Erinnerung an Titschken
von Alfred Nitsch

Mein Vater Rudolf Nitsch war Schmiedemeister und hatte in Titschken die Dorfschmiede mit kleiner Landwirtschaft. Die Schmiede war zu der Zeit ein wichtiger Betriebszweig für die Landwirtschaft, aber auch für die Bauwirtschaft. Da in der Zeit die Landbestellung überwiegend mit Pferden betrieben wurde, gab es für einen Schmied viel zu tun. Hufpflege, Hufbeschlag, für die Bauwirtschaft mußten Beschläge, Balkenklammern gefertigt werden.

Zum Winter bekamen die Pferde Hufeisen mit Stollen, damit sie auf glattem Boden nicht ins Rutschen kamen. Dann war in der Schmiede Hochbetrieb. Da es in der Schmiede noch kein elektrisches Licht gab, mußte ich, wenn es dunkel wurde, mit einer Stalllaterne leuchten, damit mein Vater arbeiten konnte. Wenn es mal regnete, kamen viele Bauern zum Schabbern. Ein Bekannter, Karl vom Heu, war ein ständiger Gast in der Schmiede. Dann wurde meistens geschoßt, das hieß, die Dittchens wurden zusammengelegt. Ich mußte dann zum Dorfkrug gehen, um Weingeist zu holen. Der wurde mit klarem Brunnenwasser destiliert (Kornus), der dann zur Brust genommen wurde.

Bild links:

Die Schmiede von Rudolf Nitsch, von links mein Vater, ein Bauer, meine Schwester Erika, damit ich größer wirke, stehe ich auf einem] Stuhl, dahinter meine Mutter Minna Nitsch, ganz rechts Oma Emilie Nitsch. Oma Nitsch war von Beruf Hebamme. Sie hat in Titschken und den umliegenden Dörfern allen Babys auf die Welt geholfen. Nicht nur, daß sie die Babys holte, nein, sie mußte auch so manchen werdenden Vater trösten. Zu der Zeit wurden die Babys noch zu Hause geboren.




Bild rechts:
Die Dorfgaststätte Teichert mit Saalbetrieb und kleiner Landwirtschaft. Der Inhaber war Leo Wachsmuth, der auch Bürgermeister von Tischken war. Der Saal wurde für sämtliche Dorf- und Feuerwehrfeste genutzt. Zum Tanz spielte immer die Kapelle König aus Ragnit. Manchmal spielte auch der Bruder von Gastwirt Otto Wachsmuth auf seiner Duddel.



Bild links:
Diese Bild zeigt die ein Jahrhundert alte Schule von Titschken mit Lehrerwohnung. Der Lehrer war zu der Zeit Max Jenzowski. Die Schule nannte man auch Klumpengymnasium.






Autor : © 2004 von Alfred Nitsch (Text und Bilder)
Quelle : Heimatrundbrief "Land an der Memel" Nr. 74/2004
letzte Statistik 1939:
  • Tischken (Einw.:  197  ; Fläche:438   ha )
    • alter Namen:Titschken bis 16.07.1938
      ältere Schreibweise: Tittschen bis 1785
      nach 1945 :  Podgornyj


    Anmerkung: zugehörig zu ev. Ksp. Ragnit

Kartenmaterial:
Der Ort ist auf folgenden Landkarten verzeichnet:
  • Karte des Deutschen Reiches 1:100 000 - Ausgabe Kreiskarten/Kreis Tilsit-Ragnit aus dem Jahre 1940 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie
  • Karte des Deutschen Reiches - Topographische Karte 1:25 000 - Nr. 1098 (Hohensalzburg) -
    aus dem Jahre 1938 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie

Die Karten sind unter folgender Internetadresse zu beziehen: www.bkg.bund.de



Kirchorte, Dörfer und Wohnplätze



© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am 15.06.2004
www.tilsit-ragnit.de
letzte Änderung dieser Seite : Mittwoch, 26. Januar 2011