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von Edeltraut Zenke
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Das am 01.07.1901 gegründete Kirchspiel wurde nach Abzweigungen von Lasdehnen, Wischwill und Budwethen gebildet, um die weiten Wege in 3 andere Kirchspiele zu verkürzen . |
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![]() Kirche von Wedereitischken ( vor 1945) (Bild: Fritz Brix) |
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1903 wurde es noch von Budwethen aus durch einen Hilfsprediger versorgt, 1904 erhielt es ein selbständiges Pfarramt. Zunächst mußte das Schulgebäude, in dem Altar und Taufstein aufgestellt waren, als Notkirche dienen. 1906 fand die Grundsteinlegung für ein Gotteshaus statt, das am 22. Dezember 1907 eingeweiht wurde. Es war ein unverputzter Backsteinbau mit spitzem Turm und gerade geschlossenem Chor, ausgestattet mit Altar, Kanzel und Orgel im neugotischen Stil. Von den zunächst 2, später 3 Glocken mußte eine im 1.Weltkrieg zum Einschmelzen abgeliefert werden, wurde später aber wieder erneuert. |
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Von 1901 - 1944 waren 5 Pfarrer im Dienst. Der von 1910- 1916 tätige Pfarrer Obereigner wurde ins Memelland versetzt, wo er bis zum General-Superintendenten aufstieg und auch unter später fremden Regierungen im Amt blieb.Der letzte Pfarrer Ludwig Reimer war von 1918 - 1944 im Kirchspiel - Dienst und hat somit unsere Eltern getauft. konfirmiert und getraut, hat unsere Jahrgänge getauft ;er war einfach "unser Pfarrer". Die Bewohner waren zu 100 % evangelisch, abgesehen von einem Grüppchen Juden in Birkenhain. Eine dieser Familien (Neumark) baute einen Laden fast zu einem richtigen Kaufhaus aus, andere waren Pferde- oder Altwarenhändler, alle sind 1938 spurlos verschwunden ! Außerdem wurde in Wietzheim ein Gebäude von Mitgliedern einer Sekte bewohnt, deren Zugehörigkeit zu einem Mutterhaus bis heute nicht geklärt werden konnte. Sollte ein Leser genaueres wissen, wäre eine Rückmeldung dankenswert. |
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Erst mit Kirchspiel - Gründung gab es auch den "Amtsbezirk Wedereitischken", der zuvor als "AB Galbrasten" geführt wurde. Durch Pfarrer Lenkeit wurde 1905 eine Spar- und Darlehnskasse (Raiffeisen - Muster) im Kirchspiel gegründet. Außer Geldgeschäfte und Silobetrieb pp. wurde auch |
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Schulen mit 2 Klassenräumen gab es in Sandkirchen, Dreifurt und Birkenhain, mit 1 Klasse in Waldau, Groß Schollen, Wietzheim und Lindbach. Kinder aus den anderen Orten durften die nächstgelegene Schule besuchen, auch wenn sie im Nachbarkreis lag (z B. Königshuld > Wietzheim). Weiterführende Schulen waren kaum zu erreichen. da der Postbus nur um 7.0o Uhr ins 24 km entfernte Ragnit abfuhr und um 19.00 Uhr zurückkam, und das am Schul-ortwohnen kaum jemand bezahlen konnte. |
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Das Gesundheitswesen war jämmerlich. Arzt und Zahnarzt gab es nur in Altenkirch (Budwethen ) = 8 bis 12 km entfernt, d.h. diese hatten einen Umkreis von 24 km mit dem Pferdewagen zu versorgen, weswegen Hausbesuche nur in ganz schwierigen Fällen möglich waren. Die 2 Krankenhäuser in Tilsit und Ragnit für 300 Gemeinden und 70.000 Stadtbewohner reichten ebenfalls nur für das Dringendste, den Rest mußten 2 Gemeinde - Schwestern von Sandkirchen aus versorgen. 1 Tierarzt war ebenfalls nur in Altenkirch vorhanden. Also mußte für Mensch und Tier auf Hausmittel und vererbte Kenntnisse weitgehend zurückgegriffen werden. |
![]() Postkarte von Wedereitischken (links das Kriegerdenkmal; rechts unten die Brücke über den Ostfluß - Bild: Kreisarchiv) |
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Wichtig für den Ort Sandkirchen war der Bau der Dr.-Rosenkrantz-Brücke 1928 über den Ostfluß und die Befestigung der Straße (1930) von Dreifurt bis zur Hauptstraße Ragnit - Haselberg bei Groß Schollen. Ursprünglich ein recht kleiner Ort, nahm er durch die Mittelpunkt-Funktion seit der Kirchspielgründung erheblichen Aufschwung. Es entstand entlang der neuen Dorfstraße eine richtige Geschäftsstraße : Mehl- und Schneidemühle, Schuh- und Spielwaren, Frseuse, Drogerie, Lebensmittel, Bäckerei, Gastwirtschaft usw. Es waren 15 Betriebe und weitere 9 Betrieb waren im Ort. |
| Situation nach 1945 : | |
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Nach dem Einmarsch der Russen war die Kirche Pferdestall, Getreidespeicher, Materiallager für Wasserrohre pp; jedenfalls schnell entkernt. 1993 zeigte das gesamte Dach zwar schon diverse Löcher, aber die schön bemalte Empore war noch eingeschränkt zu begehen, die ebenfalls bemalte Holz - Decke noch nicht eingestürzt. |
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![]() Die Kirche im Jahre 1999 (Bild: Edeltraut Zenke) |
Inzwischen haben Wind und Regen ihre Arbeit getan, das weithin sichtbare Orientierungsmerkmal droht zu verfallen. Rettungsversuche gab es, aber die ehemaligen Bewohner sind nicht so begütert, um genug spenden zu können, und von staatlicher oder kirchlicher Seite gab es keine positiven Bescheide, obwohl dies eine der wenigen bis dahin noch gut erhaltenen Kirchen im "Oblast" war. In den noch existierenden Orten gibt es inzwischen Wasserleitungen und Strom für (fast) alle, aber keine allgemeine Kanallisation. Für die älteren Schuljahrgänge war von den Russen zunächst eine Mittelpunkt - Schule an der Hauptstraße Ragnit - Haselberg etwa in Birkenhain gebaut worden. Mitte der 90er Jahre konnte aber der Bustransport nicht mehr bezahlt werden, weswegen der Unterricht für alle Jahrgänge nun im "Kulturpalast Timofejewo" gehalten wird, der gleichzeitig die Administration beherbergt. |
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Etwa 1997 begann man Erdöl - Funde in Flußnähe (am Friedhof Sandkirchen) zu fördern, die Gemeinde hatte jedoch keinerlei Nutzen davon, da ihr nur die Humusschicht zur Verfügung steht - alles darunter gehört dem Staat. |
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Das als Beton - Obelisk gefertigte Sandkirchner Kriegerdenkmal blieb verschwunden, das Dreifurter mit großer Namens - Steinplatte wurde in den 90er Jahren gefunden und wieder aufgestellt. Die nicht in den Ortskernen der noch existierenden Dörfer stehenden Bauernhöfe wurden dem Erdboden gleich gemacht, da sie die in RuBland übliche Großfelder-Bewirtschaftung störten. Die zur Entwässerung des früher moorigen Landes nötigen Kanäle und Gräben aus dem gleichen Grunde zugebaggert. Ergebnis: Das Land versauerte, es wächst nicht einmal annähernd ausreichendes Viehfutter. Hilfsgüter wurden seit 1990 zunächst mit dem Deutschen Roten Kreuz Limburg nach Tilsit - Ragnit und verschiedene Kirchspiele gebracht, später auch durch andere ehemalige Bewohner und die Kreisgemeinschaft. Durch unverständliche sich ständig ändernde Regelungen der dortigen Behörden wurden die von der Bevölkerung dringend benötigten Spenden - Transporte weitgehend eingestellt. Für Dach- u. a. Reparaturen fehlten seit Jahren die Mittel - nun verfallen auch viele Steinhäuser. Die noch brauchbaren Ziegel sind eine zwar geringe aber immerhin eine Einnahmequelle für Steineklopfer. |
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| Autor: © 2000 Edeltraut Zenke (Kirchspielvertreterin Sandkirchen in der Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit) |
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| Die zum Kirchspiel gehörenden Orte aus dem Kreis Tilsit-Ragnit |
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| Die zum Kirchspiel gehörenden Orte aus dem Kreis Schloßberg-Pillkallen |
| Das ganze Kirchspiel gehört heute zu dem von den Russen gegründete Kreis : Rayon Krasnoznamensk (Haselberg-Lasdehnen) |
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Edeltraut Zenke
Was übrig blieb....vom Kirchspiel Sandkirchen eine Zusammenstellung von Zeitdokumenten und Fotos der Vor- und Nachkriegszeit in 3 Bänden DIN A 4 mit 132 - 116 - 174 Seiten Walter Broszeit Das Kirchspiel Sandkirchen Beschreibung eines ostpreußischen Kirchspiels im Kreis Tilsit-Ragnit mit allen Dorf-Chroniken (DIN A 4 - ca.220 Seiten) Die farbige Kirchspielkarte (90 x 84 cm) jedes Haus mit Familiennamen benannt. zubestellen bei E. Zenke, Oberroder Str. 6, D-56479 Elsoff, Tel. 02664 - 99 39 257 |
| Sonstige Beiträge | |
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Aus dem Kirchspiel Sandkirchen (Wedereitischken) |
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Wiederaufbau unsere Kirche |
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Das Kirchdorf Sandkirchen |
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Karte Kirchspiel Sandkirchen (ca. 380 KB) |
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