Ragnit - Silberne Stadt

Das Wappen der Stadt Ragnit stammt aus dem Jahre der Stadtgründung und zeigt in Blau auf grünem Boden über Wasser eine silberne Stadtansicht. Über der Stadt fliegt der preußische Adler und über dem Adler leuchtet ein Gottesauge. Um das Wappen läuft eine Inschrift "SLIB EIS TUTA RAGNETA 1722". Diese Inschrift bedeutet dem Sinne nach: "Unter solchem Schütze ist Ragnit sicher."

Bedenken gegen Ragnits Stadterhebung

Die im Kreise Tilsit-Ragnit gelegenen Gemeinden Lesgewangen (Lesgewangminnen) und Moulinen sind zu Ehren von zwei Männern benannt worden, die bei der Besiedlung des Landes nach den Pestjahren an führender Stelle wirkten. Der Geheime Kriegsrat von Lesgewang hatte Bedenken, als König Friedrich Wilhelm l. Ragnit das Stadtrecht verleihen wollte. Ragnit sei zu arm, um die Kosten einer Stadtverwaltung zu tragen. Nur 14 Einwohner hätten Grundbesitz, insgesamt 64 Hufen und ein paar Morgen. Eine einzige Straße, von der eine Quergasse zu der baufälligen Kirche abböge, liefe durch die Ortschaft. Die Handwerker könnten nicht leben, nicht sterben. Die Bevölkerung der Umgegend kaufe ja doch alles in dem zehn Kilometer entfernten Tilsit. Kurz - es lohne sich nicht, daß der König sein gutes Geld verschwende.

Der König dachte anders. Über hundertzwanzig neue Häuser sollten gebaut und zu jedem ein Garten von einem Morgen Land angelegt werden. Der Forstverwaltung, die Einspruch gegen das Niederschlagen des notwendigen Bauholzes erhob, sandte er einen seiner recht deutlich gehaltenen Briefe. Holz und Ziegel wurden eiligst herangeschafft.

Am 4. August 1732 war Friedrich Wilhelm l. in Ragnit; er sah sich alles an, was inzwischen getan worden war. Das begonnene Werk mußte zu Ende geführt werden, auch die siebenhundert Bauernfamilien sollten seßhaft gemacht werden, denen er die umliegenden wüsten Ländereien zugedacht hatte. Ein Mann mit Pflichttreue und Arbeitseifer sollte in Ragnit bleiben, um den Fortgang der Arbeiten zu beaufsichtigen und zu beschleunigen. Für diese Aufgabe bestimmte der Monarch den Oberstleutnant du Moulin, von ihm erhielt Moulinen seinen Namen.


Ragnit am Ausgang des siebzehnten Jahrhunderts

Links die Memel, auf einer Uferhöhe das Schloß, und nach rechts breitet sich das Kirchdorf aus. Ragnit war noch nicht Stadt, als dieser Kupferstich gestochen wurde. Er befindet sich in Christian Hartknochs Werk "Alt- und neues Preußen", das 1675 erschien. Ragnit wird als ein großer volkreicher Flecken beschrieben, es wurde ein halbes Jahrhundert später, 1728, zur Stadt erhoben.

Das Bild kann keinen Anspruch auf Richtigkeit der Darstellung erheben, aber in den Hauptzügen hat der Zeichner die Lage doch beachtet. Die Fuhrwerke (vorne links im Bilde) kommen von Tilsit her; der Mühlenteich müßte etwas mehr im Vordergrund liegen. Ein Palisadenzaun läuft schützend um den Ort.

Zeittafel von Ragnit

1289     Errichtung der ersten Burg.
1397-1409     Aufbau des festen Hauses
1722     Stadtrechte durch König Friedrich Wilhelm I. Erweiterung der Stadt nach
             Plänen Schultheiß von Unfriedt.
1757     Ragnit wird im Siebenjährigen Kriege von den Russen völlig zerstört.
           Metzeleien unter der Bevölkerung
1771     Bau der Kirche
1807     Großer Stadtbrand
1875     Präparandenanstalt; 1882 Lehrerseminar
1892     Bahnanschluß nach Tilsit; 1894 nach Pillkallen, später Kleinbahn nach
            Kraupischken-lnsterburg.
1901     Einrichtung der bäuerlichen Werkschule
Autor : © unbekannt
Quelle :
1) "Das Ostpreußenblatt" der Landsmannschaft Ostpreußen e.V.
2) "Memel-Jahrbuch" für das Jahr 2012 Seite 6 – Selbstverlag Manfred Malien 24211 Preetz

Stadt Ragnit



© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am 14.11.2011
www.tilsit-ragnit.de
letzte Änderung dieser Seite : Montag, 14. November 2011