| Landwirt und Gewerbe | |
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von Botho Eckert
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Mit der Herstellung des Tilsiter Käses und der Neugründung des Ortes Tilsit in der Schweiz ist auch eine Erinnerungsstätte für die Käsereien im Kirchspiel Jurgaitschen/Königskirch entstanden. Ab 1936 gab es im Kirchspiel nur noch die eine Molkerei von Kurt Streit in Fichtenfließ/ Schillupischken. |
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Schweizer Tilsiter
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Am 1. August 2007 fand in der Schweiz auf dem Holzhof bei Weinfelden die Versammlung zur Gründung des Ortes Tilsit statt mit dem Zweck, dem in der Schweiz produzierten Tilsiter Käse wieder den Ursprungsort und -namen zurückzugeben. Nachfolgend die von Kurt Streit aus Schillupischken gehaltene Rede:
Geschätzte Anwesende: in erster Linie möchte sich Familie Streit für die Einladung zu dieser denkwürdigen Veranstaltung ganz herzlich bedanken, stellvertretend für eine große Anzahl von ehemaligen Auslandsschweizern in Ostpreußen und Danzig hat unsere Familie zusammen mit Herrn Günter Wittwer die Ehre, als auserlesener Gast an diesem historischen Ereignis für Tilsit als Zeitzeuge teilzunehmen. Unsere Auswanderungsperiode begann im Jahre 1887 durch die Übersiedlung des Großvaters Gottfried Streit, mit guter fachlicher Ausbildung, von Bern nach Tilsit in der Absicht, ganz allgemeinen wichtige Elemente der schweizerischen Milchwirtschaft der ostpreußischen Gutsherrschaft zur Kenntnis zu bringen. Die erste Anlaufstelle war bei Rittergutsbesitzer Konrad von Dressler, Schreitlaugken im Memelland. Zu diesem Zeitpunkt war der "Tilsiter Käse" mit Schweizer Hilfe schon erfunden worden, er wurde zusehends zum Schlager der ostpreußischen Käsereibranche. Dieser Trend verhalf damals vielen versierten Auslandsschweizern zu einer selbständigen Existenz als Molkerei besitzen. Da auch unsere Familie diese Entwicklung durchmachte, fühlen wir uns heute als eine Art Bindeglied zwischen der Produktion von ostpreußischem und Schweizer Tilsiter. Naturgemäß waren wir gezwungen, den heimischen Tilsiter herzustellen. Weitblickend brachte dies Herrn Otto Wartmann auf eine glänzende Idee, nämlich die Herstellung des Käses 1893 von Tilsit nach Holzhof bei Weinfelden mitzunehmen, um dort einen typisch schweizerischen "Tilsiter" zu produzieren, was ihm auch vortrefflich gelungen ist. Mit dieser Idee hat sich Herr Otto Wartmann in der schweizerischen Käsereiwirtschaft ein bleibendes Denkmal gesetzt. |
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Der Name Tilsit als Stadt ist nach dem 2. Weltkrieg leider verschwunden, nachdem sie 1945 von Rußland erobert worden war und jetzt Sowjetsk heißt. Trotz dieser Misere ist es geradezu bewundernswert, wie sich dennoch der Name "Tilsiter Käse" als weltweite Bezeichnung einer Käsesorte hat behaupten können. Durch die Organisation der geschichtsträchtigen Gründungsversammlung am heutigen Tag ist der Name Tilsit als Stadt wieder ins Rampenlicht der Öffentlichkeit gerückt worden, wozu auch die Anwesenheit von waschechten Tilsitern, wie z.B. Herrn Mertineit, Vorsitzender der Stadtgemeinschaft Tilsit, Herrn Rosenblum, Herrn von Gottberg, Herrn Dzieran und anderen Persönlichkeiten beigetragen hat. Es ist außerordentlich begrüßenswert, daß der Name Tilsit in der Schweiz eine neue Heimat finden wird. In meiner Jugendzeit habe ich 13 Jahre lang Tilsiter Käse hergestellt, hauptsächlich in unserem elterlichen Familienbetrieb in Fichtenfließ bei Tilsit, mit 95 Milchlieferanten, wo auch mein Bruder Alfred zeitweise mithalf. Leider ging der Besitz durch die kriegsbedingte Flucht im Januar 1945 verloren. Entschädigung für den Verlust der Molkerei, der Mahlmühle und der Schweinemästerei hat nie stattgefunden. Es ist viel zu wenig bekannt, daß eine größere Anzahl ostpreußischer Auslandsschweizer seinerzeit das gleiche tragische Schicksal erlitten hat. Nichtsdestotrotz ist es für mich ein großartiges Erlebnis, daß ich in meinem hohen Alter, 91-jährig, diese eindrucksvolle Veranstaltung noch miterleben darf. Zum Schluß wünsche ich dem beliebten Tilsiter Switzerland-Käse eine solide Umsatzsteigerung, damit die Schweizer Landwirtschaft aus dieser Position gestärkt hervorgehen kann! |
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Tilsiter Käse
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Wenn man die Entstehungsgeschichte des Tilsiter Käses weiter zurückverfolgt, dann stößt man um das Jahr 1840 auf einen Molkereibetrieb in der Nähe Tilsits auf dem Gut Birjohlen. Auf diesem Gut arbeitete um 1800 die spätere Molkereibesitzerin Westphal und stellte dort einen Käse her, den der Volksmund später Brioler nannte. Im Jahre 1840 zog Frau Westphal dann nach Tilsit in das Haus Deutsche Straße 38 und richtete dort eine für die damalige Zeit große Molkerei ein. Nach den Aufzeichnungen von Dr. Schützler im Jahre 1933: "Kurze Geschichte der Ostpreußischen Käserei und des Tilsiter Käses", erschienen im Verlag der Molkerei-Zeitung, hat Frau Westphal Milch aus Gütern in der Umgebung von Tilsit bezogen gehabt. Im Jahre 1845 übernahm sie dann käuflich eine bereits schon bestehende Käserei, und zwar in Milchbude, einem Gut in der Nähe von Tilsit. Diese Käserei Milchbude ist als der eigentliche Geburtsort der Tilsiter Käserei zu betrachten. Nach Aufzeichnungen, die sich noch im Familienbesitz befinden, soll Frau Westphal erstmalig über die Herstellung des Tilsiter Käses schriftliche Aufzeichnungen gemacht haben. Die Molkerei diente wesentlich dazu, den Tilsiter Käse vor allem nach Königsberg und dann weiter ins Reich den Abnehmern zuzuführen. Die Molkerei wurde später von Molkereimeister Otto Braun erworben und noch vor der Marktregelung durch die Molkereigenossenschaft Tilsit übernommen. |
| Autor: © 2008 Botho Eckert, Bad Salzuflen Quelle: Heimatrundbrief "Land an der Memel" Nr. 82/2008 |