Trakehner Hengste, die in der Einrichtung gezüchtet wurden, sind die Hengste: Vers l v. Neujahr; Maat v. Polarkreis und aus der bedeutenden Feldwacht die Beschäler Fellow, Fels und Fernruf. Heute ist der Gestütsherr von Pressel längst verstorben, das Gestüt existiert nicht mehr, lediglich in Wölnau lebt noch die ehemalige Hausangestellte Frau Richter. Die Gebäude befinden sich in äußerst marodem und verlassenem Zustand und nur noch ein zweckentfremdeter Stall erinnert an das frühere Vollblutgestüt. |
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In Graditz angekommen, war leider Herr Steffen Bothendorf, der Gestütsleiter, nicht anwesend, denn wir hatten uns hier alle verabredet. Mein Glück war, daß der Stutmeister Achim Schmierek anwesend war und mir in äußerst entgegenkommender Weise alles gezeigt hat. Zunächst fuhren wir auf den alten Friedhof in Graditz, wo sämtliche ehemaligen Gestüter Trakehnens ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Es war ein sehr gepflegter alter Friedhof, und ich durfte alle Grabstätten fotografieren. Der Grund hierfür ist, daß diese Gestüter in meinem Buch "Südliche Fluchtroute der Trakehner von Ostpreußen über Schlesien nach Graditz", aufgeführt werden sollen. Anschließend fuhr der Stutmeister Schmierek mit mir trotz überfluteter Straßen nach "Pülswerda" (ein Vorwerk von Graditz). Dort überraschte uns das neu restaurierte Herrenhaus (Schloß). Wir fuhren dann direkt an der Elbe entlang zurück nach Graditz. Wir hatten Glück, denn das Hochwasser war gegenüber dem Vortage zurückgegangen und so konnten wir an den Koppeln des Sommerstalles vorbeifahren. Das Hochwasser hatte verheerenden Schaden durch Unrat auf den Koppeln angerichtet und Herr Schmierek meinte, daß hier gewaltige Aufräumarbeit auf die Gestüter zukommen wird. Von meinen mitreisenden Kollegen war in Graditz noch immer keiner eingetroffen, und so fuhr ich anschließend nach Torgau ins Hotel "Anker". Nach ca. 1 Stunde traf auch Frau Gunia ein und brachte Hubertus Dieckert (Forstmeister, Reiter und "großer Trakehner") mit. Am nächsten Morgen starteten wir von Torgau über Umwege nach Frankfurt an der Oder. Zahlreiche Straßen, die neben der Elbe liegen, waren noch durch Hochwasser gesperrt und es war ein mühsames Unterfangen, die richtigen Orte zu finden. Von Frankfurt an der Oder aus fuhren wir weiter nach Küstrin auf die Reichsstraße 1. Von dort ging es weiter nach Landsberg an der Warthe. Gleich nach Landsberg an der Warthe folgt die Stadt Woldenberg, und von dort aus geht es rechts auf das ehemalige Gut Schloß Mehrenthin. Es war nicht nur Schloß, sondern auch adliges Rittergut. Besitzer war Bernd-Siegesmund von Waldow, Rittmeister d.R. a.D. mit dem Vorwerk Waldowshof und Buschkamp und dazu gehörigen Förstereien. Das Schloß Mehrenthin (zur Neumark gehörend) mitsamt dem Rittergut Mehrenthin verfügte über 3675 ha Grund. - Nach dem Krieg drohte alles dem Verfall, und heute ist alles auf das Modernste renoviert in altem Stil. - Es gab dort einmal 72 Pferde, 240 Rindvieh, 680 Schafe, 140 Schweine und eine große Brennerei. Nach kurzem Besuch von Mehrenthin begann eine Irrfahrt durch den großen Forst, aber nach 20 km konnten wir wieder auf die Reichsstraße 1 zurückfinden und fuhren dann weiter in Richtung Deutsch Krone durch Pommern nach Schlochau-Konitz. |
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In Westpreußen angekommen konnte ich nun vor der Stadt "Preußisch Stargard" klären, was in meinem Bericht (Ostpreußenreise - Schlesien 2005) noch offen war. Zuerst kommt der Ort Suzemin - polnisch Sucymin. Dieser Gutsbetrieb gehörte zum Kreis Preußisch Stargard und dort war zu Hause die Familie Albrecht, Meta. Dann folgte der Ort Rokoschin - polnisch. Rokocin, dort zu Hause war die Familie Härtle. Der nächste Ort war dann Neudorf - Nowa Wies, dort war zu Hause die Familie Przanuwski, Stefan. Diese Orte gehörten nach dem ersten Weltkrieg und dem Versailler Vertrag (Diktat) zum Korridor (poln. Verwaltung). Danach erreichten wir erst Preußisch Stargard und am Ortsende das ehemalige preußische Landgestüt. Anschließend folgte Spengawsken - polnisch Szpegawsk, dann Zabagno und Schwaroschin - polnisch Swarozyn. Beide Orte gehörten der Familie Paleske Olof mit einer Gesamthektarfläche von 1565 ha. Dazu kam auch noch der Gutshof Zduny mit 451 ha. Nach Rücksprache mit Dr. Hans Georg Tiedemann Diesten / Niedersachsen, Züchter des Trakehner Hengstes "Polarpunkt", früher wohnhaft als Nachbar der Familie Paleske in Praust - Kreis Dirschau, wußte er zu berichten, daß die Familie Paleske im "Westen" in der BRD besondere Hartwurst (Salami) produzierte. Nach langen Recherchen konnten nun die Besitzverhältnisse der Gutshöfe endlich geklärt werden. Bei Kniebau überquerten wir dann die Weichsel, das Tor zum "Osten" (nach den Worten von Hans Joachim Köhler - einer unserer bedeutensten Hippologen unserer Zeit) und erreichten dann Marienburg an der Nogat. Kurzer Besuch der Marienburg und weiter ging es Richtung Elbing durch den Kleinmarienburger Werder. Hinter Grunau - Grunowo kommt dann der Gutshof Neuhof - Nowy Dwor der Familie Schrock-Opitz. Von dem ehemaligen Wirtschaftshof stehen nur noch Restgebäude, das Herrenhaus und die großartigen Stallungen, wie auf Abbildungen zu sehen ist, sind nicht mehr vorhanden (siehe ostpr. Herdbuch von Dr. Hans Bloech, Transsau-Ostpreußen). Bald war Elbing erreicht, weiter über Preußisch Holland - Pasiek nach Wormditt - Heilsberg nach Bartenstein in unser Hotel "Osieka". Nach herrlichem kühlem Bier und ein paar Wodkas, kräftiger Flakisuppe mit viel Majoran, suchten wir die "Horizontale" auf. Am nächsten Tag führte die Route über Rastenburg, Oletsko, Suwalki nach Kaunas - Litauen. Der Grenzübergang nach Litauen heißt Budizko. Rasch wurde Geld gewechselt und Kaffeepause gemacht. In Kaunas hatten wir uns irrtümlicherweise total "verfranst" wegen der mangelhaften Ausschilderungen nach Jurbarkas - Georgenburg/Memel. Mit Hilfe eines sehr netten Litauers, der uns als Lotse auf die richtige Straße gebracht hatte, trafen wir abends am lang ersehnten Gutshof Schreitlaugken ein. Es war schon 18 Uhr und man muß wissen, daß in Litauen die Uhrzeit noch um eine Stunde weiter vorgestellt ist, d.h. von unserer Zeit sind es 2 Stunden weiter. Wir fanden trotz einiger physischer Erschöpfung und Abwechslung des Fahrens auf einer Schotterstraße die Geburtsstätte des berühmten Trakehnerhengstes "Julmond", Züchter die Familie von Dressler. Das Herrenhaus sowie zahlreiche andere Gebäude sind verschwunden und es gibt sie nicht mehr. Majestätisch steht noch die alte Brennerei mit Schornstein, der Speicher, ein langer Pferdestall, zwei Vorlauben, Insthäuser und der Rest einer Wassermühle (der halbe Turm). Friedrich Wilhelm l. hatte seinerzeit befohlen, daß auf der Domäne Schreitlaugken eine Wassermühle angelegt werden sollte. Der Mühlenteich wurde geschaffen und eine Mahl- und Knochenmühle errichtet. Der Teich war zu damaliger Zeit gut erhalten, ca. 2 - 2,5 ha groß, sehr fischreich. Die Mühle war verpachtet. Sonst ist alles mit trostlosem Unrat und Hütten und alten verrosteten Maschinen übersät. Zahlreiche alte Bäume stehen noch aus früherer Zeit und könnten wahrscheinlich viel erzählen! |
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Die letzte Besitzerin Ursula von Dressler geb. von Sanden schreibt: "Schreitlaugken war eines der Domänenämter im Kreis Tilsit, die anderen waren Baubein und Winge. Die Familie von Schön hat die Domäne längere Zeit gepachtet gehabt. Der aus der Geschichte bekannte Minister von Schön ist in Schreitlaugken geboren. Im Jahre 1792 pachtete der Urgroßvater meines Mannes, Louis Ferdinand Dressler, das Domänenamt. Er wurde der erste Landrat des Kreises Tilsit. Das Landratsamt befand sich damals zuerst in Schreitlaugken, wurde später nach Tilsit verlegt. Zu der Domäne gehörte damals Schreitlaugken mit den Vorwerken Dallnitz, Cöllm, Nausseden und Campen sowie Willkischken mit Vorwerk Kallweiten. 1812 veräußerte der Preußische Staat eine große Anzahl von Domänen, und der Urgroßvater Louis Ferdinand kaufte die von ihm bislang gepachteten Güter. 1831, nach dem Tode des Urgroßvaters, übernahm der Großvater meines Mannes, Julius Dressler, Schreitlaugken mit Dallnitz, Nausseden und eine Hälfte von Campen. Sein Bruder Alexander bekam Willkischken mit Kallweiten und die zweite Hälfte von Campen. Schreitlaugken war zu unserer Zeit 2150 ha groß. Nachdem wir Campen, das bei Tilsit lag, während der Abtrennung des Memelgebietes vom Deutschen Reich wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten verkaufen mußten. Davon waren 1400 ha Wald und 750 ha landwirtschaftliche Nutzfläche, der größte Teil davon Wiesen. Die Schreitlaugker Pferdezucht stammte schon aus der Domänenzeit. Bei der Gründung des Hauptgestüts Trakehnen wurden auch Stuten von der Domäne Schreitlaugken als Stammstuten nach Trakehnen gebracht. Zu der Zeit des Großvaters Julius stand die Pferdezucht schon an erster Stelle: 25 Mutterstuten, Ostpreußisches Warmblut, auf Trakehner Blut und engliches Vollblut, zurückgehend bis zum 1. Weltkrieg blieb dieser Bestand an Mutterstuten bestehen. Der 3jährige Hengst "Leporello" v. Duke of Edinburgh xx u.d. Leila ging als Hauptbeschäler nach Trakehnen. Im Spätherbst 1914 verloren wir mit allem anderen auch sämtliche Pferde bis auf eine Stute "Jule", bedingt durch die russ. Besetzung des Gebietes. Auf dem Blut dieser Stute haben wir später wieder die Zucht aufgebaut, aber wir konnten die Pferdezucht nur noch in kleinem Rahmen durchführen, da der Absatz fehlte. Erst 1939, als wir wieder deutsch geworden waren, konnten wir den Betrieb aufnehmen mit der Brennerei, das Brennrecht betrug 78000 l Weingeist. An die Brennerei schloß sich eine Meierei an, bei der viele Jahre die Milch von beiden Herden verarbeitet wurde. |
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1904, nach dem Tode meiner Schwiegermutter bestand Erbengemeinschaft der 6 Geschwister. 1905 wurde das Vorwerk Nausseden, das an die Juraforst grenzte, an den Fiskus verkauft und aufgeforstet. Dafür wurde Wahlenthal gekauft, das mit langer Grenze an Schreitlaugken stieß. 1911 übernahm mein Mann als Beamter die Bewirtschaftung von Schreitlaugken und am ersten Januar 1914 den ganzen Betrieb als alleiniger Eigentümer. Landwirtschaftlich hatte Schreitlaugken einen besonderen Zauber. Es lag in der nach Norden offenen Memelschleife, die der Strom zwischen der Einmündung der Jura und dem Rombinusberg bildet, gegenüber der Stadt Ragnit. Ursprünglich war das Tal der Memelmündung oberhalb der Juramündung ein großer See, der Jura-See, mit Abfluß durch das Tal der Szeszuppe (Ostfluß) und Kallweller Torfbruch ins Inster-Pregel-Tal." "150 Jahre edle Pferdezucht im Memelland" - Ein Artikel in den Trakehner Heften von Dietrich v. Lenski-Kattenau. Er schreibt mit folgenden Worten: Wenn wir in der Geschichte des edlen ostpreußischen Warmblutpferdes blättern, so erfahren wir, daß der Grundstock für das spätere Hauptgestüt Trakehnen in den Pferde-Depots zu suchen ist, die der Deutsche Ritterorden seinerzeit gegründet hatte. Nach der Umwandlung des Ordensstaates in ein weltliches Herzogtum wurde die heimische Pferdezucht u.a. in den Stutereien Balga, Brandenburg, Georgenburg, Pr. Holland, Insterburg, Ragnit, Tapiau und Schreitlaugken weitergeführt. Friedrich Wilhelm l. legte im Jahre 1732 den Pferdebestand der soeben genannten Gestüte in dem Preußischen Stutamt Trakehnen zusammen, das schließlich zur Keimzelle der ostpreußischen Warmblutzucht wurde und später einen entscheidenden Einfluß auf die gesamte deutsche Warmblutzucht ausübte. Somit zählt die Domäne Schreitlaugken zu den Wurzeln der Trakehner Zucht. - Hervorgegangen aus der edlen Zucht des Memellandes sind Dampfroß, langjähriger Hauptbeschäler in Trakehnen, 1916 wurde er bei dem bäuerlichen Züchter Lauszus Steponaten im Kreis Tilsit-Ragnit geboren, seine Jugendjahre verbrachte er bei dem Aufzüchter Gubba-Götzhöfen im Kreise Memel. - Die Schreitlaugkener Zucht lebt weiter in dem Julianus-Sohn Julmond, der zum neuen Gründerhengst der modernen württembergischen Warmblutzucht avancierte. |
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Nach kurzem Funkkontakt mit Arunas Jurgaitis verabredeten wir uns in unserem Hotel "Forst-Haus" Pagegiai. Nach einer Stunde trafen wir dort ein, jedoch ereilte uns hier die erste Überraschung wegen der Zimmerfrage. Zunächst sollte eine Übernachtung nicht möglich sein, da die Duschanlage nicht in Ordnung wäre. Nach harten Verhandlungen von Herrn Jurgaitis bekamen wir doch unsere Zimmer, allerdings nur mit notdürftiger Waschanlage eines kleinen Waschbeckens und kaltem Wasser. Dieser Schock mußte erst einmal verdaut werden. Später wurde uns angeboten, wir könnten in einem litauischen Dampfbad (Sauna) uns erfrischen! Dies wurde jedoch meinerseits völlig abgelehnt. Die Krönung dieses Reisetages war jedoch die Idylle Schreitlaugken, der ehemaligen Trakehner Zuchtstätte der Familie von Dressler, als der Mond durch die restlichen Bäume des Parks leuchtete, und sofort wird man hier an den Dichter von Eichendorff erinnert: |
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Mondnacht!
Es war, als hätt' der Himmel die Erde still geküßt. Daß sie im Blütenschimmer von ihm nun träumen müßt'. Die Luft ging durch die Felder, die Ähren wogten sacht. Es rauschten leis' die Wälder, so sternklar war die Nacht. Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus, flog durch die stillen Lande, als flöge sie nach Haus'. von Eichendorff |
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Am nächsten Tag erfolgte harte Arbeit und Musterung der Hengste und der zweijährigen Stuten. Als erstes erfolgte die Besichtigung der Stutenherden mit Fohlen im Gestütsareal. Nachmittags gegen 16 Uhr folgte dann ein Imbiß, und anschließend fuhr Herr Jurgaitis mit uns in das Gebiet "Rombinus" und "Schreitlaugken". Der Blick oben vom Berg hinunter auf die Memel und gegenüber der Mernel Ragnit sowie rechts davon Tilsit war überwältigend und tief beeindruckend für uns Trakehner-Leute. So wußten wir doch, daß Luftlinie ca. 5 km entfernt das Vorwerk von Mack-Althof und die Geburtsstätte des legendären Trakehner-Hengstes "Dampfroß", Züchter Lautzius Steponaten liegt. Auf der Landkarte heißt es Steffenshof. Leider unter russischer Verwaltung und ohne Visum nicht zu erreichen! - Wir waren also wieder einmal an der russischen Grenze angelangt und trotz des EU-Zeitalters "off limits". Am Freitag war wiederum große Musterung der Stuten und Hengste in der Halle mit Freispringen. Es war sehr ungemütlich, da es erstens regnete und zweitens sehr kühl geworden war und sich das Springen ziemlich hinschleppte. Abends waren wir völlig erledigt und konnten aber das erste Mal unsere reparierte Dusche benutzen! Nach dem Abendessen hatten wir nun Herrn Jurgaitis von unseren Eindrücken und unserer Bewertung und Einstufung des Hengst- und Stutenmaterials berichtet. In äußerst diplomatischer und doch prägnanter Ausdrucksweise, noch dazu in englischer Sprache, verstand es Gisela Gunia, Herrn Jurgaitis einen kritischen Bericht zu präsentieren. Herr Jurgaitis war begeistert und wollte sogar von jedem Pferd einzeln unsere Noten haben und hat sich alles notiert. Er war sichtlich dankbar für das offene Fachgespräch! |
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Am nächsten Tag begann wieder unsere Heimfahrt, und Herr Jurgaitis hatte uns bereits abends im Hotel erklärt, daß wir nicht über Kaunas unsere Reiseroute führen sollten, sondern es bereits in Jurbarkas eine Straße geben würde, die über Pilwischken nach Marijampole führte, wo wir mindesten eine Stunde gewinnen könnten. So waren wir bereits gegen 10 Uhr wieder in Polen in Suwalki - dt. Sudauen und fuhren dann weiter in Richtung Augustow. Von Augustow sind wir dann in Richtung Warschau. Im Kreis Ziechenau besuchten wir in Krasne das Vollblutgestüt, welches während des 3. Reiches von Erich Koch beschlagnahmt war. Das Gestüt befindet sich in sehr gutem Zustand, und wir hatten sehr gute Stuten mit Fohlchen bei Fuß gesehen. Weiter fuhren wir dann nach Plock über die Weichsel. Bei wunderbarem Sonnenschein machten wir beeindruckende Fotos. Weiter fuhren wir Richtung Kutno und trafen dort im Landgestüt Lack ein. Weiter ging es über Gostynyn Richtung Konin, von dort aus auf der Autobahn Richtung Posen. Am Ende dieser Autobahn in Wrzesnia (Wreschen) entdeckten wir glücklicherweise eine neuerbaute Pension und konnten dort unser müdes Haupt einquartieren. Anschließend fuhren wir nochmals in die Stadt und bekamen in einem modernen Restaurant gutes Abendessen. Am nächsten Tag fuhren wir Richtung Leszno, und ganz in der Nachbarschaft entdeckten wir das Gestüt Racot. In Racot wurde das 1927 aufgelöste Beberbecker Gestüt untergebracht. Bis heute sind noch Blutgene "Racoter Trakehner-Stuten" nachweisbar. Über Glogau, Sagan fuhren wir dann zum Grenzübergang Neuforst - Cottbus und waren nachmittags gegen 17 Uhr in Torgau. - Dort wurde erst einmal ein Imbiß zur Stärkung und Kaffee zur Wiederbelebung eingenommen. Zuvor besuchten wir noch den großväterlichen Besitz von Hubertus Dieckert. Anschließend trennten sich wiederum unsere Wege, und ich trat meine Heimreise nach Bayern an, wo ich gegen Mitternacht eintraf. Unterwegs hatten wir uns vorbildlich im Fahren abgewechselt. Insgesamt sind wir 3984 km gefahren und dies Gott sei Dank ohne Unfall oder Panne! |
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Inzwischen hat uns der Alltag wieder. - Aber im Herzen und in der Seele leben die Traumbilder der ostpreußischen Landschaft und des Memellandes in der Erinnerung weiter! In Gedanken geht man durch die Alleen oder verweilt im Grase liegend und in die Weite des Himmels blickend! - Welch ein Land! Und welch bedauernwertes Los, es verloren zu haben! Immer wieder drängt sich mir dieser Gedanke auf. |
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| Autor: © 2006 Hans Ernst Wezel, Schralling (Text und Bild) Quelle: "Memel-Jahrbuch" für das Jahr 2007 - Selbstverlag Manfred Malien 24211 Preetz |