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von Fritz Ruhnke
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Pucknen, Post Ruddecken, Kreis Tilsit-Ragnit war eine Kleingemeinde. Sie wurde von etwa 720 Einwohnern bewohnt. Diese setzten sich aus Landwirten, Bauern und Deputanten mit ihren Familien zusammen. Dann gab es noch einige Handwerker auf dem Gut, das seit 1910 der Familie Ruhnke gehörte. Die Fläche der 6 zu Pucknen gehörenden Bauernfamilien betrug zusammen 245 Morgen. Und zwar besaßen in den letzten 10 Jahren vor 1945, in denen kaum Veränderungen vorgekommen sind, Max Kaupat: 66 Morgen, Henriette Pallokat: 58 Morgen, Gustav August Ostwald: 22 Morgen, Friedrich Nagel (früher Eckert), Gertrud Liedtke geb. Nagel, Pucknen !?: 34 Morgen, Erdmann Pempe: 22 Morgen und Karl Ostwald: 23 Morgen. |
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Die Gemeinde umfaßte also 1313 Morgen und dazu noch ca. 20 Morgen = 1333 Morgen, die im Wege der Anliegersiedlung im Jahre 1935 an die Bauern Mitzkat und Gronau/Steireggen vom Gut verkauft waren. Hieraus wird schon klar, daß alle Einwohner mit der Arbeit in der Landwirtschaft beschäftigt waren, die bei der Güte des Bodens sehr hohe Erträge an Getreide und vielen anderen Früchten erbrachte. Die Ländereien in Pucknen waren eben und teils hügelig oder wellig. Der gute Mittelboden hatte als Untergrund durchlässigen, kalkreichen Lehm, der für alle Früchte fruchtbar war. An Wald gab es nur einige Morgen Birkenwald mit einer kleinen Wiese darin, die zum Gutsbetrieb gehörten. |
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Aus der Vorzeit ist dem Schreiber folgendes bekannt: Der Gutsbetrieb hat 1840 einer Familie Bernecker/Salzburg gehört. Im Jahre 1848 ist von dem Gutsbesitzer Bernecker, der gleichzeitig Regierungsbaurat in der damaligen Kreisstadt Ragnit (Entfernung 15 km) war, das sehr solide und praktische Gutshaus mit schönen hohen Kellerräumen gebaut worden. Später sind Seydler, Schröder und ab 1910 Carl Ruhnke die Gutsbesitzer von Pucknen gewesen. Die Familie Pfeiffenberger, Erich und Frau Charlotte, geb. Ruhnke, besaßen und bewohnten das frühere Ramonowkische Grundstück - Hofstelle, Wohnhaus, Scheune mit Stall -, das zusammen etwa 3 Morgen betrug. Eine kleine Wiese und ein Garten gehörten auch dazu. Erich Pfeiffenberger war Versicherungsvertreter der Stuttgarter- und Allianz-Versicherungs-Gesellschaft. Es war vereinbart worden, daß im Falle eines Verkaufs des Grundstückes der Besitzer des Gutes das Vorkaufsrecht hatte. Max Kaupat kam 1934 nach Pucknen. Er hatte den 86 Morgen großen Bauernhof von Friedrich Wallner gekauft. Er übernahm auch ein Altenteil für die Familie Wallner, die vor der Flucht aber schon ausgestorben war. |
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Friedrich Nagel war Privatförster auf dem direkt an Pucknen angrenzenden Gute Sommerau. Er erwarb Ende der 20er Jahre den 34 Morgen großen Bauernhof des Ewald Eckert, der eine Siedlung in Unter-Eißeln bei Ragnit übernahm. Zur allgemeinen Lage ist zu sagen, daß Pucknen 20 km südlich von Tilsit (Kreisstadt), 8 km östlich von Szillen (Bahnstation) und 9 km westlich von Lengwethen(Kirche) lag. Von der Chaussee Szillen - Lengwethen führte in Ruddecken (Gastwirtschaft Gröchel/Klemm) eine 3 1/2 km lange Kiesstraße über Podschuhnen direkt nach Pucknen, und 1927 wurde noch eine kleine Abzweigstraße von 365 m bis zu der in dem selben Jahr mit Kreismitteln neu erbauten einklassigen Schule gebaut. Auch hieraus ersieht man den ständigen Fortschritt der kleinen Gemeinde unseres Heimatkreises, der trotz der schlechten Jahre bei der Landwirtschaft durch den Fleiß der Einwohner, und durch die zügige Förderung dieses Kreises erreicht wurde. |
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Vor dem ersten Weltkrieg mußten die Kinder von Pucknen auf schlechtem Landweg nach Kapotschen (Karlshof) zur Schule gehen. Aber seit etwa 1913 gab es für die Puckner Kinder schon einen Lehrer, der mit der Schule in einem privaten früheren Bauernhaus untergebracht war, bis eben in den 20er Jahren die neue Schule entstand, wo mit einigen Gastschülern etwa 22 bis 25 Schüler ihren Unterricht fanden. Auch für den Schulbau hatte der Kreis Mittel bereitgestellt. Der letzte Lehrer war Ernst Szameitat, er hat fast 20 Jahre lang der Schule vorgestanden. |
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Jetzt muß noch von einer großen Arbeit gesprochen werden, die sich ganz besonders segensreich für Pucknen und für alle an der Tilsele gelegenen Ortschaften ausgewirkt hat: der Ausbau der "Mittleren Tilsele". Mittlere Tilsele nannte man die Strecke etwa von Mixlauken bis Sommerau. Es war 1924 eine Wassergenossenschaft gebildet worden, deren Vertreter der Gutsbesitzer Carl Ruhnke, Pucknen, war. Nach dem Vermessungsplan des Kreiswasserbauamtes Tilsit-Ragnit wurde 1925 mit dem Ausbau tatkräftig begonnen. Der Baufirma Otto Passarge war der gesamte Auftrag mit Brückenbau, etc. übertragen worden. Es ergaben sich, wie immer bei so einem großen Unternehmen, auch manche Schwierigkeiten. U. a. waren Bauern der Ortschaft Sommerau, deren Land hohe Ufer an der Tilsele entlang hatten, an dem Ausbau nicht interessiert, und es mußten deshalb erst einige Prozesse geführt werden. Dann aber ging die Arbeit bis zu der Beendigung des Ausbaus etwa 1929 bestens vonstatten. Der Ausbau begann in Jonienen? und endete in Mixlauken. Wenn der Schreiber heute zurückdenkt, so muß er feststellen, daß der Landrat und das Kreiswasserbauamt tüchtige, zähe und großzügige Hilfe mit Rat und Tat in der Verwaltung für die Allgemeinheit geleistet haben. |
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Die Kredite und weiteren Zuschüsse für den Ausbau und die späteren Dränagen etc. wurden über den Kreis von der Bodenkredit A.G. Berlin bewilligt. Für die entwässerten Ländereien waren Beiträge aufzubringen. Das Gut Pucknen hatte z.B. etwa 2.000,00 Mark im Jahr zu zahlen. Die Ernteerträge der niedriggelegenen Ländereien stiegen infolge der Entwässerung so rapide in die Höhe, daß man sich das kaum vorstellen kann. Im Jahre 1930 übernahm der Gutsbesitzer Friedrich Ruhnke den Vorsteherposten, und im Jahre 1933 wurde der Landrat Dr. Penner selbst Vorsitzender der Wassergenossenschaft "Mitte Tilsele", deren Ausbau als Musterbeispiel für alle ähnlichen Meliorationsunternehmen hingestellt wurde. |
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An der Westgrenze von Pucknen floß die Tilsele, die bei Tilsit in die Memel mündete. An der Ostgrenze von Pucknen zog sich die etwas kleinere Lieparte hin, die ebenfalls etwas später ausgebaut wurde. Er mündete weiter unterhalb in die Tilsele ein. Durch den Ausbau dieser beiden Wasserläufe war für Pucknen und alle angrenzenden Ortschaften die Vorflut auch für alle niedrigerer gelegenen Ländereien hergestellt. Das Land des Gutes Pucknen war im Jahre 1935 restlos systematisch dräniert, das heißt, der größte Teil der Dränage war schon vor dem ersten Weltkrieg ausgeführt worden. Man erkannte nun noch mehr als vorher den gewaltigen Vorteil gerade der systematischen Dränage an. Leider machten die Bauern von Pucknen bis dahin noch keinen Gebrauch von der genossenschaftlichen Dränage, das war eben auch wegen des zum Teil fruchtbaren Bodens nicht für nötig gehalten worden. Sie waren skeptisch und scheuten die Beiträge und Kosten. Allein der Bauer Kaupat (86 Morgen) hatte schon die Vermessung beim Kreiswasserbauamt beantragt. |
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Die um Pucknen herum liegenden Orte seien noch genannt: Im Westen lagen die Ortschaften Podschuhnen und Gut Sommerau, wo der Sommerauer Wald die Grenze bildete, im Norden die Ortschaften Kindschen-Dorf und Steireggen, im Osten Petroschken und Reinecken und im Süden Karlshof und Ruddecken. Im Jahre 1930 war Gutsbesitzer Carl Ruhnke verstorben, und im Januar 1933 übernahm der Sohn Friedrich Ruhnke die Wirtschaft. Friedrich Ruhnke war von 1929 bis 1933 Bürgermeister der Gemeinde. Im Februar 1933 wurde der Bauer Gustav Ostwald zum Bürgermeister gewählt. Vorher hatte der frühere Besitzer des Kaupatschen Grundstücks Friedrich Wallner lange Jahre hindurch das Amt des Bürgermeisters der Gemeinde Pucknen inne. |
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Auf dem Gut befanden sich 3 Insthäuser mit 13 Wohnungen, die von Deputatfamilien bewohnt wurden. Sie hatten meist alle eigene Kühe, hielten Hühner und Schweine, und es ging ihnen wirtschaftlich gut. Auch ein Radioapparat fehlte seit den Jahren vor dem Kriege kaum in einer Wohnung. Alle Leute und ihre Familienangehörigen waren sehr fleißig und arbeitsam, besonders die Frauen, die neben den Bauern- und Landwirtsfrauen ein ungeheures Pensum von Arbeit leisteten. Als Erleichterung für die Arbeit dienten auf dem Gut Elektrizität mit allen Einrichtungen, Motoren, Gebläse, 2 Trecker, Zapfwellenbinder, Pumpen und viele andere Maschinen. Der Gutsbetrieb war als Musterbetrieb anerkannt worden. Friedrich Ruhnke war von der Landeskammer als Lehrmeister für die Ausbildung der Landwirtschaftslehrlinge anerkannt, und seine Ehefrau Eise Ruhnke war als Lehrfrau für die Ausbildung der Hauswirtschaftslehrlinge anerkannt worden. Viele Lehrlinge haben dort die Ausbildung bekommen. |
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Auf dem Gut stand eine leistungsfähige gute Herdbuchherde?. Es wurde Fohlenaufzucht, Remontezucht und Hengstezucht seit Jahren mit viel Erfolg betrieben. Wir können sagen, daß es in allen Stunden nur glückliche, freie und zufriedene Menschen gab, die zusammenstanden und sich in Notfällen unterstützten. Im Sommer 1944 rückte die Katastrophe der Vertreibung heran. Im Juli kamen schon die Flüchtlinge aus dem Memelgebiet und wurden noch bei uns untergebracht. Dann kam auch für uns im Oktober/November das Schrecklichste heran, was uns treffen konnte: die Vertreibung aus der geliebten Heimat. Die Gemeinde Pucknen fuhr fast geschlossen (es fehlte nur das kinderlose Bauernehepaar Pempe) Anfang November in den Kreis Braunsberg/Ostpreußen. Von da ging es im Januar/Februar getrennt und verstreut weiter. Landwirt Ruhnke und Bauer Kaupat fuhren am 10. Februar 1945 über das Haff. |
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Wir werden unser Recht auf unsere Heimat niemals und unter keinen Umständen aufgeben. Möge die Nachwelt ermessen können, welch eine Kraft aufgebracht werden mußte, um dieses Schicksal einer seit Generationen ansässigen Bevölkerung zu meistern! Besonders empfinden wir heute Schmerz darüber, dass diejenigen, die für unser Recht zu sprechen von uns berufen waren, die Wirklichkeit gerne verdrehen und die Wahrheit verkleinern wollen, weil es Ihnen bequemer erscheint. Wenn wir allein in der Minderheit zu sein scheinen, so wollen wir immer jeden Tag wissen, dass einer mit dem Recht vor Gott die Mehrheit ist. |
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| Autor : © 1977 Fritz Ruhnke (eingesandt von Ullrich Ruhnke,Witten) Quelle : Heimatrundbrief "Land an der Memel" Nr. 71/2002 Seite 87ff |
| letzte Statistik 1939: |
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Kartenmaterial:
Der Ort ist auf folgenden Landkarten verzeichnet:
Die Karten sind unter folgender Internetadresse zu beziehen: www.bkg.bund.de |