Kirchspiel Ragnit
Gemeinde Kleinmark (Kiauschälen)

Kleinmark war eine kleine Landgemeinde. Es grenzte, beginnend im Norden an Tischken - Dreidorf - Bersken, endend im Süden an Flachdorf und Angerwiese. Kleinmark (früher Kiauschälen) war 116 ha groß und etwa 600 Meter lang. Fast alle Gehöfte lagen am Dorfweg. Die Größenordnung der Betriebe lagen zwischen 10 -80 Morgen.

Eine Kreisstraße führte durch das Dorf (um 1933 gebaut) und verband die Ortschaft mit den Provinzialstraßen Gumbinnen -Tilsit bzw. Insterburg - Tilsit. Die nächste Bahnstation war 1,3 km (Angerwiese ) entfernt und bis zur Kreisstadt Tilsit waren es cirka 20 Wegekilometer.

Die Gemeinde gehörte zum Kirchspiel Ragnit. Der Amtsbezirk bzw. das Standesamt war Pucknen, letzter Amtsvorsteher war Herr Mosel (Pieraggen). Langjähriger Gemeindevorsteher schon vor dem ersten Weltkrieg war Bauer Christoph Esselun, den sein Sohn Christoph ablöste. Auf ihn folgte Bauer Gustav Kuhrau. Letzter Bürgermeister ( von 1930 bis 1944) war der Bauer Albert Becker. Zur Gemeinde gehörten cirka 80 Personen, die sich auf 16 Familien verteilten. Kleinmark war rein landwirtschaftlicher Struktur. Auch das Handwerk war vertreten. Es gab einen Schmied - Walter Endrunat -, einen Tischler - Ewald Leganke -und einen Schneider-August Boy. Zu ihrem Handwerk gehörten etwa 10 Morgen Landwirtschaft und wurde von den Familienangehörigen bearbeitet. Außer Ackerbau wurde insbesondere Vieh- und Schweinemast betrieben. Diese Erzeugnisse wurden überwiegend nach Ragnit geliefert. Die anfallende Milch bekam die Molkerei Knorr, Bersken (Sobersken). Um 1930 bis 1944 wurde die Milch von der Molkereigenossenschaft in Ragnit abgeholt.

Auch die Pferdezucht kam zur Geltung. Eingetragene Mitglieder der Trakehner Warmblutzucht waren die Bauern Georg Naujoks, Christoph Esselun, Otto Endrejat und Albert Becker.

Kleinmark war der Vorflut- und Drainagegenossenschaft Pötischken-Angerwiese angeschlossen. Der Kreiswiesenbaumeister Herr Neumann?, Tilsit, und Herr Heckler, Flachdorf (Pötischken), welcher dann zum Vorsitzenden der Genossenschaft gewählt wurde, haben das meiste zum Gelingen der Sache beigetragen. Von den 1944 vertriebenen Bauern der Gemeinde Kleinmark sind folgende nicht mehr am Leben:

1. Georg Naujoks
2. Christoph Esselun
3. Albert Kahlfeld
4. August Boy
5. Hermann Ketturkat
6. Christof Akrutat
7. Otto Endrejat
8. Elisabeth Redetzki

Autor: © 1966 A.Becker (Diese Dorfbeschreibung erfolgte aufgr. einer Anfrage v. Landrat a.D. Dr.Brix)
Quelle: Heimatrundbrief "Land an der Memel" Nr. 67/2000 Seite 121

Anmerkung:
Bei meinem Besuch in Preetz am 12/13. Februar 2000 fand ich im Archiv die Dorfbeschreibung unseres kleinen Dorfes Kleinmark im Kreis Tilsit-Ragnit. Mein verstorbener Vater hatte sie am 1.11.1966 gefertigt.
Brunhilde Kalis

letzte Statistik 1939:
  • Kleinmark ( Einw. :   73 Fläche :  117 ha )
    • alter Namen :Kiauschälen (Kiauschehlen)

Anmerkung:
1)zugehörig zum Ksp. Ragnit
2) Das Dorf existiert nicht mehr

Kartenmaterial:
Der Ort ist auf folgenden Landkarten verzeichnet:
  • Karte des Deutschen Reiches 1:100 000 - Ausgabe Kreiskarten/Kreis Tilsit-Ragnit aus dem Jahre 1940 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie
  • Karte des Deutschen Reiches - Topographische Karte 1:25 000 - Nr. 1098 (Hohensalzburg) -
    aus dem Jahre 1938 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie

Die Karten sind unter folgender Internetadresse zu beziehen: www.bkg.bund.de


Kirchorte, Dörfer und Wohnplätze



© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am 15.02.2006

www.tilsit-ragnit.de
letzte Änderung dieser Seite : Samstag, 25. Dezember 2010