| Kirchspiel Ragnit | |
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von Hans Augusti,
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Der Ort Paskalwen lag geographisch ca. 30 Meter über dem Meeresspiegel, etwa 1500 Meter vor der Kummabucht im Bereich des großen Memelbogens, an der Reichsstraße 132 von Tilsit nach Ragnit. Im Osten grenzte das Gebiet an den Paskalwusberg und im Westen an das Gebiet des Gutes Georgenhof. Der Ortsname Paskalwen wurde 1938 in Schalau umbenannt, wie viele Orte in den Grenzgebieten zu Litauen. Der Ort hatte eine wunderbare Lage. Von der Reichsstraße führte in nördlicher Richtung ein Weg im großen Bogen durch den Ort, welcher wieder in östlicher Richtung in die Reichsstraße einmündete. Rechts von der Reichsstraße, von Tilsit kommend, lag das große Anwesen von Ehlert in einem Park, daneben die Gastwirtschaft Reich mit einem großen Garten. Etwa 400 Meter davon entfernt das große Remontedepot mit einem Schloßgarten, welches zum Heeresremonteamt Neuhof-Ragnit gehörte. In Schalau gab es 1938 insgesamt 48 Grundstücke mit 464 Einwohnern. Es gab eine zweiklassige Volksschule, die letzten Lehrer waren Herr Kerkau und Herr Schwark. Im Ort waren zwei Gastwirtschaften, die Gastwirtschaft Reich mit einem großen Saal, im Sommer mit Gartenbetrieb. Etwa 300 Meter weiter, auf der linken Seite, ebenfalls auf der Hauptstraße, die Gastwirtschaft Scheer mit einem Kolonialwarenladen und einem kleinen Kohlenhandel. Am Dorfanfang, von Tilsit kommend auf der linken Seite, war die Schmiede. Auf derselben Seite 150 Meter weiter war eine kleine Meierei; hier wurde Käse hergestellt. Früher soll auch hier eine Ziegelei gestanden haben. Es gab hier noch einige Restlöcher, auf denen wir im Winter geschlittert und im Sommer auch gebadet haben, wenn wir nicht zum Dorfteich wollten. Auf dem Anwesen von Westphal stand eine Windmühle, hier haben die Bewohner früher ihr Getreide mahlen lassen, später dann in modernere Mühlen in Ragnit oder Tilsit-Preußen. Dieser Weg zu Westphals Mühle hieß Pausterweg. Dieser Name hat seinen Ursprung aus dem Wort pausten oder pusten, denn der Müller hat gesagt, "der Wind paustet heut nicht zum Mahlen". So haben die Dorfwege ihren Namen erhalten. Im Jahr 1936 wurden durch den Reichsarbeitsdienst ein Stück der Dorfstraße im Ort erneuert und ausgebaut, Gräben angelegt, mit Maschinen die Ränder befestigt und die Oberschicht mit Kies und schwarzer Schlacke bedeckt und festgewalzt. Dieser Weg erhielt so den Namen "Der schwarze Weg". |
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Paskalwen oder auch Schalau hatte eine Freiwillige Feuerwehr, was für diesen großen Ort sehr wichtig war. Paskalwen hatte auch einen Gendarm, dieser wohnte in der Girschuner Straße. Durch das Remontedepot hatte der Ort sicher einige Vorteile, so wurden die Kinder des Ortes, die eine Schule in Tilsit oder Ragnit besuchten, zur Schule gefahren und auch abgeholt, speziell im Winter, wenn nicht das Postauto fuhr. Die größten Bauernhöfe waren: Ehlert, Gawehn, Bastigkeit, Bannat, Kriszon, Schneidereit, Paukstat, dann gab es noch kleinere Bauernhöfe wie Paulischkies, Landt, Koskalwies, Griesath, Tinney, Gudjon, Wannagat, der auch gleichzeitig Bürgermeister war. Weitere Bewohner waren: Kühn, Tietge, Scherreiks, Urban, Bieber, Stepputis, Augusti, Matschulat, Skairis, Paletzki, Schuhmacher Kissner, Selmons, Janath, Boy, Bittner, Kubsch. Zum Remontedepot gehörten auch zwei Insthäuser, hier wohnten die Arbeiter vom Depot. Ein Insthaus stand an der Girschuner Straße, das andere an der Hauptstraße zwischen Gastwirtschaft Scheer und dem Bauernhof von Paulischkies. Im Schloßgarten vom Remontedepot wohnte die Familie Mirwald. Hier wohnte auch die Familie Stottmeister, er war für die Verwaltung des Remonteamt Neuhof-Ragnit zuständig. Von Schalau nach Tilsit waren es fünf Kilometer und nach Ragnit sechs Kilometer. Tilsit hatte über 56000 Einwohner und Ragnit 10100 Einwohner. Viele Bewohner kauften in Tilsit ein. Es gab hier auch die Möglichkeit, in Übermemel auf der litauischen Seite günstig einzukaufen. Dies war nur bis 1939 möglich, dann kam das Memelland wieder zu Deutschland. In der Stadt wurde nur das eingekauft, was es bei Scheer im Kolonialwarenladen nicht gab. |
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Autor: © 2006 Hans Augusti, 99326 Stadtilm
Quelle: Heimatrundbrief "Land an der Memel" Nr. 78/2006 Seite 69ff |
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letzte Statistik 1939:
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Schalau (Einw.: 464 ; Fläche: 873 ha )
Anmerkung: Ort und Wohnplatz zugehörig zu ev. Ksp. Ragnit |
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Kartenmaterial:
Der Ort ist auf folgenden Landkarten verzeichnet:
Die Karten sind unter folgender Internetadresse zu beziehen: www.bkg.bund.de |
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Schalau: Einwohnerlister- Stand 1939 |
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Erinnerungen an Paskalwen( Schalau) |