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Wer den Bismarckturm in Obereißeln von seinen Sommerausflügen kennt, und den Blick in die Memellandschaft schweifen ließ, der bewahrt das einmalige heimatliche Landschaftsbild in seinen unauslöslichen Erinnerungen. Die Hügellandschaft an der Memel, einst Naherholungsgebiet vieler Ragniter, war das Endziel der diesjährigen Baltikumreise. Die Heimatsehnsucht läßt Wege finden, um das langgehegte Ziel zu erreichen. Der heute für Touristen zugängliche Norden Ostpreußens - das Memelland - bietet Möglichkeiten, in den noch nicht offiziell zugelassenen sowjetischen Verwaltungsbezirk des Königsberger Gebietes vorzudringen. Somit führt der Weg in die engere Heimat über die Tilsiter Luisenbrücke. Über das Nachkriegs-Tilsit liegen viele Berichte aus neuerer Zeit vor. Auf der Fahrt durch die Ragniter Straße erkennt der Besucher viele erhaltene Bauten der Vorkriegszeit. Mit Bedauern richtet sich der Blick auf den Engelsberg mit seinem Wahrzeichen, dem Wasserturm. Das zu seiner Erhaltung dienende Dach muß, wenn der Verfall aufgehalten werden soll, dringend repariert werden. Am Ende der Ragniter Straße nimmt die alte Reichsstraße ihren unveränderten Verlauf. Der Schloßberg von Tilsit erhebt sich in alter Ausdehnung, gekrönt durch den Laubwald. Den Westteil der Anhöhe nimmt eine gelockerte Laubenkolonie ein. Für die heutigen Bewohner der Stadt ein Stückchen Land für die Eigenversorgung und Freizeitgestaltung. An der Gefällstrecke auf der Nordseite der Straße erinnert eine Restruine im Gelände an den früheren Standort der Ziegelei Wanzlik. Vom Gut Tilsit-Preußen (Benno Kairies) kann man trotz großer Mühe nichts mehr entdecken. In Schalau rechts der Straße steht das frühere gut erhaltene Gasthaus Reich. Neue Wohnhäuser, insbesondere russische Kastehäuser aus Betonfertigteilen hergestellt, verändern das gewohnte Bild der ländlichen Bebauung. Der Verfall der Gebäude des Remonteamtes geht schneller voran, als die Verwaltung mit der Reparatur vorankommen kann. Die alte Schule des Dorfes beherbergt mehrere Familien. Am Ausgang des Dorfes, an der Nordseite der Straße, vor etwa zwanzig Jahren angelegt, befindet sich eine große Obstplantage, die sich bis zum Mühlenberg hinzieht. Links und rechts der Landstraße versperrt Gebüsch den Blick auf die Felder. Althof-Ragnit geht im Grün des Gehölzes unter. In Ragnit eingetroffen, sieht man in der Tilsiter Straße viele kaum veränderte Bauten der Vorkriegszeit. |
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Auf alter Straßenführung, für den Kraftverkehr bis zum letzten Ende asphaltiert, erreicht der Autofahrer die Hügellandschaft von Ober- und Untereißeln. In Untereißeln führt die Straße an der Jugendherberge mit dem davorliegenden Freizeitplatz vorbei. Aufgestellte Kletter- und Turngeräte weisen auf die Nutzung des Platzes hin. An Binnendünen mit lockerem Kiefernbestand zur linken und rechten Seite vorbei, erreicht man nach einigen hundert Metern die Memel. Der Buswende-und Parkplatz sorgt für den reibungslosen Besucherverkehr an den Ausflugstagen. Wenige Meter Fußweg, und das Memelufer ist erreicht. Wie in früheren Zeiten fließt der Strom in der großen Memelschleife dahin. Das südliche waldreiche Ufer, von einer Hügelkette auf ein geschlossenes Hochufer übergehend, erstreckt sich der Naturpark, die Daubas, ohne Unterbrechung bis nach Ragnit hin. Auf der Anhöhe, vor dem Betrachter aufsteigend, muß in seinem dichten Laubgehölz der Bismarckturm zu finden sein. Auf der Rückfahrt über Obereißeln wird an der vermuteten Abzweigung zum Siegnalberg gehalten. Südlich der Straße steht ein restlliches Wirtschaftsgebäude von dem längstaufgelösten Gut Obereißeln. An einem kleinen Wohnhaus vorbei führt der Weg in das Dickicht des Laubholzes. Die an den Wegrändern heranwuchernden Sträucher und die aufgerissenen Löcher lassen vermuten, daß der Weg seit Jahren keinen Fahrzeugverkehr über sich ergehen ließ. Auf diesem Pfad vordringend, erkennt man mit Sicherheit den alten Fahrweg zum Bismarckturm, der bis zum Ausflugslokal Schober führte. Auf diesem Streckenabschnitt werden Erinnerungen wach. Der ermüdete Wanderer auf dem Wege zum Ausflugsziel fand vor fast 50 Jahren einen befreienden Blick über Hügel, Wiesen, Strom und Wälder. |
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Eine leichte Steigung aufwärts, auf der vermeindlichen Höhe angelangt, führt ein Pfad ostwärts durch das Gestrüpp. Nach wenigen Schritten stößt man auf ein verfallenes Bauwerk, das sich als Ruine in Höhe und Umrissen als Bismarckturm zu erkennen gibt. Dichte Bewaldung und Buschwerk versperren den ersehnten Blick von hier aus auf die große Memelschleife. Das Bild der Erinnerung, zumindestens vom Fuße des Bismarckturms mit der Fernsicht auf das Land an der Memel, fand von dieser Stelle aus nicht die erhoffte Auffrischung. |
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Autor: H.M. © 1989
Quelle: Heimatrundbrief "Land an der Memel" Nr. 45/1989 |