| Kirchspiel Altenkirch | |
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von Walter Schiedlowsky
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Grünau - unser kleines Dörfchen lag im südöstlichen Teil des alten Landkreises Ragnit, der später mit dem Landkreis Tilsit zusammengelegt wurde. Von der Kreisstadt Tilsit war es gute 40 km entfernt. Im Osten des Dorfes bildete die Gemeindegrenze gleichzeitig die Kreisgrenze zum Landkreis Schloßberg (Pillkallen). Die südliche Gemeindegrenze verlief an der Inster entlang, im Westen grenzte es an Wiesenfeld (Eszerninken), im Norden an Königshuld. |
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Im Dorf befanden sich 22 Gehöfte, wovon an der Inster im Ortsteil Skrebben die drei größten Höfe lagen und im Ortsteil Antskrebben vorwiegend kleinere. In diesem Ortsteil befanden sich die Schule, eine Windmühle und eine Stellmacherei. Die Einwohnerzahl schwankte zwischen 150 und 170. Die Schule wurde 1911 zu Zeiten Kaiser Wilhelms erbaut. Soweit erinnerlich, waren hier folgende Lehrer tätig: Eichert, Hering, Gustav Lehmann, Möllring, Bernick und Hadamitzki. Vor allem Lehrer Lehrmann war lange Jahre in Grünau und genoß das Vertrauen der Grünauer und stand ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Die Windmühle stand früher in der Schiller Gegend, wurde dort abgebrochen und hier neu aufgebaut. Ihr erster Besitzer hieß Ußkoreit, der sich nicht halten konnte, und die Mühle wurde gerichtlich verkauft. Käufer war Großbauer Heinrich Kischkat, der sie an Brandt verpachtete. Im Jahre 1893 kaufte Philipps die Mühle, und dieser verkaufte sie 1911 an Franz Mülbredt, welcher den Betrieb bis zur Vertreibung aufrechthielt. |
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Die Bürgermeister von 1911 waren Dowidat, Gustav Nagel und als letzter Eduard Courvoisier bis zur Vertreibung. Der Ort wurde von 2 Kreisstraßen und 2 Landwegen durchzogen. Erstere wurden 1907 gebaut und trugen jede Last - ausgenommen während der Schneeschmelze und kurz danach. Die notwendige Drainage wurde 1938/39 durchgeführt. Vollelektrisiert war nur der Hof Schiedlowsky (vormals Heinrich + Gustav Kischkat). |
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| (1-3Skrebben, 4-22 Antskrebben)
Außer den Hofbesitzern waren noch einige Landarbeiterfamilien dort ansässig. Hiervon wären zu erwähnen die alteingesessene Familie Martin Germuhl, ferner Trinkmann, Gill, Nauroschat, Lieder, Pohlmann, Strauß und Nesslinger. Über die Inster führte eine Privatbrücke, über die der Weg nach Rautenberg führte. Bei Hochwasser mußte diese festgebunden werden, weil sie aus Holz bestand und sonst weggeschwommen wäre. Grünau gehörte zum Kirchspiel Altenkirch, Post- u. Bahnstation war Lesgewangen. Für den Güter- und Personenverkehr war auch die Bahnstation Rautenberg zuständig. |
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Was wäre sonst noch aus unserem Dörflein zu berichten? Nicht viel! Wie Müller Franz Mülbredt mir mitteilte, hatten 1813 die aus Rußland zurückflutenden Franzosen Lebensmittel, Vieh und vor allem Pferde requiriert. Seine Urgroßmutter hatte damals ihre Pferde schnell aus dem Roßgarten gelassen und sie dadurch vor dem Zugriff der Franzosen gerettet. Es setzte eine Verfolgung dieser Frau, die einen roten Rock trug, ein. Sie versteckte sich und wechselte den roten Rock, so daß die Franzosen sie danach nicht wiedererkannten. |
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Die Anlieger an der Inster hatten das Fischereirecht, und so kam es, daß Großbauer Heinrich Krischkat die Kinder vertrieb. Diese flüchteten vor ihm über die Inster und kamen an anderer Stelle zurück. Gutsbesitzer Andreas Hofer feierte auch schon zu Kaisers Zeit mit seinen Leuten am anderen Ufer den 1. Mai, woran auch Grünauer teilnahmen. |
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2 Gendarmen bewachten damals noch die Feier. An der Inster fanden vor dem Kriege auch die Johannifeiern statt. Eine Tanzdiele wurde aufgeschlagen und mit Blasmusik wurde in der lauen Sommernacht bis zum Morgengrauen gefeiert. |
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Der schönste Teil unseres Dörfleins war die Insterpartie. Entlang des Flusses Wiesen und Weiden. Auf dem gegenüberliegenden anderen höheren, kleinen Steilufer junger Tannenbewuchs, darin die ganze Vogelwelt und unzählige gurrende und mit den Flügeln klatschende Wildtauben. War es nicht herrlich, sie während eines Spazierganges zu belauschen? Und das Wassergeflügel auf blinkendem Fluß. Und am Sonntagmorgen die Fische aus dem Netz zu holen und seinen Gästen zum 1. Frühstück einen ganzen in Butter gebackenen Hecht vorsetzen zu können? Und nach der Tagesarbeit ein erfrischendes Bad in der Inster nehmen zu können? Und diese herrlichen warmen Sommertage und Nächte. |
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Da passierte mir mal folgendes: An einem heißen Sommertag gehe ich über die Insterwiese, um nach dem Heu zu sehen, da sehe ich über der Insterböschung die rote Haarschleife meiner 2 1/2jährigen Tochter Rosi. Ich eile hin und frage, was sie dort macht, und sie sagt: "Oni (Sohni) ersauft." (Sohn des Arbeiters Nauroschat). Ich bemühe mich vergeblich, etwas zu erblicken, nehme das Kind auf den Arm und wate mit Kleidern ins Wasser und frage: "Wo?" Und sie deutet mit dem Finger auf die Luftblase eines grünen Hemdchens zwischen Schlingpflanzen. Ich fasse zu und ziehe den leblosen Jungen heraus und eile, so schnell es geht, 11 km zum nächsten Arzt, der das Kind nach längeren Wiederbelebungsversuchen zum Leben erweckt. Wo mag "Oni" wohl heute sein? |
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Hatten die Bauern im Sommerhalbjahr mit ihren Feld- und Erntearbeiten zu tun, so gab es im Winter Dung auszufahren, Holz aus dem Forst zu holen usw. |
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Gebe Gott, daß wir einst in unser kleines Dörflein an der Inster zurückkehren können, denn wir liebten es, es ist unsere Heimat, "unser Land". |
| Autor: Walter Schiedlowsky ; gest.1977 Quelle: Heimatrundbrief "Land an der Memel" Nr. 72/2003 |
| letzte Statistik : |
1) Ort und Wohnplatz zugehörig zu ev. Ksp. Altenkirch 2) Das Dorf Grünau (Skrebben) existiert nicht mehr |
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Kartenmaterial:
Der Ort ist auf folgenden Landkarten verzeichnet:
Die Karten sind unter folgender Internetadresse zu beziehen: www.bkg.bund.de |