| Kirchspiel Sandkirchen: | |
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von Walter Broszeit
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Als erste Aufzeichnung über den Ort Kackschen liegt eine Verfügung (Confirmation) über ein verlassenes Bauernhaus gegen Zins der Dorfschaft Kackschen im Lenkischen Schulzenamt aus dem Jahre 1628 vor. Nach der Amtsrechnung des Amtes Ragnit von 1654 sind 15 Hufen und 19 Morgen zu verzinsen oder 8 Brodt oder Scharwerk ausgewiesen. Im selben Jahr ist ein Krug nebst 4 Huben dem ehemaligen Amtsschreiber Matteß Rappen verschrieben worden. Hierbei handelt es sich offenbar um den Krug, der am Nordwestrand der Kacksche Balis, an der alten Landstraße von Kackschen durch das Moor nach Klohnen, belegen gewesen ist und von dem es an anderer Stelle heißt, daß 1719 jährlich 17 Tonnen Bier und 16 Stof Brantwein umgesetzt worden sind. Hierbei ist vermerkt, daß ein weiterer Krug am Südwestrand des Bruches an derselben Straße weniger Umsatz gehabt habe, da er die Getränke vom Amt Loebgallen nehmen mußte, die weit und breit die schlechtesten gewesen sein sollen. Bei einer Vermessung (Sep.-Spezifikation) des Amtes Lesgewangminnen 1773 wird vermerkt, daß zwischen Groß Kackschen und dem nordostwärts gelegenen Groß Rudminnen eine Wüstenei von 20 Huben, 9 Morgen, 25 Ruthen, besteht. 1779 ist der südliche Teil von Groß Kackschen, nördlich des Bruches und ostwärts des bestehenden Cöllm Kruges noch unbebaut. Hierbei wird festgestellt, daß die Gemeinden und ihre Einsassen - Kackschen, Schillehlen, Rudminnen und Dickschen - sich an Ländereien von 8 Huben, 1 Morgen, 13 Ruthen bedienen, die ihnen gar nicht gehören. Vermutlich hat es sich bei der Mehrbedienung um solche Flächen gehandelt, die durch Rodung und Entwässerung inzwischen urbar gemacht worden sind. In diesem Zusammenhang ist auch vermerkt, daß Kackschen 4 Morgen, 297 Ruthen Wiese, angeblich Chatullwiesen, im Dorf Weedern hat. Bis hierher hat es den Anschein, daß bei den amtlichen Erhebungen die Ortsteile Groß und Klein Kackschen nicht immer klar unterschieden worden sind. Möglicherweise haben bei der noch unvollständigen Besiedlung eindeutige Abgrenzungen auch nicht bestanden. |
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1785 sind die einzelnen Orte dann schon getrennt erfaßt.
Demnach waren: Groß Kackschen ein Königl. Bauerndorf mit ...................20 Feuerstellen ......1818 = 20 Feuerstellen, 64 Seelen Klein Kackschen ein Chatulldorf mit ....................4 Feuerstellen ........1818 = 5 Feuerstellen, 20 Seelen beide im Amt Lesgewangminnen, Kackschen (auch Bloßiemen) Cölm. Gut mit ........................3 Feuerstellen im Amt Loebgallen .........1818 = köllm. Dorf mit 3 Feuerstellen, 16 Seelen, Bei dem köllm. Dorf handelt es sich offenbar um die Ansiedlung am Nordwestrand des Bruches "Kacksche Balis" in der Nähe des schon erwähnten Rappen'schen Kruges. Diese Teilansiedlung lag etwa 1 km südlich der geschlossenen Ortschaft Groß Kackschen und bestand zuletzt nur aus 7 Hofstellen. Soweit erinnerlich, hat diese Kleinsiedlung immer zur Gemeinde Groß Kackschen gehört. Zur näheren Bezeichnung war bis nach dem 1. Weltkrieg der Name Kölmisch Kackschen gebräuchlich. Wie sich aus dem Zeitraum ab 1654 ergibt, ist die Besiedlung dieses Raumes nicht einheitlich und wohl auch nicht gleichzeitig erfolgt. Während der frühere Teil Groß Kackschen als Bauerndorf die Hauptsiedlung gewesen ist, ist der Abbau Kölmisch Kackschen erst später von der Domäne Loebgallen aus besiedelt worden. Der frühere Teil Klein Kackschen ist bei der Neubesiedlung mindestens teilweise Waldgelände gewesen, in dem die Forstbehörde die Cllatullsiedler angesetzt hat. |
![]() Bauernhof Eduard Riedel - Ausnahme vor 1944 (Archiv Kreisgemeinschaft) |
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Der Raum Kackschen ist vermutlich weit vor der Neubesiedlung bewohnt gewesen, was sich daraus ergibt, daß auf der Henneberg' schen Karte aus dem 16. Jahrhundert die alte Landstraße von Groß Kackschen durch das Moor nach Klohnen verzeichnet ist. Es ist nicht bekannt, wann und von wem dieses gewaltige Bauwerk errichtet worden ist. Die 2 Krüge am Südwestrand und Nordwestrand des Moores Mitte des 17. Jahrhunderts deuten darauf hin, daß diese Straße sehr verkehrsreich gewesen sein muß. Auch der aus Klein Kackschen gesicherte Fund eines ostbaltischen Randbeils weist darauf hin, daß sich in diesem Raum schon vor vielen Jahrhunderten Menschen in irgendeiner Form aufgehalten haben. 1928 wurde Klein Kackschen mit Groß Kackschen, einschließlich des Abbaus Kölmisch Kackschen, zu einer politischen Gemeinde Kackschen vereinigt, die ab 1938 die Bezeichnung Birkenhain führte. Die Gemarkung der Gemeinde erstreckte sich Südrand des Kirchdorfes Sandkirchen in südlicher Ausdehnung etwa 4,3 km bis zurn Westrand der Kackscher Balis, zuletzt Torfmoor Königshuld genannt. In Osten war die Nachbargemeinde Wietzheim belegen. Diese gemeinsame Grenze bildet gleichzeitig die Grenze zwischen dem Kreis Tilsit-Ragnit und dem Kreis Schloßberg (Pillkallen). Die westlichen Nachbargemeinden waren Großschollen und die nicht mehr zum Kirchspiel gehörende Gemeinde Keppen. Mit 452 Einwohnern im Jahre 1939, einer Gesamtfläche von etwa 860 ha und 74 bebauten Grundstücken war Birkenhain eine mittelgroße Gemeinde. Verkehrsmäßig war dieser Raum schon immer besser erschlossen als die Mehrzahl der andern Dörfer des späteren Kirchspiels. Auch die vor 1886 erbaute, befestigte Chaussee von Ragnit nach Haselberg (Lasdehnen) führte mitten durch die Ortschaft. Die frühe Erschließung hat sich auf die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde derart günstig ausgewirkt, daß sie insbesondere im Handel und Handwerk eine führende Stellung erlangt hatte. |
![]() Teil einer Postkarte vor 1944: links Geschäft von Willi Welz - rechts: Schule (Einsenderin: Hilda Höffmann, geb. Steppotat) |
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Birkenhain war die einzige Gemeinde im Kirchspiel, in der mehrere jüdische Familien ihren ständigen Wohnsitz hatten. Diese haben besonders was den Handel betraf, einen nicht unwesentlichen Anteil zur wirtschaftlichen Entwicklung beigetragen. Die jüdischen Mitbürger Aron und Moritz Neumark unterhielten ein von ihrem Vater übernommenes Geschäft in Textilwaren, Herren- und Damenkonfektion, Schuhwaren, Kolonialwaren, Eisenwaren, Baustoffe, Kunstdünger, Kohlenhandel und Gastwirtschaft. Dieser Handelsbetrieb in der Art und dem Umfang war weit über das Kirchspiel hinaus der einzige. Weitere jüdische Bewohner handelten mit Pferden und in ambulanter Form mit Haushaltswaren, kauften gleichzeitig Felle, Lumpen und Alteisen auf. Das Handwerk war gleichfalls in allen Zweigen über den eigenen Bedarf hinaus vertreten. Diese Entwicklung war dadurch begünstigt, daß viele umliegende Gemeinden keine Handelsgeschäfte hatten und nur vereinzelt Handwerker vertreten waren. Den ersten Fahrradhandel mit Reparaturwerkstatt im Kirchspiel hat Bernhard Voigt unterhalten. Auch die ersten Motorräder und Automobile traten in Birkenhain in Erscheinung. Der erste Zahnarzt im Kirchspiel, Werner Schwoch, hat sich ebenfalls in dieser Gemeinde niedergelassen. Letzter Bürgermeister der vereinigten Gemeinde war Fritz Kühn. Letzter Hauptlehrer an der zweiklassigen Volksschule war Erich Milkereit, der auch in Birkenhain geboren war. Ebenfalls führend war die Gemeinde auf dem Gebiet des Feuerlöschwesens. Sie hatte als einzige Gemeinde seit 1922 eine freiwillige Feuerwehr, die auch als erste ab 1936 mit einer vollmotorisierten Feuerwehrspritze ausgestattet war. |
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Obwohl auch in dieser Gemeinde bei dem, zweitbesten Gemeindedurchschnitts-hektarsatz von 610 RM die Landwirtschaft vorherrschte, besonders im früheren Ortsteil Groß Kackschen, wo überwiegend größere Bauernhöfe bestanden, hatte sich die wirtschaftliche Struktur durch zunehmende gewerbliche Betätigung der Bewohner (Handel, Handwerk, sonstige gewerbliche Tätigkeit und unselbständige Handwerker) erheblich verändert. Der Anteil aus landwirtschaftlicher Tätigkeit alleine lebenden Bewohner war wesentlich geringer als in andern Gemeinden des Kirchspiels. Diese wirtschaftliche Entwicklung kennzeichnete Birkenhain als das Idealbild einer politisch und wirtschaftlich selbständigen, unabhängigen Gemeinde dieser Größenordnung . |
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| Autor: © 1971 Walter Broszeit Quelle: "Das Kirchspiel Sandkirchen Kreis Tilsit-Ragnit" Herausgeber Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V - Ausgabe Oktober 1975 |
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letzte Statistik 1939:
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Kartenmaterial:
Der Ort ist auf folgenden Landkarten verzeichnet:
Die Karten sind unter folgender Internetadresse zu beziehen: www.bkg.bund.de |
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Dorfskizze mit Verweisliste zu den Grundeigentümern/Mietern (8 Seiten ca. 370 KB) |
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Hilda Höffmann: Erinnerungen an unser Heimatdorf Bilkenhein |