| Kirchspiel Großlenkenau | |
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von Ernst Hofer
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Reisterbruch, umgrenzt von den Dörfern Unter-Eißeln, Heidenanger, Rautengrund, dem Heidewald (Schilliswald) und Kleinlenkenau, lag etwa gleich weit im Dreieck zwischen der Memel und dem Ostfluß. Es war mit seiner Größe von 226 ha und 27 Gehöften sowie seinen 150 Einwohnern eines der kleineren Dörfer des Kirchspiels Großlenkenau. Reisterbruch gehörte zum Amt und Standesamtsbezirk Rautengrund und - da es keine Schule besaß - zum Schulverband des Nachbardorfes Heidenanger. Die Postzustellung erfolgte von der Agentur Ober-Eißeln aus. Seit wann Reisterbrucb besteht, ist nicht genau feststellbar. Nach Erzählungen von alten Leuten sollen erste Siedler auf dem teils sandigen, teils moorigen und sumpfigen Boden, damals bewachsen mit Gestrüpp, kleinen Kiefern, Birken und Wacholder, in den Freiheitskämpfen von 1813-15 invalide gewordene Soldaten gewesen sein, die der Staat hier ansiedelte. Diese ehemaligen Soldaten haben Bäume und Sträucher gerodet, Gräben ausgehoben, Hügel teils mit Karren abgefahren und Mulden ausgefüllt und sie und ihre Nachfahren haben bei dem wenig fruchtbaren Boden selbst bei größtem Fleiß, Genügsamkeit und äußerster Zähigkeit nur eine bescheidene Existenz erreichen können. Als das Gutsvorwerk Georgenwalde unter den Hammer kam und aufgesiedelt wurde, kam ein Teil dieses Gutsvorwerks, und zwar der um das Gehöft von Pusch herum liegende Teil zu Reisterbruch und wurde ebenfalls besiedelt. Etwa 80 % der Dorfbewohner lebten als Landwirte und der Rest als Arbeiter oder Handwerker. Manche wurden auch Berufssoldaten oder zogen in die Städte oder in das Industriegebiet. Bei dem wenig ertragreichen Boden bestand bei den Nationalsozialisten die Absicht, bei günstigem Kriegsausgang die Landwirte des Dorfes auf größere und ertragreichere Höfe im Osten anzusiedeln und Reisterbruch und auch das angrenzende wenig ertragreiche Gelände der Nachbargemeinden aufzuforsten. |
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Die Bevölkerung des Dorfes, deren Kinder die zweiklassige Volksschule in Heidenanger besuchten, insbesondere die erwachsene Jugend, war sehr aufgeschlossen, sang, musizierte und tanzte auch gern. In Ermangelung eines eigenen Lokals und eigener Vereine traf sie sich sowohl bei Nachbarn oder an der Brücke über den Berupgraben, wie auch z. B. Ostern bei der Schaukel im Walde oder man ging zusammen zum Ostfluß nach Rautengrund, zum Kirchdorf Großlenkenau, zum Sportplatz Unter-Eißeln oder Ober-Eißeln. Reisterbrucb mit seinem großen Waldbestand, zum Teil angrenzend an die Unter-Eißelner Heide war auf dem besten Wege, neben den beiden Dörfern Unter-Eißeln und Ober-Eißeln mit ihrem großen Fremden- und Ausflugsverkehr, auch Nutznießer des Fremdenverkehrs zu werden, doch der 2. Weltkrieg zerstörte alle in dieser Richtung laufenden Pläne. Am 16. Oktober 1944 hat der letzte Bürgermeister des Dorfes Reisterbruch, Otto Kreutzmann, zusammen mit seinen Gemeindeangehörigen sein Heimatdorf verlassen müssen. Der Russe hatte zu dieser Zeit schon das Nordufer der Memel erreicht und es war damit höchste Zeit gewesen, den Räumungsbefehl zu geben. Vor der Inbesitznahme durch die Russen im Januar 1945 hat dann noch einmal Erna Groß in der Zeit vom 14. bis 17. 12. 1944 ihren Heimatort besucht. In unmittelbarer Nähe ihres Elternhauses fand sie zwei Bunker vor. Von Erna Gross stammen auch die Aufnahmen aus Reisterbrucb, Heidenanger und Rautengrund für das Heimatbuch und die Übermittlung der Namen der im 2. Weltkrieg Gefallenen dieser 3 Dörfer, soweit ihr dieselben bekannt sind. Den Leidensweg des Trecks sowie die Erlebnisse in den Jahren 1945 bis zur Ausweisung durch die Russen in Reisterbruch und Großlenkenau berichtet ausführlich Helga Sahm geb. Pusch.( Anm.: hier nicht abgedruckt) |
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Quelle: Auszug aus dem Heimatbuch "Am Memelstrom und Ostfluß"
von Ernst Hofer © 1967; Herausgeber Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V. - Wiederauflage 1994 |
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letzte Statistik 1939:
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Reisterbruch (Einw.: 160 ; Fläche: 226 ha )
Anmerkung: zugehörig zu ev. Ksp. Großlenkenau |
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Kartenmaterial:
Der Ort ist auf folgenden Landkarten verzeichnet:
Die Karten sind unter folgender Internetadresse zu beziehen: www.bkg.bund.de |
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