Blick über den Memelstrom:
Gut Baubeln
von Gerhard Schlenther

Eine der ersten Nachrichten über das unweit Pogegen in südöstlicher Richtung gelegene Gut Adl. Baubeln stammt aus dem Jahre 1569. Vom 5. Oktober datiert ein Schreiben des fürstlichen Briefträgers und Wildwarts Heinrich Baubel an Herzog Albrecht, in dem dieser bittet, ihn in seinem Besitz vor den Ansprüchen des Tilsiter Amtsschreibers zu schützen. Am 9.5.1566 hatte Georg Kotzer von Herzog Albrecht eine Verschreibung über das Gütchen Baubeln nach magdeburgischem Recht erhalten.

Im 18. Jh. ging Baubeln aus dem Privatbesitz der preußischen Regenten als Domänenamt in ein staatliches Vorwerk über. 1773 war Amtmann Stumber Pächter und Domänenbeamter. Er starb 1774. Seine Witwe konnte das Vorwerk Jecksterken als Eigentum erwerben. 1794 verkaufte die Amtsrätin den bei der Domäne gelegenen Krug, den die Russen 1757 eingeäschert hatten, zum Wiederaufbau.

Seit 1774 war Milich Domänenbeamter auf Baubeln. Die Domäne bestand aus 19 Feuerstellen, die zu einem Vorwerk zusammengefaßt waren. Er hatte eine Frederieke Stumber aus Schillgallen geheiratet, die ihn überlebte und 1808 Baubeln für über 20000 Taler als Erbpachtgut erwarb, während sie es bisher als Zeitpachtgut betrieben hatte. Das Gut war damals 98 Hufen und 17 Morgen groß und brachte dem König 2884 Taler Erbpacht, die seit 1816 um 158 Taler ermäßigt wurden. Das zuletzt zu Baubeln gehörende Vorwerk Mikieten ging schon 1783 in Privatbesitz über, und zwar erhielt es der Hauskämmerer Melchior Fuchs zusammen mit der vom 28.2.1634 stammenden Kruggerechtigkeit.

Bild oben: Die Kleinbahn Pogegen - Schmalleningken im Baubelner Wald (Kreisarchiv)

Der unglückliche Krieg brachte über Baubeln zahlreiche Verwüstungen. Frau Milich, damals 68 Jahre alt, verarmte in kurzer Zeit. Nur acht Tage lang lagerte 1812 im Baubelner Walde das Grawertsche Korps, und doch reichte diese Zeit, um 80 % des Baumbestandes zu vernichten. Eine Entschädigung, die die Amtsrätin beim König beantragt hatte, mußte infolge der angespannten Finanzlage abgelehnt werden. Wenn sich später auch der König bereit erklärte, die rückständigen Erbpachtzinsen zu streichen, war der Untergang nicht aufzuhalten. Ein Blitzschlag am 19.5.1820 vernichtete sämtliche Gebäude des Vorwerkes Schäferei mit 700 Hammeln und drei Böcken. Die Regierung schlug sogar die Bitte um Bauholz aus der Dingkener Forst ab.

So ging am 11.5.1824 Baubeln an den Leutnant Ludwig Wilhelm Eduard von Sanden auf Tussainen über. Im Kaufvertrag sind 778 Morgen 36 Ruten Ackerland, 673 Morgen 150 Ruten Wiesen, 690 Morgen 34 Ruten Weide, 366 Morgen 22 Ruten Kiefernwald und Gebüsch aufgeführt. Dazu kamen 50 Morgen 105 Ruten Hofbaustellen und 103 Morgen 115 Ruten Unland, insgesamt 2057 Morgen 102 Ruten oder 98 Hufen 17 Morgen. Am 22.9.1827 verkaufte von Sanden das Rittergut an den Hauptmann Eduard Heinrich Schlenther, der inzwischen Landrat von Tilsit geworden war. Dieser kaufte das große und das kleine fiskalische Torfbruch bei Baubeln in Größe von 108 Morgen 18 Ruten hinzu. Ferner erwarb er für seinen Sohn Florian Schlenther, einen Gerichtsassessor, das Gut Mikieten. Als Florian 1883 starb, wurde Mikieten mit Baubeln vereinigt. Der Landrat starb am 30.3.1858. Sein Sohn Heinrich folgte ihm nicht nur in seinem Besitz, sondern auch in seinem Amt. In den Jahren 1878-1885 wurde das Gut wiederholt von Feuersnot heimgesucht, so daß sich schließlich auf dem Gutshof nur noch neue Gebäude befanden. Eine Erbteilung wurde 1900 notwendig. Sohn Wilhelm Schlenther, Landrat in der dritten Generation, übernahm Baubeln und Mikieten. Unter ihm wurden umfangreiche Dränagearbeiten durchgeführt. Neue Ställe wurden in Baubeln und Mikieten erbaut. Er konnte 144 Morgen Jägewiesen dazukaufen und erbaute 1911 eine große Baracke für die zur Heuernte notwendigen Saisonarbeiter.


Baubeln: Die Mühle auf Gut Baubeln (Kreisarchiv)

Am 5.2.1913 erhielt Geheimrat Schlenther den erblichen Adel. Als 1919 durch den Versailler Vertrag der Landkreis Tilsit zerrissen wurde, trat Wilhelm von Schlenther in den Ruhestand. Sein Sohn Heinrich, 1893 geboren, studierte Jura, trat dann in den preußischen Staatsdienst und 1922 nach der Abtrennung des Memellandes in die Gebietsverwaltung über. 1925 wurde er in den Kreisausschuß des neuen Kreises Pogegen und 1926 zum Landrat gewählt, womit er die Familientradition zumindest auf einem Teilgebiet des einstigen Kreises Tilsit fortsetzen konnte. Er führte den rund 1000 Hektar umfassenden Familienbesitz durch die schweren wirtschaftlichen Verhältnisse der Litauerzeit. Mit der Rückgliederung des Memellandes 1939 endete seine Landratszeit, und er trat in die Regierung von Gumbinnen über. 1941 ließ er sich in den Ruhestand versetzen, um sich ganz seinem Besitz Baubeln widmen zu können. Im Oktober 1944 ging er mit seinen Getreuen auf den Treck nach Westen, wurde aber unterwegs von den Russen eingeholt und rettete im November 1945 das nackte Leben über die Oder.

(Auszug aus "Das Buch vom Memelland" von Heinrich A. Kurschat, verfaßt von Heinrich v. Schlenther, Landrat von Pogegen 1926 - 1939, Siebert Verlag Oldenburg/Oldenbg. 1968)

Einsender: Gerhard Schlenther, Planegg
Quelle: "Memel-Jahrbuch" für das Jahr 2003 - Selbstverlag Manfred Malien 24211 Preetz

Statistik 1939:
  • Baubeln ( Einw. : 226 ; Fläche : unbekannt)........( litauischer Name: Bubliske )
    • Heinrichsthal ( litauischer Name: Endriske )
    • Miekieten ( litauischer Name: Mikytai )

Anmerkung: Ort und Wohnplätze zugehörig zum Ksp. Piktupönen

Kartenmaterial:
Der Ort ist auf folgenden Landkarten verzeichnet:
  • Karte des Deutschen Reiches 1:100 000 - Ausgabe Kreiskarten/Kreis Tilsit-Ragnit aus dem Jahre 1940 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie
  • Karte des Deutschen Reiches - Topographische Karte 1:25 000 - Nr. 0897 (Pogegen) -
    aus dem Jahre 1938 - Nachdruck Bundesamt für Kartographie und Geodäsie

Die Karten sind unter folgender Internetadresse zu beziehen: www.bkg.bund.de


Orte nördlich der Memel



© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am
01.03.2005
www.tilsit-ragnit.de
letzte Änderung dieser Seite : Mittwoch, 8. Dezember 2010