| Heimatkunde : | |
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von Botho Eckert
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Auf den größeren Höfen gab es in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg noch Hauslehrerinnen. So arbeitete meine Mutter Frieda Eckert nach ihrer Ausbildung in Insterburg von 1921 bis 1927 auf einigen Höfen als Hauslehrerin, zuletzt auf dem Hof Skambraks in Schillgallen. Ob die erste Schule in Odaushöfchen aus einer solchen Stelle entstanden war, ist nicht bekannt. Ab 1910 hatte man im Insthaus des ehemaligen Gutes eine Schule für Odaushöfchen, die sogenannte 'Pistin' und den Hof Redetzky, Groß Skattegirren, eingerichtet. Die Kinder von Klein Skattegirren gingen nach Schillupischken und die Kinder von den Höfen Auschill und Eckert, Groß Skattegirren, nach Giggarn. Nach Giggarn kamen aber auch die Kinder von Laugallen, Skerswethen, Wittgirren, Skeppetschen und Türken. Teilweise mußten kilometerlange Schulwege bewältigt werden. Der erste Lehrer in Odaushöfchen hieß Janz. Er war verheiratet und machte im Ersten Weltkrieg auch die Vertretung in Groß Neuhof. Etwa 1915 oder 1916 kam der Lehrer Eschment. Er war verheiratet und im Krieg verwundet worden. Willy Schokoll aus Odaushöfchen kann sich noch erinnern, daß er für kurze Zeit auch nach Giggarn zur Schule gehen mußte. Bevor 1930 Hermann Scharfetter an die Schule kam, unterrichtete um 1922 Herr Nathen, und ab 1929 Herr Ziehe - beides Junggesellen - in Odaushöfchen. Unter großer Mithilfe der Dorfbewohner von Laugallen und Skattegirren wurde 1931 eine neue Schule auf Laugaller Gelände gebaut. Außer einigen Kindern aus Klein Skattegirren gingen nun alle in die neue Schule. |
![]() Die Schule in Skattegirren/Laugallen, erbaut im Jahre 1931 (ab 1934 Groschenweide/Martinsrode) |
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Herrn Scharfetter gefiel es in Odaushöfchen so gut, daß er 1932 Gertrud Schokoll heiratete. Bei seinen Schülern war Herr Scharfetter sehr beliebt. An den Geburtstagen stibitzte er, zur Freude der Kinder, seiner Frau aus der Küche einige Leckereien. Ich durfte mich nur einmal über ein Schälchen Erdbeeren freuen, weil er leider 1940 zum Militär eingezogen wurde. Sicherlich können sich noch einige seiner Schüler an das erste Schreiben und Rechnen auf der Schiefertafel und an die alte deutsche Schrift erinnern. 1940/41 vertrat dann Lehrer Walter Buchhorn aus Schillupischken Herrn Scharfetter. Mit ihm zog Strenge in den Klassenraum ein. Meistens kam er per Fahrrad, das er eigenartigerweise über die Hinterradachse bestieg. Im Winter ließ er sich von Schillupischken von dem Milchschlitten meines Vaters mitnehmen und blieb auf unserem Hof so lange sitzen, bis mein Vater ihn weiter zur Schule fuhr. Nach den Sommerferien 1941 übernahm Frau Charlotte Bindert den Unterricht. Wir Kinder mußten uns nun an den neuen Parfüm-Duft, der sie umgab, gewöhnen. Aber auch die lateinischen Buchstaben brachte sie uns bei. Ich verließ 1943 die Volksschule und kam nach Tilsit auf die Oberschule für Jungen. Die nächsten weiterführenden Schulen gab es damals in Tilsit, Ragnit und Insterburg. 1943/44 ging Frau Bindert zum Arbeitsdienst nach Berlin. Nun übernahm Frau Charlotte Auschill, die nach dem Tode von Lehrer Buchhorn 1943 die Schule in Fichtenfließ übernommen hatte, auch die Vertretung in Groschenweide. Sie war die letzte Lehrerin in Groschenweide/Martinsrode. |
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In Giggarn wirkte viele Jahre der Lehrer Ernst Schmidt. Von allen genannten Schulen hat diese Schule als einzige den Krieg überstanden. Sie wird heute von einer litauischen Familie bewohnt. Das Gebäude macht einen ordentlichen Eindruck. |
![]() Die Schule in Giggarn (ab 1934 Girren) vor 1945 (der erste Schulbau stammte aus der Zeit von 1736-1740) |
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Alle Schulen waren einklassig, d.h. alle Jahrgänge saßen in einem Raum zusammen. Mit viel Geschick, oft auch mit dem Rohrstock - was sicherlich keinem geschadet hat - brachten die Lehrer uns das notwendige Wissen bei. Man saß in Zweier-Bänken und durfte das in den Tisch eingebaute Tintenfaß mit Metalldeckel und auch den Federhalter erst ab dem 2. Schuljahr benutzen. Abwechslung gab es, wenn im Schulgarten gearbeitet wurde. Der Garten lag auf dem Grundstück des Hofes Max Redetzky in Groschenweide. Alle Kinder wurden in der Anzucht und Pflege diverser Gemüse- und Blumenarten angeleitet. Manchmal gab es an diesen Tagen aber auch eine Einladung für alle Kinder und den Lehrer zum Puddingessen auf dem Hof Eckert. |
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Ich selbst war kein begeisterter Schüler. Viel lieber spielte ich oder las später in Kinderbüchern. Auch von den damaligen Pflichtveranstaltungen der Pimpfe war ich nicht sehr angetan, obwohl die Geländespiele und der Sport noch Abwechslung brachten. Leider war alles auf Wehrertüchtigung ausgerichtet. Besonders erinnere ich mich an eine Strafe. Ich sollte 10 oder 20 Minuten Kniebeugen mit vorgehaltener Eisenstange machen. Aus Wut über die Ungerechtigkeit - man hatte mir vorher immer wieder die Mütze vom Kopf gerissen - warf ich dem Gruppenführer die Stange vor die Füße und lief nach Hause. Kurz darauf verließ ich Groschenweide. Die neue Schule in Tilsit nahm mich voll in Anspruch. |
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Seit 1931 gab es in den beiden Orten Skattegirren/Groschenweide und Laugallen/Martinsrode im Kreis Tilsit-Ragnit eine gemeinsame Volksschule. Heute erinnern nur einige Teiche, Friedhofsreste und die alte Kiesstraße mit vereinzelten Birken an das Leben der rund 280 Dorfbewohner beider Orte. Statt der fruchtbaren Felder, Weiden und Gärten findet man heute große, schöne Wildblumenfelder und magere Ackerflächen. |
| Autor: © 1998 von Botho Eckert aufgeschrieben nach Erinnerungen von Willy Schokoll und Charlotte Auschill (Text und Bilder) Quelle: entnonnen aus "Land an der Memel" Nr. 66/2000 |