1517 entschied sich,
daß Coadjuthen fortan preußisch bliebe
von Hans-Erhardt von Knobloch aus Wischwill

Markgraf Albrecht von Brandenburg geb.1490 war ab 1511 letzter Hochmeister des Deutschen Ordens, am 5. 4. 1525 wurde der Ordensstaat säkularisiert, seine Bewohner traten zum Protestantismus über, und Albrecht regierte als Herzog in Preußen bis 1568. Der polnische Jagellonen-König Sigismund l. regierte von Krakau aus 1507-1548.

Der Hochmeister Albrecht hatte ein schweres Amt übernommen, weil es trotz oder gerade wegen des zweiten Thorner Friedens 1466 mit der Abtretung des Ermlandes an den polnischen König weiterhin ständige Auseinandersetzungen zwischen Albrecht und Sigismund wegen der von Polen verlangten Lehnshoheit auch über den restlichen Ordensstaat gab. Das Bemühen aller Hochmeister ging dahin, den Ordensstaat als selbständigen Teil des Römischen Reiches deutscher Nation zu erhalten, der Polenkönig strebte nach seiner Einbindung in das Polenreich, dem damals auch Litauen angehörte. Albrecht suchte Unterstützung beim Papst in Rom, bei den Reichsfürsten und dem Kaiser Maximilian. Er bekam nur wenig Unterstützung. Der junge Hochmeister Albrecht und König Sigsmund l. wollten sich zum erstenmal 1513 in Posen begegnen. Zum Treffen kam es nicht, die Spannungen verschärften sich, das Reich half nicht, und Kaiser Maximilian entließ den Orden am 22. 7. 1515 sogar aus der staatsrechtlichen Zugehörigkeit zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Überall begannen Rüstungsanstrengungen, bei den Polen, bei einigen deutschen Fürsten, sogar bei den Moskowitern, mit denen Albrecht wegen einer Hilfe insgeheim verhandelte. 1516 gab es örtliche Zwischenfälle an der seit 1422 bestehenden preußisch/litauischen Melnosee-Grenze.

Das Dorf Coadjuthen war in Thorn 1466 als neutrales Gebiet bestimmt worden, woran sich aber keine Seite halten wollte. Im Juni 1516 besetzte der polnische Graf Stanislaus von Janowitz, der als oberster Hauptmann von Szameiten über 5000 bewaffnete Reiter verfügte, aus eigener Machtvollkommenheit das Coadjuther Gebiet, vertrieb die dortigen Bewohner und ersetzte sie durch szameitische Bauern. Das hatte Folgen. Weil Europa durch die Türken bedroht war, konnte sich der Papst und der Kaiser keinen Streit im eigenen Reich leisten. Beide schrieben Briefe an König Sigismund l. Dieser mußte daraufhin nach Litauen ziehen und in die Auseinandersetzungen um das Dorf Coadjuthen persönlich klärend eingreifen. König Sigismund stellte den alten Zustand wieder her und ließ 1517 entlang der Melnosee-Grenze vor Coadjuthen Grenzsteine setzen.

Zur gleichen Zeit ist Markgraf Albrecht in Wischwill gewesen, wo er persönlich den Platz für die erste Kirche nördlich der Memel ausgesucht und ihre Errichtung angeordnet hatte. Albrecht und König Sigismund trafen sich beide anschließend auf der Grenzlinie, der Melnoseegrenze, am "Casto Calna - Durchgrabener Berg" im Wischwiller Forst "Allhier sol der König in Pohlen Sigismundt mit dem Marggraff Alberto Taffei gehalten, und den Berg zum andenken und Grense durchgraben lassen" berichtet eine alte Karte des Kreises Ragnit von 1705.

Autor: Hans-Erhardt von Knobloch
Quelle: "Memel-Jahrbuch" für das Jahr 2007 - Selbstverlag Manfred Malien 24211 Preetz

Orte nördlich der Memel


© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am
02.01.2006
www.tilsit-ragnit.de
letzte Änderung dieser Seite : Freitag, 10. Dezember 2010