Flucht und Vertreibung immer im Gedächtnis behalten
Von Hirschflur (Giewerlauken) bis nach Kiel-Friedrichsort
von Botho Eckert

Eine Niederschrift von Petra Krause in einem Zeitungsartikel, den mir meine Schwester aus Kiel-Friedrichsort zugesandt hat, weckte wieder Erinnerungen in mir. Leider habe ich von dem Sommerfest vorher nicht gewußt, sonst hätte ich gerne daran teilgenommen. Denn auch für mich, war die „Alte Festung", die sogenannten Kasematten, nach Flucht und Vertreibung erst mal eine Bleibe.

Dort gingen wir zur Schule, dort bekamen wir Konfirmandenunterricht, dort wurden wir in der Garnisonkirche von Pfarrer Dr. Noffke konfirmiert. Von dort gingen wir, um den Hunger zu stillen, auf den abgeernteten Feldern Ähren sammeln und Kartoffeln stoppeln und auf der Halde Kohlen zum Heizen sammeln.

Wir fuhren auch mit dem Dampfer nach Heikendorf und wenn die Kutter vom Fang heimkamen, kauften wir Fisch. Ein Dorsch mittlerer Größe ohne Leber kostete 5,- RM. Auch spielten wir auf dem großen Innenhof Fuß- und Völkerball.Wir brauchten nur über den Damm zu laufen und waren unterhalb des Friedrichsorter Leuchtturms am Strand. Anneliese u. Lieselotte K. waren von uns die Mutigsten, sie sprangen von der Brüstung des Leuchturms ins Wasser und schwammen wie die Fische. Sie kamen aus Leba in Pommern, wo es die größten Wanderdünen gibt.

In der Festung waren viele Familien untergebracht aus den ehemaligen Provinzen Schlesien, Pommern, Westpreußen und Ostpreußen. Aber wir waren alle eine große Familie, zusammengeschweißt durch Flucht und Vertreibung.

Nach Schulabschluß trennten sich unsere Wege, und erst zur „Goldenen Konfirmation" trafen einige aus der „Alten Festung" sich wieder.

Dieser Artikel aus der Zeitung von Petra Krause gibt ebenfalls wieder, wie es damals in der schweren Zeit nach Flucht und Vertreibung gewesen ist.

Zum Schluß: Aus der Heimat sind wir vertrieben, wir gingen alle in ein uns fremdes Land, doch unsere Sehnsucht, die ist geblieben, dort wo unsere Wiege stand, meine in Hirschflur (Giewerlauken)

Erinnerungen müssen erhalten bleiben; wenn wir einmal nicht mehr sind, kann keiner davon erzählen.

Autor : © 2011 Erhard Motejat
Quelle : Heimatrundbrief "Land an der Memel" Nr. 89/2011

Aus schlimmer Zeit
Hirschflur



© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am 08.01.2012
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letzte Änderung dieser Seite : Sonntag, 8. Januar 2012