Blick über den Memelstrom
Kirchspiele im Kreisteil nördlich der Memel

Durch die als Folge des Krieges 1919 bewirkten Abtretung des Memelgebietes an Litauen wurden die ev. Kirchenkreise Tilsit und Ragnit neu geordnet.
Die rechts der Memel gelegenen Kirchenspiele wurden zu einem eigenen Kirchenkreis Pogegen (das damals noch keine Kirche hatte) organisatorisch vereinigt.; die Superintendur befand sich in Plaschken.

Auch nach der Rückkehr des Memelgebietes in das Deutsche Reich hatte man den Kirchenkreis Pogegen als eigene Diözese bestehen lassen und die früheren kirchenorganisatorischen Verhältnisse nicht wiederhergestellt.
Damit war der Kirchenkreis Pogegen nicht identisch mit den politischen Grenzen eines Kreises.

Folgende dem ev. Kirchenkreis Pogegen angehörige Kirchenspiele gehörten politisch ab 1.10.1939 wieder zum Kreis Heydekrug :

  • Coadjuthen
  • Plaschken
  • Rucken

Folgende Kirchspiele des ev. Kirchenkreises Pogegen gehörten politisch ab 1.10.1939 zum Kreis Tilsit-Ragnit:

Pogegen (Ordenswalde)
letzter Pfarrer : Jakob Labrenz

Die Gründung des Kirchspiels und der Bau des Gotteshauses erfolgten während der Abtrennung des Memelgebietes vom Deutschen Reich.
Ein Jahr nach der Bildung einer katholischen Gemeinde wurde die evangelische Parochie ins Leben gerufen, deren Notkirche am 19.Februar 1933 eingeweiht wurde. Der Turmbau erfolgte 1938, seine Einweihung fand am 13.November 1938 statt. Die Kirche hatte zwei Glocken, von denen die eine vor dem Turmbau in einem abseits stehenden Glockenstuhl gehangen hatte.

Nattkischken
letzter Pfarrer : Heinrich Zippel

Nach Beilegungen von Schwierigkeiten seitens der Kirchspiele Coadjuthen und Piktupönen wurde durch Abzweigung von diesen Parochien Nattkischken als selbstständige Seelsorgebezirk am 1.April 1895 anerkannt.
Erst 1903 kam es mit Hilfe des Fonds für Jubiläumskirchen zum Bau eines Gotteshauses, dessen Grundsteinlegung am 4.September 1993 und dessen Einweihung am 29.November 1904 stattfand.

Es war ein unverputzter Backsteinbau im neugotischen Stil mit einem Turm über dem gewölbten Altarraum. Der Inneraum schloß nach oben mit einem Tonnengewölbe ab.Altarmensa und Kanzelfuß waren gemauert, die Kanzel aus Holz gearbeitet. Über dem Altartisch erhob sich ein hohes hölzernes Kreuz . Die Orgel wurde in der Königsberger Werkstatt von Novak erbaut. Die Kirche hatte drei Glocken.


Laugszargen
letzter Pfarrer : Hans Killus

Schon 1864 war Laugszargen als eigener Seelsorgebereich von Willkischken abgezweigt worden, aber erst 1899 wurde es selbstständig, nachdem bereits Kirche und Pfarrhaus vorhanden waren.
Zunächst hatte ein Betsaal als gottesdienstliche Stätte dienen müssen, 1887 war die Kirche errichtet worden als ein unverputzter Ziegelbau mit vorgelegtem Turm. Noch im gleichen Jahre wurde eine Orgel erworben. 1914 wurde die Kirche beschädigt, im November 1924 konnte sie nach umfangreichen Bauarbeiten wieder eingeweiht werden.



Bild links:
Kirche von Laugszargen im Mai 2004
(Bild: Oliver Schneider)


Piktupönen
letzter Pfarrer : Heinrich Dauskardt

Das 1574 gegründete Kirchspiel blieb noch ein Jahr mit Tilsit verbunden und hatte seit Ende des 16.Jahrhunderts einen eigenen Pfarrer.
Vom Bau einer Fachwerkkirche wird 1656 berichtet; ob diese einem älteren Bau nachfolgte, ist nicht überliefert.
1736 plante man die Errichtung einer massiven Kirche, deren Ausführung unter Verwertung älterer Mauerwerks 1744 erfolgte. Es war ein einfacher verputzter Saalbau, zunächst mit einem hölzernen Kuppelturm, der 1853 repariert werden mußte und 1906 durch einen massiven Turm ersetzt wurde, der mit einer barocken Haube (Wetterfahne : 1907) abschloß.
Der Innenraum hatte eine gewölbte Decke und an den Seitenwänden Emporen. Der Kanzelaltar war aus Teilen, die aus der ersten Häfte des 17.Jahrhunderts stammten, zusammengesetzt. Die Orgel von 1820 wurde am 12.August 1855 nach Abschluß von Renovierungsarbeiten neu geweiht. Die Kirche hatte zwei Glocken.

(das Bild zeigt die Kirche aus der Zeit vor 1945 - Archiv MemelJahrbuch)

Willkischken
letzter Pfarrer : Franz Leidereiter

Auf Veranlassung Herzog Albrechts erfolgte 1561 die Errichtung des Kirchspiels Willkischken. Die damals gebaute Kirche, die in der Folgezeit mehrfach repariert werden mußte, wurde nach heftigen Zerstörungen im Siebjährigen Kriege 1770/71 durch einen Neubau ersetzt, ein Rechteck aus Ziegeln ohne Turm.
1895 wurde die Kirche abgerissen und bis 1898 ein neues Gotteshaus errichtet, ein neuromanischer dreischiffiger Ziegelbau mit spitzen Turm. Der flachgedeckte Innenraum war einfach ausgestaltet.
Die Orgel war ein Bau von Terletzki in Elbing. Die Kirche hatte zwei Glocken, die eine ein Guß aus dem Jahre 1772, die andere von 1814 aus der Werkstatt von Copinus in Königsberg.


links: Kirche in Willkischken (Rückseite) vor 1944 (Bild: Werner Boes)



Szugken
letzter Pfarrer : Johannes Jucknat


Nach der Gründung des Kirchspiels im Jahre 1900 erhielt die Gemeinde 1904 als Gotteshaus einen unverputzten Backsteinbau mit Turm.




Das Bild zeigt die Kirche vor 1944





Wischwill
etzter Pfarrer : Erich Moser

Die Kirche wurde Mitte des 16.Jahrhunderts auf Veranlassung Herzog Albrechts erbaut und war bis 1609 mit Insterburg verbunden.
Um 1736 wurden größere Bauarbeiten durchgefüht. Nach einem Brande errichtete man 1811 die Kirche als massiven Feldsteinbau mit Fachwerkgiebeln, Ende des 19.Jahrhunderts wurde sie durch den Turm ergänzt.
Der Innneraum, an dessen seitlichen Wänden sich Emporen befanden, war einfach ausgestattet. Der Kanzelaltar war ohne künstlerischen Wert. Die Orgel war ein Bau aus dem Jahre 1822. 1912 fanden umfangreiche Renovierungsarbeiten statt.

Schmalleningken
letzter Pfarrer : Wilhelm Grodde

Das an der Grenze gelegene Kirchspiel war 1845 als eine Abzweigung von Wischwill gegründet worden. Die Gottesdienste mußten zuerst in einem zu diesem Zweck gemieteten Hause stattfinden.
Der Kirchbau wurde durch ein kaiserliches Gnadengeschenk ermöglicht, am 13.Juni 1877 fand die Grundsteinlegung, am 13.November 1878 die Einweihung statt. Es war eine unverputzter Backsteinkirche mit hohem Turm, in dem Glocken aus Gußstahl hingen.
Der Innenraum war mit Altar, Kanzel, Orgel und Tauftisch im neugotischen Stil ausgestattet.

(das o.a. Bild zeigt die Kirche aus der Zeit vor 1944 - Sammlung H.-E. von Knobloch)


Die drei Kirchspiele des Kirchenkreises Pogegen, die zum Kreis Heydekrug gehörten :

Coadjuthen

letzter Pfarrer: Bruno Sziel

Das seit 1568 bestehende Kirchspiel erhielt 1574 eine Fachwerkkirche, 1685 wurde der Turm angebaut. Während den Kriegszeiten 1656 und 1678 wurden große Teile des Inventars zerstört.Die 1685 erneuerte Kirche mußt aus baulichen Gründen Anfang des 18.Jahrhunderts abgebrochen werden.

Am 10.Juni 1733 fand die Grundsteinlegung für ein neues Gotteshaus statt, das am 1.April 1734 eingeweiht wurde. Es war ein massiver Bau aus verputzten Feldsteinen und Ziegeln mit einem vorgelegten hölzernen Turm im Westen, in dem sich zwei Glocken befanden.
Der Innenraum hatte eine Kassettendecke und umlaufende Emporen. Der Kanzelaltar von 1826 wies klassizistische Formen auf. Wegen des Baues einer Orgel wurde 1756 der Königsberger Hoforgelmeister Adam Gottlob Casparini befragt, dessen eigenhändig unterzeichneter Kontrakt, das Werk innerhalb eines Jahres abzuliefern, erhalten ist. Ob diese Orgel zur Ausführung gelangte, ist nicht bekannt. Die letzte Orgel war ein späterer Bau.


Plaschken
letzter Pfarrer : Hans Kuhrke

Seit der Reformationszeit wurde der Ort von Kuckerneese aus versorgt. Plaschken wurde im Jahre 1695 zum Kirchspiel erhoben. Noch im gleichen Jahr wurde eine Holzkirche gebaut., die jedoch wenig später durch Blitzschlag vernichtet wurde.
1736 erscheinen in Kostenanschlägen Beträge für den Kirchenneubau, bei dem es sich um die massive Steinkirche handeln muß, die bis 1897 gestanden hat. Sie war ein einfaches turmloses Gebäude, dessen Glocke in einem seitlich stehenden Glockenstuhl hing. Der ausgemalte Innenraum barg u.a. die Schnitzwerke "Christus und die Apostel". Nach Kriegszeiten war dieses Gotteshaus mehrfach repariert worden. 1876 fand seine letzte Renovierung statt. 1897 wurde es abgerissen, da es die große Gemeinde nicht mehr fassen konnte.

Die neue Kirche war ein roter Backsteinbau im Rundbogenstil mit spitzen Turm, in dem sich zwei Glocken befanden, und polygonal geschlossenem Chor im Osten.
Der Innenraum hatte eine trapezförmige Decke aus Holz. Auf der Westempore befand sich die in der Werkstatt von Terletzki gebaute Orgel, an der Nord- und Südwand liefen Emporen entlang. Der Altar, der unter Verarbeitung älterer Schnitzwerke geschaffen worden war, stand erhöht, darüber erhob sich ein hohes Kreuz. Rechts vom Altar befand sich die Kanzel, die von der Sakristei aus bestiegen werden mußte. Von der Decke herab hingen zwei große Leuchter. Die Kirche wurde im Jahre 1900 eingeweiht.


links: Kirchenruine von Plaschken
(Bild:eingesandt:Gabriele Bastermeyer

Rucken

letzter Pfarrer : Kurt Schmidt

Als Entlastung der Gemeinde Tilsit-Land wurde durch Abzweigungen von Coadjuthen, Piktupönen und Plaschken am 20.Mai 1858 der Seelsorgebezirk Rucken gegründet, doch wurde das selbständige Kirchspiel mit einem eigenen Pfarrer erst ab 1.Mai 1870 konstituiert. Nach dem in den ersten Jahren die Gottesdienstes in einem provisorischen Bethaus und in den Schulräumen hatten stattfinden müssen, wurden am 11.Juli 1886 die Kirche und am 7.November des selben Jahres die Orgel eingeweiht.
Die Kirche war ein unverputzter Backsteinbau mit östlich vorgelegtem Turm. Der Innenraum, an dessen Seitenwänden Emporen entlangliefen, hatte eine flache Decke. Links vom Altar befand sich die Kanzel. Kanzel und Altar waren einfache Arbeiten aus der Zeit der Errrichtung des Gotteshauses. Die Kirche hatte eine Glocke.


Quelle :
Tilsit-Ragnit, Stadt und Landkreis, ein ostpreußisches Heimatbuch
Autor: Fritz Brix ( Holzner-Verlag Würzburg 1971)

Orte nördlich der Memel



© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am 02.03.2002

www.tilsit-ragnit.de
letzte Änderung dieser Seite : Samstag, 18. Dezember 2010