Der deutsche Heldenfriedhof
in Schmalleningken-Endruschen
von Hans-Erhard von Knobloch

Was über die Geschehnisse in Wischwill-Schmalleningken zu Beginn des Rußlandkrieges am 22.Juni 1941 aufzufinden war, was alte Heimatfreunde noch zu berichten wußten und was teilnehmende Zeitzeugen aufnotiert hatten, ist in einem anderen Beitrag zur Chronik III dokumentiert. Aber nur wenig war zunächst vom Friedhof mit den tapferen Opfern der Kämpfe am ersten Kriegstag zu erfahren.

Nach der Wende fanden die erstmalig wieder ihr Dorf besuchenden Schmalleningker den Soldatenfriedhof in Schmalleningken-Endruschen, auf dem über 65 Gräber vom Juni 1941 liegen, in schlimmen Zustand vor. Alle Hinweise, die Kreuze mit den Namen, waren in der Sowjetzeit verschwunden, ein Wunder, daß der Friedhof nicht weiter abgetragen wurde, sondern nur verwilderte. Frau Waltraut Hingst, im Krieg noch Schülerin, gab der Deutschen Kriegsgräberfürsorge einen Hinweis, dem man sofort folgte und den Platz provisorisch herrichten ließ, was leider nicht lange vorhielt. Auch eine neue Gedenktafel ohne Namen wurde aufgestellt, die allerdings bald, offenbar nur wegen des Metall wertes gestohlen wurde.


Neue Gedenktafel 1991 auf dem Soldatenfriedhof Schmalleningken-Endruchen.
Die Tafel ist inzwischen wieder verschwunden, nur das große Holzkreuz
steht noch, die Gräber werden seit 1991 von Mitbürgern aus Smalininkai und
Jurbarkas etwas gepflegt.

Ich habe mich nun mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Kassel sowie der ehemaligen Wehrmachtauskunftsstelle in Berlin in Verbindung gesetzt und nach den Namen der Kriegstoten geforscht. Tatsächlich fanden sich alle alten Verlust-/Grabmeldungen zu diesem Friedhof. Ganz einfache kleine Karteikarten waren das, alles von Hand beschrieben, mit Bearbeitungsvermerken und Nachträgen. Die erste Grablage am Ort des Gefechtes war angegeben, meist in Feldgräbern, dann die Umbettung der im Bereich der 8. Panzer-Division an und hinter der Grenze Gefallenen nach Schmalleningken-Endruschen im Oktober 1941 . Sogar fast alle Grab-Nummern waren aufzufinden.

Mit den von der Kriegsgräberfürsorge übermittelten Kopien dieser Karteikarten haben wir jetzt einen vollständigen Überblick der Namen, der Grabnummern, sowie wann und wo die Soldaten gefallen sind. Auch die Art der tödlichen Verwundung geht aus den alten Unterlagen hervor.

Diese Angaben, nun zu einer übersichtlichen Liste für den Friedhof Endruschen zusammengeschrieben und nach den Grab-Nummern geordnet, sind ein beredtes Zeugnis. Die Schwerpunkte der Kampfhandlungen am 22.6.1941 werden klar erkennbar. Noch nach über fünfzig Jahren ist dies bewegend, weil die damaligen Vorgänge immer mehr als menschliche Einzelschicksale erscheinen und ihre bisherige Anonymität verlieren.

An der Chaussee-Brücke bei Schmalleningken-Paschwentis, die von einem kleinen Pionierstoßtrupp unter der Führung von Hauptmann Hellmuth Hallauer erstürmt wurde, sind also sechs Soldaten gefallen, Hpt. Hallauer wurde schwer verwundet, konnte nur mit Mühe zurückgebracht werden und starb nach zwei Tagen, wo, wissen wir nicht. Er ist für die entscheidende Tat, die den Weg für den weiteren Vorstoß auf Dünaburg frei machte, mit dem ersten Ritterkreuz des Ostkrieges ausgezeichnet worden. Praktisch hatte sich, wenn man wie es die nüchternen Verluststatistiken des Krieges zeigen, auf einen Toten drei Verwundete rechnet, der ganze Pionierstoßtrupp von PzPi 59 aufgeopfert. Die hohe Anerkennung war also wirklich berechtigt. Die Divisionsgeschichte schildert diese ersten erfolgreichen Stunden des Krieges, die dabei Gefallenen erwähnte sie mit dem Wort "schwere Verluste".

Mit ähnlich knappen Worten werden auch die Kämpfe bei Antschwenten beschrieben: "Der Vormarsch der linken Kampfgruppe B - Oberst Scheller sei nur unter Kämpfen und daher zeitraubender vor sich gegangen, eine mit Pak- und MG-Stellungen verstärkte Bunkerlinie war zu überwinden"

Der Kampfgruppe B der 8. Panzer Division war das Inf Rgt 503, das zur links anschließenden 290.ID gehörte, zu Angriffsbeginn unterstellt worden. Wie wir von den Dorfbewohnern wissen, gab es bis in den Nachmittag hinein Kämpfe am Mühlenteich von Antschwenten, wo sich die Sowjets in einer Bunkeranlage, die bis unter den Teich reichte, mit äußerster Zähigkeit verteidigten. Die an diesem Brennpunkt erlittenen Verluste des Inf Rgt 503, das zuvor im Dorf Schmalleningken gelegen hatte, waren groß. Dorfbewohner wußten von sechzehn Gefallenen zu berichten, die Gräberliste bestätigt dies. Man hatte die Schießerei bei Antschwenten den ganzen Tag über mit bangem Herzen mitverfolgen können. Hier ist auch der junge Schütze Hans Mohr aus Rendsburg gefallen, dessen Namen der Schmalleningker Polizeimann Gerhard Garsten nie vergessen konnte.


Der Soldatenfriedhof von Endruschen-Schmalleningken - Ansicht 1942/1943

Die jüngere Schwester von Waltraut Hingst kann sich noch sehr gut daran erinnern, wie die Särge der im Grenzbereich Gefallenen der 8. Pz.Div. später im Oktober 1941 auf litauischen Panjewagen an ihrem Elternhaus vorbei zum neu angelegten Soldaten-Friedhof in Endruschen gebracht wurden.

Der Soldatenfriedhof, so berichtet Frau Waltraut Hingst, wurde von den Schmalleningkern bis zu Vertreibung im Jahre 1944 liebevoll gepflegt. Eine Endruscher Familie kümmerte sich besonders um das Grab Nummer vier im ersten Zehnerblock vorn, hier lag der Schütze Walter Dammann aus Osterstedt Kreis Rendsburg. Später nach der Flucht hatten sie die Familie Dammann als Ziel zur Familienzusammenführung.

Der Soldatenfriedhof in Endruschen lag besonders schön am Rand des breiten Memeltales. Frau Hingst hatte den alten Beitrag von Gerhard Garsten aus Schmalleningken aus dem Ostpreußenblatt vom Jahre 1981 aufgehoben, in dem hierüber berichtet wird.

Zu den Opfern des ersten Kriegstages kamen drei Jahre später die Toten der Rückzugskämpfe, bei einigen weiß man nur, daß sie bei der Verteidigung von Schmalleningken fielen, ob sie geborgen wurden, wird für alle Zeiten unklar bleiben.

Autor: © Hans-Erhard von Knobloch aus der Chronik Wischwill (Text und Bilder)
Quelle: "Memel-Jahrbuch" für das Jahr 2006 - Selbstverlag Manfred Malien 24211 Preetz

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© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am 02.01.2006
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letzte Änderung dieser Seite : Freitag, 14. Januar 2011