Die Wieder-Einweihung der Kirche in Coadjuthen 1994
von Eva Maria Kestenus
Es ist schwer zu sagen, ob Coadjuthen nach dem Kriege jemals so viele
Menschen gesehen hat, wie dieses Mal am Tage der Weihe der Kirche.

Die Kirchengemeinde Coadjuthen wurde 1568 gegründet, und es wurde auch der Grundstein für die erste Kirche gelegt. Das jetzige Gotteshaus, schon aus Feldsteinen und Ziegeln, konnte 1734 eingeweiht werden.

Der Gemeinde und der Kirche stand ein wechselvolles Schicksal bevor. 1944 wurde die Orgel zerstört, sämtliche Dokumente vernichtet, aber es wurde (in sowjetische Zeit) noch Gottesdienst abgehalten.

1955 wurde die Kirche geschlossen und zum Kinosaal umfunktioniert. Der Turm wurde abgerissen und die Glocken, von großem historischen Wert, zertrümmert. Ende der 50er Jahre erhielt die Gemeinde die Kirche zurück. Aber sie war nicht in der Lage, den der Kirche zugefügten Schaden zu beheben, und so war sie dem Verfall preisgegeben. Erst 1991 konnte an eine Restaurierung gedacht werden. Der Spendenaufruf an die in Deutschland lebenden Coadjuther führte zu einem guten Ergebnis:

10.000 DM kamen zusammen! Inzwischen stand die Kirche unter Denkmalschutz und so wurden die Außenarbeiten vom litauischen Staat und vom litauischen Amt für Denkmalschutz finanziert Das Dach mußte neu gedeckt werden, der Turm und die Fenster erneuert, die Wände vom Schwamm gesäubert, der Fußboden gefliest werden usw. usf. Für die Innenausstattung wurden Spenden aus Litauen und dem Westen verwendet. Zu erwähnen ist noch eine Geldzuwendung des Lutherischen Weltbundes.

Am 28. Mai 1994 war das Ziel erreicht und die Kirche konnte bei schönstem Wetter wieder geweiht werden.

Zur Einweihung waren mehr als 1.000 Menschen von nah und fern gekommen. Elf Pfarrer haben an der Feier teilgenommen, davon zwei aus Deutschland. Die Gäste aus dem Kirchenkreis Lippe und aus Thüringen schenkten der Kirche das Abendmahlgeschirr und Blasinstrumente für den Posaunenchor. Von den anwesenden ehemaligen Coadjuthern wurden der Gemeinde ein Gästebuch und der Rest des gespendeten Geldes übergeben. Bischof Jonas Kalvanas vollzog die Weihe von Kanzel, Altar, Turm und Taufbecken. Pfarrer Darius Petkunas wurde ordiniert und eingeführt.

Das litauische Fernsehen dokumentierte des festliche Ereignis. Drei Chöre umrahmten musikalisch die eindrucksvolle Feier in dem überfüllten Gotteshaus, die mit dem alten Lied "Ein feste Burg..." ausklang.

Anschließend wurden vor der Kirche von Bischof Jonas Kalvanas, unterstützt von der Coadjuther Jugend und von Gästen aus Deutschland drei Eichen gepflanzt.

Dank gebührt dem Dipl.-Ing. Viktoras Petraitis, zuständig für die Kirchenrestaurierung im früheren Memelgebiet, der Architektin Janina Naujaliene für ihre Mühe, nach Fotovorlagen dem Kircheninneren das alte Aussehen wiederzugeben, was ihr sehr gut gelungen ist. Zu danken ist auch dem Bauleiter Viktoras Virsila, allen Künstlern und Handwerkern und nicht zuletzt den Gemeindemitgliedern mit ihrem Vorsitzenden Herrn Sliupas. Nicht zu vergessen sind die Schüler, die eifrig mitgeholfen haben, den Friedhof und die Umgebung der Kirche ich Ordnung zu bringen.

Erwähnenswert ist noch die Tatsache, daß auch die in der Nähe befindlichen Markthallen sehr schön restauriert sind und jetzt wieder einmal in der Woche Markt stattfindet.

So schön die wiedererstandene Kirche auch ist, ein kleiner Mangel ist noch geblieben: es fehlen die nach dem Krieg zerstörten Glocken.

Autor: © 2005 Eva Maria Kestenus aus Coadjuthen, jetzt in Gehrden/Hann.
Quelle:
"Memel-Echo" - Mitteilungsblatt des Freundeskreises Memelland/Litauen Raisdorf e.V." Nr. 35/2005

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verfaßt am
02.01.2006
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