| Kirch- und Kirchspielort | ||
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Nach Ragnit war Schillen einer der größten Orte des Kreises. Inmitten fruchtbarer Äcker und einer grünenden Flur gelegen, wies die alte Siedlung eine stadtähnliche Anlage auf. Die kurzen Straßen waren eingerahmt von zweistöckigen Häusern. Die Chausseen nach Ragnit, über Jurgaitschen nach Heinrichswalde und Tilsit, über Lengwethen nach Pillkallen, über Kraupischken nach Gumbinnen und Insterburg ließen den Ort zum Knotenpunkt vieler wichtiger Wege werden. Dazu kam die Eisenbahnverbindung Tilsit-Insterburg, die einen Verkehr zu den beiden größten Städten des Regierungsbezirkes Gumbinnen ermöglichte. Alles in allem schafften diese Verbindungen die Voraussetzungen für ein gesundes Wachstum. Die günstige Lage erklärte auch, weshalb es die zahlreichen Geschäfte, Banken, Industrieanlagen, Gastwirtschaften und Hotels gab. |
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Während es in diesem Ort zunächst nur Zinsbauern gab, kamen mit den Siedlern im 17.Jahrhundert "Kölmer" ins Land, die den Grund und Boden als Eigentum erhielten. Mit der Inbesitznahme des Landes waren mitunter besondere Privilegien, wie die Bewirtschaftung von Krügen und Mühlen verbunden. |
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Am 14. Januar 1613 wurde ein Krug mit 4 Huben Land an einen Wolff Günther zu kulmischem Recht verliehen. Dieser mußte für einen Huben 150 Mark, für das Krugrecht 100 Mark, zusammen also 700 Mark Kaufgeld zahlen und Abgaben leisten. Das Anlegen von zwei Gastwirtschaften in einem relativ kurzem Zeitraum deutet auf eine stärkere Entwicklung des Ortes non, namentlich auf ein Anwachsen des Verkehrs. Szillen lag etwa in der Mitte zwischen den beiden neuen Städten Interburg (gegr. 1583)und Tilsit (gegr. 1552). Seit der Ordenszeit führte die Hauptlandstrasse von Interburg über Kraupischken (Breitenstein), Lengwethen (Hohensalzburg) nach Ragnit. |
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Im Jahre 1732 zogen in Schillen sowie im ganzen Kirchspiel die Salzburger ein und brachten deutsche Art, deutsche Sitten, Tüchtigkeit und Ordnung mit. |
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![]() 1930: Bäckerei Wollgien und dahinter die Volksschule (Bild: Walter Klink) Mit dem Bau der Chausseen begann man um 1858. Vier große Straßen waren es, die auf Schillen zu gebaut wurden: von Breitenstein, Hohensalzburg, Ragnit und Tilsit bzw. Heinrichswalde. Später, etwa 1890, folgte eine Chaussee nach Skaisgirren. Die verkehrsmäßige Erschließung hat sich sehr zum Nutzen Szillens ausgewirkt. |
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Im Jahre 1865 wurde auch die Eisenbahn Insterburg - Tilsit gebaut, welche die fruchtbaren Äcker und Wiesen des Kirchspiels durchschnitt. Schließlich wurden dann auch zwei Windmühlen auf dem Mühlenberg, zwei Schmieden, Bäckereien und mehrere Gastwirtschaften errichtet. Die alte, noch mit Stroh gedeckte Schule brannte im Jahre 1892 ab. Der Neubau enthielt in seinem nördlichen Teil Wohnungen für den Präzentor Hoyer und zwei Lehrer, im südlichen Teil mit Vorbau vier Klassenzimmer und Wohnungen für Lehrerinnen. 1931 wurde der Vorbau um zwei Klassenräume erweitert. Eine Mittelschule wurde im Jahre 1939 im Hause des Kaufmanns Stechert eingerichtet. |
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![]() Kriegerdenkmal an der Kirche um 1938 (Bild: Walter Klink) Um 1895 wurde das 800 Morgen große Gut von Hildebrandt parzelliert. Es entstanden etwa 40 Grundstüdce, durch deren Besiedlung die Bevölkerung Schillens sehr anwuchs. Insbesondere dadurch, daß die einzelnen Betriebe sich vergrößerten und die verschiedensten Erwerbszweige hinzukamen, erlebte das Wirtschaftsleben einen regen Aufschwung. Mit Unterstützung der Raiffeisenkasse konnte Schillen in den Jahren 1910-1911 elektrifiziert werden. Es wurde eine Elektrizitätsgenossenschaft gegründet, der Paul Kledtke vorstand. Von Schillen aus wurden auch die umliegenden Ortschaften mit elektrischem Strom versorgt. |
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1895 wurde auch eine "Freiwillige Feuerwehr" gegründet, die anfangs 20 Mann zählte und nur mit einer kleinen Handspritze ausgerüstet war. Nach 1925 waren es schom 50 Mann, ausgerüstet mit zwei Motorspritzen, einer fahrbaren Magirusleiter und zwei grossen Mannschaftswagen (Autos). An der Kirche hatten Gemeinde und Kirchspiel Szillen ein Gefallenen - Denkmal des 1.Weltkrieges errichtet. Die Elektrifizierung erleichterte die Einrichtung von Installations-, Maschinenbau- und anderen Werkstätten. Die Hausfrauen konnten in immer zahlreicher werdenden Einzelhandelsgeschäften einkaufen. Der Ort vergrößerte sich ständig. Zu Beginn des Jahres 1900 zählte Schillen zwischen 1200 und 1300 Einwohner, 1944, zum Zeitpunkt der Vertreibung, waren es über 2500. |
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Um 1928 wurden folgende Ortschaften eingemeindet: Gut Larischhofen (Ußainen), Kropien, Nettelhorst (Gurbischken) und Hochmooren (Ihlauszen). Der Ort Billen (Babillen) wurde - ohwohl nicht eingemeindet - von Schillen mitverwaltet. Bürgermeister August Bethke leitete die Geschicke Schillens von 1925-1929 mit Umsicht und Tatkraft. Dank seiner Tüchtigkeit entstanden in seiner kurzen Amtszeit drei Achtfamilienhäuser, ein Zehnfamilienhaus, ein Vierfamilienhaus und das Bürgermeisteramtshaus (mit drei Wohnungen). Er schloß den Kauf eines Vierfamilienhauses mit dazugehörenden 15 Morgen Land ab und sorgte auch für die Anlage eines neuen Friedhofes mit einer Kapelle. |
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![]() Postkarte 1943 : von links Uhrmacher Wachsmuth u. Kreisparkasse - Gastwirtschaft/ Kolonialwaren Pfeiffenberger - Geschäftshaus Sakuth - Kolonialwaren Thams+Garfs ? -Drogerie Görth (Sammlung: Walter Klink) |
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Von seinen Amtsnachfolgern Franz Gottschalk und Paul Zimmermann wurde das Aufbauwerk fortgesetzt. Es entstanden die Einfamilienhäuser an der Fichtenwalder Kiesstraße. Die Hauptstraße - vom Bahnübergang bis zum Ortsausgang nach Breitenstein - wurde neu gepflastert, die tief liegenden Wiesen zwischen der Ragniter und der Hohensalzburger Straße dräniert und eine Kiesgrube zum Unterhalt der Gemeindestraßen angekauft. In Gemeinschaftsarbeit bauten die Einwohner Schillens sogar einen modernen Sportplatz. Auf dem Gelände des alten Sportplatzes wurden etwa 20 neue Siedlungshäuser gebaut. Die Freude an dem Werk sollte bald durch die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges getrübt werden. Noch verloren sich die Kämpfe in den Weiten Rußlands. Doch schon 1944 klopfte das Schicksal an die Tür. Mit Beginn der Kämpfe auf ostpreußischem Boden begann die Flucht der Bevölkerung. Es folgte die planmäßige Räumung der gefährdeten ostpreußischen Gebiete. Vom bitteren Ende dieses aufstrebenden Ortes gibt die "Chronik der Gemeinde Schillen" Kunde: "Ab 1942 übernahm Rudolf Peschel die Amtsgeschäfte des Bürgermeisters. Er hat mit seiner Gemeinde das unsagbar schwere Los der Vertreibung geteilt. Zunächst wurde Schillen im Oktober 1944 evakuiert, das Amt Schillen nach Braunsberg verlegt. Dann ging es im 1. Drittel des Februar 1945 im Treck, zu Fuß, streckenweise auch per Bahn, über das Eis des Frischen Haffs, über Danzig, Lauenburg in Pommern, Stolp, Köslin, Stettin nach Hamburg und Schleswig-Holstein. Es war ein Leidensweg, der viele Todesopfer forderte. Die meisten der Überlebenden zerstreuten sich dann über das ganze Bundesgebiet, viele sind aber auch in der Sowjetzone zurückgeblieben." |
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letzte Statistik :
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Anmerkung: |
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Kartenmaterial:
Der Ort ist auf folgenden Landkarten verzeichnet:
Die Karten sind unter folgender Internetadresse zu beziehen: www.bkg.bund.de |
| Kirchspiel S c h i l l e n : |
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Das 1629 gegründete Kirchspiel hatte schon zur gleichen Zeit eine gottesdienstliche Stätte bekommen, eine Kirche aus Holz gebaut (erster Pfarrer war Petrus Kupzau). Diese Kirche stand nur 9 Jahre. Kirche und Pfarrhaus brannten aufgrund eines Blitzschlages nieder. |
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Sie fasste 1200 Besucher auf 600 Sitzen und 600 Stehplätzen. Während der Bauzeit von 1699 - 1701 wurde der Gottesdienst in einer Notkirche abgehalten. Die Kirche ist die allererste unter einem preußischen König errichtete. Sie wurde fertiggestellt als sich Kurfürst Friedrich III eben, am 18.Jan. 1701 in Königsberg die Königskrone aufs Haupt setzte. Deshalb wird sie auch "Krönungskirche" genannt. |
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![]() Das Bild zeigt die Kirche im Jahre 1990 (Bild: Walter Klink). König Friedrich I. war persönlich zur Einweihung der Kirche erschienen und hat einige Tage in Szillen gewohnt. Er übernahm auch das Pretektorat über die Kirche. Diese Kirche wurde am 17.Januar 1818 mit Ausnahme des Altarraums durch einen heftigen Orkan zerstört. 1819 erfolgte der Wiederaufbau des Schiffes, 1819-1827 des Turmes. Die Kirche war ein verputzter Backsteinbau mit polygonal geschlossenem Chor und eingebauten Seitenemporen im Innenraum. Die Decke war in der Mitte gewölbt und lief über den Seiten flach aus. Kanzel und Altar mit barockem Schnitzwerk, beide um 1720 entstanden, wurden 1820 zum Kanzelaltar vereinigt. Auch der Beichtstuhl entstammte der Zeit um 1320. Die 1832 erbaute Orgel wurde 1910 erneuert. Die Kirche besaß zwei Glocken. Die letzen Pfarrer der Kirchengemeinde Schillen waren Pastor Hartung und von 1936 bis zur Vertreibung Pastor Bruno Jordahn. |
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| Zillino ( Rayon : Neman ) : |
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Der Gemeindeort wurde nach der Besetzung durch die Russen 1945 in Zillino umbenannt. |
| Weitere Beiträge | |
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Kriegerdenkmal 1914-1918 in Schillen |
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Der Junge vom Bahnhof Bericht über meine Kindheit, über Land und Leute in Schillen bis 1931 |
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Erinnerungen an unser Kirchdorf Schillen |
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Kirche in Schillen - Im Krönungsjahr 1701 gebaut |
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"Haus Schillen" - Renovierung des ehemaligen Wohnhaus des Gutes Erzberger |
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Nach Schillen und nach Ostpreußen (Reisebericht 2007) |