Groß Lenkenau (Groß Lenkeningken)

Groß Lenkeningken war eine typische Landgemeinde im Winkel von Memelstrom und Scheschuppe/Ostfluß.
Die weithin leuchtend-rote Jubiläumskirche (1902-1904 erbaut) war das Wahrzeichen des Dorfes. Seine Fläche von rund 400 ha wurde vornehmlich von Wiesen, Feldern und Wald eingenommen.
Etwa zwei Dutzend gewerbliche Handwerksbetrieb, ferner Gastwirtschaften und Kolonialwarenläden, dazu ein Sägewerk und eine Kalksandsteinfabrik machten es zum wichtigsten zentralen Ort der Umgebung.

Selbstverständlich fehlten nicht Arzt, Zahnarzt und Apotheke, es hatte ferner eine zweiklassige Schule und eine Raiffeisenkasse.
Bis zur Jahrhundertwende hatte sich das Dorf nur langsam entwickelt. Erst die feste Straße Ragnit-Obereißeln-Haselberg und Lenken -Trappönen sowei die Straßenbrücke über die Scheschuppe nach Trappöner Forst gab den Anstoß zu einer stärkeren Entfaltung. Jetzt konnte z.B. das Holz aus der Forst besser transportiert werden und Sägewerk wie Kalksandsteinfabrik lieferten preiswertes Baumaterial. Zwei Mahlmühlen sorgten für die weitere Belebung der Geschäfte, der Ort entwickelte sich, was in den zahlreichen massiven Geschäfts- und Privathäusern zum Ausdruck kam.


Kirchspiel : Großlenkenau -  Groß Lenkeningken : 

Der Plan, das Kirchspiel aus Teilen der Parochien Ragnit, Wischwill und Budwethen zu konstituieren, konnte nach Schwierigkeiten, die sich aus den Finanzierungsfragen und wegen der Parochialgrenzen ergaben, am 1. Oktober 1897 in die Tat umgesetzt werden.
Als gottesdienstlicher Raum wurde ein Saal gemietet; der Bau einer Kirche verzögerte sich bis 1903, als Groß Lenkeningken in die Reihe der zu erbauenden Jubiläumskirchen aufgenommen wurde.

Kirche von Groß Lenkeningken
(vor 1945 Bild: Sammlung Tautorat)

Am 12. Juli 1903 fand die Grundsteinlegung statt, am 23. Oktober 1904 die Einweihung.Die Kirche war ein unverputzter Backsteinbau mit einem Chorturm im Osten. Der Innenraum, dessen seitliche Emporen bis an den Altar herangeführt waren, hatte eine flache Decke, die Vorhalle und der Altarraum Kreuzgewölbe. 

Auf dem gemauerten Altar stand ein Kruzifix, rechts vom Altar war die Kanzel angebracht. Die Orgel wurde 1905 in der Werkstatt von Goebel in Köniqsberg erbaut.
Die Kirche hatte drei Glocken. 1926 wurden Instandsetzungsarbeiten durchgeführt.

Die Pfarrer der Gemeinde waren :

  • 1896 - 1898 Sinnhuber, Eduard
  • 1998 - 1912 unbekannt
  • 1912 - 1920 Jokuszies, Arthur
  • 1919 Neumann, Johannes
  • 1922 - 1928 Kuptsch, Julius
  • 1929 - 1931 Sprank, Siegfried
  • 1931 - 1945 Walther, Gerhard

Das Kirchendach wurde durch die Kriegshandlungen beschädigt. Die Kirche wurde vermutlich in den 50er Jahren gesprengt. Die Steine wurden wirtschaftlich genutzt.

Heute sind noch Teile des Fundaments der Kirche, ein Taufbecken und das denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges erhalten.
Die Siedlung ist in einem relativ guten Zustand.

Bild rechts :Taufbecken im Jahre 1997

letzte Statistik :
  • Groß Lenkenau
    Einwohner : 657 (Stand 17.05.1939) - Fläche : 417 ha
    • alter Namen : Groß Lenkeningken bis 16.07.1938
      ältere Schreibweisen: Lenkenincken bis 1785;Lenkeningken bis 1815
    • nach 1945 : Lesnoe


      Anmerkung: Kirchspieldorf - Ksp. Gr. Lenkeningken (Groß Lenkenau) seit 1897
      aus Teilen der Parochien Ragnit, Wischwill und Budwethen gebildet

Kartenmaterial:
Der Ort ist auf folgenden Landkarten verzeichnet:
  • Karte des Deutschen Reiches 1:100 000 - Ausgabe Kreiskarten/Kreis Tilsit-Ragnit aus dem Jahre 1940 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie
  • Karte des Deutschen Reiches - Topographische Karte 1:25 000 - Nr. 0999 (Baltupönen) -
    aus dem Jahre 1938 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie

Die Karten sind unter folgender Internetadresse zu beziehen: www.bkg.bund.de


Weitere Beiträge
Ragniter Kronleuchter als Geschenk: Vor 90 Jahren erhielt die Kirche
Groß Lenkeningken ihre Weihe
Heimaterinnerungen an die Flußbrücke im ehem. Kirchspiel Großlenkenau/Lenken
Kriegerdenkmal in Großlenkenau
Die Judensterne von Großlenkenau
Vor mehr als 100 Jahren




© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am 24.02.2001

www.tilsit-ragnit.de
letzte Änderung dieser Seite : Dienstag, 14. Dezember 2010