| Das Dorf Skattegirren/Groschenweide: | |
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Die Besiedlung der Wildnis zwischen Ossat, Schillup und Budup erfolgte in mehreren Etappen. Das ist auch der Grund, warum große Teile des Schneckenschen Forstgebietes, in dem auch Skattegirren lag, erhalten blieben. Zur Mehrung der fürstlichen Schatulle wurden ab 1640 unter der Obhut der Forstleute große Waldflächen aufgesiedelt, so auch das Gebiet, auf dem später Skatiken - Skatiggirren - Skattegirren entstand. Dafür erhielt der Kurfürstliche Landmesser Christoff Groschen am 15.1.1682 einen Berahmungskontrakt (Siedlungsvertrag) über 13 Huben Wildnisland. Aufgrund seiner Verdienste als Landmesser - sein Fürsprecher war der oberste Dienstherr der Forstbehörde Oberjägermeister von Oppen - bekam er das Land mit zahlreichen Sonderrechten wie "Erb- und Ewiglich zu köllmischem Recht" und frei von allen Pflichten, etwa Scharwerksdiensten etc. Die ersten sechs Jahre waren außerdem zinsfrei. Der Boden wurde damals als minderwertig beurteilt, nur für wenig Acker und einige Wiesen geeignet. Aus diesem Grunde wurde bei der Verleihung im Forst Wilhelmsbruch an der Budup ein Wiesengelände (1 Hufe und 15 Morgen) hinzugefügt. Die Bestätigung (Confirmation) des Privilegs erfolgte am 6. Oktober 1688 durch Kurfürst Friedrich in Coeln an der Spree. Der Wald war zu der Zeit bereits geschlagen, so dass sofort mit dem Stubbenroden, der Gestrüppbeseitigung und der Urbarmachung des Bodens begonnen werden konnte. Nach Erhalt des Siedlungs-Privilegs war Christoff Groschen noch als Landmesser tätig. Es ist anzunehmen, dass er tüchtige Bauern zur Besiedlung der ihm verliehenen Landflächen anwarb. So kamen junge Bauern aus den bereits vorhandenen Siedlungsgebieten, hauptsächlich dem Samland, die immer weiter in die Wildnis vordrangen. Unter ihnen befanden sich sowohl Prussen als auch viele Deutsche. Leider liegen aus dieser Zeit keine schriftlichen Berichte vor. Doch müssen diese Siedler tüchtige Menschen gewesen sein, denn es gelang ihnen aus dem als sehr schlecht beurteilten Boden gutes Ackerland zu schaffen. Einhundert Jahre später wurden die Einsaaßen des Dorfes von den preußischen Beamten bereits als wohlhabend beurteilt. |
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Der Ortsname deutet auf prussische und litauische Siedler hin. Folgende Schreibweisen sind bekannt : Skattiggirren > skatibus = Groschen Nach 1934 erhielt der Ort den Namen Groschenweide. Der Namensteil "weide" wurde vermutlich eingesetzt, weil zu dieser Zeit kein Wald mehr vorhanden war. 1725 wurde das Dorf aufgeteilt in Groß Skattegirren mit 9 Huben und 15 Morgen und in Klein Skattegirren mit 5 Huben Land. Im selben Jahr kamen neue Siedler, vornehmlich aus Thüringen. Nach einer ersten Aufzeichnung im Jahre 1730 lebten in Groß Skattegirren sechs Wirthe nebst zwei Instfamilien und einem Hirten und in Klein Skattegirren fünf Wirthe, zwei Instfamilien und zwei Hirten. Insgesamt lebten im Dorf 75 Personen einschließlich der Kinder. Eine vollständiger Wechsel bei den Familiennamen fällt bei den Aufzeichnungen aus den Jahren 1766 bis 1770 auf. Ab dieser Zeit finden sich vorwiegend deutsche und österreichische Namen, während sich die litauischen völlig verlieren. |
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Odaus-Hoeffchen wurde erstmals am 19. August 1755 anlässlich einer Erbverschreibung im Amt Ballgarden erwähnt. Der damalige Besitzer Behrendt bestand neben der Grundbucheintragung auf der königlichen Erbfreyverschreibung. Sie wurde am 31. Juli 1777 vorgenommen und am 13. Juni 1784 in Berlin bestätigt. Der erste Siedler (vermutlich mit Namen Odau) kam um 1750 auf die Hofstelle. Durch Einheirat wurde Friedrich Behrendt um 1765 dessen Nachfolger. Von 1766 bis 1770 lebten auf dem Hof fünf Personen. Er wurde als Gut geführt und lag damals mitten im Walde. Die zum Gut gehörenden Wiesen befanden sich auf dem Grund der Nachbargemeinde Laugallen. Nach der Vermessung durch den Conducteur Hartknoch im Jahre 1755 bestand das Gut aus 1 Huben und 18 Morgen Land. Im Jahre 1783 lebten auf Odaushöfchen zwei Köllmer, ein Eigenkätner und ein Hirte. |
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Im Actum von Skattegirren von 1783 wird erwähnt, dass Christoph Groschen im Jahre 1780 den Ort nochmals vermessen hatte. Da dieser Name später nicht mehr erscheint, dürfte das Jahr 1680 wohl eher den Tatsachen entsprechen. Andernfalls hätte es sich um einen Enkel des verdienten Landmessers handeln müssen. Die beiden Praestationslisten von 1783 und 1795 enthalten keine Veränderungen. Damals lebten in Groß Skattegirren auf 9 Huben und 15 Morgen Kulmisch sechs Kölmer, drei Einliegerfamilien und ein Hirte. In Klein Skattegirren lebten auf 5 Huben kulmisch und 23 Morgen oletzkoisch fünf Kölmer und ein Hirte. Die Erbverschreibung für Klein Skattegirren wurde 1766 im Amt Ballgarden vorgenommen. Die Bestätigung in Berlin erfolgte 1779.
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| Einige der Hofbesitzer lassen sich bis zum Jahre 1700 zurückverfolgen:
Hof Redetzky Hof Eckert Hof Auschill Hof Maurer Hof Mau Hof Schokoll Hof Riechert Die ersten Siedlungsjahre waren sicherlich nicht leicht, musste doch alle Arbeit mit der Muskelkraft von Mensch und Tier bewältigt werden. Trotzdem konnten die Skattegirrener den Urwald innerhalb eines Jahrhunderts in eine ertragreiche Landwirtschaft verwandeln. Im Vergleich zu einigen Nachbardörfern hatten sie in eine gute Vermögenslage erreicht. Doch gab es auch immer wieder Rückschläge. Der größte Einbruch war sicherlich die große Pest von 1708 bis 1710.
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Ebenso waren die Ernten in den Sommern 1811 und 1812, sowie 1816 und 1827 aufgrund der schlechten Witterung sehr schlecht. 1829 wird von einer großen Überschwemmung an der Memel berichtet. Es ist anzunehmen, dass es auch in Skattegirren an der Schillup ähnliche Probleme gab. Aus Aufzeichnungen geht hervor, dass auch das Jahr 1844 sehr regenreich war, so dass Getreide und Kartoffeln auf dem Acker verfaulten. Noch im März 1845 herrschte bis zu 24°C Frost. Jedoch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzten große wirtschaftliche Veränderungen ein. Die schulische Ausbildung wurde verbessert, und ebenso machte auch das Wissen um die Tierhaltung entscheidende Fortschritte. Mit Beginn der Technisierung wurden neue Ackergeräte und Maschinen entwickelt, die die Arbeit wesentlich erleichterten. Aus diesem Wissen heraus entstanden um 1890 herum auch in Skattegirren die typisch ostpreußischen Viereckhöfe mit Wohnhaus, Stallungen und Scheunen. Zwischen 1906 und 1908 kamen zahlreiche Kleinsiedler, hauptsächlich nach Odaushöfchen und Klein Skattegirren. Teile des Gutes Odaushöfchen und die sogenannte Pistin wurden aufgesiedelt (Pistin bedeutet vermutlich Wildpferdespur - auf prussisch pistis = Pferdespur). |
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1934 erhielten die Ortsteile Groß- und Klein-Skattegirren und Odaushöfchen den gemeinsamen Namen Groschenweide. Ab diesem Zeitpunkt hatte das Dorf einen Gemeindevorsteher und einen Gemeindekassenwart. Die ersten und auch die letzten waren die Bauern Redetzky und Eckert. Vor der Zusammenlegung hatte jeder Ortsteil einen eigenen Vorsteher. |
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Die Dorffläche betrug lt. Katasterplannachmessung rd. 460 ha (lt. Nachweis von 1939 waren es 431 ha). Bewirtschaftet wurden nach Aufstellung von Otto Eckert im Jahre 1950 rd. 469 ha. In diesem Areal sind die rd. 35 ha Flächen enthalten, die nicht innerhalb der Dorfgemarkung lagen, sondern u.a. im Forst Wilhelmsbruch (lt. Actum) und in Laugallen (lt. Bericht von Willy Schokoll). In 59 Familien lebten 231 Personen, davon 65 Männer, 55 Frauen und 111 Kinder. |
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Am 3. November 1944 wurde der Ort auf Befehl der Kreisleitung von allen Einwohnern geräumt und zum Kriegsgebiet erklärt. Gegen 7 Uhr morgens machten sich alle Ortsbewohner in einem langen Treck auf in Richtung Braunsberg. Die Einwohner ohne eigene Fahrzeuge fuhren einige Tage vor dem Termin mit noch viel Gepäck per Bahn von Schillen ab. Die Milchkühe waren schon einige Wochen vorher abtransportiert worden. Trotzdem blieben viele Haustiere ihrem Schicksal überlassen. Einige der Dorfbewohner kehrten für einige Wochen zurück, weil sie die 1944er Getreideernte ausdreschen und die restlichen Tiere versorgen sollten. Am 17. Januar 1945 verließen auch sie den Ort für immer. Heute, im Jahre 2000 gibt es den Ort nicht mehr. Die Russen nannten Groschenweide in Otradnoe um. Die Reste des 1945 ausgeplünderten Dorfes wurden zwischen 1986 und 1990 eingeebnet. |
| Autor: © 1998 Botho Eckert, Bad Salzuflen, geboren in Skattegirren Bilder: Botho Eckert, |
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