| Kirchspiek Groß Lenkenau | |
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| ein Wiedersehen mit meinem Geburtsort. | |
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von Erhard Mojetat
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Im Haus der Begegnung in Ragnit war unsere Unterkunft für sieben Tage. Von dort fuhren wir mit einem Taxi über Ober- und Unter-Eißeln nach Großlenkenau. Als wir über die neue Brücke der Scheschuppe an Gut Sperber vorbei in den Wald einfuhren, hieß es für mich aufpassen, denn jetzt waren es nur noch ca. 5 km bis nach Hirschflur. Die Einfahrt rechts kurz vor dem Friedhof wurde gefunden und über holperige Feldwege am Hof Göttner vorbei in Richtung Scheschuppe bogen wir kurz davor bei Hilpert, wo es zur Fähre runterging, rechts ab in Richtung Kalnis. Am Haus Teweleit, welches noch stand, vorbei und nach Wedereits, mußte der Hof meiner Eltern kommen. Doch oh Schreck, nur freie Fläche rechts und auch links des sandigen Weges, der von den jetzt alten Birken geziert wurde. Die Einfahrt zum ehemaligen Anwesen meiner Eltern wurde gefunden, und ich habe meine Gedanken schweifen lassen! Dort stand unser Haus, dort die Scheune, dort der Stall, dort der Speicher mit Keller und zum Fluß hin der Geräteschuppen für die Landmaschinen. Die Fundamente der Gebäude sind im hohen verwilderten Gras noch zu finden, nur es steht nichts mehr; alles wurde abgerissen und vernichtet - warum? Die Gefühle, die einen in diesem Moment überkommen, kann man nicht beschreiben und auch nicht wiedergeben! Warum? |
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Ich bin dann über unser Land zur Scheschuppe durch knietiefes Gras gegangen. Die Weiden an den Ufern waren nicht mehr da, aber die Steine auf der Seite zu Austolats, wo wir als Kinder mit der Hand Fische gefangen haben, sind geblieben. Auch die kleine Sandbank auf Wedereits Land; aber wo sind die Weiden geblieben? Zur Kalnis hin am Wald steht noch der Hof Kundroweit, aber die Anwesen Matschulat, Dumschat, Burblat, Klinger, Risch, Motejat, Wedereit, Steppat, Hundsdörfer, Godschuweit, Hilpert sind nicht mehr vorhanden. Auf der Flußseite bis zum Dorfteich ist alles freie Fläche. An der Waldseite steht noch der Hof Wowerus; Grigat, Jesuttis, Nicklas, Szigat, Frisch, Staab, Delkus, Insthaus Motejat, Mansch, Wendorf, Abromeit, Siemoneit, Liedke fehlen - bis zum Dorfteich ist alles nur freie Fläche. Die Kalnis, daß war unsere Seite des Dorfes. Zur Birkalnis stehen noch die Gebäude Schuris, Göttner, Giedigkeit, Drückler, Nobereit und die Schule. Alles andere ist auch hier nur noch freie Fläche. Die Kalnis war in Richtung Juckstein, die Birkalnis in Richtung Trappen. Ich bin einsam und alleine durch unser schönes Dorf gegangen, habe meine Gefühle und Gedanken schweifen lassen. Ich habe Abschied genommen von meiner Geburtsstätte, von meiner geliebten Heimat Hirschflur - Ostpreußen, dem wunderschönen Land der Wälder, Flüsse und Seen. Heute heißt unser Dorf "Nikoioskoe". |
![]() Skizze Hof Mojetat |
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Autor: © 2004 Erhard Mojetat
Quelle: Heimatrundbrief "Land an der Memel" Nr. 76/2005 Seite 125 |